{"id":1937,"date":"2026-02-12T23:37:07","date_gmt":"2026-02-12T23:37:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/1937\/"},"modified":"2026-02-12T23:37:07","modified_gmt":"2026-02-12T23:37:07","slug":"duesseldorfer-start-up-curediab-visiert-mit-schwefelverbindungen-fettleber-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/1937\/","title":{"rendered":"D\u00fcsseldorfer Start-up CureDiab visiert mit Schwefelverbindungen Fettleber an"},"content":{"rendered":"<p>Carolin Sage<\/p>\n<p><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/biz_26_01_01a.jpg\" width=\"800\" alt=\"Histologischer Schnitt durch ein St\u00fcck Fettleber\" class=\"folgeimg\"\/><br \/>Histologisches Symptom einer Fettleber: Hepatozyten zeigen \u00fcbergro\u00dfe Fett-Vakuolen. Foto: Alberto Perez-Bouza<\/p>\n<p>(13.02.2026) Das D\u00fcsseldorfer Start-up CureDiab entwickelt Thioacrylamid-Derivate zur Behandlung einer bestimmten Form der Leberverfettung.<\/p>\n<p>Der Firmenname l\u00e4sst es erahnen: Urspr\u00fcnglich hatte der Biochemiker und CureDiab-Gr\u00fcnder J\u00fcrgen Eckel vor, eine Therapie f\u00fcr Diabetes-Patienten zu entwickeln. Heute widmet er sich mit seinem Team einer nicht minder anspruchsvollen Aufgabe: Er sucht nach einem Medikament zur Behandlung der Fettleber, die oft komorbid mit Diabetes auftritt.<\/p>\n<p>Dass Betroffene an dieser Lebererkrankung leiden, wissen sie oft lange selbst nicht, denn die Fettleber verursacht zu Beginn meist keine Beschwerden. Bekannt ist, dass die Erkrankung in Folge von exzessivem Alkoholkonsum entstehen kann. Sie wird aber auch bei Menschen diagnostiziert, die keinen oder nur wenig Alkohol trinken. Fr\u00fcher hie\u00df die Krankheit daher Nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD), seit 2023 spricht man jedoch von der metabolischen Dysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung, oder kurz MASLD.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt steht folglich nicht mehr der Ausschluss von Alkoholkonsum, sondern die enge Assoziation mit metabolischen Risikofaktoren. Das sind dieselben, die auch bei anderen systemischen Erkrankungen eine Rolle spielen: Adipositas, Insulinresistenz, Pr\u00e4diabetes oder Typ-2-Diabetes, erh\u00f6hte Blutfettwerte und arterielle Hypertonie. Auch einige genetische Dispositionen sind bekannt, haupts\u00e4chlich bei Menschen im ostasiatischen Raum.<\/p>\n<p>Diabetiker besonders betroffen<\/p>\n<p>\u201eMASLD ist weltweit die h\u00e4ufigste chronische Lebererkrankung\u201c, erkl\u00e4rt J\u00fcrgen Eckel, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von CureDiab. Jahrzehntelang hat er zu Diabetes geforscht, die Pathogenese der MASLD ist ihm deshalb gut bekannt. Global wird ihre Pr\u00e4valenz auf etwa 30 Prozent der erwachsenen Bev\u00f6lkerung gesch\u00e4tzt, mit steigender Tendenz (J Obes Metab Syndr. <a href=\"https:\/\/doi.org\/g9vvrr\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">doi.org\/g9vvrr<\/a>). Besonders hoch ist sie bei Menschen mit Typ-2-Diabetes: Hier sind etwa zwei Drittel aller Patientinnen und Patienten betroffen (Clin Gastroenterol Hepatol. <a href=\"https:\/\/doi.org\/g4d2tj\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">doi.org\/g4d2tj<\/a>).<\/p>\n<p>Das Erkrankungsspektrum reicht von einer isolierten Steatose, sprich einer Einlagerung von Lipiden in die Leberzellen, \u00fcber die entz\u00fcndliche Verlaufsform MASH (metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis), mit deren Voranschreiten sich eine Leberfibrose ausbilden kann. Wird nicht behandelt, kann sich eine Zirrhose entwickeln. \u201eDann hilft nur noch eine Lebertransplantation\u201c, erkl\u00e4rt Eckel.