{"id":215881,"date":"2026-07-20T11:03:18","date_gmt":"2026-07-20T11:03:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/215881\/"},"modified":"2026-07-20T11:03:18","modified_gmt":"2026-07-20T11:03:18","slug":"grafik-visuelle-gestaltung-im-alltag-landesmuseum-zuerich-17-7-2026-4-4-2027","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/215881\/","title":{"rendered":"Grafik. Visuelle Gestaltung im Alltag &#8211; Landesmuseum Z\u00fcrich | 17.7.2026 \u2013 4.4.2027"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Z\u00fcrich \u2013 Visuelle Kommunikation begleitet uns \u00fcberall: auf Verpackungen, Plakaten, Briefmarken, Strassenschildern, Uhren, Inseraten oder in Leitsystemen. Anhand von Objekten aus der Sammlung des <a href=\"https:\/\/www.landesmuseum.ch\/de\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.landesmuseum.ch\/de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schweizerischen Nationalmuseums<\/a> wird in der Ausstellung sichtbar, dass Gestaltung weit mehr ist als Dekoration: Sie ordnet Informationen, schafft Orientierung, erzeugt Emotionen, vermittelt Werte und kann gesellschaftliche Vorstellungen festigen oder hinterfragen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der erste Teil der Ausstellung richtet den Blick auf die Wirkung von Gestaltung. Farben, Bilder und Schriften werden h\u00e4ufig schneller erfasst als Sprache und sprechen uns direkt an. Werbung nutzt diese Kraft gezielt: Sie inszeniert zum Beispiel Produkte als begehrenswert und transportiert dabei Werte, Rollenbilder oder Vorstellungen davon, welche K\u00f6rper als ideal gelten. Historische Plakate und Inserate zeigen etwa, wie Frauen lange als f\u00fcrsorgliche Hausfrauen, blosse Dekoration inszeniert wurden, w\u00e4hrend M\u00e4nner h\u00e4ufiger als kompetent, aktiv oder dominant erscheinen. Solche Bilder pr\u00e4gen \u00fcber Jahrzehnte hinweg, was als \u00abnormal\u00bb gilt. Gleichzeitig macht die Ausstellung deutlich, dass Grafik auch ein Mittel sein kann, um solche Normen sichtbar zu machen und kritisch zu befragen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Gesundheit, Konsum und \u00abSwissness\u00bb. Werbung f\u00fcr Tabak, Alkohol oder stark verarbeitete Lebensmittel stellte lange Genuss, Freiheit oder \u00dcberfluss in den Vordergrund, w\u00e4hrend Risiken ausgeblendet wurden. Auch nationale Identit\u00e4t wird grafisch erzeugt: Schweizerkreuz, Berge, Armbrust, Wilhelm Tell oder vertraute Markenauftritte \u00fcbersetzen Werte wie Qualit\u00e4t, Pr\u00e4zision und Verl\u00e4sslichkeit in einpr\u00e4gsame Bilder. Der sogenannte \u00abSwiss Style\u00bb mit klaren Rastern, Groteskschriften und funktionaler Gestaltung wurde international zu einem Markenzeichen moderner Schweizer Grafik. Zugleich thematisiert die Ausstellung kritisch den Blick auf \u00abdas Andere\u00bb: Exotisierende und rassistische Darstellungen zeigen, wie in visueller Gestaltung auch Machtverh\u00e4ltnisse, Stereotype und westliche Perspektiven reproduziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der zweite Teil f\u00fchrt in den Entstehungsprozess grafischer Gestaltung ein. Hier wird deutlich, wie viel Beobachtung, Handwerk und Systematik hinter scheinbar einfachen visuellen L\u00f6sungen stehen. Plakatentw\u00fcrfe von Paul Br\u00fchwiler, Theo Ballmer oder Donald Brun zeigen die Suche nach dem passenden Motiv, nach Komposition, Technik und Ausdruck. Bei Br\u00fchwilers Filmplakat f\u00fcr das Filmpodium Z\u00fcrich etwa dient ein Holzschnitt als Grundlage f\u00fcr den Siebdruck, als welcher das fertige Plakat umgesetzt wurde. Die Entwurfsserie macht verschiedene gestalterische Herangehensweisen sichtbar. Auch Ruedi K\u00fcllings OLMA-Entw\u00fcrfe oder Siegfried Odermatts Plakatentwurf \u00abDesign aus den Niederlanden\u00bb zeigen, wie Formen, Farben, Papier, Schrift und Druckverfahren schrittweise zu einem pr\u00e4gnanten visuellen Auftritt verdichtet werden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders anschaulich wird die Allgegenwart von Grafik in den Bereichen Signaletik, Corporate Design und Produktgestaltung. Orientierungssysteme wie jenes der EPFL oder die Signaletik des Monte Verit\u00e0 zeigen, wie typografische, farbliche und formale Elemente R\u00e4ume strukturieren. Das Corporate Design der Stadt Luzern oder Entw\u00fcrfe f\u00fcr Palexpo machen sichtbar, wie Logos, Manuale und Anwendungen eine wiedererkennbare Identit\u00e4t schaffen. Auch Alltagsobjekte erz\u00e4hlen Designgeschichte: Die Swatch-Uhren von Robert &amp; Durrer, darunter \u00abBanana\u00bb, \u00abNautilus\u00bb und \u00abJelly Fish\u00bb, verbinden grafische Muster, Farben und industrielle Produktion zu kleinen tragbaren Zeichen ihrer Zeit. Verpackungen wie Cementit oder Inserate f\u00fcr Schweppes, BiC und Akris zeigen, wie Wiedererkennung, Wortwitz, Reduktion oder fotografische Pr\u00e4zision zum Erfolg einer Marke beitragen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausstellung macht damit erfahrbar, dass Grafik nicht am Rand des Alltags steht, sondern ihn wesentlich mitgestaltet. Sie beeinflusst, was wir sehen, kaufen, erinnern und glauben. Sie kann Orientierung geben, Vertrauen schaffen und Identit\u00e4t stiften, aber auch Klischees verst\u00e4rken oder ausgrenzen. Indem \u00abGrafik. Visuelle Gestaltung im Alltag\u00bb historische Beispiele mit gestalterischen Prozessen verbindet, \u00f6ffnet sie den Blick f\u00fcr eine visuelle Kultur, die uns t\u00e4glich umgibt \u2013 und l\u00e4dt dazu ein, genauer hinzusehen. (pd\/mc\/pg)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Z\u00fcrich \u2013 Visuelle Kommunikation begleitet uns \u00fcberall: auf Verpackungen, Plakaten, Briefmarken, Strassenschildern, Uhren, Inseraten oder in Leitsystemen. 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