{"id":185629,"date":"2026-06-26T21:35:14","date_gmt":"2026-06-26T21:35:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/185629\/"},"modified":"2026-06-26T21:35:14","modified_gmt":"2026-06-26T21:35:14","slug":"eu-verbot-fuer-binance-trifft-europaeische-kunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/185629\/","title":{"rendered":"EU-Verbot f\u00fcr Binance trifft europ\u00e4ische Kunden"},"content":{"rendered":"<p>Binance stellt ab dem 1. Juli 2026 alle Dienste f\u00fcr EU-Kunden ein, nachdem der MiCA-Lizenzantrag in Griechenland gescheitert ist. Kunden in Frankreich, Polen, Italien und Spanien erhielten bereits E-Mails mit der Aufforderung, ihre Guthaben abzuziehen.<\/p>\n<p>MiCA, die Markets-in-Crypto-Assets-Regulation, bildet seit Dezember 2024 den EU-weit einheitlichen Rechtsrahmen f\u00fcr Krypto-Dienstleister. Eine CASP-Lizenz in einem einzigen Mitgliedstaat berechtigt zur Passportierung in alle 27 EU-Staaten. Eine Ablehnung wirkt folglich spiegelbildlich und versperrt den gesamten Binnenmarkt auf einen Schlag. Binance unterhielt zwar nationale Registrierungen in Frankreich, Polen, Italien, Spanien, Schweden und Litauen, doch diese begr\u00fcnden keine Passportierungsrechte. Der im Januar 2026 in Griechenland gestellte Antrag war somit der einzige aktive Zulassungsversuch des Unternehmens unter dem neuen Regime. Bis zum Ablauf der 18-monatigen MiCA-\u00dcbergangsfrist nach Artikel 143, die Ende Dezember 2024 begann, wurden lizenzlose Anbieter geduldet. Ab dem 1. Juli 2026 ist ein Betrieb ohne CASP-Lizenz innerhalb der EU jedoch rechtswidrig.<\/p>\n<p>AML-Bedenken beenden den griechischen MiCA-Antrag<\/p>\n<p>Den MiCA-Antrag reichte Binance urspr\u00fcnglich im Januar 2026 bei der griechischen Aufsichtsbeh\u00f6rde Hellenic Capital Market Commission (HCMC) ein. Co-CEO Richard Teng gab sich im Februar \u00f6ffentlich zuversichtlich, dass die Genehmigung erfolgen werde. Die obligatorische 40-t\u00e4gige Begutachtungsphase, in der andere europ\u00e4ische Beh\u00f6rden Einw\u00e4nde erheben k\u00f6nnen, endete zun\u00e4chst Anfang Juni ohne formelle Einspr\u00fcche. Der Weg zur Genehmigung schien damit weitgehend frei.<\/p>\n<p>Mitte Juni kippte die Lage. Reuters <a href=\"https:\/\/cvj.ch\/fokus\/legal-compliance\/binance-droht-eu-lizenzverlust-griechenland-lehnt-mica-antrag-ab\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">berichtete unter Berufung auf anonyme Quellen<\/a>, die HCMC bereite eine Ablehnung des Antrags vor. Griechische, irische und lettische Beh\u00f6rden h\u00e4tten zudem gemeinsam Bedenken zur Geldw\u00e4sche-Pr\u00e4vention und Fragen zur Unternehmensstruktur ge\u00e4ussert. Binance widersprach dem Bericht und erkl\u00e4rte, die HCMC habe den Antrag als MiCA-konform beurteilt und eine Genehmigung bei der n\u00e4chsten Vorstandssitzung vorgesehen. Am 24. Juni zog das Unternehmen den Antrag schliesslich selbst zur\u00fcck, nach eigener Darstellung nach sorgf\u00e4ltiger Abw\u00e4gung von Stand und Zeitplan des griechischen Verfahrens. Eine formelle HCMC-Entscheidung gab es nie; gesichert ist allein der freiwillige R\u00fcckzug.<\/p>\n<p>Den strukturellen Hintergrund bildet Binances Compliance-Vergangenheit. 2023 bekannte sich das Unternehmen in den USA wegen Verst\u00f6ssen gegen Geldw\u00e4sche- und Sanktionsgesetze schuldig. Die Strafzahlung an US-Beh\u00f6rden belief sich auf 4.3 Mrd. USD. Gr\u00fcnder Changpeng Zhao verb\u00fcsste 2024 ferner eine viermonatige Haftstrafe wegen Geldw\u00e4sche-Verst\u00f6ssen. Im Oktober 2025 begnadigte ihn US-Pr\u00e4sident Donald Trump; an Binance h\u00e4lt er weiterhin rund 90 Prozent der Anteile. Medienberichte, wonach EZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde die griechische Regierung zur Ablehnung gedr\u00e4ngt habe, blieben von EZB und Athen unbest\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Dienste-Stopp ab 1. Juli in vier M\u00e4rkten<\/p>\n<p>In der Woche ab dem 23. Juni verschickte Binance E-Mails an Kunden in Polen, Italien, Spanien und Frankreich. Die Nachrichten enthielten konkrete Anweisungen zur Auszahlung der Guthaben. Wer dort ein Konto f\u00fchrt, muss seine Best\u00e4nde daher vor dem Stichtag auf eine eigene Wallet oder zu einem lizenzierten Anbieter \u00fcbertragen. An die franz\u00f6sische Kundschaft schrieb der Anbieter, Binance France werde ab dem 1. Juli 2026 keine Krypto-Dienstleistungen mehr in Frankreich erbringen. Neukunden nehme das Unternehmen bereits jetzt keine mehr an. Somit endet der regul\u00e4re Betrieb in genau jenen vier M\u00e4rkten, die zuvor auf nationalen Registrierungen beruhten.