{"id":222065,"date":"2026-07-25T04:24:22","date_gmt":"2026-07-25T04:24:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/222065\/"},"modified":"2026-07-25T04:24:22","modified_gmt":"2026-07-25T04:24:22","slug":"blow-up-fuer-zarte-wiesenblumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/222065\/","title":{"rendered":"Blow up f\u00fcr zarte Wiesenblumen"},"content":{"rendered":"<p>Der deutschen K\u00fcnstlerin Anne Loch widmet das Zentrum Paul Klee in Bern eine grosse Ausstellung \u00abMalerei: Na und?\u00bb \u2013 die zweite in der Schweiz nach einer Ausstellung in Chur 2017. Die Gem\u00e4lde in grossem Format beeindrucken durch ihre Farben und die Genauigkeit der Darstellung.<\/p>\n<p>Die luftige Ausstellungshalle wurde von Renzo Piano nicht nur f\u00fcr den Namensgeber des Zentrums am gr\u00fcnen Rand von Bern konzipiert, seit Jahren zeigen die Kunstverantwortlichen auch Werke, die in irgendeiner Weise in Beziehung zu Paul Klee stehen k\u00f6nnten. Anne Loch, geboren 1946 in Minden \/ Westfalen kannte sicher Werke von Klee, auch wenn sie sich nicht demonstrativ auf ihn bezieht. \u2013 Museumsdirektorin Nina Zimmer erweiterte den Horizont zur Einf\u00fchrung mit der Frage \u00abWie kann man Malerei aus unserer heutigen Perspektive neu denken?\u00bb Das bewegte wohl\u00a0Paul Klee seinerzeit in seinem Schaffen ebenfalls.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-141039 size-full lazyload\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"661\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/17-Anne-Loch_Portrait.jpg\"  data- data-eio-rwidth=\"1000\" data-eio-rheight=\"661\"\/><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-141039 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/17-Anne-Loch_Portrait.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"661\"   data-eio=\"l\"\/>Anne Loch im Atelier in Thusis, 1989. Nachlass Anne Loch. Foto: Christoph Guler, Thusis<\/p>\n<p>Anne Loch wurde von der K\u00fcnstlerszene in D\u00fcsseldorf und K\u00f6ln gepr\u00e4gt. Die \u00abwilde Szene\u00bb damals tendierte zu Gegenst\u00e4ndlichkeit und neuer Fig\u00fcrlichkeit. Sie hatte zuerst eine Ausbildung als Modedesignerin absolviert und begonnen, als Schneiderin zu arbeiten, ehe sie die Kunstakademie in D\u00fcsseldorf besuchte.<\/p>\n<p>Sie reist nach Venedig und Ravenna, sp\u00e4ter verbringt sie l\u00e4ngere Zeit in Neapel, hat Kontakt zu K\u00fcnstlern dort und kann im Goethe-Institut Neapel ausstellen. Zur\u00fcck in K\u00f6ln lebt und malt sie wohl in lebendigem Kontakt zu der dortigen Kunstszene. \u2013 Wiederum kann sie ihre Werke in verschiedenen Galerien zeigen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-141040 size-full lazyload\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"644\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/02-Anne-Loch_213.jpg\"  data- data-eio-rwidth=\"1000\" data-eio-rheight=\"644\"\/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-141040 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/02-Anne-Loch_213.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"644\"   data-eio=\"l\"\/>Anne Loch: AL 213, 1987. Acryl auf Nessel. 180 x 280 cm. Nachlass Anne Loch. Foto Dominique Uldry, Bern<\/p>\n<p>1988 bricht sie radikal mit der rheinischen Kunstszene, sie trennt sich von ihrem Ehemann, \u00fcber den nichts weiteres bekannt ist, und den zwei Adoptivkindern. Sie zieht sich nach Thusis GR zur\u00fcck, wo sie sich bis 2002 in ihre Malerei vertieft. \u2013 Die Schweiz war ihr vielleicht nicht vollkommen unbekannt. Die Berner Galeristen Erika und Otto Friedrich unterst\u00fctzen sie mit Ausstellungen ihrer Bilder. Anne Loch muss auch die Gegend um Bern besucht haben, denn sie malt den Niesen \u2013 den Berg, der andere (Paul Klee, Ferdinand Hodler) fr\u00fcher schon inspiriert hatte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-141041 size-full lazyload\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"665\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/05-Anne-Loch_279.jpg\"  data- data-eio-rwidth=\"1000\" data-eio-rheight=\"665\"\/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-141041 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/05-Anne-Loch_279.