{"id":230812,"date":"2026-07-31T15:20:15","date_gmt":"2026-07-31T15:20:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/230812\/"},"modified":"2026-07-31T15:20:15","modified_gmt":"2026-07-31T15:20:15","slug":"luxus-uhren-tokios-nakano-broadway-das-mekka-fuer-gebrauchte-uhren-von-rolex-und-co","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/230812\/","title":{"rendered":"Luxus-Uhren: Tokios Nakano Broadway \u2013 das Mekka f\u00fcr gebrauchte Uhren von Rolex und Co"},"content":{"rendered":"<p>Japan ist einer der gr\u00f6\u00dften Luxusm\u00e4rkte der Welt. Das gilt auch f\u00fcr besonders wertvolle gebrauchte mechanische Uhren. In einer unscheinbaren Einkaufspassage in Tokio werden sie gehandelt.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Am Eingang zum Nakano Broadway in <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/tokio\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/tokio\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tokio<\/a> herrscht am Samstagvormittag Hochbetrieb. Ein Mann im grauen Kimono mit breitem G\u00fcrtel, Holzsandalen und Gehstock eilt in die Mini-Mall. Ein H\u00e4ndler schiebt eine Sackkarre in die \u00fcberdachte Einkaufsstra\u00dfe. Er ruft etwas, aus einem Laden antwortet jemand. Im Erdgeschoss verkaufen H\u00e4ndler gebrauchte Kleidung, man kann sich massieren lassen, es gibt Drogerieartikel. \u00dcberall leuchten bunte Schilder.<\/p>\n<p>Es ist laut. Rechts vom Eingang reiht sich ein Stra\u00dfenrestaurant ans n\u00e4chste. Von den Einkaufsstra\u00dfen in Ginza mit ihren Boutiquen ist man hier weit entfernt. Im dritten Stock aber, in 3F, \u00f6ffnet sich der Blick auf eine andere Welt: Im Laden von \u201eJackroad and Betty\u201c gucken zwei Engl\u00e4nder in eine Glasvitrine \u2013 es k\u00f6nnten Vater und Sohn sein. \u201eLook at this\u201c, sagt der \u00c4ltere und zeigt auf eine Rolex Sea Dweller mit der Referenz 16600. Er geht mit dem Kopf noch n\u00e4her ran, h\u00e4lt ihn schief, um die Reflexion der Scheibe auszublenden. Die gut 30 Jahre alte Taucheruhr gl\u00e4nzt im Licht. Das Zifferblatt hat Leuchtpunkte aus radioaktivem Tritium \u2013 Halbwertszeit gut zw\u00f6lf Jahre. Nachts leuchten sie schon lange nicht mehr. Daf\u00fcr haben sie inzwischen eine Farbe, die an Milchkaffee erinnert. Beige, fast schon hellbraun. Der Alterungsprozess hinterl\u00e4sst Spuren \u2013 beliebte Spuren f\u00fcr Sammler und Liebhaber. Patina, also die Falten und Altersflecken eines Gegenstands, macht Uhren \u2013 je nach Marke \u2013 oft besonders teuer.\u00a0<\/p>\n<p>An die 20 L\u00e4den, die mit gebrauchten mechanischen Luxusuhren handeln, gibt es laut Lageplans allein am Nakano Broadway in Japans Hauptstadt. Sie haben Namen wie \u201eWatchnian\u201c, \u201eJackroad and Betty\u201c oder \u201eTime Zone\u201c. In Zentral-Tokio mit seinen 23 Bezirken und knapp zehn Millionen Einwohnern, sch\u00e4tzt die K\u00fcnstliche Intelligenz ChatGPT, gibt es 100 bis 150 H\u00e4ndler von gebrauchten Luxusuhren, oft mit mehreren Verkaufsstellen. F\u00fcr deutsche St\u00e4dte, selbst f\u00fcr europ\u00e4ische, ist diese Vielzahl unvorstellbar.