<\/p>\n<p>Ein neues Konzept<\/p>\n<p>Als wichtiger Risikofaktor f\u00fcr MASLD und MASH gilt die Insulinresistenz, die zu einer erh\u00f6hten Zufuhr von freien Fetts\u00e4uren in die Leber, gesteigerter De-novo-Lipogenese und eingeschr\u00e4nktem Fettabbau f\u00fchrt. Weitere etablierte Risikofaktoren sind ein hoher Fettanteil im Bauchraum, genetische Pr\u00e4dispositionen, Bewegungsmangel sowie energiereiche und hoch verarbeitete Lebensmittel. Auch das Alter, das m\u00e4nnliche Geschlecht und bestimmte endokrine St\u00f6rungen erh\u00f6hen das Risiko.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/biz_26_01_01b.jpg\" width=\"500\" alt=\"Portr\u00e4tfotos Elisabeth Rohbeck und J\u00fcrgen Eckel\" class=\"folgeimg\"\/>CureDiabs Chief Scientific Officer Elisabeth Rohbeck sowie Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Gr\u00fcnder J\u00fcrgen Eckel. Fotos: NRW.BANK \/ Lokomotiv\t<\/p>\n<p>Eine kausale medikament\u00f6se Standardtherapie gibt es bislang nicht in zufriedenstellendem Ma\u00dfe. \u201eDie Basis einer Behandlung ist derzeit die Lebensstil-Intervention\u201c, so Eckel. Wer sein Gewicht um etwa zehn Prozent reduziert, kann sowohl die Steatose als auch die Entz\u00fcndung und Fibrose abmildern.<\/p>\n<p>Pharmakologisch anvisieren lassen sich die metabolischen Komorbidit\u00e4ten und die Risikofaktoren. So wirken sich GLP-1-Rezeptor-Agonisten und duale Inkretin-Agonisten positiv auf Leberfett und Entz\u00fcndungsparameter aus, die Evidenz bezieht sich bisher allerdings nur auf die fortgeschrittene Form der Lebersteatose, die MASH. Gleiches gilt f\u00fcr den k\u00fcrzlich auch in der EU bedingt zugelassenen Wirkstoff Resmetirom. \u201eLaut Studien erreicht ein Teil der Betroffenen eine Remission der Erkrankung oder sogar eine Verbesserung des Zustands der Leber,\u201c berichtet der CureDiab-CEO. Allerdings profitierten nur 25 bis 30 Prozent der Patientinnen und Patienten von der Therapie (N Engl J Med. <a href=\"https:\/\/doi.org\/gtrp99\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">doi.org\/gtrp99<\/a>).<\/p>\n<p>Bereits w\u00e4hrend seiner Forschungszeit am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in D\u00fcsseldorf erkannte Eckel, dass spezielle Thioacrylamid-Derivate vielversprechende Wirkstoff-Kandidaten zur Behandlung der MASH sein k\u00f6nnten. \u201eIch war \u00fcber vierzig Jahre am DDZ t\u00e4tig\u201c, erkl\u00e4rt Eckel \u2013 zuletzt als Leiter des Kompetenzzentrums f\u00fcr Innovative Diabetes Therapie (KomIT).<\/p>\n<p>\u00dcber einen Zeitraum von drei Jahren koordinierte KomIT ein Konsortium aus acht Partnern aus Industrie und akademischer Forschung. \u201eZu dieser Zeit wurde klar, dass wir mit den Thioacrylamid-Derivaten Verbindungen im Blick hatten, die einen ganz neuen Pathway adressieren\u201c, erkl\u00e4rt Eckel. Als sich der Ansatz dann tats\u00e4chlich als vielversprechend erwies, stand f\u00fcr Eckel die Gr\u00fcndung eines Unternehmens als DDZ-Spin-off fest.<\/p>\n<p>Im Herbst 2021 war es schlie\u00dflich so weit und CureDiab \u00fcbernahm bald einen Teil der Forschungsarbeiten, die bis dahin am KomIT liefen. \u201eSogar die R\u00e4umlichkeiten konnten wir mieten\u201c, freut sich Gr\u00fcnder Eckel. Die Anschubfinanzierung war mit 400.000 Euro nicht gerade \u00fcppig bemessen, doch das Viererteam von CureDiab setzt gro\u00dfe Hoffnung in die neuen Wirkstoff-Kandidaten. Bereits 2023 schloss sich eine weitere Finanzierung an. Diesmal stieg sogar die NRW Bank als Gesellschafterin mit ein.