{"id":219902,"date":"2026-07-23T10:03:11","date_gmt":"2026-07-23T10:03:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/219902\/"},"modified":"2026-07-23T10:03:11","modified_gmt":"2026-07-23T10:03:11","slug":"cartier-warum-luxus-kunden-ploetzlich-lieber-schmuck-als-handtaschen-kaufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/219902\/","title":{"rendered":"Cartier: Warum Luxus-Kunden pl\u00f6tzlich lieber Schmuck als Handtaschen kaufen"},"content":{"rendered":"<p>Schmuck trotzt der Luxuskrise \u2013 und das \u00fcberrascht kaum. Wer in einen Goldring investiert, entscheidet sich f\u00fcr Qualit\u00e4t, Nachhaltigkeit und individuellen Stil. Gerade deshalb wirkt Schmuck heute fortschrittlicher als so mancher Wertgegenstand, der es unbedingt sein will.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die Luxusbranche lieferte zuletzt eher schlechte Nachrichten. Bei den gro\u00dfen Kering-Marken wie Gucci oder Balenciaga f\u00fchrt das zur Identit\u00e4tssuche. Gleichzeitig w\u00e4chst die Modesparte von LVMH l\u00e4ngst nicht mehr mit der Unantastbarkeit vergangener Jahre. Und der chinesische Markt, jahrzehntelang der zuverl\u00e4ssigste Wachstumsmotor der Branche, ist ins Stottern geraten.<\/p>\n<p>Und genau in diesem Moment legt Richemont gl\u00e4nzende Zahlen vor. Der Umsatz des Schweizer Konzerns stieg im Quartal bis Ende Juni um 20 Prozent, mehr als doppelt so stark wie erwartet. Die Schmuckh\u00e4user <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/iconist\/mode\/article6a19710cbf5b78f90d007ed6\/cartier-die-suche-nach-perfektion-endet-nie-denn-wenn-man-sie-gefunden-haette-was-kaeme-dann.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/iconist\/mode\/article6a19710cbf5b78f90d007ed6\/cartier-die-suche-nach-perfektion-endet-nie-denn-wenn-man-sie-gefunden-haette-was-kaeme-dann.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Cartier<\/a>, Van Cleef &amp; Arpels, Buccellati und Vhernier legten sogar um 24 Prozent zu. Besonders kr\u00e4ftig kauften Amerikaner, doch auch in Europa und Asien wurde mehr Schmuck verkauft. Schmuck geh\u00f6rt derzeit zu den wenigen Luxuskategorien, die \u00fcber unterschiedliche Marken, Regionen und Preisklassen hinweg zuverl\u00e4ssig wachsen. <\/p>\n<p>Auch Tiffany, Bulgari, Boucheron oder Pomellato entwickeln sich gut. Bei Kering sank das Gesch\u00e4ft mit Mode und Lederwaren im ersten Quartal 2026 um drei Prozent, Gucci sogar um acht Prozent. Die deutlich kleinere Schmucksparte wuchs dagegen um 22 Prozent. Bei LVMH hat Schmuck die lange dominierenden Lederwaren vorerst abgel\u00f6st, w\u00e4hrend Uhren und Schmuck sieben Prozent zulegten. <\/p>\n<p>Ist der Diamantring die neue It-Bag? <\/p>\n<p>Der Erfolg hat handfeste Gr\u00fcnde. Nach Jahren hoher Nachfrage nach Luxusmode und vor allem Handtaschen erh\u00f6hten viele Marken ihre Preise schneller, als Qualit\u00e4t, Kreativit\u00e4t oder Service zunahmen. McKinsey erkl\u00e4rt die bessere Entwicklung von Schmuck auch damit, dass seine Preise im Durchschnitt langsamer stiegen als die anderer Modekategorien. Bis 2028 soll der Absatz nun beinahe viermal so schnell wachsen wie jener von Bekleidung. In China hat zudem die Schw\u00e4che des Immobilienmarkts hochwertigen Schmuck als Wertanlage attraktiver gemacht.