{"id":20421,"date":"2026-02-25T19:39:18","date_gmt":"2026-02-25T19:39:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/20421\/"},"modified":"2026-02-25T19:39:18","modified_gmt":"2026-02-25T19:39:18","slug":"wie-joutsen-saenger-wurde-und-die-band-wiederbelebte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/20421\/","title":{"rendered":"Wie Joutsen S\u00e4nger wurde und die Band wiederbelebte"},"content":{"rendered":"<p>Mit ihrem siebten Studioalbum ECLIPSE (2006) gelang <a href=\"https:\/\/www.metal-hammer.de\/artists\/amorphis\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Amorphis<\/a> jener Wendepunkt, an dem sich Tradition, Tragik und moderner Progressive Metal zu einem neuen Selbstverst\u00e4ndnis verdichteten. Der Klang der Band war vertraut und doch frisch, getragen von einer neuen Stimme, die sich binnen Sekunden ins kollektive Ged\u00e4chtnis der Szene brannte: <a href=\"https:\/\/www.metal-hammer.de\/themen\/tomi-joutsen\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tomi Joutsen<\/a>, damals noch S\u00e4nger von Sinisthra, heute untrennbar mit Amorphis verbunden. Anl\u00e4sslich des 20. Geburtstags von ECLIPSE blicken wir zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Neue Stimme, neues Gl\u00fcck<\/p>\n<p>Joutsens Einstieg war alles andere als selbstverst\u00e4ndlich. Nach dem Ausstieg seinems Vorg\u00e4ngers Pasi Koskinen trudelten \u00fcber hundert Demos verschiedenster Bewerber ein \u2013 und keine \u00fcberzeugte. Joutsen hingegen bewarb sich gar nicht offiziell. Sein Name machte \u00fcber Mundpropaganda die Runde, und als er schlie\u00dflich im Proberaum stand, war die Sache entschieden. ECLIPSE wurde sein Deb\u00fct, sowie das erste Amorphis-Album seit Jahren, das wieder Death-Growls einsetzte, wenn auch noch sparsamer als auf den folgenden Werken.<\/p>\n<p>Mythologie, Tragik und finnische Finsternis<\/p>\n<p>Inhaltlich tauchen Amorphis auf ECLIPSE erneut tief in das lyrische Erbe ihrer Heimat ein. Die Texte basieren auf einem Theaterst\u00fcck des finnischen Autoren Paavo Haavikko aus dem Jahr 1982, das wiederum die Kullervo-Legende aus dem \u2018Kalevala\u2019 adaptiert. Das \u2018Kalevala\u2019 \u2013 Finnlands Nationalepos \u2013 z\u00e4hlt zu den bedeutendsten literarischen Werken des Landes. Es besteht aus 50 Ges\u00e4ngen voller Mythen, Heldenfiguren und magischer Artefakte, ohne lineare Handlung, aber mit wiederkehrenden Motiven. Eine dieser Figuren ist Kullervo, eine der tragischsten Gestalten der finnischen und auch estnischen Mythologie.<\/p>\n<p>Empfehlungen der Redaktion<\/p>\n<p>Kullervos Geschichte ist d\u00fcster wie vieles, was man aus sonstigen europ\u00e4ischen Sagen kennt: eine Mischung aus \u00d6dipus, Siegfried und nordischer Fatalit\u00e4t. Noch vor seiner Geburt werden seine Eltern von seinem Onkel Untamo get\u00f6tet. Kullervo w\u00e4chst als Waisenkind in Gefangenschaft auf, misshandelt, gedem\u00fctigt und mehrfach zum Tode verurteilt. Doch dank \u00fcbernat\u00fcrlicher Kr\u00e4fte und unb\u00e4ndiger Wut \u00fcberlebt er alles, was das Schicksal f\u00fcr ihn bereith\u00e4lt. Als Sklave verkauft, landet er bei einem Schmied und dessen Frau, die ihn weiter qu\u00e4len \u2013 bis er schlie\u00dflich einen Rachefeldzug beginnt, der Schuldige wie Unschuldige gleicherma\u00dfen trifft.