<\/p>\n<p>Zellschutz durch Modulation<\/p>\n<p>Im Unterschied zu Resmetirom und andere derzeit untersuchten Wirkstoffen setzen die Thioacrylamid-Verbindungen wie HK3 oder HK4 an den GABAA-Rezeptoren in der Leber an. Dort stehen die Rezeptoren im Zusammenhang mit Fettstoffwechsel, Entz\u00fcndung und Insulinresistenz. Die Thioacrylamide wirken dabei als positive allosterische Modulatoren (PAMs), das hei\u00dft sie binden an den Rezeptor, allerdings an anderer Stelle als der eigentliche Ligand (allosterisch), und bewirken eine Verst\u00e4rkung (positiv) des Effekts des eigentlichen Liganden. Diese Modulation, so zeigte das Team von CureDiab in Zellversuchen, kann f\u00fcr Leberzellen von Vorteil sein (Diabetes Obes Metab. <a href=\"https:\/\/doi.org\/qnwx\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">doi.org\/qnwx<\/a> sowie Front Physiol, <a href=\"https:\/\/doi.org\/qnwz\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">doi.org\/qnwz<\/a>). Sie bewirken gewisserma\u00dfen einen Zellschutz f\u00fcr die Hepatozyten, die im Laufe der Erkrankung stark von Lipiden gesch\u00e4digt wurden.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zum Zellschutz zeigt HK3 einen weiteren Effekt: Die Substanz wirkt direkt auf die Sternzellen der Leber und reduziert deren fibrotische Signale. HK3 k\u00f6nnte so das Voranschreiten der Erkrankung verlangsamen oder vielleicht gar aufhalten.<\/p>\n<p>An der Wurzel gepackt<\/p>\n<p>Derzeit pr\u00fcft das Team von CureDiab, ob HK3 auch zu einer Gewichtsreduktion f\u00fchrt sowie zu einer Reduktion der Cholesterinbelastung bei Versuchstieren, ohne dabei die fettfreie Masse zu beeintr\u00e4chtigen. Damit w\u00fcrde der Wirkstoff das \u00dcbel an der Wurzel packen. \u201eMittels hochaufl\u00f6sender Respirometrie-Messungen haben wir in der Arbeit auch den molekularbiologischen Mechanismus dahinter untersucht\u201c, erkl\u00e4rt Eckels Mitarbeiterin und CureDiabs Chief Scientific Officer Elisabeth Rohbeck.<\/p>\n<p>Firmentrategie Verkauf<\/p>\n<p>Um zu zeigen, dass die Effekte auch auf den Menschen \u00fcbertragbar sind, br\u00e4uchten die D\u00fcsseldorfer jedoch deutlich mehr finanzielle Mittel. Eine H\u00fcrde, die viele junge Pharma-Start-ups nur mit gro\u00dfen M\u00fchen \u00fcberwinden k\u00f6nnen. Dabei geht es bei CureDiab nicht um den gro\u00dfen Durchbruch als Pharmaunternehmen. \u201eUnser Ziel ist ein Exit [der Verkauf des Unternehmens, Anm. d. Red.], sobald wir die Wirksamkeit unter Beweis stellen konnten\u201c, sagt J\u00fcrgen Eckel. Denn nur ein etabliertes Pharmaunternehmen k\u00f6nne einen so gro\u00dfen Markt bedienen, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p>Neben der Fettleber erforscht CureDiab auch die Wirksamkeit von HK3 bei anderen Erkrankungen. \u201eIm Rahmen des EFRE-gef\u00f6rderten Projekts \u201aGes\u00fcnder in NRW\u2018 forschen wir nun zu Fibrose in anderen Organen\u201c, erkl\u00e4rt der CureDiab-CEO. Denn, auch wenn das Problem der Leberverfettung eines Tages gel\u00f6st sein k\u00f6nnte, Herz, Niere und Lunge leiden ebenfalls \u2013 und nicht immer ist der Lebensstil der Ausl\u00f6ser.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Carolin Sage Histologisches Symptom einer Fettleber: Hepatozyten zeigen \u00fcbergro\u00dfe Fett-Vakuolen. 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