{"id":23161,"date":"2026-02-27T16:59:09","date_gmt":"2026-02-27T16:59:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/23161\/"},"modified":"2026-02-27T16:59:09","modified_gmt":"2026-02-27T16:59:09","slug":"heiliger-stuhl-mahnt-bei-un-in-genf-menschenwuerde-vor-grenzpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/23161\/","title":{"rendered":"Heiliger Stuhl mahnt bei UN in Genf: Menschenw\u00fcrde vor Grenzpolitik"},"content":{"rendered":"<p>                        <a href=\"https:\/\/de.catholicnewsagency.com\/author\/477\/christian-peschken-ewtn\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                          <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"author-image m-0 mr-4\" width=\"48\" height=\"48\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1772211549_51_user.png\" alt=\"Christian Peschken \/ EWTN\"\/><br \/>\n                        <\/a><\/p>\n<p>Von <a href=\"https:\/\/de.catholicnewsagency.com\/author\/477\/christian-peschken-ewtn\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Christian Peschken \/ EWTN<\/a><\/p>\n<p class=\"post-info\">27. Februar 2026<\/p>\n<p>Fl\u00fcchtlinge, Migranten, Vertriebene \u2013 kaumein Thema ist so umstritten, selbst innerhalb der Kirche.\u00a0Vor den Vereinten Nationen in Genf betonte der Heilige Stuhl bei der Sitzung des UN-Fl\u00fcchtlingshilfswerks die vier Leitprinzipien \u201eaufnehmen, sch\u00fctzen, f\u00f6rdern und integrieren\u201c \u2013 gegr\u00fcndet auf der unantastbaren W\u00fcrde jedes Menschen.\u00a0\u00dcber die Kernpunkte dieser Position sprach Christian Peschken (EWTN) mit dem St\u00e4ndigen Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf, Erzbischof Ettore Balestrero.<\/p>\n<p>Wenn jede menschliche Person eine \u201evon Gott gegebene W\u00fcrde\u201c besitzt \u2013 wie k\u00f6nnen wohlhabende Nationen dann restriktive Migrationspolitiken rechtfertigen, die faktisch den nationalen Komfort \u00fcber den evangeliumsgem\u00e4\u00dfen Auftrag stellen, den Fremden aufzunehmen?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich sagen, dass viele Regierungen in ihrer Politik leider nicht dem Evangelium folgen. Sie stellen h\u00e4ufig die Interessen der W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler, die sie an die Macht gebracht haben, in den Vordergrund. Doch an erster Stelle muss die W\u00fcrde jedes Menschen stehen \u2013 die W\u00fcrde der Migranten ebenso wie die W\u00fcrde der Menschen in den aufnehmenden Gemeinschaften. Die menschliche W\u00fcrde \u00fcberragt jeden rechtlichen oder politischen Rahmen. \u00d6ffentliche Politik sollte im Licht dieser W\u00fcrde beurteilt werden \u2013 nicht umgekehrt. Es darf also nicht die W\u00fcrde des Menschen daran gemessen werden, ob sie mit bestehenden politischen Vorgaben vereinbar ist.<\/p>\n<p>Spannungen entstehen dort, wo die W\u00fcrde der Neuankommenden und die der Aufnahmegesellschaft miteinander ins Gleichgewicht gebracht werden m\u00fcssen. In diesem Zusammenhang m\u00f6chte ich betonen, dass beide denselben Wert besitzen. Zu diesem Ausgleich geh\u00f6rt auch, einen wichtigen Unterschied anzuerkennen: den zwischen Fl\u00fcchtlingen und Migranten. Fl\u00fcchtlinge fliehen definitionsgem\u00e4\u00df vor Verfolgung oder Krieg. Migranten hingegen entscheiden sich \u2013 zumindest formal \u2013 f\u00fcr einen Ortswechsel, oft jedoch unter extremem Druck durch Armut, die die Freiheit dieser