{"id":184697,"date":"2026-06-26T08:50:14","date_gmt":"2026-06-26T08:50:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/184697\/"},"modified":"2026-06-26T08:50:14","modified_gmt":"2026-06-26T08:50:14","slug":"maengel-erheblich-und-nicht-zu-bagatellisieren-die-universitaet-zuerich-nimmt-stellung-zur-plagiatsaffaere-von-nina-fehr-duesel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/184697\/","title":{"rendered":"\u00abM\u00e4ngel erheblich und nicht zu bagatellisieren\u00bb: Die Universit\u00e4t Z\u00fcrich nimmt Stellung zur Plagiatsaff\u00e4re von Nina Fehr D\u00fcsel"},"content":{"rendered":"<p>In der Plagiatsaff\u00e4re von SVP-Nationalr\u00e4tin Nina Fehr D\u00fcsel hat die Juristische Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Z\u00fcrich unl\u00e4ngst gegen einen Titelentzug entschieden. Bei der Begr\u00fcndung sind allerdings entscheidende Fragen nach wie vor ungekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>So war in der Medienmitteilung der Universit\u00e4t Z\u00fcrich die Rede von einer \u00abT\u00e4uschungsabsicht\u00bb von Fehr D\u00fcsel in ihrer Dissertation. Die Weltwoche wollte wissen: Warum f\u00fchrt der Tatbestand einer T\u00e4uschungsabsicht nicht zum Entzug des Doktortitels? Die Universit\u00e4t Z\u00fcrich antwortete so: \u00abDie festgestellte T\u00e4uschungsabsicht ist ein schwerwiegender und belastender Befund. Sie ist aber nur einer von mehreren Aspekten der Gesamtw\u00fcrdigung und f\u00fchrt nach der massgebenden Rechtslage nicht automatisch zum Titelentzug.\u00bb Zu ber\u00fccksichtigen seien neben der Verh\u00e4ltnism\u00e4ssigkeit \u00abnamentlich Vorsatz sowie die qualitative und quantitative Dimension des Plagiats\u00bb. Wie aber kann eine \u00abT\u00e4uschungsabsicht\u00bb nicht vors\u00e4tzlich, wie k\u00f6nnen 12,3 Seiten festgestellter Plagiate nicht qualitativ und quantitativ ins Gewicht fallen?<\/p>\n<p>                <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/658781639_highres-1-1024x683.jpg\" alt=\"\u00a9 KEYSTONE \/ ALESSANDRO DELLA VALLE\" itemprop=\"contentUrl\" class=\"story-img story-img--landscape\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\"\/><\/p>\n<p>                                                    Nina Fehr D\u00fcsel im Nationalrat in Bern<br \/>\n                                                                            <\/p>\n<p>                                        \u00a9 KEYSTONE \/ ALESSANDRO DELLA VALLE<\/p>\n<p>Weiter schreibt die Universit\u00e4t Z\u00fcrich: \u00abDie Fakult\u00e4t kam zum Ergebnis, dass die M\u00e4ngel erheblich und nicht zu bagatellisieren sind, aber weder den \u00fcberwiegenden Teil der Dissertation noch deren wissenschaftlichen Kern in einem Ausmass erfassen, das einen Titelentzug rechtfertigt.\u00bb<\/p>\n<p>Ab wie vielen Seiten Plagiat ist ein Titelentzug bei einer Dissertation denn gerechtfertigt? Dazu meint die Universit\u00e4t: \u00abEs gibt keine starre Seitenzahl, ab der ein Doktortitel zwingend zu entziehen ist. Sie ist ein wichtiger quantitativer Faktor, aber nicht allein entscheidend. Massgebend sind zus\u00e4tzlich die qualitative Tragweite, die Verteilung, die Verortung in Kern- oder Randteilen, die Art der Quellenkennzeichnung und die Funktion der betroffenen Passagen f\u00fcr die wissenschaftliche Eigenleistung.\u00bb<\/p>\n<p>Der Interpretationsspielraum scheint also gross. Bei der Promotionsordnung, die zum Zeitpunkt der Abgabe von Nina Fehr D\u00fcsels Doktorarbeit galt, ist dies aber nicht der Fall. Dort wird n\u00e4mlich festgehalten: \u00abDie mehr oder weniger w\u00f6rtliche \u00dcbernahme von Texten aus Schriften anderer Autorinnen und Autoren ohne Quellenangabe (Plagiat) ist unzul\u00e4ssig. Solche Dissertationen werden als ungen\u00fcgend abgewiesen.\u00bb<\/p>\n<p>Hierzu meint die Universit\u00e4t, die Juristische Fakult\u00e4t habe diese Bestimmung nicht verneint, sondern angewendet. Doch seien \u2013 so der Klartext der etwas umst\u00e4ndlichen Formulierungen \u2013 bei der Verleihung des Doktortitels nicht dieselben Regeln anzuwenden wie bei dessen Entzug. Die Fakult\u00e4t habe festgestellt, \u00abdass 17 Textstellen den Plagiatsbegriff von \u00a7 20 der Personalverordnung 2009 erf\u00fcllen und damit einzelstellenbezogen unlauteres Verhalten vorliegt\u00bb.<\/p>\n<p>Die Fakult\u00e4t bezeichnet dies \u00abausdr\u00fccklich nicht als marginal\u00bb. Sie sei aber in der Gesamtw\u00fcrdigung zum Schluss gekommen, dass die M\u00e4ngel zwar punktuell erheblich seien, die Dissertation als Ganzes \u2013 einschliesslich ihres wissenschaftlichen Kerns \u2013 jedoch nicht so gepr\u00e4gt h\u00e4tten, dass ihr insgesamt die Promotionsw\u00fcrdigkeit abzusprechen w\u00e4re. Die M\u00e4ngel seien \u00aberheblich und nicht zu bagatellisieren\u00bb, rechtfertigten aber keinen Titelentzug.<\/p>\n<p>Schliesslich wollte die Weltwoche wissen, wie die Universit\u00e4t Z\u00fcrich die nachfolgende Aussage von Nationalr\u00e4tin Nina Fehr D\u00fcsel beurteile: \u00abDie Arbeit wurde gr\u00fcndlich untersucht, und es wurden lediglich kleinere Fehler in den Fussnoten festgestellt.\u00bb Hierzu erfolgte folgende Antwort: \u00abDie Universit\u00e4t Z\u00fcrich nimmt zu \u00f6ffentlichen \u00c4usserungen der Betroffenen oder anderer Personen nicht Stellung.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In der Plagiatsaff\u00e4re von SVP-Nationalr\u00e4tin Nina Fehr D\u00fcsel hat die Juristische Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Z\u00fcrich unl\u00e4ngst gegen einen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":184698,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[25],"tags":[454,19133,175,3855,45,2546,2131,104],"class_list":["post-184697","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-zuerich","tag-bildung","tag-plagiat","tag-politik","tag-recht","tag-schweiz","tag-svp","tag-universitaet","tag-zuerich"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116815548567129429","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/184697","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=184697"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/184697\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/184698"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=184697"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=184697"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=184697"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}