{"id":217133,"date":"2026-07-21T10:21:25","date_gmt":"2026-07-21T10:21:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/217133\/"},"modified":"2026-07-21T10:21:25","modified_gmt":"2026-07-21T10:21:25","slug":"von-shanghai-nach-zuerich-jiajia-zhangs-kunst-spiegelt-das-moderne-stadtleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/217133\/","title":{"rendered":"Von Shanghai nach Z\u00fcrich: Jiajia Zhangs Kunst spiegelt das moderne Stadtleben"},"content":{"rendered":"<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Lead-Image_Jiajia-Zhang_Self-portrait-with-mirrors_2016_2026.-Courtesy-of-the-artist.webp\" width=\"1200\" height=\"811\" alt=\"Selbstportr\u00e4t mit Spiegeln (2016\u20132026).\" loading=\"eager\" decoding=\"sync\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>                Selbstportr\u00e4t mit Spiegeln (2016\u20132026).            <\/p>\n<p>            Courtesy of the Artist         <\/p>\n<p>        Anhand von Videos, Spiegeln, Audioerz\u00e4hlungen und Gesang erforscht K\u00fcnstlerin Jiajia Zhang in einer ambitionierten, sich stets ver\u00e4ndernden Installation \u00f6ffentliche und private R\u00e4ume und zeigt auf, wie Technologie und Architektur St\u00e4dte pr\u00e4gen. Jiajia Zhang wurde in China geboren und lebt heute in Z\u00fcrich. Ihre Ausstellung \u00abDomestic News\u00bb war im Swiss Institute in New York zu sehen.\n<\/p>\n<p>        Dieser Inhalt wurde am ver\u00f6ffentlicht    <\/p>\n<p>        21. Juli 2026 &#8211; 11:25\n<\/p>\n<p>Wer sich im Swiss Institute in New York in die Galerie im Untergeschoss begibt, h\u00f6rt zun\u00e4chst das Klicken einer mechanischen Werbetafel, das durch das Treppenhaus aus Beton hallt. Die Anzeige wechselt zwischen farbenfrohen Blumenarrangements und einer schwarzen Fl\u00e4che hin und her.<\/p>\n<p>Die Abfolge von Bildern greift Geschichten auf, die K\u00fcnstlerin Jiajia Zhang aus den Memoiren ihrer Grossmutter \u00fcber die japanische Besetzung Chinas im Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg erfahren hat. Den Schilderungen der Grossmutter zufolge waren Blumen auf der Fensterbank ein Hinweis, dass das Haus f\u00fcr geheime politische Treffen sicher war \u2013 fehlten die Blumen, war das Haus nicht sicher.<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/260504_SI_Install_view85.jpg\" width=\"2250\" height=\"3000\" alt=\"Eine Blume ist nicht einfach nur eine Blume: Detailansicht von Zhangs Installation in New York.\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Eine Blume ist nicht einfach nur eine Blume: Detailansicht von Zhangs Installation in New York.             <\/p>\n<p>            Dan Bradica        <\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/260504_SI_Install_view86.jpg\" width=\"2250\" height=\"3000\" alt=\"Keine Blume: Erinnerungen an die japanische Besetzung Chinas w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs.\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Keine Blume: Erinnerungen an die japanische Besetzung Chinas w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs.             <\/p>\n<p>            Dan Bradica        <\/p>\n<p>Das gerahmte Lamellendisplay dient als Einstieg in \u00abDomestic News\u00bb, Zhangs erste institutionelle Einzelausstellung in den USA. Im Untergeschoss \u00f6ffnet sich die Galerie in einen runden, verspiegelten Raum, in dem auf f\u00fcnf Bildschirmen Szenen aus Shanghai zu sehen sind, begleitet von einem unzusammenh\u00e4ngenden Soundtrack aus Liedern und Stimmen.<\/p>\n<p>Zhang zeigt kein gradliniges Portr\u00e4t der Stadt, sondern ergr\u00fcndet, wie Spektakel, Infrastruktur und Alltag in der zeitgen\u00f6ssischen Stadt miteinander verschmelzen.<\/p>\n<p>Swissinfo gegen\u00fcber erkl\u00e4rt sie, dass sich der Titel der Ausstellung zum Teil auf die Art und Weise beziehe, wie Menschen im \u00f6ffentlichen Raum durch verschl\u00fcsselte Sprache kommunizieren, und welches Potenzial f\u00fcr Ver\u00e4nderungen daraus entstehe.<\/p>\n<p>\u00abInlandnachrichten stellen innerhalb des Zeitungsgenres einen eigenen Bereich dar\u00bb, meint die K\u00fcnstlerin. \u00abMich interessierte, wie aus dem Aspekt \u2039Inland\u203a und dem Aspekt \u2039Nachrichten\u203a tagesaktuelle Newsbeitr\u00e4ge entstehen \u2013 also aus etwas eher Privatem und etwas eher \u00d6ffentlichem. Mein Eindruck ist, dass diese Bereiche manchmal ineinander verfliessen.