{"id":23439,"date":"2026-02-27T21:25:06","date_gmt":"2026-02-27T21:25:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/23439\/"},"modified":"2026-02-27T21:25:06","modified_gmt":"2026-02-27T21:25:06","slug":"laurence-des-cars-der-louvre-raub-war-die-strafe-fuer-ihre-beratungsresistenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/23439\/","title":{"rendered":"Laurence des Cars: Der Louvre-Raub war die Strafe f\u00fcr ihre Beratungsresistenz"},"content":{"rendered":"<p>Laurence des Cars wollte dem Pariser Louvre eine Renaissance bescheren. Sie scheiterte spektakul\u00e4r \u2013 auch weil ihr medienwirksame Neuanschaffungen wichtiger waren als das Museum. Doch die Louvre-Katastrophe ist nicht ihr Werk allein.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Der Jahrhundertraub Mitte Oktober hatte Frankreich vor aller Welt zur Lachnummer gemacht. Bei laufendem Betrieb konnten zwei M\u00e4nner dank einer Hebeb\u00fchne in den Saal eindringen, in dem der Louvre die Kronjuwelen der Monarchie aufbewahrte. Direktorin Laurence des Cars bot nach der Katastrophe ihren R\u00fccktritt an, aber der Pr\u00e4sident lehnte ab.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung bekam sie damals von 57 Kolleginnen und Kollegen weltweit, vom Prado in Madrid bis zum <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article254845878\/Metropolitan-Museum-of-Art-in-New-York-Wir-stehen-in-Opposition-zum-Nationalismus.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article254845878\/Metropolitan-Museum-of-Art-in-New-York-Wir-stehen-in-Opposition-zum-Nationalismus.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Metropolitan Museum<\/a> in New York. Die Botschaft der Direktoren der gr\u00f6\u00dften Museen der Welt lautete: Das kann jedem Haus passieren. Wer ein Werk ausstellt, bringt es in Gefahr. Die Welt sei brutaler geworden, aber dennoch m\u00fcssten Museen ihre Mission weiterverfolgen und die Sch\u00e4tze des Weltkulturerbes einer gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Zahl von Menschen zeigen. <\/p>\n<p>Doch seit dem spektakul\u00e4ren Raub befindet sich der Pariser Louvre in einer Dauerkrise \u2013 und man ist geneigt, die schreienden Missst\u00e4nde im gr\u00f6\u00dften Museum der Welt als Metapher f\u00fcr den Zustand Frankreichs zu lesen: Offensichtliche Sicherheitsm\u00e4ngel, warnende Berichte, denen keine Taten folgten, und mehrere Wassersch\u00e4den mit \u00dcberschwemmungen, die Werke zerst\u00f6rten. Die neun S\u00e4le der Galerie Campana mussten Ende des Jahres geschlossen werden, eine Vorsichtsma\u00dfnahme, weil Decken und B\u00f6den einzust\u00fcrzen drohen. Dabei war die Galerie erst vor zwei Jahren wiederer\u00f6ffnet worden, nach einer musealen Neukonzeption. Offensichtlich hatte man sich mehr um Didaktik und Museums\u00e4sthetik gek\u00fcmmert als um Sicherheit.<\/p>\n<p>Es fehlen weiterhin gro\u00dffl\u00e4chig \u00dcberwachungskameras, es gibt keinen Brandschutz-Masterplan. Stattdessen wurde, typisch franz\u00f6sisch, das pharaonische Gro\u00dfprojekt \u201eNouvelles Renaissance\u201c mit spektakul\u00e4rem Umbau angek\u00fcndigt. Der \u00c9lys\u00e9e-Palast hat es auf 800 Millionen Euro beziffert, der franz\u00f6sische Rechnungshof sch\u00e4tzt die Kosten auf \u00fcber eine Milliarde. <\/p>\n<p>Letzterer kritisiert auch, dass die Leitung des Museums falsche Priorit\u00e4ten gesetzt habe. Statt Instandhaltung und Sicherheit seien \u201esichtbare und attraktive Operationen\u201c bevorzugt worden, hei\u00dft es in einem Bericht, der kurz nach dem Raub ver\u00f6ffentlicht wurde. Die Gewerkschaften hatten seit Jahren auf Notst\u00e4nde hingewiesen. Doch sowohl des Cars als auch ihr Vorg\u00e4nger h\u00e4tten lieber Werke gekauft, als n\u00f6tige Investitionen zu t\u00e4tigen, die man nicht spektakul\u00e4r in den Medien ank\u00fcndigen kann.<\/p>\n<p>So seien seit 2018 knapp 90 Millionen Euro in Reparaturen, Erhalt und Restauration des 210.000 Quadratmeter gro\u00dfen Stadtpalastes geflossen, w\u00e4hrend f\u00fcr nicht ganz doppelt so viel Geld Werke gekauft wurden. Gegen die Summe von 145 Millionen Euro, f\u00fcr die Werke gekauft wurden, hatte auch das Kulturministerium nichts einzuwenden. Es ist nachvollziehbar, dass der Erwerb des Meisterwerks von Chardin \u201eKorb mit Walderdbeeren\u201c f\u00fcr 24,3 Millionen Euro f\u00fcr eine <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus692d45a5a4c537eff24912b2\/in-der-kunstszene-gehoeren-israelfeindliche-positionen-seit-jahren-zum-guten-ton-interview-mit-annika-wienert.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus692d45a5a4c537eff24912b2\/in-der-kunstszene-gehoeren-israelfeindliche-positionen-seit-jahren-zum-guten-ton-interview-mit-annika-wienert.