Entscheidung stark einschr\u00e4nkt oder faktisch aufhebt. Dieser Unterschied muss bei der Bewertung und Abw\u00e4gung ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Zugleich ist die Debatte stark politisiert, sehr komplex und wird h\u00e4ufig vereinfacht dargestellt. Die politische Rhetorik schwankt zwischen Offenheit und Ablehnung. W\u00e4hrenddessen wird die Zahl der Vertriebenen weiter steigen, und westliche L\u00e4nder mit niedrigen Geburtenraten werden auf Zuwanderung angewiesen sein. Diese Staaten haben das Recht, Migration zu regeln. Doch dieses Recht hebt die Pflicht zu Gerechtigkeit und Solidarit\u00e4t nicht auf.<\/p>\n<p>Den Fremden aufzunehmen ist daher kein naiver Slogan, sondern ein anspruchsvoller Auftrag, der Klugheit erfordert. F\u00fcr Christen ist das wahre Ma\u00df einer zivilisierten Gesellschaft nicht die H\u00f6he ihrer Mauern, sondern das Ma\u00df ihres Mitgef\u00fchls. Dieses Mitgef\u00fchl muss allerdings mit dem Respekt vor den Gesetzen, Traditionen und Gepflogenheiten der Aufnahmel\u00e4nder einhergehen \u2013 und mit dem Bewusstsein, dass Migration ein globales Ph\u00e4nomen ist, das einen gemeinsamen, koh\u00e4renten Rahmen aller L\u00e4nder entlang der Migrationsrouten erfordert.\u00a0<\/p>\n<p>In seiner Rede vor der UN betont Msgr. Daniel Pacho, der die Delegation des Heiligen Stuhls bei der 76. Sitzung des Exekutivkomitees des UN-Fl\u00fcchtlingshilfswerks leitete, die \u201egeteilte Verantwortung\u201c f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge \u2013 doch viele L\u00e4nder mit katholischer Bev\u00f6lkerungsmehrheit selbst weigern sich, Vertriebene aufzunehmen. Wie l\u00e4sst sich das mit der kirchlichen Morallehre \u00fcber Solidarit\u00e4t und die universale Bestimmung der G\u00fcter vereinbaren?<\/p>\n<p>Wie ich bereits sagte, istMigration ein globales Ph\u00e4nomen. Sie ist komplex, und ihre Auswirkungen unterscheiden sich je nach Region erheblich. Eine ernsthafte Antwort darauf muss daher ebenfalls global sein. Sie muss koordiniert, gut gesteuert und von gemeinsamen Anstrengungen getragen werden, die die Folgen der Migration auf allen Ebenen und in allen betroffenen L\u00e4ndern ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Die wirtschaftlichen und organisatorischen Belastungen sind real und m\u00fcssen anerkannt werden. Sie d\u00fcrfen jedoch nicht als Vorwand f\u00fcr Gleichg\u00fcltigkeit dienen. Solidarit\u00e4t darf nicht an nationalen Grenzen enden. In manchen L\u00e4ndern gibt es Widerst\u00e4nde gegen die Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen. Ebenso real sind jedoch Probleme mangelhafter Integration sowie Verbindungen zwischen Migration \u2013 insbesondere irregul\u00e4rer Migration \u2013 und kriminellen Netzwerken. Auch das darf nicht ausgeblendet werden.<\/p>\n<p>Integration erfordert Anstrengung. Sie verlangt Engagement sowohl von den Aufnahmegesellschaften als auch von den Migranten selbst. Einige Staaten versuchen derzeit, Migration durch unterschiedliche Ma\u00dfnahmen zu gestalten, etwa durch Unterst\u00fctzung der L\u00e4nder, die besonders viele Migranten aufnehmen. Wie wirksam diese Unterst\u00fctzung tats\u00e4chlich sein wird, wird sich mit der Zeit zeigen.<\/p>\n<p>Wenn dauerhafte L\u00f6sungen \u201efriedliche, gerechte und demokratische\u201c Gesellschaften erfordern \u2013 sollte die Kirche nicht deutlicher \u00fcber die Rolle m\u00e4chtiger Staaten und r\u00fcstungsproduzierender Volkswirtschaften sprechen, die Konflikte mitverursachen?