{"id":186188,"date":"2026-06-27T11:35:18","date_gmt":"2026-06-27T11:35:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/186188\/"},"modified":"2026-06-27T11:35:18","modified_gmt":"2026-06-27T11:35:18","slug":"airbus-a320-von-discover-airlines-und-hubschrauber-kamen-sich-zu-nahe-weil-flugsicherung-nicht-informierte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/186188\/","title":{"rendered":"Airbus A320 von Discover Airlines und Hubschrauber kamen sich zu nahe &#8211; weil Flugsicherung nicht informierte"},"content":{"rendered":"\n<p>Es geschah im November 2024 in Maribor. \u00abIn der Kontrollzone des Flughafens in Slowenien kam es zu einer Ann\u00e4herung zwischen einem Verkehrsflugzeug und einem Hubschrauber\u00bb, schrieb die Bundesstelle f\u00fcr Flugunfalluntersuchung <a href=\"https:\/\/www.aerotelegraph.com\/sicherheit\/deutscher-airbus-a320-und-hubschrauber-kamen-sich-zu-nahe-kollisionswarnung\/lwgehdx\" id=\"80b99ff9-3838-4870-96ab-87b8af411c64\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">im Februar in einer kurzen Info<\/a>.<\/p>\n<p>\u00abDie Besatzung des Verkehrsflugzeugs wurde durch das Kollisionswarnsystem durch einen Verkehrshinweis (TCAS TA) auf den Konfliktverkehr hingewiesen\u00bb, so die deutsche Beh\u00f6rde, die bei der Untersuchung half, da der beteiligte Airbus A320 in Deutschland zugelassen ist. Weitere Details, etwa zur Betreiberin des Flugzeuges, machte die deutsche Beh\u00f6rde zun\u00e4chst nicht.<\/p>\n<p>Airbus A320 von Discover Airlines absolvierte Ausbildungsfl\u00fcge<\/p>\n<p>Nun ist der Abschlussbericht der slowenischen Air, Marine and Railway Accident and Incident Investigation Unit erschienen, die beim Infrastrukturministerium angesiedelt ist. Der Bericht zeigt: Es handelte sich um den A320 mit dem Kennzeichen D-AIUV von Discover Airlines. An Bord waren auf dem linken Sitz ein Pr\u00fcfer (Type Rating Examiner), auf dem rechten Sitz ein Pilot in Ausbildung, ein Ausbilder (Type Rating Instructor), der als Sicherheitspilot fungierte, sowie ein weiterer f\u00fcrs Training vorgesehener Piloten.<\/p>\n<p>Der Hubschrauber war ein Airbus Helicopters AS350 der slowenischen Firma Flycom Aviation, registriert in \u00d6sterreich als OE-XWF. Er kehrte gerade von einem Flug zur\u00fcck, bei dem er f\u00fcr Filmaufnahmen aus der Luft genutzt worden war, und wollte in Maribor landen. An Bord befanden sich ein Pilot und drei Personen, die die Filmaufnahmen gemacht hatten.<\/p>\n<p>So nahe kamen sich der Airbus A320 und der Hubschrauber<\/p>\n<p>Der Airbus A320 absolvierte Trainingsfl\u00fcge mit Touch-and-Go-Landungen auf der Piste 32. Bei diesem Man\u00f6ver setzt ein Flugzeug mit dem Hauptfahrwerk auf und startet durch. \u00abNach dem zweiten Touch-and-Go bemerkte die Airbus-Besatzung w\u00e4hrend des Steigflugs auf 2400 Fu\u00df auf ihrem TCAS ein Luftfahrzeug, das sich dem Flughafen aus Richtung der Stadt Maribor n\u00e4herte; es kreuzte ihren Kurs von rechts nach links in einer H\u00f6he von etwa 2100 Fu\u00df im Steigflug\u00bb, schreibt die slowenische Beh\u00f6rde. 2100 Fu\u00df sind 640 Meter.