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"665\"   data-eio=\"l\"\/>Anne Loch: AL 279, 1989. Acryl auf Leinwand. 180 x 280 cm. BKW Energy AG Bern. Foto: Dominique Uldry, Bern<\/p>\n<p>\u00abDas Dargestellte springt uns direkt entgegen.\u00bb So formuliert Kuratorin Am\u00e9lie Joller den Eindruck, wenn wir durch die Halle schlendern. Die grossen Formate ziehen den Blick schon von ferne an. Beim N\u00e4herkommen erkennt die Besucherin, der Besucher, wie diese Malerei ausgef\u00fchrt ist: n\u00e4mlich bewusst und mit Sorgfalt f\u00fcr jeden Strich, seien es pr\u00e4chtige Pfingstrosen oder Blumen von einer Alpenwiese. Von Kitsch kann da keine Rede sein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-141042 size-full lazyload\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"660\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/07-Anne-Loch_603.jpg\"  data- data-eio-rwidth=\"1000\" data-eio-rheight=\"660\"\/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-141042 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/07-Anne-Loch_603.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"660\"   data-eio=\"l\"\/>Anne Loch: AL 603, 1993. Acryl auf Leinwand. 180 x 280 cm. Kunstmuseum Bern, Schenkung. Foto: Markus M\u00fchlheim<\/p>\n<p>Anne Loch malt jeden Gegenstand absichtsvoll, nicht etwa \u00abnach der Natur\u00bb. Sie benutzt als Vorlagen B\u00fccher, Blumen und Pflanzen der Alpen zum Beispiel, ausserdem fotografiert sie selbst sehr viel. \u2013 Wer ihre Bilder anschaut, sieht, Fotorealistin ist sie nicht. Sie bezeichnet sich selbst als Konstruktivistin. Das zeigt sich am deutlichsten auf grossen fast monochrom wirkenden Fl\u00e4chen, die aber aus einzelnen St\u00fccken zusammengesetzt sind.<\/p>\n<p>Strukturen haben grosse Bedeutung f\u00fcr sie. Ebenso fertigt sie von vielen ihrer Sujets ganze Serien an, nicht nur von Rosen, auch der Niesen wird in Variationen dargestellt. Sie spielt mit der Spannung zwischen Konkretem und Abstraktem und sucht die Grenzen ihrer Malweise. Form- und Farbstudien macht sie auch mit dem Fotoapparat.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-141043 size-full lazyload\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"718\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/09-Anne-Loch_Z_29.jpg\"  data- data-eio-rwidth=\"1000\" data-eio-rheight=\"718\"\/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-141043 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/09-Anne-Loch_Z_29.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"718\"   data-eio=\"l\"\/>Anne Loch: AL Z 29, 1997. Lack und Gouache auf Papier. 93 x 129 cm. Sammlung BONDO. Foto: Dominique Uldry, Bern<\/p>\n<p>In ihren Techniken ist sie experimentierfreudig, manchmal benutzt sie Lack anstelle von \u00d6l- oder Acrylfarbe, um spezielle Effekte zu erzielen: der Wald erh\u00e4lt durch die Lackfarbe eine besondere Atmosph\u00e4re. Ihre Bilder haben keine Titel, sie hat sie in chronologischer Reihenfolge nummeriert. Es sind \u00fcber 1\u2019400 Werke.<\/p>\n<p>Durch die H\u00e4ngung ungef\u00e4hr in der Mitte der Ausstellung entsteht eine raffinierte Kombination: ein rares Selbstbildnis neben einem Raben. Hier ist ihre Farbpalette \u2013 ganz bestimmt willentlich \u2013 stark reduziert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-141044 size-full lazyload\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"537\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Anne-Loch-Rabe-Foto-mp.jpg\"  data- data-eio-rwidth=\"1000\" data-eio-rheight=\"537\"\/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-141044 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Anne-Loch-Rabe-Foto-mp.