{"id":20955,"date":"2026-02-26T06:06:08","date_gmt":"2026-02-26T06:06:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/20955\/"},"modified":"2026-02-26T06:06:08","modified_gmt":"2026-02-26T06:06:08","slug":"vergessenes-denkmal-fuer-eine-schweizerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/20955\/","title":{"rendered":"Vergessenes Denkmal f\u00fcr eine Schweizerin"},"content":{"rendered":"<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/STEFFORD_BARON_DRINK.jpg\" width=\"768\" height=\"512\" alt=\"Stefford Baron Drink\" loading=\"eager\" decoding=\"sync\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>                Ein Paar zwischen Inszenierung und Legende: Myriam Stefford und Ra\u00fal Bar\u00f3n Biza. Nach ihrem t\u00f6dlichen Absturz wurde die Auslandschweizerin durch das Mausoleum \u00abEl Ala\u00bb in Argentien unsterblich.            <\/p>\n<p>            PD        <\/p>\n<p>        Mitten in Argentinien ragt ein 82 Meter hoher Betonfl\u00fcgel in den Himmel. Tourist:innen fotografieren ihn, Reisef\u00fchrer erw\u00e4hnen ihn, Argentinier:innen kennen seine Geschichte. In der Schweiz hingegen weiss kaum jemand, dass eines der h\u00f6chsten Monumente Argentiniens einer Schweizerin gewidmet ist.\n<\/p>\n<p>        Dieser Inhalt wurde am ver\u00f6ffentlicht    <\/p>\n<p>        26. Februar 2026 &#8211; 06:00\n<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/upload-temp-file-f0cf42dc-9ba2-428f-84b8-86c53fdd1d8c-89198823.jpg\" width=\"2520\" height=\"2679\" alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>\n                In meiner Arbeit befasse ich mich mit Themen, die f\u00fcr die Schweizerinnen und Schweizer im Ausland relevant sind \u2013 von politischen Entwicklungen in der Schweiz und deren Auswirkungen auf die Diaspora bis hin zu sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Fragestellungen.<br \/>\nVor SWI swissinfo.ch habe ich als Lokaljournalistin f\u00fcr die Aargauer Zeitung geschrieben. Ich habe einen Bachelor in mehrsprachiger Kommunikation und &#8211; klassisch schweizerisch &#8211; eine Lehre als Kauffrau abgeschlossen.            <\/p>\n<p>            <a href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/author\/melanie-eichenberger\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                Mehr von dieser Autorin \/ diesem Autoren            <\/a><\/p>\n<p>            <a href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/department\/deutschsprachige-redaktion\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                Deutschsprachige Redaktion            <\/a><\/p>\n<p>Myriam Stefford, geboren als Rosa Martha Rossi in Bern, ist in Argentinien eine Legende. Zwischen ihrer Schweizer Heimat und ihrem Mausoleum \u00abEl Ala\u00bb in C\u00f3rdoba liegen rund 11\u2019500 Kilometer Luftlinie. Ihr schillerndes Leben ist gut dokumentiert. <a href=\"https:\/\/www.derbund.ch\/wie-eine-berner-hochstaplerin-in-argentinien-luftfahrtgeschichte-schrieb-956358325157\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Zeitungen in der Schweiz, wie etwa der BundExterner Link<\/a>, sowie in \u00dcbersee, B\u00fccher und Filme haben ihre Geschichte erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Weniger als \u00fcber die ber\u00fchmte Auslandschweizerin weiss man aber \u00fcber das Schweizer Denkmal, das von ihr geblieben ist.<\/p>\n<p>Wie kommt es, dass seit 90 Jahren ein 82 Meter hohes Mausoleum zu Ehren einer Schweizerin mitten in Argentinien steht? Die Antwort beginnt mit einem abenteuerlichen Leben, einer grossen Liebe, dem Fliegen \u2013 und endet mit einem tragischen Unfall, der bis heute R\u00e4tsel aufgibt.