<\/p>\n<p>Rechtlich erzwingt die MiCA-\u00dcbergangsfrist diesen Schritt. Ab dem 1. Juli ist ein Krypto-Dienstleistungsbetrieb ohne CASP-Lizenz EU-weit unzul\u00e4ssig. In Frankreich drohen ausserdem bei Verst\u00f6ssen bis zu zwei Jahre Haft und 30&#8217;000 EUR Busse. \u00d6ffentlich h\u00e4lt das Unternehmen dennoch an einer anderen Lesart fest. Gegen\u00fcber CNBC betonte es, man werde vor dem 1. Juli die n\u00f6tigen Schritte zur Regelkonformit\u00e4t unternehmen. Diese Darstellung kontrastiert allerdings mit den Abmelde-E-Mails, die faktisch das Ende der Dienste ank\u00fcndigen.<\/p>\n<p>Frankreich als n\u00e4chster Anlauf f\u00fcr die MiCA-Lizenz<\/p>\n<p>Als Ausgangspunkt f\u00fcr eine m\u00f6gliche R\u00fcckkehr dient zun\u00e4chst die Tochter Binance France SAS. Sie verf\u00fcgt seit Mai 2022 \u00fcber eine DASP-Registrierung als Digital Asset Service Provider bei der franz\u00f6sischen Aufsichtsbeh\u00f6rde AMF. Diese Registrierung deckt jedoch keine MiCA-CASP-Lizenz ab, die f\u00fcr den EU-weiten Betrieb n\u00f6tig w\u00e4re. Gegen\u00fcber CNBC k\u00fcndigte Binance an, die Genehmigung k\u00fcnftig in einem anderen EU-Mitgliedstaat zu suchen. Die Financial Times berichtete unter Berufung auf Unternehmenskenner, Binance beabsichtige einen MiCA-Antrag in Frankreich.<\/p>\n<p>Die AMF zeigt sich Branchenberichten zufolge offen f\u00fcr einen Dialog. Offiziell \u00e4usserte sich die Beh\u00f6rde allerdings nicht zu einem laufenden Binance-Verfahren. Selbst bei einem z\u00fcgigen Antrag d\u00fcrfte eine Genehmigung erst Monate nach dem 1. Juli erfolgen. Damit entst\u00fcnde eine Versorgungsl\u00fccke im EU-Gesch\u00e4ft der B\u00f6rse. Co-CEO Richard Teng bezeichnete Europa weiterhin als wichtigen Markt. Letztlich zeigte er sich zuversichtlich, in den kommenden Monaten eine Lizenz zu sichern.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt belastet eine laufende Strafuntersuchung den franz\u00f6sischen Weg. Die dortige Justiz ermittelt wegen des Verdachts der Geldw\u00e4sche im Zusammenhang mit Drogenhandel und Steuerbetrug. Binance bestreitet die Vorw\u00fcrfe. Eine Zulassung ausgerechnet in jenem Land zu erwirken, in dem Ermittler gegen das Unternehmen vorgehen, d\u00fcrfte den Zeitplan zus\u00e4tzlich erschweren.<\/p>\n<p>Binance als Sonderfall unter lizenzierten Wettbewerbern<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Binance den EU-Marktzugang verliert, haben die gr\u00f6ssten Wettbewerber ihre MiCA-Lizenzen rechtzeitig gesichert. Coinbase und Kraken erhielten ihre Zulassung in Irland, Kraken zus\u00e4tzlich in Luxemburg, OKX und Crypto.com in Malta. Bitpanda meldete sich in \u00d6sterreich an, Bitstamp in Luxemburg und Revolut in Zypern. Diese Anbieter k\u00f6nnen ihre Lizenz folglich EU-weit passportieren. Der Ausschluss reiht sich zudem in ein bekanntes Muster ein. Bereits seit 2021 ist Binance ebenso faktisch aus Grossbritannien ausgesperrt, wo die lokale Einheit Binance Markets Limited nie den Betrieb aufnahm.<\/p>\n<p>Die MiCA-H\u00fcrde wirkt durchaus selektiv. Von \u00fcber 1&#8217;200 zuvor national registrierten Anbietern erhielten bislang nur rund 210 eine vollst\u00e4ndige CASP-Zulassung, also etwa 17 Prozent. Finanziell bleibt das Unternehmen gleichzeitig dominant. Im Februar 2026 hielt die Plattform rund 47.5 Mrd. USD in den Stablecoins USDT und USDC. Das entsprach sch\u00e4tzungsweise 65 Prozent aller Stablecoin-Reserven an zentralisierten B\u00f6rsen. Regulatorisch steht Binance damit isoliert da, \u00f6konomisch hingegen keineswegs geschw\u00e4cht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Binance stellt ab dem 1. Juli 2026 alle Dienste f\u00fcr EU-Kunden ein, nachdem der MiCA-Lizenzantrag in Griechenland gescheitert&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":185630,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[14],"tags":[39373,57,46,52,51,8798,53,56,41996,1436,45,44,55,54],"class_list":["post-185629","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-unternehmen-maerkte","tag-binance","tag-business","tag-ch","tag-companies","tag-companies-markets","tag-europaeische-union","tag-markets","tag-maerkte","tag-mica","tag-regulierung","tag-schweiz","tag-switzerland","tag-unternehmen","tag-unternehmen-maerkte"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116818556674438695","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/185629","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=185629"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/185629\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/185630"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=185629"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=185629"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=185629"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}