<\/p>\n<p>Dauerhafte L\u00f6sungen f\u00fcr die Herausforderungen der Migration setzen Gesellschaften voraus, die auf Frieden, Gerechtigkeit und Demokratie gr\u00fcnden. Die moralische Stimme der Kirche darf sich dabei nicht nur an jene richten, die Vertreibung erleiden, sondern auch an diejenigen, die sie direkt oder indirekt mitverursachen \u2013 wo immer sie sich befinden.<\/p>\n<p>Vertreibung ist Ausdruck tieferliegender Kr\u00e4fte. Sie ist ein Nebenprodukt globaler Machtk\u00e4mpfe, geopolitischer Interessen und auch des Waffenhandels. Die Kirche hat den Waffenhandel seit Langem als Gei\u00dfel und als Motor weltweiter Instabilit\u00e4t verurteilt. Es ist daher kein Zufall, dass die ersten Worte von Papst Leo vom Balkon des Petersdoms ein Aufruf zu einer entwaffnenden und entwaffneten Frieden waren.<\/p>\n<p>Katholische Organisationen helfen unterschiedslos \u2013 doch manche politisch Verantwortliche in christlich gepr\u00e4gten Gesellschaften handeln anders. Sollte die Kirche ihre eigenen Gl\u00e4ubigen klarer zur Rechenschaft rufen, wenn Politik und kirchliche Lehre auseinanderfallen?<\/p>\n<p>Ich bin jedoch \u00fcberzeugt, dass eine nationale Politik, die wirklich von christlicher Kultur gepr\u00e4gt ist, humanit\u00e4re Hilfe auf der Grundlage der gleichen W\u00fcrde aller Migranten und Fl\u00fcchtlinge leistet \u2013 unabh\u00e4ngig von Geschlecht, ethnischer Zugeh\u00f6rigkeit, Herkunft oder Rasse, wie Sie es angesprochen haben.<\/p>\n<p>Gleichzeitig schlie\u00dft das nicht aus, was ich als eine vorrangige Pflicht bezeichnen w\u00fcrde: n\u00e4mlich jenen Migranten besondere Unterst\u00fctzung zu gew\u00e4hren, zu denen ein Land oder eine Gemeinschaft spezifische Bindungen und besondere Verpflichtungen hat \u2013 im Unterschied zu anderen Menschen in vergleichbarer Lage.<\/p>\n<p>\tErhalten Sie Top-Nachrichten von CNA Deutsch direkt via WhatsApp und Telegram.<\/p>\n<p class=\"box-desc\">Schluss mit der Suche nach katholischen Nachrichten \u2013 Hier kommen sie zu Ihnen.<\/p>\n<p>Die Kirche erinnert immer wieder daran, dass die katholische Soziallehre die Staaten dazu aufruft, die grundlegende W\u00fcrde jedes Menschen anzuerkennen. Was Christen unterscheidet, ist gerade unser Glaube. Als Katholiken sind wir berufen, die Sch\u00f6nheit und Wahrheit des Evangeliums zu bezeugen. Deshalb muss unser Glaube auch das Handeln katholischer Politiker in der Gesellschaft und in ihren F\u00fchrungsaufgaben pr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Original-Interview aufgenommen von Alex Mur in Genf | Teamleitung Genf: Laetitia Rodrigues | Produktionsleitung: Patricia Peschken | Deutscher Sprecher: Jan Terstiege | Redaktion, Moderation und Schnitt: Christian Peschken f\u00fcr Pax Press Agency, im Auftrag von EWTN und CNA Deutsch.<\/p>\n<p>Hinweis: Interviews wie dieses spiegeln die Ansichten der jeweiligen Gespr\u00e4chspartner wider, nicht notwendigerweise jene der Redaktion von CNA Deutsch.<\/p>\n<p>                                        <a href=\"https:\/\/de.catholicnewsagency.com\/author\/477\/christian-peschken-ewtn\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1772211549_51_user.png\" alt=\"Christian Peschken \/ EWTN\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von Christian Peschken \/ EWTN 27. 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