{"id":17784,"date":"2026-02-24T01:41:11","date_gmt":"2026-02-24T01:41:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/17784\/"},"modified":"2026-02-24T01:41:11","modified_gmt":"2026-02-24T01:41:11","slug":"torfseen-im-kongobecken-geben-jahrtausende-alten-kohlenstoff-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/17784\/","title":{"rendered":"Torfseen im Kongobecken geben Jahrtausende alten Kohlenstoff ab"},"content":{"rendered":"<p>Der Mai-Ndombe-See ist mehr als viermal so gross wie der Bodensee, sein Wasser sieht aus wie Schwarztee. Der See ist umgeben von ausgedehnten Sumpfw\u00e4ldern und fast unber\u00fchrtem Tiefland-Regenwald, die auf der dicken Torfschicht wachsen. Organische Stoffe, die aus verrottendem Pflanzen- und Bodenmaterial der umgebenden Sumpf- und Tieflandregenw\u00e4lder ausgewaschen werden, f\u00e4rben das Seewasser dunkelbraun.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Uralten Kohlenstoff freigesetzt\u00a0 <\/p>\n<p>Nun zeigen die Forschenden auf, dass die beiden Seen gr\u00f6ssere Mengen Kohlenstoff in Form von CO2 in die Atmosph\u00e4re ausstossen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Entgegen den Erwartungen der Forschenden stammt der Kohlenstoff aber nur teilweise aus in j\u00fcngster Zeit produzierter Pflanzenmasse. Bis zu 40 Prozent des Kohlenstoffs stammt aus Torf, der sich in den umliegenden \u00d6kosystemen \u00fcber Tausende von Jahren aufgebaut hat. Das zeigen Altersbestimmungen (Radiokarbondatierungen) des im Seewasser gel\u00f6sten CO2.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>\u00abDass \u00fcber den See uralter Kohlenstoff freigesetzt wird, hat uns \u00fcberrascht\u00bb, erkl\u00e4rt Erstautor Travis Drake, Wissenschaftler in der Gruppe Nachhaltige Agrar\u00f6kosysteme von ETH-Professor Johan Six. \u00abDer Kohlenstoffspeicher hat quasi ein Leck, aus dem uralter Kohlenstoff austritt\u00bb, erg\u00e4nzt Co-Autor Matti Barthel.\u00a0<\/p>\n<p>Wie kommt der Kohlenstoff frei?\u00a0 <\/p>\n<p>Bis anhin ging die Forschung davon aus, dass Kohlenstoff, der im Torf des Kongobeckens gespeichert ist, \u00fcber sehr lange Zeit gebunden bleibt und nur unter bestimmten Bedingungen, wie langanhaltende Trockenheiten freikommt.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Noch ungekl\u00e4rt ist, wie der Kohlenstoff aus den nicht abgebauten Pflanzenresten mobilisiert wird. Auch auf welchen Wegen der Kohlenstoff ins Seewasser gelangt, ist noch unbekannt.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>F\u00fcr die Forschenden ist deshalb entscheidend herauszufinden, ob die Freisetzung von altem Kohlenstoff einen destabilisierenden Wendepunkt anzeigt oder einen nat\u00fcrlichen Gleichgewichtszustand, der durch neue Torfablagerungen ausgeglichen wird.\u00a0<\/p>\n<p>Droht das Trockenfallen der Torfgebiete?\u00a0 <\/p>\n<p>Dass alter Kohlenstoff freigesetzt wird, k\u00f6nnte auf ein gr\u00f6sseres Problem hinweisen: dass Umwelt\u00e4nderungen, die durch den Klimawandel angestossen werden, zu einer Kettenreaktion f\u00fchren.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Wird das Klima beispielsweise trockener, k\u00f6nnte mehr Kohlenstoff mobilisiert werden, weil das Torf \u00f6fter und \u00fcber l\u00e4ngere Zeit trockenf\u00e4llt und Sauerstoff in tiefere Torfschichten gelangt. Dies f\u00f6rdert den Abbau von einst stabiler organischer Materie durch Mikroorganismen, mit Folgen f\u00fcr das globale Klima, da vermehrt CO2 aus diesem riesigen Kohlenstoffspeicher in die Atmosph\u00e4re gelangt.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>\u00abUnsere Resultate helfen, globale Klimamodelle zu verbessern, denn tropische Seen und Feuchtgebiete sind darin bisher vernachl\u00e4ssigt worden\u00bb, sagt Six.\u00a0<\/p>\n<p>Wasserstand beeinflusst Ausgasung massiv\u00a0 <\/p>\n<p>Neben der Untersuchung des Alters und der Herkunft des ausgegasten CO2 untersuchten die Forschenden auch die Emissionen von zwei weiteren wichtigen Treibhausgasen aus dem Mai Ndombe-See, dem Lachgas und Methan.\u00a0<\/p>\n<p>In dieser parallelen Studie, die erst als <a href=\"https:\/\/essopenarchive.org\/doi\/full\/10.22541\/essoar.175105619.92296350\" class=\"icon-after icon-after--call_made eth-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">externe Seite Preprint<\/a> ver\u00f6ffentlicht wurde, fanden die Forschenden heraus, dass beispielsweise der Wasserstand einen starken Einfluss darauf hat, wie viel Methan in die Atmosph\u00e4re entweicht.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Je h\u00f6her der Pegelstand des Sees, desto effektiver bauen Mikroorganismen Methan ab. Ist der Pegel tief(er) wie in der Trockenzeit \u00fcblich, wird Methan weniger stark abgebaut und entweicht in gr\u00f6sseren Mengen aus dem See.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>\u00abWir bef\u00fcrchten, dass der Klimawandel auch dieses Gleichgewicht aus dem Lot bringt. Werden Trockenheiten l\u00e4nger und intensiver, k\u00f6nnten die Schwarzwasserseen dieser Region zu bedeutenden Quellen von Methan werden, die das globale Klima beeinflussen\u00bb, sagt ETH-Professor Jordon Hemingway, der an der Studie beteiligt ist. \u00abWann der Kipppunkt erreicht ist, wissen wir derzeit nicht.\u00bb\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Mai-Ndombe-See ist mehr als viermal so gross wie der Bodensee, sein Wasser sieht aus wie Schwarztee. 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