<\/p>\n<p>Luxuskunden geben also weiterhin Geld aus, sie sehen aber genauer hin, wof\u00fcr. Der Mode ging es lange gut, bis sie zum politischen Schlachtfeld gemacht wurde. Sie sollte divers sein, inklusiv, genderneutral oder aus alten Plastikflaschen gefertigt. <\/p>\n<p>Nun sortiert sich dort gerade vieles neu, Kreativdirektoren zirkulieren zwischen den H\u00e4usern, ganze Markenidentit\u00e4ten verschwinden. Doch wer mehrere Tausend Euro bezahlt, m\u00f6chte keine Produkte einer Marke erwerben, die im n\u00e4chsten Jahr ihr Erscheinungsbild komplett ver\u00e4ndert. Schmuck, Gold und Edelsteine versprechen dagegen Best\u00e4ndigkeit. Beim Serpenti-Ring von Bulgari zahlt man auch f\u00fcr Design, Handwerk, Geschichte und Service. Es bleibt das Gef\u00fchl, etwas Echtes zu besitzen. Gold bleibt Gold, gerade wenn der Zeitgeist weiterzieht. <\/p>\n<p>Fortschritt als Begehrlichkeit<\/p>\n<p>Schmuck eignet sich nicht automatisch als Geldanlage, ist aber wertbest\u00e4ndiger als viele trendabh\u00e4ngige Produkte. Der hohe Goldpreis m\u00fcsste das Gesch\u00e4ft eigentlich erschweren. Tats\u00e4chlich wird weltweit nach Gewicht weniger Goldschmuck gekauft, daf\u00fcr aber deutlich mehr Geld ausgegeben. Die Kunden kaufen also nicht m\u00f6glichst viel Edelmetall, sondern einfach ausgew\u00e4hlter und hochwertiger. <\/p>\n<p>Schmuck und Uhren bleiben nat\u00fcrlich auch Statussymbol, allerdings oft nachhaltigere als die Statussymbole jenes Milieus, das traditionelle Statussymbole so verachtet. Ein Goldarmband kann unendlich getragen, repariert, umgestaltet, vererbt und nach Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten wieder aus einer Schublade geholt werden. Ein Lastenfahrrad, das genauso viel kostet, eher nicht. W\u00e4hrend vermeintlich progressive Milieus Statussymbole erst gesellschaftlich umdeuten m\u00fcssen, um sich guten Gewissens selbst eines anzuschaffen, ist der Markt undogmatischer. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend Richemonts Uhrenmanufakturen etwa um nicht wenig beeindruckende acht Prozent wachsen, legen die Schmuckh\u00e4user eindr\u00fcckliche 24 Prozent zu. Daraus folgt aber weder, dass M\u00e4nner sich neuerdings mit 20 Diamantarmb\u00e4ndchen beh\u00e4ngen wollen oder ihr Uhrenbudget geschlossen in Geschenke f\u00fcr die Frau umleiten, noch dass Schmuck vom \u201epatriarchalen Tauschobjekt\u201c zum feministischen Emblem geworden ist. <\/p>\n<p>Es bedeutet vielmehr, dass der Mann weiter seine Uhr kauft und Schmuck verschenkt. Und wenn einer Frau ein Ring gef\u00e4llt, kauft sie ihn nat\u00fcrlich einfach selbst. Das traditionelle Schmuckgeschenk wurde nicht abgeschafft, sondern um wirtschaftliche Unabh\u00e4ngigkeit erweitert. Das Lastenrad behauptet Fortschritt, der Diamantring bildet ihn schon l\u00e4ngst im Kaufverhalten ab. Und der Kapitalismus beherrscht Pluralismus offenbar besser als seine Kritiker.<\/p>\n<p>Schmuck wird auch l\u00e4ngst nicht mehr nur zu Verlobung, Hochzeit oder rundem Geburtstag gekauft, sondern auch zur Geburt eines Kindes, zur Bef\u00f6rderung oder als Belohnung f\u00fcr ein erfolgreich \u00fcberstandenes Quartal. Zumindest in den USA, wo Leistungsdenken und Ambition weiterhin einen hohen Stellenwert haben. Einer Studie des Diamanten-Produzenten De Beers zufolge entfielen 2025 nur noch 25 Prozent der K\u00e4ufe nat\u00fcrlicher Diamanten in den USA auf Brautschmuck; 44 Prozent waren Geschenke, 31 Prozent Selbstk\u00e4ufe. <\/p>\n<p>Ohnehin ist die Nachfrage in den USA besonders stark. Verm\u00f6gende Amerikaner geben ungehemmter Geld f\u00fcr Schmuck aus als Europ\u00e4er. Wirtschaftlicher Erfolg gilt dort h\u00e4ufiger als etwas, das man feiern darf. In Europa muss man Wohlstand erst steuerlich berechnen und im Idealfall ein wenig bedauern. Amerika geht inzwischen schon mal zur Kasse. <\/p>\n<p>Der Erfolg von Schmuck ist auch ein Sieg \u00fcber den Zeitgeist: Am Ende entscheidet der Kapitalismus, was modern ist \u2013 und selten hat dieses Urteil sch\u00f6ner am Handgelenk gefunkelt als heute.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Schmuck trotzt der Luxuskrise \u2013 und das \u00fcberrascht kaum. 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