<\/p>\n<p>Auf der Flucht begegnet er einem M\u00e4dchen, mit dem er schl\u00e4ft, bevor beide erkennen, dass sie Geschwister sind. Das M\u00e4dchen st\u00fcrzt sich in den Tod und Kullervo begreift, dass er selbst zum Werkzeug des Unheils geworden ist. Als er an den Ort seiner Kindheit zur\u00fcckkehrt, findet er nur Ruinen und Gr\u00e4ber vor. Er zieht in den Wald, l\u00e4dt alle Schuld auf sich und st\u00fcrzt sich in sein eigenes Schwert. Kein Wunder, dass sich auch J.R.R. Tolkien von dieser Figur inspirieren lie\u00df: Sein T\u00farin Turambar aus dem \u2018Silmarillion\u2019 tr\u00e4gt unverkennbar Kullervos Z\u00fcge.<\/p>\n<p>Nur zwei Songs des Albums ( \u2018Under A Soil And Black Stone\u2019\u00a0und \u2018Brother Moon\u2019)\u00a0weichen textlich von Haavikkos Vorlage ab. Der Rest folgt konsequent der d\u00fcsteren Dramaturgie des Theaterst\u00fccks.<\/p>\n<p>Amorphis\u2019 musikalische Wiedergeburt<\/p>\n<p>Musikalisch verbinden Amorphis auf ECLIPSE ihre progressive Ader mit melodischer Wucht und emotionaler Tiefe. Die Mischung aus Klargesang und Growls, getragen von Joutsens markantem Timbre, verlieh der Band einen frischen Impuls, der bis heute nachwirkt. Die beiden Musikvideos zu \u2018House Of Sleep\u2019 und \u2018The Smoke\u2019 machten das Album visuell pr\u00e4sent und halfen dabei, Amorphis wieder st\u00e4rker ins internationale Rampenlicht zu r\u00fccken.<\/p>\n<p>In Deutschland erschien ECLIPSE am 24. Februar, und die Resonanz war \u00fcberw\u00e4ltigend. Kritiker lobten die R\u00fcckbesinnung auf alte St\u00e4rken ebenso wie die neue stimmliche Dynamik. In Finnland erreichte das Album schlie\u00dflich Goldstatus \u2013 der erste in der Geschichte der Band.<\/p>\n<p>Das Verm\u00e4chtnis<\/p>\n<p>ECLIPSE markiert den Moment, in dem sich Amorphis neu erfanden, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen. Die Verbindung aus progressivem Metal, finnischer Mythologie und einer Stimme, die sofort alles ver\u00e4ndert, macht das Album zu einem Meilenstein \u2013 sowohl im Band-Katalog als auch in der modernen finnischen Metal-Geschichte.<\/p>\n<p>\u2014<br \/>Bestens informiert \u00fcber dieses und alle weiteren wichtigen Themen im Metal bleibt ihr au\u00dferdem mit unserem Newsletter. Einmal pro Woche flattert euch \u00fcbersichtlich sortiert ein Update ins Postfach. <a href=\"https:\/\/www.metal-hammer.de\/news\/newsletter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">Einfach anmelden<\/a>, damit euch auch sicher nichts entgeht.<br \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/d808a3fd86534b2b9ba8539a79b0862f.gif\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit ihrem siebten Studioalbum ECLIPSE (2006) gelang Amorphis jener Wendepunkt, an dem sich Tradition, Tragik und moderner Progressive&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":20422,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[7936,7937,46,7938,68,7939,5365,7940,85,86,45,44,7941,69],"class_list":{"0":"post-20421","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-musik","8":"tag-7936","9":"tag-amorphis","10":"tag-ch","11":"tag-eclipse","12":"tag-entertainment","13":"tag-j-r-r-tolkien","14":"tag-jahrestag","15":"tag-kalevala","16":"tag-music","17":"tag-musik","18":"tag-schweiz","19":"tag-switzerland","20":"tag-tomi-joutsen","21":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20421","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20421"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20421\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20422"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20421"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20421"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20421"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}