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"537\"   data-eio=\"l\"\/>Ausstellungsansicht (Foto mp)<\/p>\n<p>Mit dem damals \u00fcblichen Kassettenrecorder macht Anne Loch Tonaufnahmen, in denen sie tagebuchartig ihre Gedanken, ihre intimsten Gef\u00fchle und Bemerkungen zu ihrer Kunst ausdr\u00fcckt, gerichtet an einen (unbekannten) Mann. Diese m\u00fcndlichen Aufnahmen l\u00e4sst sie transkribieren und \u00fcberarbeitet sie dann noch einmal. Dieses Material wird in der Nachlass-Stiftung aufbewahrt. Es ist noch nicht bearbeitet und dementsprechend auch nicht ver\u00f6ffentlicht. Andr\u00e9 Born, ein enger Freund, der ihr nicht erst in der letzten Zeit ihrer Krankheit zur Seite stand, verwaltet das Archiv in Bern und Bondo.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-141045 size-full lazyload\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"745\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/16-Anne-Loch_Spino-5.jpg\"  data- data-eio-rwidth=\"1000\" data-eio-rheight=\"745\"\/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-141045 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/16-Anne-Loch_Spino-5.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"745\"   data-eio=\"l\"\/>Anne Loch: AL Spino 5, 2014. Permanentmarker auf Schwarz-Weiss-Fotografie. 27 x 20 cm. Privatsammlung. Foto: Dominique Uldry, Bern<\/p>\n<p>In ihren Werken findet man keine sozial- oder zeitkritische Bez\u00fcge wie bei vielen anderen zeitgen\u00f6ssischen K\u00fcnstlern. \u2013 Anne Loch malt einfach Bilder, wie sie selbst in ihren dokumentierten m\u00fcndlichen \u00c4usserungen sagt. Seit dem Jahr 2000 und in den folgenden Jahren h\u00e4lt sie sich noch einmal in Deutschland auf. 2013, nach der Diagnose einer schweren Krebserkrankung, kehrt sie ins B\u00fcndner Land zur\u00fcck und stirbt 2014 im Spital von Promontogno, betreut von ihren Schweizer Freunden. Bis zuletzt ist sie k\u00fcnstlerisch t\u00e4tig: Im Spital bemalt sie ihre Fotografien mit einem Edding-Stift, genauer gesagt, sie setzt durch Formen Akzente.<\/p>\n<p>Anne Loch. Malerei: Na und?. Ausstellung im <a href=\"https:\/\/www.zpk.org\/de\/ausstellung\/anne-loch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Zentrum Paul Klee, Bern,<\/a> bis 20. September 2026.<\/p>\n<p>Titelbild: Anne Loch: AL 235, 1987. Acryl auf Nessel. 280 x 370 cm (2-teilig). Nachlass Anne Loch. Foto: Dominique Uldry, Bern<\/p>\n<p>Eva Caflisch berichtete \u00fcber die oben erw\u00e4hnte <a href=\"https:\/\/seniorweb.ch\/2017\/02\/26\/blumen-und-berge-von-anne-loch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">erste Ausstellung im B\u00fcndner Kunstmuseum<\/a> 2017.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der deutschen K\u00fcnstlerin Anne Loch widmet das Zentrum Paul Klee in Bern eine grosse Ausstellung \u00abMalerei: Na und?\u00bb&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":222066,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[30],"tags":[48263,125,2795,256,48264,1222,346,16475,45,43044,48265],"class_list":["post-222065","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-bern","tag-anne-loch","tag-bern","tag-duesseldorf","tag-fotografie","tag-grossformat","tag-koeln","tag-malerei","tag-neapel","tag-schweiz","tag-zeichnung","tag-zentrum-paul-klee-bern"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116978710246966052","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/222065","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=222065"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/222065\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/222066"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=222065"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=222065"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=222065"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}