{"id":179799,"date":"2026-06-22T20:54:10","date_gmt":"2026-06-22T20:54:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/179799\/"},"modified":"2026-06-22T20:54:10","modified_gmt":"2026-06-22T20:54:10","slug":"im-kino-jemand-der-ich-einmal-war-mit-sandra-hueller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/179799\/","title":{"rendered":"Im Kino: &#171;Jemand, der ich einmal war&#187; mit Sandra H\u00fcller"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Filme \u00fcber Ingeborg Bachmann k\u00f6nnen schief gehen. Der pathetische und teils unfreiwillig komische Spielfilm \u201eIngeborg Bachmann \u2013 Reise in die W\u00fcste\u201c (2023) mit Vicky Krieps in der Titelrolle ist daf\u00fcr ein Beispiel. Nun gibt es zum 100. Geburtstag der Schriftstellerin wieder eine Kinoproduktion. In \u201eIngeborg Bachmann \u2013 Jemand, der ich einmal war\u201c mischt Regina Schilling dokumentarisches Material mit Spielszenen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Kniff des Films besteht darin, dass Sandra H\u00fcller als Ingeborg Bachmann auftritt. Aber nicht als Schauspielerin, die eine Rolle \u00fcbernimmt, sondern im Rahmen eines Freundschaftsprojekts zwischen ihr und der Regisseurin. \u201eGeisterbeschw\u00f6rung\u201c nennen die beiden ihre Unternehmung, und der Blick auf das Zustandekommen des Films (\u201eBitte sag ja\u201c) und hinter die Kulissen ist Teil der Produktion: das Anlegen der Per\u00fccke, die Ankunft in einer Wohnung in Rom, die der Bachmanns \u00e4hnelt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">H\u00fcller liest Texte Bachmanns, sie verk\u00f6rpert sie buchst\u00e4blich, wenn aus dem Off von Bachmann erz\u00e4hlt wird. Sie probiert Kleider an, l\u00e4uft am Strand, bis sie nicht mehr kann, sie tanzt am Tiber und d\u00fcst im Alfa Romeo durch Italien. Das ist ein nettes, manchmal etwas \u00fcberillustrierendes Add-On. Das St\u00e4rkste an dem Film sind jedoch die Ann\u00e4herungen an Bachmann und ihre Zeit.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Regina Schilling hat viel Lob f\u00fcr Dokumentationen wie \u201eKulenkampffs Schuhe\u201c bekommen, und nun f\u00f6rdert sie aus den Archiven wieder gro\u00dfartige Bilder zutage. Zudem wirkt ihre Zitat-Auswahl erhellend. Man bekommt Lust, selbst in die Texte einzutauchen. Unterlegt werden die Aufnahmen mit Kompositionen der Musikerin Anja Plaschg alias Soap &amp; Skin.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Schilling arbeitet in ihrer Montage heraus, wie grundlegend die Kriegserfahrung f\u00fcr das Werk Bachmanns ist. Dieser Aspekt kommt ja oft etwas zu kurz. Sie macht die K\u00e4mpfe nachvollziehbar, die Bachmann in der m\u00e4nnerdominierten Literaturszene auszustehen hatte, als man ihre Prosa schlecht redete, weil man sie ausschlie\u00dflich als Lyrikerin betrachten wollte. Aus heutiger Sicht unfassbare O-T\u00f6ne, etwa von <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/marcel-reich-ranicki\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Marcel Reich-Ranicki<\/a> dar\u00fcber, dass Frauen keine gro\u00dfen Werke in der Literatur und Musik schaffen k\u00f6nnen, lassen den Erfolg Bachmanns umso bewundernswerter erscheinen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Toll sind die Kronzeugen, die hier auftreten. Literatur-Nobelpreistr\u00e4gerin <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/elfriede-jelinek\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Elfriede Jelinek<\/a> etwa und der ohnehin immer h\u00f6rens-und lesenswerte Literaturwissenschaftler Helmut B\u00f6ttiger.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eJemand, der ich einmal war\u201c ist eine w\u00fcrdige und erhellende Ann\u00e4herung an diese von so vielen Mythen verstellte Schriftstellerin. Und wer aus dem <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/kino\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kino<\/a> nach Hause kommt und noch mehr wissen m\u00f6chte \u00fcber Ingeborg Bachmann, m\u00f6ge sich die einst\u00fcndige und ebenfalls sehenswerte Doku \u201eDichten f\u00fcr die Wahrheit\u201c von Barbara Frank ansehen. Man findet sie in der Arte-Mediathek.<\/p>\n<p class=\"italic richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eIngeborg Bachmann \u2013 Jemand, der ich einmal war\u201c, Regie: Regina Schilling, mit Sandra H\u00fcller, 103 Min.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Filme \u00fcber Ingeborg Bachmann k\u00f6nnen schief gehen. 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