{"id":208024,"date":"2026-07-14T08:01:08","date_gmt":"2026-07-14T08:01:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/208024\/"},"modified":"2026-07-14T08:01:08","modified_gmt":"2026-07-14T08:01:08","slug":"unterwasser-vulkan-in-der-suedsee-dieser-ausbruch-ist-ein-gluecksfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/208024\/","title":{"rendered":"Unterwasser-Vulkan in der S\u00fcdsee: Dieser Ausbruch ist ein Gl\u00fccksfall"},"content":{"rendered":"<p>Erst entstand ein Vulkan, wo eigentlich keiner sein sollte. Nun entdecken Forscher, dass er sich sogar aus Magma speist, das Milliarden Jahre alt ist. F\u00fcr die Geowissenschaften ist der Fund ein Gl\u00fccksfall.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die Inselgruppe Mayotte im Indischen Ozean, gelegen zwischen Madagaskar und der K\u00fcste von Mosambik, ist eine Perle unter den verbliebenen franz\u00f6sischen S\u00fcdseeinseln. Vom Ozean umgeben liegt sie auf einem vulkanischen Plateau, das halb geflutet ist und eine der gr\u00f6\u00dften und tiefsten Lagunen der Welt bildet.<\/p>\n<p>Im Jahr 2018 ersch\u00fctterten Schw\u00e4rme von Erdbeben das Idyll. Am 15. Mai erreichten die Eruptionen eine St\u00e4rke von 5,9 auf der Richterskala und mehrere Geb\u00e4ude der Inselbewohner wurden besch\u00e4digt. Wissenschaftler waren \u00fcberrascht \u2013 bis dato galt die Gegend als seismisch stabil. <\/p>\n<p>Einige gro\u00dfe Forschungsorganisationen, darunter acht franz\u00f6sische Universit\u00e4ten, machten sich auf, die Ursache f\u00fcr die mysteri\u00f6se Aktivit\u00e4t zu kl\u00e4ren. Mehrere Schiffsexpeditionen schw\u00e4rmten aus und fanden bald darauf rund 55 Kilometer \u00f6stlich von Mayotte Antworten.<\/p>\n<p>Dort, in einer Tiefe von 3,5 Kilometern, trat Magma aus und bildete bis 2021 einen Unterseevulkan, der sich mittlerweile 800 Meter \u00fcber den Meeresgrund erhebt. Der Fani Maor\u00e9 getaufte Vulkan \u00fcberrascht die Wissenschaftler nun von Neuem.<\/p>\n<p>Eine im Fachjournal \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-026-10719-w\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-026-10719-w&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Nature<\/a>\u201c ver\u00f6ffentlichte Studie untersuchte die chemische Beschaffenheit des ausgetretenen Gesteins \u2013 und fand Hinweise auf Material aus der Fr\u00fchgeschichte unserer Erde, das aus der Zeit vor mindestens 4,3 Milliarden Jahren im Erdmantel erhalten geblieben sein muss. <\/p>\n<p>Die Forscher nutzten innovative Methoden f\u00fcr ihre Entdeckung. Anhand der Isotopensignatur der Gesteinsproben konnten sie bestimmen, dass das Magma aus einer tief liegenden Kammer im Erdmantel stammt. Dort lagerte das Material offenbar \u00fcber Milliarden Jahre, abgeschirmt von tektonischen Bewegungen. <\/p>\n<p>Bislang galt dies als nahezu ausgeschlossen. Die st\u00e4ndige Bewegung der Platten sollte das Gestein im Erdmantel durchmischen. Mineralische Spuren aus der Fr\u00fchzeit der Erdschichten sollten somit im Inneren des Mantels verschwinden.<\/p>\n<p>Die gefundenen Stoffe geh\u00f6ren vermutlich zu den ersten Gesteinen, die beim Abk\u00fchlen des fr\u00fchen Magma-Ozeans kristallisierten. Die Forscher des Institut de Physique du Globe de Paris gehen davon aus, dass es sich beim Gro\u00dfteil des alten Materials um Bridgmanit handelt, ein Mineral, das sich unter dem enormen Druck des unteren Erdmantels bildet.<\/p>\n<p>4,54 Milliarden Jahre ist die Erde sch\u00e4tzungsweise alt. Die nun gefundenen Spuren f\u00fchren also direkt in die Ursprungsphase im Lebenszyklus des Planeten zur\u00fcck. Erstes kleinzelliges Leben bildete sich vermutlich vor 3,5 bis 4 Milliarden Jahren auf ihm. Dazwischen durchlief er radikale Transformationen.<\/p>\n<p>Zu Beginn der Erdgeschichte kollidierte Theia, ein Himmelsk\u00f6rper von der Gr\u00f6\u00dfe des Mars, mit dem Planeten. Die junge Erde \u00fcberstand den Einschlag, vermutlich bildete sich aus den Tr\u00fcmmern der Mond. Doch die Erdoberfl\u00e4che wurde in der Folgezeit von einem riesigen Magma-Ozean bedeckt. <\/p>\n<p>Erst als dieser abk\u00fchlte, bildeten sich Festgesteine. Im erkalteten Magma des Fani Maor\u00e9 vor den Mayotte-Inseln k\u00f6nnten nun erstmals \u00dcberreste dieser embryonischen Entwicklungsphase des Planeten in Vulkangestein nachgewiesen worden sein. <\/p>\n<p>Der Fund ist ein Gl\u00fccksfall. Erstautorin Catherine Chauvel sagte, die Entdeckung habe weitreichende Folgen f\u00fcr die Geowissenschaften. Erstmals gebe es einen Beleg daf\u00fcr, dass Relikte aus der Entstehungszeit der Erde bis heute im Erdinneren erhalten geblieben sind und durch vulkanische Prozesse an die Oberfl\u00e4che gelangen k\u00f6nnen. Gleichzeitig spr\u00e4chen die Ergebnisse daf\u00fcr, dass das Innere unseres Planeten deutlich weniger durchmischt ist als bislang angenommen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Erst entstand ein Vulkan, wo eigentlich keiner sein sollte. 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