<\/p>\n<p>Eine erfundene Filmkarriere<\/p>\n<p>Rosa Martha Rossi wurde 1905 in Bern geboren. Ihr Vater, ein aus dem Tessin stammender Kutschenh\u00e4ndler, geh\u00f6rte zum soliden Mittelstand. 1924 meldete sich die junge Frau in Bern ab und reiste nach Paris \u2013 offiziell f\u00fcr ein Jahr.<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/STEFFORD_JEWELLERY.jpg\" width=\"569\" height=\"712\" alt=\"Stefford mit Schmuck\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Myriam Stefford, geboren als Rosa Martha Rossi in Bern. In Argentinien wurde sie zur schillernden Figur der Oberschicht.            <\/p>\n<p>            PD        <\/p>\n<p>\u00dcber die Gr\u00fcnde wird bis heute spekuliert. Argentinische Quellen sprechen davon, sie sei von zu Hause weggelaufen; Schweizer Historikerinnen vermuten famili\u00e4re Konflikte oder eine unerw\u00fcnschte Beziehung.<\/p>\n<p>Wie sie sich in Paris durchschlug, ist nicht bekannt. Und auch nicht, wie genau sie den argentinischen Million\u00e4r Ra\u00fal Bar\u00f3n Biza kennenlernte. Sicher ist: Der exzentrische Argentinier machte aus Rosa Rossi die Figur \u00abMyriam Stefford\u00bb.<\/p>\n<p>In seiner eigenen Zeitschrift inszenierte er sie 1926 als aufstrebenden Filmstar mit Engagements in der deutschen Filmindustrie. Heute wissen wir, diese Karriere war weitgehend erfunden. Weder in Filmarchiven noch in Theaterregistern taucht ihr Name auf.<\/p>\n<p>Selbst eine Hochzeit in Venedig wurde medial angek\u00fcndigt, doch Jahrzehnte sp\u00e4ter fand sich im Zivilstandsregister kein entsprechender Eintrag. Als Stefford 1928 in Argentinien eintraf, soll sie als ledige Arbeiterin registriert worden sein.<\/p>\n<p>Eine der ersten Flieger-Frauen Argentiniens<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/STEFFORD_IN_GEAR.jpg\" width=\"529\" height=\"662\" alt=\"Stefford with Gear\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Nur Wochen nach Erhalt ihres Pilotenscheins startete Myriam Stefford zu einem ambitionierten Rundflug \u2013 der t\u00f6dlich endete.            <\/p>\n<p>            PD        <\/p>\n<p>In Argentinien wurde Myriam Stefford dennoch zur schillernden Figur. Sie bewegte sich im Kreis der wohlhabenden Oberschicht, lebte glamour\u00f6s \u2013 und entdeckte eine neue Leidenschaft: das Fliegen.<\/p>\n<p>1931 geh\u00f6rte sie zu den ersten Frauen des Landes, die einen Pilotenschein erwarben. Nur wenige Wochen sp\u00e4ter k\u00fcndigte sie an, einen Etappenflug \u00fcber die 14 Provinzhauptst\u00e4dte Argentiniens zu wagen.<\/p>\n<p>Schon kurz nach dem Absturz kursierten Ger\u00fcchte \u00fcber die Unfallursache. Es war von einem Luftloch die Rede. Andere spekulierten \u00fcber ein Verbrechen. Die Legenden begannen unmittelbar nach ihrem Tod \u2013 und halten sich bis heute.<\/p>\n<p>Am 18. August 1931 startete sie mit einem kleinen zweisitzigen Flugzeug zu dieser Reise. Mehrere Zwischenf\u00e4lle zwangen sie zu Notlandungen, doch sie setzte ihr Vorhaben fort. Am 26. August 1931 st\u00fcrzte ihr Flugzeug nahe Marayes in der Provinz San Juan ab. Myriam Stefford und ihr Fluglehrer kamen ums Leben.<\/p>\n<p>Ein Denkmal aus Liebe<\/p>\n<p>Bar\u00f3n Biza reagierte auf den Tod seiner Gef\u00e4hrtin mit einem beispiellosen Erinnerungsprojekt. Zun\u00e4chst liess er an der Absturzstelle ein Denkmal errichten.<\/p>\n<p>1936 folgte das monumentale Mausoleum \u00abEl Ala\u00bb \u2013 der Fl\u00fcgel \u2013 in Alta Gracia: ein 82 Meter hoher Betonfl\u00fcgel, der selbst den bekannten Obelisken von Buenos Aires \u00fcberragt.<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/STEFFORD_EL_ALA_NEW.jpg\" width=\"2485\" height=\"1656\" alt=\"el ala\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                \u00abEl Ala\u00bb bei Alta Gracia in der Provinz C\u00f3rdoba ist 82 Meter hoch.            <\/p>\n<p>            PD        <\/p>\n<p>Das als gigantischer, stilisierter Flugzeugfl\u00fcgel gestaltete Bauwerk wurde zugleich als Leuchtturm konzipiert. An seiner Spitze befand sich einst ein Licht, das bis zu 60 Kilometer weit sichtbar gewesen sein soll.<\/p>\n<p>Myriam Steffords sterbliche \u00dcberreste wurden dorthin \u00fcberf\u00fchrt. Mit ins Grab, so heisst es, habe man auch ihren Schmuck gelegt \u2013 darunter einen sagenumwobenen Diamanten, um den sich weitere Mythen ranken.<\/p>\n<p>Das Denkmal war von Anfang an als \u00f6ffentlicher Ort gedacht, als Parkanlage, als Begegnungsst\u00e4tte. Zur Einweihung 1936 sollen Tausende Menschen gekommen sein. Neunzig Jahre sp\u00e4ter steht der Betonfl\u00fcgel noch immer in der Landschaft der Sierras bei C\u00f3rdoba \u2013 verwittert, verlassen und in der Schweiz fast vergessen.<\/p>\n<p>        Externer Inhalt    <\/p>\n<p>In der Region kennt man die Geschichte<\/p>\n<p>In Argentinien jedoch lebt die Geschichte weiter \u2013 nicht nur in B\u00fcchern und Filmen, sondern auch in pers\u00f6nlichen Erinnerungen an das Mausoleum.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/reel\/DT-GCMfiVoO\/?utm_source=ig_web_copy_link&amp;igsh=MzRlODBiNWFlZA==\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Auf einen Aufruf von Swissinfo meldeten sich einige Leser:innen aus ArgentinienExterner Link<\/a>. Viele verbinden mit dem Mausoleum Kindheitserinnerungen oder famili\u00e4re Verbindungen zur Schweiz.<\/p>\n<p>Eine Leserin schreibt: \u00abEl Ala ist viel mehr als ein Monument: Es verbindet C\u00f3rdoba mit der Schweiz durch eine Geschichte von Liebe und Pioniergeist.\u00bb Andere Leser:innen berichten, dass sie oft am Mausoleum vorbeigefahren sind, und manche betonen ihre Schweizer Herkunft.<\/p>\n<p>So bleibt \u00abEl Ala\u00bb nicht nur das Grab einer jungen Pilotin, sondern ein Symbol der Verbindung zwischen zwei L\u00e4ndern, dessen Geschichte auch 90 Jahre sp\u00e4ter fasziniert.<\/p>\n<p>        Mehr    <\/p>\n<p>            Gibt es in Ihrer N\u00e4he im Ausland Orte mit Schweizer Geschichte?        <\/p>\n<p class=\"teaser-wide-debate-card__text\">\n<p>                Kennen Sie Orte, Geb\u00e4ude, Kunstobjekte in Ihrem Aufenthaltsland, die eng mit der Schweizer Auswanderungsgeschichte verbunden sind?\n        <\/p>\n<p>    <a class=\"teaser-wide-debate-card__link\" href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/swiss-abroad\/gibt-es-in-ihrer-naehe-im-ausland-orte-mit-schweizer-geschichte\/47213686\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>             Diskussion anzeigen<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>Die offizielle Schweiz setzt das Denkmal der verstorbenen Auslandschweizerin heute kaum aktiv in der Beziehungspflege ein. <a href=\"https:\/\/x.com\/SwissAmbArg\/status\/1398350106995343361?s=20\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">Zwar portr\u00e4tierte die Schweizer Botschaft in Argentinien Myriam Stefford 2021 im Rahmen einer Kampagne \u00fcber \u00abSchweizerinnen in Lateinamerika\u00bbExterner Link<\/a>. Das Mausoleum selbst spielte dabei jedoch keine zentrale Rolle.<\/p>\n<p>So bleibt der Betonfl\u00fcgel in C\u00f3rdoba vor allem ein lokales Erinnerungszeichen \u2013 eines, das in Argentinien bekannt ist, f\u00fcr die Schweiz jedoch kaum eine Rolle spielt.<\/p>\n<p>Editiert von Balz Rigendinger.<\/p>\n<p>        Artikel in dieser Story    <\/p>\n<p>        Serie Schweizer Kulturerbe im Ausland    <\/p>\n<p>                    <script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Paar zwischen Inszenierung und Legende: Myriam Stefford und Ra\u00fal Bar\u00f3n Biza. 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