{"id":19454,"date":"2026-02-25T06:30:07","date_gmt":"2026-02-25T06:30:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/19454\/"},"modified":"2026-02-25T06:30:07","modified_gmt":"2026-02-25T06:30:07","slug":"intervalljagd-im-kanton-bern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/19454\/","title":{"rendered":"Intervalljagd im Kanton Bern"},"content":{"rendered":"<p id=\"ausgangslage-intervalljagd-im-kanton-bern\">Die Intervalljagd bedeutet, dass die Hobby-Jagd auf Rotwild zeitlich st\u00e4rker strukturiert wird, mit Phasen der Beunruhigung und Phasen der Beruhigung, statt eines m\u00f6glichst langen, durchgehenden Schiessbetriebs. <\/p>\n<p id=\"ausgangslage-intervalljagd-im-kanton-bern\">In Graub\u00fcnden wird dieses Modell von Beh\u00f6rden seit Jahren als \u00abErfolgsrezept\u00bb f\u00fcr Bestandsregulierung und Jagdorganisation verkauft, obwohl die wissenschaftliche Evidenz f\u00fcr einen klaren Vorteil gegen\u00fcber der klassischen Hochwildjagd d\u00fcnn bleibt, da unter anderem der Einfluss der Beutegreifer zu wenig ber\u00fccksichtigt wird.<\/p>\n<p>Im Kanton Bern soll ein Teil dieser Logik nun \u00fcbernommen werden: Der Rotwildbestand gilt lokal als zu hoch, Waldbesitzer sprechen von erheblichen Verbisssch\u00e4den, und die Politik fordert \u00abeffizientere\u00bb Regulierung. Jagdinspektorin Nicole Imesch versucht, diesen Spagat zu organisieren: weniger Troph\u00e4enkult, mehr \u00abBestandssenkung\u00bb, mehr Abschuss von weiblichen Tieren und Jungtieren.<\/p>\n<p>Der Aufstand der Berner Hobby-J\u00e4ger<\/p>\n<p>Kaum werden die Jagdregeln leicht versch\u00e4rft oder pr\u00e4zisiert, formieren sich Teile der organisierten Hobby-J\u00e4gerschaft gegen die eigene Jagdverwaltung. Offiziell kritisieren sie die Intervalljagd als \u00abunn\u00f6tig kompliziert\u00bb und praxistauglich nur f\u00fcr bestimmte Regionen, inoffiziell st\u00f6ren sie sich vor allem daran, dass ihnen der Durchmarsch zum Hirschstier mit grossem Geweih erschwert wird.<\/p>\n<p>Bereits das neue Berner Jagdregime, das weibliche Tiere klar in den Fokus r\u00fcckt, hat bei manchen Hobby-J\u00e4gern dazu gef\u00fchrt, dass sie lieber zu Hause bleiben, wenn keine Troph\u00e4en winken. Wenn Hobby-J\u00e4ger geordnete Abschusspl\u00e4ne und zeitliche Struktur schon als \u00abB\u00fcrokratie\u00bb und \u00abG\u00e4ngelung\u00bb bek\u00e4mpfen, entlarvt das eine alte Wahrheit: Die viel beschworene \u00abHege\u00bb endet oft dort, wo der pers\u00f6nliche Jagdspass eingeschr\u00e4nkt wird.<\/p>\n<p>Nicole Imesch zwischen Wissenschaft und Jagdlobby<\/p>\n<p>Nicole Imesch ist Biologin, Wildtiermanagerin und Berner Hobby-J\u00e4gerin, mit langj\u00e4hriger Erfahrung beim Bundesamt f\u00fcr Umwelt und im Bereich Wald-Wild-Management. Sie kennt die Konflikte zwischen Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Wildtierbiologie und Hobby-Jagdlobby aus erster Hand und hat sich in der Vergangenheit etwa zur Regulierung von Beutegreifern differenziert ge\u00e4ussert.<\/p>\n<p>Gerade diese Doppelrolle macht die aktuelle Kampagne der Hobby-J\u00e4gerverb\u00e4nde gegen sie so aufschlussreich: Kaum vertritt eine Jagdinspektorin eine minimal konsequentere Linie in der Rotwildregulierung oder beim <a href=\"https:\/\/wildbeimwild.com\/?s=Luchs\" title=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Luchs<\/a>, wird sie \u00f6ffentlich infrage gestellt und pers\u00f6nlich attackiert. Dass ein SVP-Nationalrat ihr gleich die Eignung f\u00fcr das Amt absprechen will, nachdem der Kanton einen rechtswidrigen Luchsabschuss verweigert, ist ein Musterbeispiel f\u00fcr politischen Druck auf Fachleute, die geltendes Recht und Mindeststandards im Wildtierschutz anwenden.