{"id":178993,"date":"2026-06-22T10:33:12","date_gmt":"2026-06-22T10:33:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/178993\/"},"modified":"2026-06-22T10:33:12","modified_gmt":"2026-06-22T10:33:12","slug":"griechenland-kugelfisch-im-mittelmeer-rotes-kreuz-warnt-erstmals-urlauber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/178993\/","title":{"rendered":"Griechenland: Kugelfisch im Mittelmeer \u2013 Rotes Kreuz warnt erstmals Urlauber"},"content":{"rendered":"<p>Im Mittelmeer breitet sich eine aggressive Kugelfischart aus. Jetzt warnt sogar das Rote Kreuz Badeurlauber vor Angriffen. Die Experten sehen eine besorgniserregende Ver\u00e4nderung im Jagdverhalten der Allesfresser, die sogar Dosen durchbei\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Nach einer wachsenden Zahl von Zwischenf\u00e4llen an griechischen Badestr\u00e4nden hat das Griechische Rote Kreuz erstmals offizielle Erste-Hilfe-Anweisungen f\u00fcr Bisse des Hasenkopf-Kugelfisches (Lagocephalus sceleratus) herausgegeben. Die urspr\u00fcnglich aus dem Indischen und Pazifischen Ozean stammende, hochgiftige Art breitet sich seit Jahren im \u00f6stlichen Mittelmeer aus. Inzwischen ist sie auch in flachem Wasser beliebter Urlaubsregionen anzutreffen.<\/p>\n<p>Mit seinem kr\u00e4ftigen, schnabelartigen Gebiss kann der Fisch tiefe Fleischwunden verursachen. Fischer berichten davon, dass die Tiere ganze Angelk\u00f6der von der Leine ab- und sogar Aluminiumdosen mit Leichtigkeit durchbei\u00dfen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Zwar ist der Biss des Fisches nicht giftig, wohl aber sein Fleisch. Es enth\u00e4lt das Nervengift Tetrodotoxin, das sich im ganzen K\u00f6rper des Tieres verteilen kann und bereits in geringen Mengen t\u00f6dlich wirkt. Auch andere marine Tiere wie der Blaugeringelte Kraken produzieren das Gift. Der Verzehr gilt daher als absolut lebensgef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Fall eines Bisses empfiehlt das Rote Kreuz, die Wunde sofort mit reichlich flie\u00dfendem Wasser und Seife zu reinigen. Auf keinen Fall sollten jedoch eigenst\u00e4ndig Antiseptika ohne \u00e4rztliche Anweisung angewendet werden. Anschlie\u00dfend solle mit sauberen T\u00fcchern starker, gleichm\u00e4\u00dfiger Druck auf die Wunde ausge\u00fcbt und die betroffene Extremit\u00e4t hochgelagert werden, um die Blutung zu stillen. <\/p>\n<p>Ein Arztbesuch sei in jedem Fall notwendig, auch um den Tetanusschutz zu pr\u00fcfen und tiefe Schnitte chirurgisch zu versorgen. Bei starken, anhaltenden Blutungen oder Vorf\u00e4llen in abgelegenen Gebieten solle umgehend der Rettungsdienst \u00fcber die griechische Notrufnummer 166 oder den europ\u00e4ischen Notruf 112 alarmiert werden.<\/p>\n<p>Vor allem die Verhaltens\u00e4nderungen der Tiere bereiten den Beh\u00f6rden in j\u00fcngerer Zeit Sorgen. Seit ihrem ersten verst\u00e4rkten Auftreten in griechischen Gew\u00e4ssern im Jahr 2013 haben sich die Kugelfische von Kreta \u00fcber die Dodekanes bis an die K\u00fcste von Attika ausgebreitet, darunter an stark frequentierte Str\u00e4nde wie Saronida, Kavouri, Voula, Vari und Vouliagmeni. <\/p>\n<p>Kugelfisch-Plage in Griechenland<\/p>\n<p>Berichten zufolge attackieren die teils nur in 20 Zentimetern Wassertiefe schwimmenden Fische