\u00bb<\/p>\n<p>Monumental und intim<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/260504_SI_Install_view59.jpg\" width=\"3000\" height=\"2250\" alt=\"Ausstellungsansicht im Untergeschoss des Swiss Institute.\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Ausstellungsansicht im Untergeschoss des Swiss Institute.             <\/p>\n<p>            Dan Bradica        <\/p>\n<p>Die neu in Auftrag gegebene Installation kombiniert Videos, Ton und architektonische Elemente und bietet einen st\u00e4ndig wechselnden Blick auf das heutige Shanghai.<\/p>\n<p>Auf Hockern aus Motorrads\u00e4tteln, die teilweise von den Kurieren der Stadt inspiriert sind, k\u00f6nnen sich die Besucher:innen einen 22-min\u00fctigen Film in Endlosschleife anschauen, der Shanghai in Nahaufnahmen und weitl\u00e4ufigen Stadtansichten zeigt: Drehrestaurants, in der Nacht gl\u00e4nzende Spitzen von Wolkenkratzern, Paare, die f\u00fcr Hochzeitsfotos posieren, Strassenreiniger bei der Arbeit, Menschen im Verkehr und eine endlose Abfolge aus LED-Bildschirmen und digitalen Werbetafeln. Die bruchst\u00fcckartigen Szenen, die auf den verspiegelten Oberfl\u00e4chen reflektiert werden, ergeben ein Bild eines Shanghais, das sich stetig wandelt, zugleich aber monumental und intim wirkt.<\/p>\n<p>Die Spiegel reflektieren sowohl die digitalen Bildschirme als auch den Ausstellungsraum selbst und schaffen so eine mehrschichtige Tiefe, erkl\u00e4rt Alison Coplan, Chefkuratorin am Swiss Institute. Wie die Menschen im Film werden auch die Betrachter:innen \u00abgewissermassen von der Architektur, den Maschinen und dem Informationsfluss der Stadt umh\u00fcllt\u00bb. Fenster, T\u00fcren und Spiegelungen seien dabei Hinweise f\u00fcr \u00abWege hinein und hinaus\u00bb.<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/4_Video-still-from-Domestic-News-2026-Jiajia-Zhang-HD-Video-Color-Sound_Courtesy-of-the-artist.jpg\" width=\"3840\" height=\"2160\" alt=\"Standbild aus dem Video \u00abDomestic News\u00bb.\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Standbild aus dem Video \u00abDomestic News\u00bb.            <\/p>\n<p>            Courtesy of the Artist         <\/p>\n<p>Das vom Schweizer Fotografen Ji\u0159\u00ed Makovec aufgenommene Filmmaterial wurde mit einem Audioskript der in London lebenden Autorin Aurelia Guo vertont. Auf Grundlage verschiedener Textquellen, darunter Reiseberichte, Newsbeitr\u00e4ge und juristische Dokumente, berichtet eine Erz\u00e4hlstimme von \u00dcberschwemmungen, Erfahrungen in der Diaspora, Heiratsm\u00e4rkten und revolution\u00e4ren Tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Die Tonspur wechselt zwischen Mandarin und Englisch und beschreibt das Filmmaterial nicht direkt, sondern verl\u00e4uft parallel dazu. Zhang erkl\u00e4rt, dass sie in den letzten Jahren zwar zahlreiche Videos gedreht habe, dass dieses Projekt sich jedoch aufgrund seiner r\u00e4umlichen Form und seiner Integration in die Ausstellungsumgebung anspruchsvoller anf\u00fchle.<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1_Video-still-from-Domestic-News-2026-Jiajia-Zhang-HD-Video-Color-Sound_Courtesy-of-the-artist.jpg\" width=\"3840\" height=\"2160\" alt=\"Standbild aus Jiajia Zhangs \u201eDomestic News\u201c, 2026 (HD-Video).\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Standbild aus Jiajia Zhangs \u00abDomestic News\u00bb, 2026 (HD-Video).            <\/p>\n<p>            Courtesy of the Artist         <\/p>\n<p>Gespiegelte St\u00e4dte<\/p>\n<p>Das Werk ist Teil eines gr\u00f6sseren, dreiteiligen Films mit Arbeitstitel \u00abTables, Doors, Songs\u00bb, an dem Zhang aktuell arbeitet. Geplant sind auch Beitr\u00e4ge \u00fcber New York und Z\u00fcrich \u2013 zwei weitere St\u00e4dte, die f\u00fcr die K\u00fcnstlerin pr\u00e4gend waren. Zhang wurde in China geboren und zog im Alter von sechs Jahren mit ihrer Familie in die Schweiz. Nach ihrem Architekturstudium an der ETH Z\u00fcrich zog sie nach New York und widmete sich der Fotografie. Heute lebt und arbeitet sie in Z\u00fcrich.