<\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten ist Japan f\u00fcr die Uhrenhersteller einer der gr\u00f6\u00dften M\u00e4rkte \u00fcberhaupt. Im Jahr 2000 verschickten die Schweizer Luxusmarken Uhren im Wert von knapp 930 Millionen Schweizer Franken nach Japan. Der Export nach Deutschland lag bei 716 Millionen. \u00a0Und 2025 gingen Uhren im Wert von 1,85 Milliarden Franken nach Japan, nach Deutschland waren es 1,2 Milliarden Franken. Japan lag damit in den vergangenen 20 Jahren in der Mehrzahl der Jahre auf Platz drei oder vier der Schweizer Uhrenexporte. Den japanischen Markt f\u00fcr gebrauchte Luxusuhren sch\u00e4tzt das amerikanische Marktforschungsunternehmen Grand View im Jahr 2025 auf 1,54 Milliarden Dollar. Deutschland liegt mit 1,3 Milliarden Dollar 16 Prozent darunter.<\/p>\n<p>Uhrenkauf im Nakano Broadway bedeutet Luxus gebraucht \u2013 auf hohem Niveau. Eine Asiatin kommt mit ihrer Tochter zu \u201eWatchnian\u201c. Die beiden lassen sich von einem Verk\u00e4ufer eine kleine Uhr zeigen. Sie passt gut an das schmale Handgelenk der Frau. Wieder ist es eine Rolex. Er bittet die beiden an einen Tisch in der Ecke, hebt die Datejust aus der Vitrine, legt sie auf ein stoffbezogenes Tablett. \u201eWollen Sie probieren?\u201c, fragt er und verneigt sich dabei leicht. Die Tochter nickt. Ihre Mutter l\u00e4chelt. Ansonsten schauen sich an diesem Samstagvormittag vor allem Europ\u00e4er hier um.<\/p>\n<p>Gebrauchte Luxusuhren sind in Japan nicht unbedingt billiger als in Europa \u2013 vor allem, weil man auch noch die 19 Prozent Einfuhrsteuer dazurechnen sollte, wenn man sie nach Deutschland importiert. Die Auswahl an L\u00e4den, Uhrenmarken und Alter aber ist deutlich vielf\u00e4ltiger als in deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten. Im zweiten Stock eines schmalen Hauses im Stadtteil Jing\u016bmae etwa findet man \u201eCorleone Watches\u201c. Unten auf dem Gehsteig weist nur ein Mini-Schild auf den H\u00e4ndler hin. Oben, im kleinen Ladengesch\u00e4ft, r\u00e4umt ein gro\u00df gewachsener Japaner Rarit\u00e4ten in eine Vitrine. Ein anderer schraubt vorsichtig am Werk einer Tudor herum. Die Uhr hat schon mehrere Jahrzehnte hinter sich. In den Regalen liegen alte Tudor-Submariner- und Ranger-Modelle. Bester Zustand, tolle Zifferbl\u00e4tter. Hohe Preise.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Tudor Submariner der Referenz 7928 aus dem Jahr 1966 verlangt der H\u00e4ndler 9990 Euro. F\u00fcr die Tudor Submariner 94010 aus 1979 sind es 9230. Einer der Verk\u00e4ufer zeigt auf die Uhr und sagt: \u201eDas ist ein seltenes St\u00fcck.\u201c Papiere und Originalverpackung sind aber leider nicht mehr vorhanden. Es sind sch\u00f6ne Sammlerst\u00fccke, wie man sie beim normalen Einzelh\u00e4ndler nicht sieht. Daneben hat er auch eine 60 Jahre alte Rolex GMT Master 1675 f\u00fcr 29.900 Euro. Wer die kauft, tr\u00e4gt sie vermutlich nicht t\u00e4glich, sondern legt sie sich als Wertanlage in den Safe.<\/p>\n<p>Am Nakano Broadway dominieren wie in vielen L\u00e4ndern Rolex-Uhren. Allerdings gehen hier auch Patek Philippe, Audemars Piguet, Omega, Zenith, IWC, Seiko Vintage \u00fcber den Ladentisch \u2013 hier gibt es wenig, was es nicht gibt. Von superbillig bis unbezahlbar teuer \u2013 manchmal auch im gleichen Laden. Der japanische Markt f\u00fcr gebrauchte Artikel lag im Jahr 2024 Sch\u00e4tzungen zufolge bei fast sieben Milliarden Euro \u2013 ohne Autos, wie es in Angaben des japanischen Umweltministeriums hei\u00dft. F\u00fcr Uhren existieren keine Einzelangaben.