{"id":236022,"date":"2026-08-04T12:28:27","date_gmt":"2026-08-04T12:28:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/236022\/"},"modified":"2026-08-04T12:28:27","modified_gmt":"2026-08-04T12:28:27","slug":"europa-muss-lernen-mit-feuer-zu-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/236022\/","title":{"rendered":"\u00abEuropa muss lernen, mit Feuer zu leben\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>Welche Rolle spielen Ver\u00e4nderungen in der Landnutzung?<br \/>Ein wichtiger Faktor ist, dass immer mehr Menschen am Rand von W\u00e4ldern und anderer nat\u00fcrlicher Vegetation leben. Dadurch sind immer mehr H\u00e4user gef\u00e4hrdet \u2013 und werden selbst zum Brennstoff, wenn sie von einem Waldbrand erfasst werden. Ein weiterer Faktor ist die Landflucht.<\/p>\n<p>Das m\u00fcssen Sie erkl\u00e4ren.<br \/>Viele l\u00e4ndliche Regionen haben infolge der Modernisierung der Landwirtschaft und besser bezahlter Arbeitspl\u00e4tze in den St\u00e4dten einen grossen Teil ihrer Einwohnerinnen und Einwohner verloren. Traditionelles Wissen \u00fcber die Umwelt geht verloren, und immer weniger Menschen bewirtschaften kleine W\u00e4lder und landwirtschaftliche Betriebe aktiv. Dadurch gibt es weniger nat\u00fcrliche Brandschneisen, und die Vegetation kann sich ungehindert ausbreiten. Auch das erh\u00f6ht das Waldbrandrisiko.<\/p>\n<p>Was sollte Europa anders machen?<br \/>Wir m\u00fcssen Landschaften schaffen, die widerstandsf\u00e4higer gegen\u00fcber Feuer sind, und uns von der Vorstellung verabschieden, dass jedes Feuer sch\u00e4dlich ist. Fr\u00fcher profitierten viele Landschaften von kontrollierten Br\u00e4nden und anderen Formen der Landbewirtschaftung, welche die Menge an brennbarem Material reduzierten. Die Frage ist einfach: W\u00fcrden Sie lieber w\u00e4hrend einiger Tage etwas Rauch bei einem kontrollierten Brand in Kauf nehmen oder w\u00e4hrend Wochen oder Monaten enorme Rauchmengen infolge eines katastrophalen Waldbrands?<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen sich Gesellschaften auf eine Zukunft vorbereiten, in der Waldbr\u00e4nde h\u00e4ufiger auftreten?<br \/>Wir brauchen ges\u00fcndere und artenreichere W\u00e4lder. Monokulturen sind besonders anf\u00e4llig. Eine vielf\u00e4ltige Mischung von Baumarten macht W\u00e4lder widerstandsf\u00e4higer. Ausserdem braucht es feuerresistente Bauweisen, eine bessere Raumplanung und eine engere Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, lokalen Gemeinden und Fachleuten aus der Praxis. Vor allem aber m\u00fcssen die Gemeinden viel st\u00e4rker in die Vorbereitung auf Waldbr\u00e4nde einbezogen werden.<\/p>\n<p>Sie haben viele Jahre in Australien gelebt und gearbeitet. Was kann Europa von Australien lernen?<br \/>Seit Jahrzehnten setzt Australien darauf, die Widerstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber Waldbr\u00e4nden von der Gemeindeebene aus zu st\u00e4rken. Menschen, die in waldbrandgef\u00e4hrdeten Gebieten leben, werden aktiv dazu ermutigt, sich mit den Risiken auseinanderzusetzen und zu lernen, wie sie diese durch geeignete Vorsorgemassnahmen verringern k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p>Und in Europa?<br \/>Europa verfolgt hingegen noch immer \u00fcberwiegend einen Top-down-Ansatz, bei dem die Beh\u00f6rden der Bev\u00f6lkerung vorgeben, wie sie sich im Notfall verhalten soll. In Australien hingegen setzt man deutlich st\u00e4rker auf den Austausch von Wissen und eine gemeinsame Verantwortung von Beh\u00f6rden und Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Wie sieht das in der Praxis aus?<br \/>Das beginnt mit einfachen Massnahmen: sich f\u00fcr die Risiken vor Ort bewusst sein, mit den Nachbarn sprechen, Evakuierungswege kennen und Brandgefahren rund um das eigene Zuhause reduzieren. Studien zeigen, dass Menschen, die ihre Nachbarn kennen, h\u00e4ufig deutlich besser vorbereitet sind. Gemeinden werden widerstandsf\u00e4higer, wenn sich die Menschen gegenseitig unterst\u00fctzen und wissen, wer im Ernstfall Hilfe ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Wie gut ist die Schweiz vorbereitet?<br \/>Einige Kantone, etwa das Tessin, verf\u00fcgen bereits \u00fcber Erfahrung im Umgang mit Waldbr\u00e4nden. Die Schweiz profitiert zudem von einer gut funktionierenden Waldbewirtschaftung und sorgf\u00e4ltig gepflegten Schutzw\u00e4ldern. Gleichzeitig braucht es jedoch mehr speziell ausgebildete Einsatzkr\u00e4fte f\u00fcr die Waldbrandbek\u00e4mpfung. Zudem k\u00f6nnte die Einbindung der Gemeinden weiter gest\u00e4rkt werden. Die Schweiz kann auf eine starke Tradition der Solidarit\u00e4t und des freiwilligen Engagements bauen. Diese St\u00e4rken k\u00f6nnten k\u00fcnftig noch gezielter genutzt werden \u2013 bevor Katastrophen eintreten und nicht erst danach.<\/p>\n<p>Sie verwenden h\u00e4ufig den Ausdruck \u00abmit Feuer zu leben\u00bb. Was meinen Sie damit?<br \/>Das bedeutet anzuerkennen, dass nicht jedes Feuer sch\u00e4dlich ist. Viele indigene Gemeinschaften unterscheiden zwischen \u00abgutem Feuer\u00bb und \u00abschlechtem Feuer\u00bb. Gutes Feuer tr\u00e4gt dazu bei, gesunde \u00d6kosysteme zu erhalten \u2013 auch in Europa. Schlechtes Feuer hingegen bezeichnet jene katastrophalen Waldbr\u00e4nde, wie wir sie heute erleben. Mit Feuer zu leben bedeutet, die Rolle des Feuers in der Landschaft zu verstehen und einen bewussten Umgang damit zu entwickeln, anstatt davon auszugehen, wir k\u00f6nnten es vollst\u00e4ndig kontrollieren oder beseitigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Welche Rolle spielen Ver\u00e4nderungen in der Landnutzung?Ein wichtiger Faktor ist, dass immer mehr Menschen am Rand von W\u00e4ldern&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":236023,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[25],"tags":[7980,43,45,14072,104],"class_list":["post-236022","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-zuerich","tag-d-gess","tag-news","tag-schweiz","tag-umweltwissenschaften","tag-zuerich"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/117037236779729091","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/236022","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=236022"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/236022\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/236023"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=236022"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=236022"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=236022"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}