{"id":190938,"date":"2026-07-01T02:51:42","date_gmt":"2026-07-01T02:51:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/190938\/"},"modified":"2026-07-01T02:51:42","modified_gmt":"2026-07-01T02:51:42","slug":"bern-ist-aelter-als-gedacht-pollenanalyse-widerlegt-gruendungsmythos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/190938\/","title":{"rendered":"Bern ist \u00e4lter als gedacht: Pollenanalyse widerlegt Gr\u00fcndungsmythos"},"content":{"rendered":"<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/673330632_highres.jpg\" width=\"1300\" height=\"867\" alt=\"Stadt Bern\" loading=\"eager\" decoding=\"sync\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>                Die Pollenanalyse zeigt, dass das Gebiet um Bern bereits zwei bis drei Jahrhunderte vor der angeblichen Gr\u00fcndung der Stadt wirtschaftlich stark prosperierte.<\/p>\n<p>            Keystone \/ Christian Beutler        <\/p>\n<p>        Pflanzenwissenschaftler schreiben die Schweizer Geschichte um \u2013 nach Analyse von Bl\u00fctenpollen in alten Seesedimenten.\n<\/p>\n<p>        Dieser Inhalt wurde am ver\u00f6ffentlicht    <\/p>\n<p>        29. Juni 2026 &#8211; 11:00\n<\/p>\n<p>Die Stadt Bern soll 1191 gegr\u00fcndet worden sein. So steht es in den Schulb\u00fcchern. \u00abViele Leute glauben das tats\u00e4chlich\u00bb, sagt der renommierte Pflanzenwissenschaftler Willy Tinner von der Universit\u00e4t Bern, \u00ababer das ist ein Mythos, denn wir wissen heute dank der Pollenanalyse: Die Stadt Bern und die Kulturlandschaft darum herum ist zwei bis drei Jahrhunderte \u00e4lter.\u00bb<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/4bbb209.webp\" width=\"1280\" height=\"960\" alt=\"Zwei M\u00e4nner\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Der Berner Kantonsarch\u00e4ologe Adriano Boschetti (links) hat von der Forschung des Pflanzenwissenschaftlers Willy Tinner stark profitiert.            <\/p>\n<p>            SRF\/Christian von Burg        <\/p>\n<p>Willy Tinner steht n\u00f6rdlich von Bern am Moossee, neben Adriano Boschetti, dem Leiter der Berner Kantonsarch\u00e4ologie. Die beiden arbeiten seit vielen Jahren zusammen. Boschetti ist begeistert von den Pollenanalysen, die Tinner und sein Team jetzt so detailliert machen k\u00f6nnen, wie nie zuvor. \u00abDiese Methode hilft uns, zeitliche L\u00fccken zu stopfen\u00bb, sagt Boschetti, \u00absie gibt uns wertvolle Hinweise \u00fcber Jahrhunderte aus denen wir keine arch\u00e4ologischen Funde haben\u00bb.<\/p>\n<p>Stinkiger Schlamm \u2013 \u00abf\u00fcr uns wertvoll wie Gold\u00bb<\/p>\n<p>Pollen sind die m\u00e4nnlichen Keimzellen der Samenpflanzen oder kurz: Bl\u00fctenstaub. Dieser Staub fliegt mit dem Wind je nach Pollenart einige hundert Meter bis wenige Kilometer weit und landet also auch in den Seen.<\/p>\n<p>Dort lagert er sich ab im Seeschlamm und das seit Jahrtausenden. Wenn die Wissenschaftler nun runterbohren in den Schlamm und einen Bohrkern raufholen mit einem Durchmesser von etwa neun Zentimetern, dann t\u00f6nt das f\u00fcr Laien unspektakul\u00e4r, teilweise stinkt es sogar nach Faulschlamm, \u00ababer f\u00fcr uns ist das so wertvoll wie Gold\u00bb, sagt Tinner.<\/p>\n<p>Sein fr\u00fcherer Mitarbeiter Fabian Rey hat die Bohrkerne am Mikroskop Schicht f\u00fcr Schicht\u00a0<a href=\"https:\/\/cp.copernicus.org\/articles\/16\/1347\/2020\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">in minuti\u00f6ser Kleinarbeit analysiertExterner Link<\/a>. In 400-facher Vergr\u00f6sserung sehen die Pollen aus wie unterschiedlich geartete K\u00fcgelchen, jede Art hat eine andere Form und Oberfl\u00e4che und aufgrund der Dichte und der Art der Pollen l\u00e4sst sich\u00a0<a href=\"https:\/\/boris-portal.unibe.ch\/entities\/publication\/29aeae81-c5de-4c16-b601-375a50e53567\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">die historische Landschaft rekonstruierenExterner Link<\/a>.