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig dabei: Japans Gebrauchtmarkt ist nicht unbedingt gr\u00f6\u00dfer als in Deutschland. Allerdings ist er offensichtlich st\u00e4rker professionalisiert. In Tokios Stadtteil Ginza, an der 4-ch\u014dme-Kreuzung, fast gegen\u00fcber des gro\u00dfen Seiko-Ladens mit dem Wako-Uhrenturm, befindet sich Katsumido \u2013 ein Gesch\u00e4ft f\u00fcr gebrauchte Kameras. Neben einer Leica M3 stehen eine Leica M6 und eine M7. Daneben die alten Nikons und Canons. Und alles sieht aus, als sei es gerade erst vom Hersteller ausgeliefert worden.<\/p>\n<p>Warum funktioniert der Markt dort anders als in Deutschland? In japanischen Gro\u00dfst\u00e4dten leben Menschen oft in kleineren Wohnungen, Stauraum kostet Geld. Der Verkauf ungenutzter Dinge gilt als normal. Der Handel damit hat sich professionalisiert. Und anders als in Europa gibt es oft spezialisierte H\u00e4ndler, die von ihrer Expertise und ihrem Netzwerk von schnellem Kauf und Weiterverkauf leben. In Deutschland gibt es das auch, etwa bei \u201eBachmann &amp; Scher\u201c in M\u00fcnchen. Nur eben l\u00e4ngst nicht in dem Ausma\u00df.<\/p>\n<p>Der Nakano Broadway ist ein Beispiel f\u00fcr diese Entwicklung. Fast 60 Jahre ist die Shopping-Meile mittlerweile alt. Als sie er\u00f6ffnet wurde, war das Ganze als Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus konzipiert, mit Boutiquen, Restaurants und sogar einem Pool. In den 1970ern allerdings verlor die Einkaufsstra\u00dfe an Attraktivit\u00e4t. 1980 aber er\u00f6ffnete der Zeichner Masuzo Furukawa dort einen winzigen Laden f\u00fcr gebrauchte Manga-Comics. Der Name: Mandarake. Die Geschichte liest sich wie die Wiederauferstehung des Nakano Broadway. Laut einschl\u00e4gigen Internetseiten war das Gesch\u00e4ft gerade mal sieben Quadratmeter gro\u00df. Heute ist Mandarake angeblich der zweitgr\u00f6\u00dfte H\u00e4ndler gebrauchter Comics in der Welt.<\/p>\n<p>Ein Netz von Spezialgesch\u00e4ften entstand. Manga, Anime, Spiele werden hier verkauft. Nakano Broadway wird zum Sammlerort, der auch f\u00fcr andere H\u00e4ndler funktionierte, die sich auf Nischen spezialisiert haben \u2013 auch auf Uhren. 1987 wird \u201eJackroad\u201c gegr\u00fcndet. Der Uhrenh\u00e4ndler schreibt \u00fcber sich, dass er mehr als 5000 Zeitmesser im Bestand hat \u2013 neu, gebraucht und mehrere Jahrzehnte alt. Nach und nach kamen weitere H\u00e4ndler.<\/p>\n<p>Heute gibt es H\u00e4ndler f\u00fcr gebrauchte Luxusuhren in der ganzen Stadt. \u201eWatchnian\u201c zum Beispiel hat in ganz Tokio acht Verkaufsstellen, \u201eGinza Rasin\u201c drei. Die kleine Kette ist besonders auf teure und teilweise auch sehr moderne Uhren spezialisiert. Im Laden in der 8-7-11 Ginza, Ch\u016b\u014d-ku liegen Patek Philippe, Audemars Piguets, Richard Mille und sehr teure Rolex-Modelle in den Vitrinen. Manche glitzern wie Diamanten im Licht, andere sind so unauff\u00e4llig, dass man sich als Laie die hohen Preise kaum erkl\u00e4ren kann.<\/p>\n<p>\u201eJackroad\u201c ist im Vergleich dazu eher ein sehr gehobener Allrounder. Die zwei Engl\u00e4nder haben die Sea Dweller allerdings nur bewundert, nicht gekauft. Am Ende sind sie weitergezogen, wie viele, die angucken, aber nicht zuschlagen \u2013 schon, weil das Angebot so gro\u00df ist hier oben, dass man sich kaum entscheiden kann, wenn man nicht vorab schon wei\u00df, was man will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Japan ist einer der gr\u00f6\u00dften Luxusm\u00e4rkte der Welt. Das gilt auch f\u00fcr besonders wertvolle gebrauchte mechanische Uhren. 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