{"id":192584,"date":"2026-07-02T07:44:12","date_gmt":"2026-07-02T07:44:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/192584\/"},"modified":"2026-07-02T07:44:12","modified_gmt":"2026-07-02T07:44:12","slug":"chance-verpasst-clarity-act-droht-verzoegerung-bis-2030","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/192584\/","title":{"rendered":"Chance verpasst: Clarity Act droht Verz\u00f6gerung bis 2030"},"content":{"rendered":"<p>Die Verz\u00f6gerung des Clarity Act im US-Senat versch\u00e4rft sich. Galaxy Research senkte die Wahrscheinlichkeit einer Unterzeichnung 2026 Ende Juni auf 50%, der Prognosemarkt Polymarket taxiert die Chancen zuletzt nur noch auf 39%.<\/p>\n<p>Der Clarity Act soll erstmals bundesweit gesetzlich kl\u00e4ren, wann ein digitales Asset als Wertpapier unter die SEC-Zust\u00e4ndigkeit f\u00e4llt und wann als Rohstoff unter jene der CFTC. Bitcoin, Ether und andere Assets mit funktionierender Blockchain fielen unter die CFTC, klassische kapitalsuchende Token-Verk\u00e4ufe blieben bei der SEC. Payment-Stablecoins erhielten hingegen eine gemeinsame Aufsicht, aufbauend auf dem bereits verabschiedeten <a href=\"https:\/\/cvj.ch\/fokus\/legal-compliance\/us-kongress-verabschiedet-stablecoin-legislation-genius-act\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">GENIUS Act<\/a>. Das Repr\u00e4sentantenhaus verabschiedete das Gesetz (H.R. 3633) bereits im Juli 2025 \u00fcberparteilich mit 294 zu 134 Stimmen. Im Senat brauchte der Text jedoch deutlich l\u00e4nger. Zun\u00e4chst hielt das Agriculture Committee sein Markup im Januar 2026 ab. Das Banking Committee zog erst im Mai 2026 mit 15 zu 9 Stimmen nach. Seit Anfang Juni steht der Clarity Act zudem offiziell als Calendar No. 423 auf dem Senate Legislative Calendar. Theoretisch k\u00e4me er ohne weitere Ausschussarbeit zur Abstimmung. Ein konkretes Datum f\u00fcr den Floor-Vote nannte bislang allerdings keine Quelle.<\/p>\n<p>Warum das Zeitfenster im Senat eng wird<\/p>\n<p>Der Clarity Act scheitert bislang nicht an inhaltlichen Differenzen, sondern an einem prozeduralen Nadel\u00f6hr. F\u00fcr einen Floor-Vote im Plenum ben\u00f6tigt der Text 60 Stimmen. Bei rund 53 republikanischen Sitzen sind somit etwa sieben demokratische \u00dcberl\u00e4uferstimmen n\u00f6tig. \u00d6ffentlich mitgetragen haben den zentralen Stablecoin-Kompromiss bislang vor allem die Senatoren Thom Tillis und Angela Alsobrooks. Die \u00fcbrigen ben\u00f6tigten Stimmen sind weiterhin offen. Ausschussmitglieder stellten ausserdem klar, dass ein Votum im Committee keine Garantie f\u00fcr die n\u00f6tigen 60 Stimmen im Plenum darstellt.<\/p>\n<p>Hinzu kommt eine verfahrenstechnische H\u00fcrde. Zun\u00e4chst m\u00fcssen die Banking-Fassung vom Mai 2026 und die Agriculture-Fassung vom Januar zu einem einzigen Text verschmelzen. \u00dcber 100 eingereichte \u00c4nderungsantr\u00e4ge hatten das urspr\u00fcnglich f\u00fcr Mitte Januar geplante Banking-Markup zuvor verz\u00f6gert. Auf dem Kalender des Senats steht der Entwurf zwar seit dem 1. Juni 2026. Ein Floor-Vote ist damit allerdings lediglich m\u00f6glich, nicht terminiert.<\/p>\n<p>Eine lange Kette an Schritten bleibt noch offen. Ein fusionierter Text, ein Antrag zur Verfahrenser\u00f6ffnung, eine Plenardebatte, ein \u00c4nderungsverfahren und anschliessend erneutes Handeln im Repr\u00e4sentantenhaus m\u00fcssten allesamt in wenige Wochen passen. Der realistische Zeitrahmen schrumpft daher mit jeder Sitzungswoche, in der keine Abstimmung angesetzt wird.<\/p>\n<p>Die Ethik-Klausel bleibt der letzte Streitpunkt<\/p>\n<p>Der grosse inhaltliche Streitpunkt gilt inzwischen als weitgehend gel\u00f6st. Der Stablecoin-Kompromiss in Section 404 erschien am 1. Mai 2026. Drei Tage sp\u00e4ter best\u00e4tigten Tillis und Alsobrooks den Text final. Er verbietet Zinsen oder Yield auf ruhende Stablecoin-Guthaben, erlaubt jedoch aktivit\u00e4tsbasierte Rewards. Damit fiel jene Frage weg, die das Gesetz \u00fcber Monate blockiert und die gr\u00f6sste Front zwischen den Lagern gebildet hatte.<\/p>\n<p>Offen bleibt hingegen eine einzige, politisch heikle Passage: die Ethik-Klausel. Sie soll Amtstr\u00e4gern private Krypto-Gesch\u00e4fte untersagen. Senatorin Kirsten Gillibrand und Senator Chris Van Hollen von den Demokraten machen ihre Zustimmung von genau dieser Klausel abh\u00e4ngig. Ohne diese demokratischen Stimmen fehlt dem Clarity Act letztlich die n\u00f6tige Mehrheit im Plenum.