<\/p>\n<p> <a class=\"\" href=\"https:\/\/ocdn.eu\/pulscms-transforms\/1\/MeEktkpTURBXy81YTA0ZjExZWRiYzcyYzE2MjI3OWZlM2M5ODkyM2Q5ZS5wbmeRlQMAAM0E_M0ETg\" target=\"_blank\" data-pswp-src=\"https:\/\/ocdn.eu\/pulscms-transforms\/1\/MeEktkpTURBXy81YTA0ZjExZWRiYzcyYzE2MjI3OWZlM2M5ODkyM2Q5ZS5wbmeRlQMAAM0E_M0ETg\" data-pswp-width=\"1276\" data-pswp-height=\"1102\" rel=\"nofollow noopener\"> <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/5c4k9lyaHR0cHM6Ly9vY2RuLmV1L3B1bHNjbXMtdHJhbnNmb3Jtcy8xL01lRWt0a3BUVVJCWHk4MVlUQTBaakV4WldSaVl6Y3lZe.jpeg\" alt=\"Die beiden Flugrouten (der A320 in Pink) und der Punkt der gr\u00f6\u00dften Ann\u00e4herung.\" transform=\"resizeCropAuto\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\" width=\"680\" height=\"587\" class=\"RingImage _RingImage_km0le_1 \"\/> <\/a> <\/p>\n<p> Die beiden Flugrouten (der A320 in Pink) und der Punkt der gr\u00f6\u00dften Ann\u00e4herung. Air, Marine and Railway Accident and Incident Investigation Unit <\/p>\n<p>\u00abEtwa drei Seemeilen nordwestlich der Schwelle der Piste 32 kam es zu einer gef\u00e4hrlichen Ann\u00e4herung (Airprox) zwischen dem Flugzeug und dem Hubschrauber\u00bb, hei\u00dft es im Bericht. Zum Zeitpunkt der geringsten Ann\u00e4herung betrug der horizontale Abstand zwischen dem Flugzeug und dem Hubschrauber horizontal rund 1111 Meter und vertikal etwa 83 Meter.<\/p>\n<p>Fluglotse in Ausbildung und Ausbilder informierten Crews nicht<\/p>\n<p>Wie konnte es dazu kommen? Bei der Flugsicherung f\u00fchrte gerade ein Lotse in Ausbildung die Arbeiten als ausf\u00fchrender Lotse (Executive Controller) aus, unter Aufsicht seines Ausbilders. Ein sogenannter Planning Controller als Verst\u00e4rkung war nicht anwesend, obwohl das laut Bericht n\u00f6tig gewesen w\u00e4re, da die Verkehrsdichte im Umfeld erh\u00f6ht war.<\/p>\n<p>Der lernende Lotse und sein Ausbilder \u00fcbermittelten den Crews des Airbus A320 und des AS350 keine Verkehrsinformationen \u00fcber das jeweils andere Luftfahrzeug. Dabei h\u00e4lt der Bericht fest, dass solche Informationen f\u00fcr die Verkehrsf\u00fchrung im Luftraum der Klasse D unerl\u00e4sslich sind. \u00abSelbst wenn in diesem Fall eine vertikale Staffelung als zus\u00e4tzliche Sicherheitsma\u00dfnahme angewandt wurde, kann diese die Verpflichtung zur \u00dcbermittlung von Verkehrsinformationen nicht ersetzen\u00bb, schreiben die Ermittler dazu.<\/p>\n<p>Hubschrauber-Pilot sah Discover-Jet und ging in Sinkflug<\/p>\n<p>Die \u00fcbliche Praxis der Verkehrsf\u00fchrung bei Trainingsfl\u00fcgen ist in Maribor, dass andere Luftfahrzeuge innerhalb der Kontrollzone auf einer H\u00f6he von 3500 Fu\u00df oder dar\u00fcber gehalten werden, w\u00e4hrend das Ausbildungsflugzeug auf maximal 2500 Fu\u00df H\u00f6he steigt.