<\/p>\n<p>Strukturelles Problem: Ein System reguliert sich selbst<\/p>\n<p>Die aktuelle Debatte offenbart ein strukturelles Problem: Die gleichen Kreise, die jahrzehntelang die jagdlichen Rahmenbedingungen gepr\u00e4gt haben, wehren sich nun gegen jede Reform, die auch nur ansatzweise \u00f6kologische Ziele \u00fcber jagdliche Tradition stellt. Die Intervalljagd wird von den Verb\u00e4nden nicht deshalb bek\u00e4mpft, weil sie wildtierbiologisch sch\u00e4dlich w\u00e4re, sondern weil sie Kontrolle, Planbarkeit und Transparenz in einen Bereich bringt, der bisher stark von jagdlichen Eigeninteressen dominiert war.<\/p>\n<p>Wer ernsthaft Wald und Biodiversit\u00e4t sch\u00fctzen will, kommt nicht darum herum, die Hobby-Jagd aus ihrer privilegierten Selbstverwaltung zu l\u00f6sen und klare, von unabh\u00e4ngiger Wissenschaft bestimmte Zielvorgaben zu definieren. Solange die Hobby-J\u00e4gerschaft Abschusspl\u00e4ne, Jagdregime und Kontrollmechanismen weitgehend mitbestimmt, bleiben Rotwildbest\u00e4nde, Verbissprobleme und Konflikte mit Beutegreifern ein zentrales Gesch\u00e4ftsmodell dieser Kreise: nicht ein zu l\u00f6sendes Problem.<\/p>\n<p>Warum die Intervalljagd-Debatte mehr ist als Technik<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzung um die Intervalljagd im Kanton Bern ist keine Detailfrage jagdlicher Technik, sondern ein Symptom eines tiefen Interessenkonflikts. Einerseits stehen Waldbiodiversit\u00e4t, Klimastabilit\u00e4t und der Schutz von Wildtieren als Mitgesch\u00f6pfen, andererseits ein Hobby, das nach m\u00f6glichst viel \u00abBeute\u00bb und m\u00f6glichst wenig Einschr\u00e4nkungen strebt.<\/p>\n<p>Solange Rotwild prim\u00e4r als \u00abzu regulierender Bestand\u00bb verstanden wird und Beutegreifer wie der Luchs unter massivem politischen Druck stehen, bleibt die Hobby-Jagd ein Instrument zur Verteidigung wirtschaftlicher und kultureller Anspr\u00fcche, nicht ein Werkzeug moderner, wissenschaftlich begr\u00fcndeter Wildtierpolitik. Die Diskussion im Kanton <a href=\"https:\/\/wildbeimwild.com\/?s=Bern\" title=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bern<\/a> zeigt, wie n\u00f6tig eine grunds\u00e4tzliche Neuausrichtung ist: weg von jagdlicher Besitzlogik, hin zu verbindlichen Zielen f\u00fcr Wald, Wildtiere und Gesellschaft \u2013 und einer Beh\u00f6rde, die diesen Auftrag ohne Drohkulisse der Jagdlobby erf\u00fcllen kann.<\/p>\n<p>Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem <a href=\"https:\/\/wildbeimwild.com\/dossiers\" target=\"_self\" rel=\"noopener nofollow\">Dossier zur Jagd<\/a> b\u00fcndeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Intervalljagd bedeutet, dass die Hobby-Jagd auf Rotwild zeitlich st\u00e4rker strukturiert wird, mit Phasen der Beunruhigung und Phasen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":19455,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[30],"tags":[125,7639,1959,7640,7641,7642,7643,7644,7645,7646,7647,7648,7649,7650,7651,45,7652,1405],"class_list":{"0":"post-19454","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bern","8":"tag-bern","9":"tag-berner-jagdregime","10":"tag-biodiversitaet","11":"tag-intervalljagd-bern","12":"tag-jagdinspektorat-kanton-bern","13":"tag-jagdkritik-schweiz","14":"tag-jagdverband-bern","15":"tag-jaegerverband-kritik","16":"tag-kanton-bern","17":"tag-lorenz-hess","18":"tag-luchs-abschuss-debatte","19":"tag-nicole-imesch","20":"tag-rotwild","21":"tag-rotwildbestand-waldschaeden","22":"tag-rotwildjagd-bern","23":"tag-schweiz","24":"tag-wald-wild-konflikt","25":"tag-wildtierschutz"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19454","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19454"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19454\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19455"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19454"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19454"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19454"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}