<\/p>\n<p>Das Weisse Haus akzeptiert zwar allgemeine Regeln, lehnt aber Klauseln ab, die einzelne Personen adressieren. Gemeint ist damit implizit die <a href=\"https:\/\/cvj.ch\/aktuell\/news\/trump-meldet-1-4-mrd-usd-krypto-einkommen-fuer-2025\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Trump-Familie mit ihren eigenen Krypto-Interessen<\/a>. An dieser Frage entscheidet sich somit, ob die verbleibenden demokratischen Stimmen \u00fcberhaupt zustande kommen. Ein inhaltlich fertig verhandelter Bill h\u00e4ngt schliesslich an einem prim\u00e4r politischen Zielkonflikt.<\/p>\n<p>Prognosem\u00e4rkte senken die Erfolgschancen<\/p>\n<p>Der schwindende Optimismus l\u00e4sst sich an konkreten Zahlen ablesen. Der Prognosemarkt Polymarket, auf dem Nutzer mit echtem Geld auf politische Ergebnisse wetten, verheisst nichts Gutes. Die dort gehandelte Wahrscheinlichkeit fiel von einem H\u00f6chststand von 82% im Februar 2026 \u00fcber 70% Mitte Mai auf zuletzt 39%. Beide Indikatoren bewegen sich somit erstmals unter die Schwelle einer Mehrheitswahrscheinlichkeit. Der Marktkonsens selbst zweifelt zunehmend an einer Verabschiedung im laufenden Jahr.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/2026-07-01-16_50_02-Norton-360.png\"><img data-lazyloaded=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-85587\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/2026-07-01-16_50_02-Norton-360.png\" alt=\"\" width=\"972\" height=\"507\"  data-\/><\/a>Wahrscheinlichkeiten einer Clarity Act-Verabschiedung im Jahr 2026 \/ Quelle: <a href=\"https:\/\/polymarket.com\/event\/clarity-act-signed-into-law-in-2026\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Polymarket<\/a><\/p>\n<p>Auch die Investmentbank Jefferies warnte Ende Juni vor den Folgen. Ein Scheitern vor der August-Pause k\u00f6nnte den Bill auf 2027 oder sp\u00e4ter verschieben. Das gilt insbesondere, falls die Demokraten den Senat im November zur\u00fcckerobern. Die Bank rechnet folglich mit erh\u00f6hter Volatilit\u00e4t bei Krypto-Token und Blockchain-Aktien wie Circle, Coinbase und Bullish. Deren Bewertungen h\u00e4ngen unmittelbar an der Frage, ob die USA einen verbindlichen regulatorischen Rahmen schaffen.<\/p>\n<p>2027 wird zum letzten Fenster vor 2030<\/p>\n<p>Nach der Sommerpause im August 2026 r\u00fcckt der Kongress in den Midterm-Wahlkampf. Komplexe, \u00fcberparteiliche Finanzgesetzgebung findet in solchen Phasen erfahrungsgem\u00e4ss kaum noch Zeit im Plenum. F\u00e4llt die Abstimmung jetzt aus, gilt 2027 daher als fr\u00fchestm\u00f6gliches n\u00e4chstes Fenster. Die Krypto-Branche hat im laufenden Wahlzyklus zwar stark in politische Ausgaben investiert. Ob sich das jedoch in Senatsstimmen \u00fcbersetzt, bleibt ungewiss.<\/p>\n<p>Deutlicher noch warnt Senatorin Cynthia Lummis. Als Vorsitzende des Senate Banking Subcommittee on Digital Assets gilt sie zudem als wichtigste F\u00fcrsprecherin des Bills im Senat. Sie tritt nicht mehr zur Wiederwahl an und sieht das Gesetzgebungsfenster im ung\u00fcnstigsten Fall bis mindestens 2030 geschlossen.<\/p>\n<p>&#171;Dies ist unsere letzte Chance, den Clarity Act bis mindestens 2030 zu verabschieden. Wir k\u00f6nnen es uns nicht leisten, Amerikas finanzielle Zukunft aufzugeben.&#187; &#8211; Cynthia Lummis, Senatorin (R-WY)<\/p>\n<p>Selbst eine erfolgreiche Unterzeichnung w\u00fcrde zudem nicht sofort durchsetzbare Regeln bedeuten. Die konkrete Umsetzung mit Regulierungstexten, Comment-Perioden und Compliance-Fristen d\u00fcrfte laut Beobachtern rund ein Jahr oder l\u00e4nger dauern. Verbindliche Vorgaben k\u00e4men folglich fr\u00fchestens 2027 oder 2028 zum Tragen. Bis dahin bleibt die Fragmentierung bestehen. Die SEC beansprucht weiterhin Jurisdiktion \u00fcber viele Token als Wertpapiere. Die CFTC bleibt bei Spot-Kryptom\u00e4rkten im Wesentlichen auf die Bek\u00e4mpfung von Betrug und Manipulation beschr\u00e4nkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Verz\u00f6gerung des Clarity Act im US-Senat versch\u00e4rft sich. 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