<\/p>\n<p>Wie die Pollen analysiert werden<\/p>\n<p>                Zur\u00fcck            <\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/e49913.webp\" width=\"1280\" height=\"960\" alt=\"Pollenkorn\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Hanf-Pollenkorn (Cannabis Sativa), wie es sich unter dem Mikroskop bei 400-facher Vergr\u00f6sserung zeigt.<\/p>\n<p>            Sina Aregger, University of Bern        <\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/bccb0b.webp\" width=\"1280\" height=\"960\" alt=\"Roggenpollen (Secale cereale)\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Finden sich Roggenpollen (Secale cereale) in den Seesedimenten, so weiss man, dass in Seen\u00e4he Getreide angebaut wurde.<\/p>\n<p>            Sina Aregger, University of Bern        <\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/2dc346.webp\" width=\"1280\" height=\"960\" alt=\"Willy Tinner\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Pal\u00e4o\u00f6kologe Willy Tinner am Mikroskop. Bis man eine vergangene Landschaft direkt aus den Pollenk\u00f6rnern lesen kann, braucht es jahrelange \u00dcbung.<\/p>\n<p>            SRF\/Christian von Burg        <\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/e665db.webp\" width=\"1280\" height=\"960\" alt=\"Willy Tinner\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Im K\u00fchlraum bewahren die Pflanzenwissenschaftler die Bohrkerne auf, die sie aus verschiedenen kleineren Schweizer Seen gezogen haben.<\/p>\n<p>            SRF\/Christian von Burg        <\/p>\n<p>                Weiter            <\/p>\n<p>Wie viel Wald gab es? Wie viel Getreide wurde angebaut? Wie viele Tiere wurden gehalten? Auf all diese Fragen k\u00f6nnen die Pflanzenwissenschaftler Antworten geben und im Fall vom Moossee nun so genau wie noch nie: \u00fcber 7000 Jahre zur\u00fcck mit einer Genauigkeit von zehn Jahren.<\/p>\n<p>\n    Mehr<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/b2df4d503a1465f7c075f7fe1e44a6a1-dolch-data.jpg\" width=\"899\" height=\"599\" alt=\"R\u00f6mischer Dolch\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>        Mehr    <\/p>\n<p>        Geschichte\n        <\/p>\n<p>        Wie ein Hobbyarch\u00e4ologe einen r\u00f6mischen Kriegsschauplatz entdeckte    <\/p>\n<p class=\"teaser-wide-card__excerpt\">\n<p>                        Dieser Inhalt wurde am ver\u00f6ffentlicht                    <\/p>\n<p>                        17. Nov. 2021                    <\/p>\n<p>                Ein Zahnarzt und sein Metalldetektor finden einzigartige \u00dcberreste einer Schlacht zwischen r\u00f6mischen Soldaten und r\u00e4tischen Kriegern.            <\/p>\n<p>    <a class=\"teaser-wide-card__link\" href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/wissen-technik\/wie-ein-hobbyarchaeologe-einen-roemischen-kriegsschauplatz-entdeckte\/47115668\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\"><\/p>\n<p>            Mehr Wie ein Hobbyarch\u00e4ologe einen r\u00f6mischen Kriegsschauplatz entdeckte<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>Entdeckungen werden voraussagbar<\/p>\n<p>So haben die Pflanzenwissenschaftler best\u00e4tigt, dass etwa 3800 vor Christus zur Zeit der Pfahlbauer der Wald um den Moossee stark zur\u00fcckging, dass mehr Felder angelegt und mehr Tiere gehalten wurden.<\/p>\n<p>Um 2700 vor Christus fanden die Pflanzenwissenschaftler ein \u00e4hnliches Signal. Tats\u00e4chlich entdeckten die Arch\u00e4ologen kurz darauf im See alte Pf\u00e4hle, die sie mit der Jahrring-Analyse genau in diese Zeit datieren konnten. \u00abVorher wussten wir nichts von dieser Siedlung\u00bb, sagt Boschetti, \u00abdie Pflanzenwissenschaftler haben uns die Entdeckung also quasi vorausgesagt.\u00bb<\/p>\n<p>Die Spuren der Pfahlbauer am Moossee<\/p>\n<p>                Zur\u00fcck            <\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/PanoramaMossee_Ausschnitt_Alberich.jpg\" width=\"2481\" height=\"1654\" alt=\"Fischerdorf an einem Fluss mit H\u00fctten, Menschen in Kanus und H\u00fcgeln im Hintergrund\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Seit 170 Jahren werden die Pfahlbauten am Moossee von den Arch\u00e4ologen erforscht. Pfahlbauten galten lange als eine Schweizer Erfindung. Heute ist klar, dass in Albanien schon 2000 Jahre fr\u00fcher Seeufersiedlungen existierten. Von dort kamen dann wohl auch die ersten Bauern zu uns.             <\/p>\n<p>            Javier Alberich \/ Arch\u00e4ologischer Dienst Bern         <\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Jb26_Abb010.jpg\" width=\"1800\" height=\"1200\" alt=\"Darstellung eines Sees, der von dichtem Wald umgeben ist\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Weniger Buchenpollen, mehr Holzkohlepartikel aus Rodungen und Algenbl\u00fcten wegen schlechter Wasserqualit\u00e4t: So pr\u00e4sentierte sich der Moossee zur Zeit der Pfahlbauer.             <\/p>\n<p>            Oculus Illustration \/ Arch\u00e4ologischer Dienst Bern        <\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Jb26_Abb015.jpg\" width=\"1800\" height=\"1200\" alt=\"Darstellung einer l\u00e4ndlichen Landschaft mit einem grossen See, umliegenden Feldern, vereinzelten B\u00e4umen, Wegen und kleinen Geb\u00e4uden, aus denen Rauch aufsteigt.\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Die Landschaft um den Moossee zur R\u00f6merzeit. Die Pollenanalyse zeigt: Starke Ausweitung der Wiesen und neu auch Pollen von Walnussb\u00e4umen, Edelkastanien und Weinreben.             <\/p>\n<p>            Oculus Illustration \/ Arch\u00e4ologischer Dienst Bern         <\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Jb26_Abb002.jpg\" width=\"797\" height=\"531\" alt=\"Luftaufnahme eines Sees, umgeben von gr\u00fcnen Feldern, Strassen, B\u00e4umen und einem Vorortgebiet mit H\u00e4usern\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Autobahn und dichte Besiedlung: In den Seesedimenten der letzten Jahrzehnte findet man deutlich die Spuren der fossilen Brennstoffe und viele Pollen neu eingewanderter Arten.             <\/p>\n<p>            Thomas Stadler \/ Arch\u00e4ologischer Dienst Bern         <\/p>\n<p>                Weiter            <\/p>\n<p>Dank der Pollenanalysen wurde auch klar, dass in der Schweiz nicht erst seit dem Beginn der Jungsteinzeit Getreide angebaut wurde. Der \u00dcbergang von J\u00e4gern und Sammlern zu den ersten Bauern war komplexer als bisher gedacht. \u00abDie ersten Getreidepollen finden wir schon mehr als 1000 Jahre fr\u00fcher\u00bb, sagt Willy Tinner.<\/p>\n<p>Und schliesslich zeigt die Pollenanalyse eben auch, dass das Gebiet um Bern schon, zwei, drei Jahrhunderte vor der angeblichen Gr\u00fcndung der Stadt Bern wirtschaftlich stark prosperierte. \u00abDie Stadtgr\u00fcndung um 1191 im dichten Wald durch die Z\u00e4hringerherz\u00f6ge ist also ein Mythos\u00bb, sagt Tinner. Und vermutlich war auch die Vorg\u00e4ngersiedlung von Bern deutlich \u00e4lter als bisher gedacht \u2013 so sagen es jedenfalls die Pollenk\u00f6rner.<\/p>\n<p>        Artikel in dieser Story    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Pollenanalyse zeigt, dass das Gebiet um Bern bereits zwei bis drei Jahrhunderte vor der angeblichen Gr\u00fcndung der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":190939,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[30],"tags":[42897,122,2097,125,42898,7701,13866,45],"class_list":["post-190938","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-bern","tag-archaeology","tag-article","tag-beat-best-of-srg-content","tag-bern","tag-botany","tag-dialogue","tag-production-type-curation","tag-schweiz"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116842450352562037","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/190938","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=190938"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/190938\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/190939"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=190938"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=190938"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=190938"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}