<\/p>\n<p>Der Pilot des Hubschraubers leitete jedoch den Sinkflug von 3500 Fu\u00df auf 2100 Fu\u00df ein, da er &#8211; wie er sp\u00e4ter aussagte &#8211; den A320 gesehen hatte und eine Kollision bef\u00fcrchtete. Allerdings hatte er zu diesem Zeitpunkt keine Informationen dar\u00fcber, auf welche H\u00f6he der A320 stieg &#8211; und er informierte nicht die Flugsicherung \u00fcber seinen Sinkflug.<\/p>\n<p>A320-Crew meldete Ann\u00e4herung, Lotse entschuldigte sich<\/p>\n<p>\u00abDer Fluglotse in Ausbildung und der Ausbilder bemerkten das Sinken des Hubschraubers nicht, was zu dem Konflikt mit dem Airbus f\u00fchrte\u00bb, hei\u00dft es im Bericht. Auch die A320-Crew sah den Hubschrauber nicht, allerdings erhielt sie vom Kollisionswarnsystem TCAS eine Warnung (TRAFFIC, TRAFFIC, also Verkehr, Verkehr). Eine Ausweichempfehlung (Resolution Advisory) habe das System aber nicht, da es in geringer Flugh\u00f6he keine Sink-Empfehlung geben kann.<\/p>\n<p>Erst als sich die Discover-Piloten bei der Flugsicherung meldeten, erfuhr die von der Ann\u00e4herung. Der Lotse entschuldigte sich und erkl\u00e4rte, der Hubschrauber h\u00e4tte die H\u00f6he von 3500 Fu\u00df beibehalten m\u00fcssen. Zudem teilte er die erfragte Helikopter-Kennung mit.<\/p>\n<p>Fluglotsen-Ausbilder \u00fcbernahm nie vollst\u00e4ndig die Kontrolle<\/p>\n<p>\u00abNach dem Sicherheitsereignis war in der Stimme des Auszubildenden erh\u00f6hter Stress erkennbar (der Ausbilder h\u00e4tte den Sprechfunk sofort \u00fcbernehmen sollen, tat dies jedoch nicht)\u00bb, hei\u00dft es im Bericht. Der Auszubildende sei zeitweise nicht in der Lage gewesen, eigenst\u00e4ndig rechtzeitige und angemessene Anweisungen zu erteilen, und habe stattdessen vom Ausbilder diktierte Anweisungen \u00fcbermittelt. Der Ausbilder habe mehrfach eingegriffen, jedoch nicht vollst\u00e4ndig die Kontrolle \u00fcber den Sprechfunkverkehr \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Die Ermittler kommen zu dem Schluss, dass die unmittelbare Ursache f\u00fcr die gef\u00e4hrliche Ann\u00e4herung das Vers\u00e4umnis der Flugsicherung, den beteiligten Crews wichtige Verkehrsinformationen zu \u00fcbermitteln. Beitragende Faktoren seien die hohe Arbeitsbelastung des Fluglotsen sowie das unangemeldete Absinken des Hubschraubers gewesen.<\/p>\n<p>Sicherheitsempfehlungen an die slowenische Flugsicherung<\/p>\n<p>Sicherheitsempfehlungen gehen an die Flugsicherung Slovenia Control. Ihr wird im Bericht nahegelegt, dass der f\u00fcr Maribor zust\u00e4ndige Leiter und die Ausbilder die Regeln und Verfahren des Flugverkehrsmanagements dort harmonisieren. Besonders sollen die Arbeitsabl\u00e4ufe, die w\u00e4hrend Trainingsfl\u00fcgen gelten, \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Fluglotsenausbildung am Arbeitsplatz (On-the-job Training) soll zus\u00e4tzlich auch ein Planungslotse anwesend sein. Slovenia Control soll f\u00fcr diesen praktischen Teil der Ausbildung zudem klarere Regeln aufstellen. So sollen etwa klare Bedingungen definiert werden, unter denen der Ausbilder die Kontrolle vom Auszubildenden \u00fcbernehmen muss.<\/p>\n<p>Gute Geschichten brauchen Freiraum. 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