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kunsthistorikerin<\/a> oberste Priorit\u00e4t hatte. Aber eine Managerin, die das Wohl des Hauses vor Augen hat, h\u00e4tte darauf verzichten m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Zuletzt hat auch noch ein <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article698f11f50abe5c8b74ece5ff\/louvre-zehn-millionen-euro-schaden-justiz-ermittelt-wegen-enormen-ticketbetrugs.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article698f11f50abe5c8b74ece5ff\/louvre-zehn-millionen-euro-schaden-justiz-ermittelt-wegen-enormen-ticketbetrugs.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Trickbetrug<\/a> f\u00fcr Aufsehen gesorgt: Zehn Jahre lang soll eine Gruppe von Betr\u00fcgern \u2013 darunter Louvre-Angestellte und freiberufliche Reisef\u00fchrer \u2013 Gruppenf\u00fchrungen mit falschen Tickets organisiert haben. Das Gesch\u00e4ft war so lukrativ, dass neben Immobilienank\u00e4ufen in Frankreich und Dubai auch \u00fcber 1,4 Millionen Euro in bar beschlagnahmt wurden. <\/p>\n<p>\u00dcberschattet wurde alles von Dauerstreiks von Mitarbeitern, die unhaltbare Arbeitsbedingungen und Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse beklagen, weil die Zahl der Museumsw\u00e4chter und Sicherheitsagenten trotz steigender Besucherzahlen reduziert wurde und ihre Jobs teilweise outgesourct wurden. Im Dezember und Januar standen Besucher des Louvre an mehreren Tagen vor verschlossenen T\u00fcren.<\/p>\n<p>Das alles ist ein Desaster, das ein unf\u00e4higes Management ins Licht r\u00fcckt. Des Cars mag eine hervorragende Kunsthistorikerin sein, eine f\u00e4hige Managerin ist sie nicht. Wer aber das gr\u00f6\u00dfte Museum der Welt mit \u00fcber 2200 Angestellten und einem Etat in Millionenh\u00f6he erfolgreich leiten will, der braucht mehr als Detailwissen \u00fcber \u201eDas Flo\u00df der Medusa\u201c. Ansonsten l\u00e4uft der Museums-Tanker Gefahr, selbst unterzugehen.<\/p>\n<p>Trotz der aufgeladenen Lage hat des Cars an keiner der j\u00fcngsten Versammlungen der Gewerkschaften teilgenommen. Es hei\u00dft, sie habe sich in ihrem B\u00fcro eingeschlossen wie in einem Bunker, umgeben nur von ihrem engen Team. Ihre Haltung wird als arrogant beschrieben, auch in den vielen Anh\u00f6rungen der Untersuchungskommissionen des Parlaments inszenierte sie sich als unfehlbar.<\/p>\n<p>Es entsteht das Bild von einer Frau an der Spitze des Louvre, der Ersten in dieser Funktion, die einsam, arrogant und offensichtlich \u00fcberfordert war. Sie habe jetzt die Funktion eines \u201eBlitzableiters\u201c, sagt des Cars im ersten Interview nach ihrem R\u00fccktritt. Das ist zweifellos richtig. Aber der Blitz musste hundertmal einschlagen, bis er sie erwischt hat.<\/p>\n<p>Deshalb wirft das Krisenmanagement ein nicht weniger grelles Licht auf die Unf\u00e4higkeit von Frankreichs Kulturministerin Rachida Dati. Diese hatte Mitte Dezember angek\u00fcndigt, Philippe Jost mit der \u201eReorganisation\u201c des Louvre zu betrauen, weil dieser das Wunder vollbracht hatte, dass der Wiederaufbau von Notre-Dame in der vorgegebenen Zeit von knapp sechs Jahren gelang. Danach h\u00f6rte man nichts mehr von der Kommission. Im Januar h\u00e4tte Jost seine Arbeit antreten sollen. Diese Woche sagte Dati w\u00e4hrend ihrer Anh\u00f6rung vor der Untersuchungskommission, dass sich dies erledigt habe.<\/p>\n<p>Dass Dati des Cars <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/video699e0457cfca786c686c9aeb\/paris-louvre-direktorin-tritt-wegen-missstaenden-zurueck.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/video699e0457cfca786c686c9aeb\/paris-louvre-direktorin-tritt-wegen-missstaenden-zurueck.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">jetzt fallen l\u00e4sst<\/a>, h\u00e4ngt mit ihren eigenen Ambitionen zusammen: Sie will B\u00fcrgermeisterin von Paris werden und hat, obwohl der Wahlkampf schon auf Hochtouren l\u00e4uft, ihr Amt als Ministerin noch immer nicht aufgegeben. Es ist kein Zufall, dass sie der Louvre-Direktorin jetzt die Unterst\u00fctzung entzog und ihr den R\u00fccktritt nahelegte. Dati versucht in letzter Sekunde, klar Tisch zu machen. Doch die Kette der Katastrophen im Louvre f\u00e4llt auch auf sie zur\u00fcck. Ein Nachfolger ist bereits einen Tag nach dem R\u00fccktritt gefunden: Der erfahrene Museumsleiter Christophe Leribault wird Direktor des Louvre, wie ein Sprecher franz\u00f6sischen Regierung am Mittwoch mitteilte. Bislang war er Chef des Schloss Versailles bei Paris.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Laurence des Cars wollte dem Pariser Louvre eine Renaissance bescheren. 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