{"id":233935,"date":"2026-08-03T04:34:12","date_gmt":"2026-08-03T04:34:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/233935\/"},"modified":"2026-08-03T04:34:12","modified_gmt":"2026-08-03T04:34:12","slug":"bisherige-theorie-ueberholt-die-venus-ist-offenbar-doch-geologisch-aktiv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/233935\/","title":{"rendered":"Bisherige Theorie \u00fcberholt? Die Venus ist offenbar doch geologisch aktiv"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/shutterstock_1622384608-39cf9e1d6b540110.jpeg\"  width=\"4000\" height=\"2248\"  alt=\"Venus im Universum\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">K\u00fcnstlerische Darstellung der Venus: Die Studie stellt das bisherige Bild von der Geologie des Planeten in Frage<\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0buradaki\/<a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/view-planet-venus-space-nebula-this-1622384608?trackingId=ed10b61c-6bdb-4e39-912d-5a22bb12c8df&amp;listId=searchResults\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">Shutterstock.com<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Ein Team der ETH Z\u00fcrich hat drei Grabensysteme des Nachbarplaneten simuliert. Das Ergebnis legt nahe, dass sich die Venus bis heute dehnt und aufrei\u00dft.<\/p>\n<p>Die Venus galt in der Forschung bislang als tektonisch erstarrt. Eine neue Studie stellt dieses Bild infrage: Ein Team der ETH Z\u00fcrich kommt mithilfe dreidimensionaler Computermodelle zu dem Schluss, dass mehrere gro\u00dfe Grabenbr\u00fcche auf dem Nachbarplaneten entweder gegenw\u00e4rtig aktiv sind oder erst innerhalb der vergangenen wenigen zehn Millionen Jahre zur Ruhe kamen \u2013 geologisch betrachtet ein kurzer Zeitraum.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Die Arbeit von Xi Yang, Taras V. Gerya (beide ETH Z\u00fcrich) und Anna J. P. G\u00fclcher (Universit\u00e4t Freiburg und Universit\u00e4t Bern) <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41561-026-02044-8\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">erschien<\/a> am 24. Juli im Fachjournal Nature Geoscience.<\/p>\n<p>Riesige Grabensysteme ohne Plattentektonik<\/p>\n<p>Grabenbr\u00fcche \u2013 in der Fachsprache &#171;Chasmata&#187; \u2013 sind langgestreckte, tiefe und steilwandige Strukturen, die entstehen, wenn die Kruste eines Planeten auseinandergezogen wird und aufrei\u00dft. Auf der Venus sind sie weit verbreitet: Zusammen erreichen sie eine L\u00e4nge von rund 40.000 Kilometern und bedecken etwa acht Prozent der Oberfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Einzelne Systeme erstrecken sich \u00fcber bis zu 10.000 Kilometer und \u00e4hneln damit den l\u00e4ngsten R\u00fccken der Erde. Als irdisches Gegenst\u00fcck nennen die Autoren das Ostafrikanische Grabensystem, das jedoch deutlich kleiner ausf\u00e4llt als seine venusianischen Pendants.<\/p>\n<p>Anders als auf der Erde gibt es auf der Venus keine Plattentektonik \u2013 das hatten bereits die globalen Beobachtungen der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Magellan_(Raumsonde)\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Nasa-Sonde Magellan<\/a> in den 1990er-Jahren nahegelegt. Zugleich ist die Venus der Erde physikalisch sehr \u00e4hnlich: Mit Blick auf Masse und Umfang entspricht sie etwa 95 Prozent der Erdgr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>Ihre extremen Oberfl\u00e4chentemperaturen und die giftige Atmosph\u00e4re machen den Planeten jedoch lebensfeindlich. Bislang gingen die meisten Fachleute davon aus, dass die Venus geologisch inaktiv ist; einige Sch\u00e4tzungen datierten die Entstehung der Grabensysteme auf einen Zeitpunkt vor mehr als 100 Millionen Jahren.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Breite Flanken als Zeitmarke<\/p>\n<p>Die zentrale Gr\u00f6\u00dfe der Studie sind die sogenannten Flankenhebungen \u2013 breite Aufw\u00f6lbungen entlang der R\u00e4nder eines Grabens. Fr\u00fchere Modellierungen der venusianischen Tektonik waren \u00fcberwiegend zweidimensional und st\u00fctzten sich auf vereinfachte Annahmen zum Materialverhalten.<\/p>\n<p>Yang und Kollegen rechneten dagegen dreidimensional mit einer realit\u00e4tsnahen visko-elasto-plastischen Rheologie, also einem Materialmodell, das beschreibt, wie Gestein unter Druck und W\u00e4rme flie\u00dft, sich elastisch verformt und bricht.<\/p>\n<p>Die Modelle pr\u00fcften drei m\u00f6gliche Zusammensetzungen einer 20 Kilometer dicken, basaltisch-gabbroiden Kruste sowie langsame, mittlere und schnelle Dehnungsraten von einem, drei und zehn Zentimetern pro Jahr.<\/p>\n<p>Als Ausgangspunkt setzten die Forscher eine rund 150 Kilometer dicke thermische <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lithosph%C3%A4re\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Lithosph\u00e4re<\/a> voraus \u2013 die feste \u00e4u\u00dfere Gesteinsschale des Planeten. Versuche mit einer nur 100 Kilometer dicken Lithosph\u00e4re erzeugten keine gebrochenen Grabent\u00e4ler; die Kruste muss demnach \u00fcber einer ausreichend dicken, festen Schale liegen, damit sich Br\u00fcche bilden.