{"id":231578,"date":"2026-08-01T06:29:13","date_gmt":"2026-08-01T06:29:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/231578\/"},"modified":"2026-08-01T06:29:13","modified_gmt":"2026-08-01T06:29:13","slug":"kampf-gegen-dengue-in-brasilien-190-millionen-fabrikmuecken-pro-woche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/231578\/","title":{"rendered":"Kampf gegen Dengue in Brasilien: 190 Millionen Fabrikm\u00fccken pro Woche"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/mueckenfabrik-102.jpg\" alt=\"M\u00fccken sind in einer M\u00fcckenfrabrik in einem Beh\u00e4lter zu sehen.\" title=\"M\u00fccken sind in einer M\u00fcckenfrabrik in einem Beh\u00e4lter zu sehen. | Jo\u00e3o Pedro Soares\/ARD Rio de Janeiro\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 01.08.2026 \u2022 07:52 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Brasilien sagt der Gelbfieberm\u00fccke den Kampf an. Denn sie \u00fcbertr\u00e4gt Dengue, eines der gr\u00f6\u00dften Gesundheitsprobleme des Landes. Helfen soll die Zucht von M\u00fccken, die ein ganz bestimmtes Bakterium in sich tragen.\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/oliver-neuroth-101.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Oliver Neuroth\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/neuroth-oliver-101.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Um die \u00dcbertragung von Dengue-Viren einzud\u00e4mmen, hat Brasilien die Zucht von speziellen M\u00fccken im gro\u00dfen Stil erlaubt. Das geschieht zum Beispiel in einer &#171;M\u00fcckenfabrik&#187;, wie die Betreiberfirma die Anlage in Campinas nahe S\u00e3o Paulo nennt. Es handelt sich um ein Labor mit sterilen Zucht- und Brutr\u00e4umen f\u00fcr M\u00fccken.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Gelbfieberm\u00fccken, die hier gez\u00fcchtet werden, tragen ein Bakterium in sich: Wolbachia, und zwar bestimmte St\u00e4mme dieses Bakteriums. Forscher haben sie den M\u00fccken quasi eingepflanzt, so Nat\u00e1lia Ferreira, die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Anlage der Firma Flyttr. &#171;Wenn wir Wolbachia auf die M\u00fccke \u00fcbertragen, vermehrt es sich in dem Insekt. Und zwar an den Stellen, an denen sich sonst Dengue-Viren vermehren w\u00fcrden&#187;, erkl\u00e4rt die Wissenschaftlerin.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Pro Woche kann das Labor bis zu 190 Millionen M\u00fccken z\u00fcchten. In kleinen Kisten werden die Eier verpackt und verschickt.\n                    <\/p>\n<p>    &#171;Bakterium ist so etwas wie ein Impfstoff&#187;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Verfahren sorge daf\u00fcr, dass die Last an <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/news\/denguefieber-bereitet-brasilien-und-philippinen-probleme-7e974fde-1c77-4b25-8a4b-de22c1610a85\" title=\"Dengue-Fieber, Deutsches \u00c4rzteblatt\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Dengue-Viren in der M\u00fccke<\/a> sinke und es somit unwahrscheinlicher werde, dass sie das Virus an den Menschen \u00fcbertragen k\u00f6nne. &#171;Das Bakterium ist also so etwas wie ein Impfstoff&#187;, sagt Ferreira.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Pro Woche darf das Labor bis zu 190 Millionen M\u00fccken z\u00fcchten. &#171;Man k\u00f6nnte sagen: Wir produzieren die M\u00fccken in Form von Eiern. Diese M\u00fcckeneier legen wir in Kisten und verschicken sie nach ganz Brasilien oder sogar in andere L\u00e4nder&#187;, so Ferreira. Am Zielort werde dann Wasser in die Kiste gesch\u00fcttet und aus den Eiern entwickelten sich M\u00fccken. Die Forscherin spricht von &#171;Mini-M\u00fcckenfabriken&#187;, in die sich die Kisten verwandeln.