<\/p>\n<p>Zhangs architektonischer Hintergrund wird in der gesamten Ausstellung sp\u00fcrbar, insbesondere in ihrem Fokus auf die gebaute Umwelt, in den vertikalen Bewegungen in St\u00e4dten und im Ausloten der Grenzen zwischen \u00f6ffentlichem und privatem Raum. Die Ausstellung regt auch zum Nachdenken \u00fcber die architektonische, kulturelle und sonstige Beziehung zwischen Shanghai und New York an. Dazu geh\u00f6rt auch der Gegensatz zwischen Shanghais neuerer und auf Hochglanz polierter, st\u00e4dtischer Fassade einerseits, die in der Galerie im Untergeschoss zu sehen ist, und dem Strassenbild einen Stock h\u00f6her direkt vor den Eingangst\u00fcren des Swiss Institute andererseits.<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Jiajia_Zhang_Portrait_by-minamonsef.jpeg\" width=\"853\" height=\"1280\" alt=\"Eine Bewertung der Architektur in der Schweiz: Jiajia Zhang.\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Eine Bewertung der Architektur in der Schweiz: Jiajia Zhang.            <\/p>\n<p>            Mina Monsef        <\/p>\n<p>New York und Shanghai spiegeln sich gegenseitig, in ihrer Installation wie in der Realit\u00e4t, erkl\u00e4rt Zhang. Es sei manchmal schwierig, zu sagen, welche Stadt die andere beeinflusst. \u00abDie Stadt ist ein Ort, an dem alles passiert. Insbesondere mit New York entstand sofort diese gegenseitige Spiegelung beider St\u00e4dte \u2013 nicht nur architektonisch, sondern auch in Bezug darauf, wonach sie streben, wer an dieser Art von Struktur teilhaben kann und wer davon ausgeschlossen ist.\u00bb<\/p>\n<p>Zhang nimmt die Stadt als Rahmen und untersucht, was auf struktureller Ebene geschieht. Die Ausstellung zeigt zudem auf, wie Technologie sowohl den st\u00e4dtischen Raum als auch die Menschen pr\u00e4gt, die sich darin bewegen, und wie Text, Beschilderung, Werbung und digitale Schnittstellen die Umgebung dominieren.<\/p>\n<p>\u00abWas ich an Jiajias Arbeit besonders aussergew\u00f6hnlich und sehenswert finde, ist die Art und Weise, wie digitale Technologien, Maschinen und Werbung in den Videos funktionieren und unsere menschliche Erfahrung bewusst oder unbewusst so stark pr\u00e4gen\u00bb, sagt Coplan. \u00abAus der Perspektive von New York mag das wie etwas Fremdartiges aus China wirken. Aber vielleicht regt es dazu an, \u00fcber die eigene Beziehung zu diesen Dingen nachzudenken.\u00bb<\/p>\n<p>Gute W\u00fcnsche<\/p>\n<p>Die Installation endet dort, wo sie beginnt: mit einem beleuchteten Springbrunnen und der R\u00fcckkehr zum Lied \u00abGong Xi Gong Xi\u00bb (Gute W\u00fcnsche, gute W\u00fcnsche). Das Lied wurde 1945 w\u00e4hrend des Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieges komponiert und feiert das Ende der Besatzung, das \u00dcberstehen des Winters und den Einzug des Fr\u00fchlings. Seither hat es sich auf dem chinesischen Festland als Neujahrshymne etabliert.<\/p>\n<p>Zhang erkl\u00e4rt, die Melodie erinnere an den zyklischen Charakter von Jahreszeiten, Jahren, St\u00e4dten, Nationen und Leben und spiegle viele der Themen der Ausstellung wider. Da das Werk so fragmentarisch sei und sich in verschiedene Richtungen bewege, sei das Lied vielleicht das, was alles zusammenhalte.<\/p>\n<p>\u00abEs ist ein Neujahrslied, das sehr verbreitet ist und das jede:r kennt\u00bb, so Zhang. \u00abSeine Vertrautheit schafft einen gemeinschaftlichen Raum, in dem die Unterscheidungen zwischen Hoch und Tief vor\u00fcbergehend aufgehoben werden.\u00a0Es geht auch um den Kreislauf innerhalb des Jahres und darum, welche Geschichten in Vergessenheit geraten, welche Schlagzeilen machen, was sichtbar ist und was in diesem Kreislauf untergeht.\u00a0Der Aspekt des Lieds ist ziemlich wichtig.\u00a0Es ist ein Element, das wir in den anderen Kapiteln wieder aufgreifen werden.\u00bb<\/p>\n<p>Editiert von Catherine Hickley &amp; Eduardo Simantob\/ds, \u00dcbertragung aus dem Englischen: Lorenz Mohler\/jg<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Crop_IMG_2456.jpeg\" width=\"2533\" height=\"1550\" alt=\"Ausstellungsansicht\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Einblick in die Ausstellung.            <\/p>\n<p>            Juhie Bhatia        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Selbstportr\u00e4t mit Spiegeln (2016\u20132026). 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