<\/p>\n<p>Warum die Flanken das Alter verraten<\/p>\n<p>Um aktive von erloschenen Gr\u00e4ben zu unterscheiden, lie\u00df das Team die Modelle nach dem Ende der Dehnung weiterlaufen und beobachtete, wie sich die Topografie durch isostatischen Ausgleich einebnet.<\/p>\n<p>Das Ergebnis: Breite Flankenhebungen von rund 100 Kilometern oder mehr flachen sich innerhalb weniger zehn Millionen Jahre deutlich ab. &#171;Je \u00e4lter das Grabensystem, desto weniger steil und schmal sind seine Flanken&#187;, so die Autoren. Damit gelten ausgepr\u00e4gte, breite Flanken als Kennzeichen einer aktuell oder erst k\u00fcrzlich aktiven Dehnung.<\/p>\n<p>Drei verd\u00e4chtige Gr\u00e4ben<\/p>\n<p>F\u00fcr den Abgleich mit realen Daten aus dem Topografiemodell VenusTopo719 untersuchte das Team drei Grabent\u00e4ler. Das Dali Chasma in der Region Atla zeigt an seiner Westseite einen steilen Hang mit einem H\u00f6henversatz von etwa f\u00fcnf Kilometern und weist Flanken von im Mittel rund 110 Kilometern Breite auf.<\/p>\n<p>Das benachbarte Ganis Chasma bringt es auf etwa 160 Kilometer, das Devana Chasma in der Region Beta auf mehr als 180 Kilometer breite Flanken. Diese Merkmale entsprechen den modellierten fr\u00fchen, aktiven Gr\u00e4ben bei einer festen Diabas- oder Granulitkruste und Dehnungsraten von drei bis zehn Zentimetern pro Jahr \u2013 nach einer Gesamtdehnung von etwa 60 bis 70 Kilometern.<\/p>\n<p>Daraus schlie\u00dft das Team, dass die Gr\u00e4ben von Ganis, Dali und Devana gegenw\u00e4rtig oder erst vor wenigen zehn Millionen Jahren aktiv waren. Diese Einordnung deckt sich mit weiteren Hinweisen, darunter geologische Kartierungen, Modelle der Lithosph\u00e4renbiegung mit hohem W\u00e4rmefluss sowie Beobachtungen von Vulkanismus entlang der Gr\u00e4ben aus optischen und Radardaten.<\/p>\n<p>Antrieb aus der Tiefe<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist die Geschwindigkeit: Drei bis zehn Zentimeter pro Jahr liegen \u00fcber den Werten, die \u00fcblicherweise f\u00fcr die Venus angenommen werden, und entsprechen eher schneller kontinentaler Dehnung auf der Erde.<\/p>\n<p>Als Ursache erw\u00e4gen die Forscher aufsteigendes hei\u00dfes Mantelmaterial \u2013 sogenannte Mantelplumes, s\u00e4ulenf\u00f6rmige Aufstr\u00f6me aus dem tiefen Planeteninneren. Dazu passt, dass die untersuchten Gr\u00e4ben in den Regionen Atla und Beta markante Dreifachpunkte bilden, wie sie sich durch mehrdirektionale Dehnung erkl\u00e4ren lassen.<\/p>\n<p>Die Autoren benennen zugleich Grenzen ihrer Arbeit: Das Modell geht von einer homogenen Lithosph\u00e4re und einer Dehnung in nur eine Richtung aus. Reale Unterschiede in der Krustendicke, die Rolle von Mantelplumes, mehrdirektionale Dehnung sowie Hangrutsche, die Grabent\u00e4ler verbreitern k\u00f6nnten, blieben unber\u00fccksichtigt und sollten k\u00fcnftige Studien einbeziehen.<\/p>\n<p>Vorlage f\u00fcr kommende Missionen<\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung des Teams k\u00f6nnten die Modelle k\u00fcnftige Missionen von Nasa und ESA leiten, indem sie potenziell aktive Regionen f\u00fcr eine genauere Untersuchung eingrenzen.<\/p>\n<p>Die ETH-Geophysikprofessoren Paul Tackley und Taras Gerya sind mit ihrer Gruppe an der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/EnVision_(Raumsonde)\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">ESA-Mission EnVision<\/a> beteiligt und entwickeln Instrumente, mit denen der Orbiter die Oberfl\u00e4che detaillierter analysieren soll. EnVision soll Anfang der 2030er-Jahre starten und die Venus &#171;vom Kern bis zur oberen Atmosph\u00e4re&#187; erkunden.<\/p>\n<p>\u00dcber die Venus hinaus sehen die Autoren Anwendungen f\u00fcr die Erforschung von Gesteinsplaneten allgemein \u2013 auch bei der Suche nach felsigen Exoplaneten au\u00dferhalb des Sonnensystems, die m\u00f6glicherweise Leben tragen k\u00f6nnten. Ihr Fazit f\u00e4llt deutlich aus: Die Venus bleibe geologisch &#171;lebendig&#187; und beherberge sogar aktive Vulkane.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"K\u00fcnstlerische Darstellung der Venus: Die Studie stellt das bisherige Bild von der Geologie des Planeten in Frage (Bild:\u00a0buradaki\/Shutterstock.com)&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":233936,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[15],"tags":[293,46,9098,1355,19106,45,60,59,7024,44,64,61,7143,63,62],"class_list":["post-233935","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-wissenschaft-technik","tag-astronomie","tag-ch","tag-esa","tag-geologie","tag-planetenforschung","tag-schweiz","tag-science","tag-science-technology","tag-sonnensystem","tag-switzerland","tag-technik","tag-technology","tag-venus","tag-wissenschaft","tag-wissenschaft-technik"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/117029709612977820","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/233935","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=233935"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/233935\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/233936"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=233935"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=233935"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=233935"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}