<\/p>\n<p>    Versuche laufen seit \u00fcber zehn Jahren<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Idee, das Wolbachia-Bakterium an M\u00fccken zu \u00fcbertragen, um so gegen die Krankheit Dengue zu k\u00e4mpfen, brachte den Wissenschaftler Luciano Moreira nach Brasilien. Das war 2012. Er startete Versuchsprojekte in mehreren St\u00e4dten. Sie liefen erfolgreich und so entschied die brasilianische Gesundheitsbeh\u00f6rde nun, in die Massenproduktion der M\u00fccken zu gehen. Der Plan lautet: Die M\u00fccken, die Wolbachia in sich tragen, sollen mittelfristig die M\u00fccken ohne das Bakterium verdr\u00e4ngen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#171;Wir lassen die gez\u00fcchteten M\u00fccken frei&#187;, sagt Moreira im Interview mit dem ARD-Studio Rio de Janeiro. Nach einer bestimmten Zeit sehe sie dann den Effekt, dass die eine M\u00fcckenpopulation die andere ersetze. Und ihre Untersuchungen zeigten, dass damit auch die Zahl der Dengue-F\u00e4lle in dieser Region signifikant zur\u00fcckgehe.<\/p>\n<p>    R\u00fcckgang der Erkrankungen um bis zu 70 Prozent<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In Testregionen rund um Rio de Janeiro zeigte sich das besonders deutlich: Die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wissen\/gesundheit\/klimawandel-gesundheit-103.html\" title=\"Wie der Klimawandel die Gesundheitssysteme belastet\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zahl der Dengue-Erkrankungen<\/a> sank um 60 bis 70 Prozent, nachdem die Wolbachia-M\u00fccken ausgesetzt worden waren. Die Forscher haben auch beobachtet, dass andere Krankheiten, die diese M\u00fcckenart \u00fcbertragen kann, zur\u00fcckgegangen sind: etwa Zika oder Chikungunya.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein weiterer Effekt ist, dass weibliche M\u00fccken das Wolbachia-Bakterium an ihren Nachwuchs vererben. Die Population der quasi unsch\u00e4dlichen M\u00fccken w\u00e4chst also automatisch. &#171;Ich denke, Brasilien hat bei diesem M\u00fcckenprogramm die Nase vorn&#187;, meint Moreira. Er verweist auf jahrelange Testphasen und die Tatsache, dass dringender Handlungsbedarf besteht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Brasilien verzeichnet regelm\u00e4\u00dfig <a href=\"https:\/\/www.who.int\/news-room\/fact-sheets\/detail\/dengue-and-severe-dengue\" title=\"World Health Organization\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">eine der h\u00f6chsten Dengue-Fallzahlen weltweit<\/a>. Die Krankheit ist endemisch, sie tritt also jedes Jahr auf. 2024 war ein Negativ-Rekordjahr mit mehr als sechs Millionen wahrscheinlichen Dengue-F\u00e4llen und mehreren tausend Toten in ganz Brasilien.<\/p>\n<p>    Auch der Staat hat M\u00fcckenfabriken<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nicht nur die Labor des Unternehmens Flyttr in Campinas z\u00fcchtet nun millionenfach Wolbachia-M\u00fccken. Es gibt auch \u00e4hnliche Anlagen, an denen der brasilianische Staat beteiligt ist. Eine solche &#171;\u00f6ffentliche M\u00fcckenfabrik&#187; befindet sich in Curitiba, weiter s\u00fcdlich im Land. Auch dort k\u00f6nnen pro Woche mehr als 100 Millionen M\u00fccken mit dem Bakterium in sich gez\u00fcchtet werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nat\u00e1lia Ferreira, die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des M\u00fcckenlabors in Campinas, sieht darin keine Konkurrenz. Der Bedarf sei schlie\u00dflich riesig, sagt sie. Und das Projekt komme bei den Menschen im Land gut an. &#171;Es gibt sogar Familien, die kleine Boxen mit M\u00fccken-Eiern bei sich zu Hause aufstellen. Wenn wir den Leuten gut erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, worum es dabei geht, haben wir schnell positive R\u00fcckmeldungen.&#187;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das M\u00fcckenprojekt hat zudem das Image, \u00f6kologisch nachhaltig zu sein. Denn es kommt ganz ohne Insektenschutzmittel aus. Das Hauptziel ist nicht, M\u00fccken k\u00fcnstlich auszurotten &#8211; sie sollen einfach zu schlechteren Virus\u00fcbertr\u00e4gern werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 01.08.2026 \u2022 07:52 Uhr Brasilien sagt der Gelbfieberm\u00fccke den Kampf an. 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