Badeg\u00e4ste. Die Verletzungen reichen von Bisswunden an den Beinen bis zu Attacken im Ges\u00e4\u00df- und Genitalbereich. Meeresbiologen f\u00fchren das aggressive, zunehmend in Rudeln auftretende Fressverhalten der Tiere auch auf das Fehlen nat\u00fcrlicher Feinde zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Neben der Gefahr f\u00fcr Badeg\u00e4ste verursacht der Allesfresser auch erhebliche Sch\u00e4den in der K\u00fcstenfischerei. Er ern\u00e4hrt sich unter anderem von Garnelen, Krabben, Tintenfischen und kommerziell wertvollen Speisefischen wie Meerbrassen, zerrei\u00dft zudem Netze und frisst K\u00f6der samt Angelhaken. <\/p>\n<p>Nach Sch\u00e4tzungen des Griechischen Zentrums f\u00fcr Meeresforschung entsteht Fischern dadurch ein durchschnittlicher Verlust von mehr als 6000 Euro pro Jahr. <\/p>\n<p>Erste Gegenma\u00dfnahmen sind bereits im Gang. Das griechische Landwirtschaftsministerium erw\u00e4gt ein Kopfgeld von sechs Euro pro Kilogramm gefangenem Kugelfisch. Auf Kreta, dem Dodekanes und in Zypern werden bereits 4,80 Euro gezahlt. Auch die T\u00fcrkei unterst\u00fctzt den gezielten Fang finanziell. <\/p>\n<p>Die Meeresbiologin Anastasia Miliou vom Institut \u201eArchipelagos\u201c sieht in der Kugelfisch-Plage jedoch nur das Symptom einer grundlegenderen Krise. Gegen\u00fcber dem Nachrichtenportal grland.com\/de betonte sie, das \u00d6kosystem der \u00c4g\u00e4is ver\u00e4ndere sich nach drei Jahrtausenden relativer Stabilit\u00e4t derzeit massiv \u2013 beg\u00fcnstigt durch die Vertiefung des Suezkanals, unkontrolliert abgelassenes Ballastwasser von Frachtschiffen und vor allem durch jahrzehntelange \u00dcberfischung. <\/p>\n<p>Nat\u00fcrliche Feinde des Kugelfisches, darunter Unechte Karettschildkr\u00f6ten, Schwertfische, Haie und Goldmakrelen, seien drastisch reduziert. Miliou pl\u00e4diert deshalb daf\u00fcr, Fischer auch dann finanziell zu entsch\u00e4digen, wenn sie ihre Fangt\u00e4tigkeit zeitweise einstellen. Nur so k\u00f6nnten sich Best\u00e4nde der nat\u00fcrlichen R\u00e4uber wieder erholen und sich das \u00d6kosystem nachhaltig selbst regulieren.<\/p>\n<p>In der japanischen K\u00fcche gelten Kugelfische \u2013 von denen es 20 verzehrbare Arten gibt \u2013 unter der Bezeichnung Fugu tats\u00e4chlich als besonders k\u00f6stliche und gef\u00e4hrliche Delikatesse. Nur lizenzierten K\u00f6chen, die teils Jahre in der Ausbildung verbringen, ist es gestattet, die Eierst\u00f6cke und die Leber der Fische zu entfernen, wo sich das meiste Gift sammelt. Das fettarme und feste Fleisch wird anschlie\u00dfend als hauchd\u00fcnne Scheiben, als Eintopf oder frittiert serviert, oftmals in spezialisierten Restaurants. <\/p>\n<p>Das Gift wird auch durch die Hitze des Kochens nicht zerst\u00f6rt. Wegen des extrem hohen Risikos wird Anglern und Amateuren dringend von dem Versuch abgeraten, den Fisch selbst zuzubereiten. In besonders stark von dem Fisch betroffenen L\u00e4ndern wie Griechenland, der T\u00fcrkei und Zypern sind der Fang und die Vermarktung gesetzlich strengstens verboten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Mittelmeer breitet sich eine aggressive Kugelfischart aus. Jetzt warnt sogar das Rote Kreuz Badeurlauber vor Angriffen. 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