{"id":237637,"date":"2026-08-05T13:21:12","date_gmt":"2026-08-05T13:21:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/237637\/"},"modified":"2026-08-05T13:21:12","modified_gmt":"2026-08-05T13:21:12","slug":"neue-brille-macht-infrarotlicht-in-echten-farben-sichtbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/237637\/","title":{"rendered":"Neue Brille macht Infrarotlicht in echten Farben sichtbar"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"article-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/neue-brille-macht-infrarotlicht-in-echten-farben-sichtbar.jpg\"   alt=\"Neue Brille macht Infrarotlicht in echten Farben sichtbar\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>\n\t\t\t\t\t\t\t(Symbolbild) Das menschliche Auge verpasst mehr als die H\u00e4lfte der Strahlung, die von der Sonne auf die Erde trifft, weil Infrarotlicht die Sehpigmente der Netzhaut nicht ausl\u00f6st. Klassische Nachtsichttechnik schlie\u00dft diese L\u00fccke bislang nur mit einem einfarbigen Bild. Ein neuer Ansatz aus Peking \u00fcbersetzt stattdessen Wellenl\u00e4nge und Intensit\u00e4t in unterschiedliche sichtbare Farben. Der Prototyp wiegt 23 Gramm und l\u00e4sst sichtbares Licht weiterhin durch.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t(Foto: \u00a9\u00a0Forschung und Wissen)<\/p>\n<p>Mehr als die H\u00e4lfte der Sonnenstrahlung erreicht zwar das menschliche Auge, l\u00f6st dort aber keinerlei Reiz aus. Ein Forschungsteam aus Peking hat nun eine 23 Gramm leichte Brille gebaut, die Infrarotlicht nicht wie \u00fcblich in ein gr\u00fcnliches Einheitsbild verwandelt, sondern in unterschiedliche Farben \u00fcbersetzt. Kurze und lange Wellen erscheinen dadurch verschieden, obwohl beide f\u00fcr den Tr\u00e4ger eigentlich unsichtbar w\u00e4ren. Das sichtbare Licht der Umgebung passiert das Bauteil weiterhin, sodass beide Bildinformationen gleichzeitig ankommen.<\/p>\n<p>Sehen beginnt damit, dass ein Lichtteilchen auf ein Sehpigment in der Netzhaut trifft und dessen Molek\u00fclform ver\u00e4ndert. Infrarotlicht bringt f\u00fcr diesen Schritt zu wenig Energie mit, weshalb W\u00e4rmestrahlung f\u00fcr den Menschen grunds\u00e4tzlich unsichtbar bleibt. Technisch l\u00e4sst sich das umgehen, indem ein Sensor die Strahlung aufnimmt und in ein sichtbares Bild umrechnet. Genau so arbeitet ein klassisches Nachtsichtger\u00e4t, das die Umgebung in Gr\u00fcnt\u00f6nen oder in Graustufen darstellt. Der Preis daf\u00fcr ist ein erheblicher Informationsverlust, denn die gesamte spektrale Information wird auf einen einzigen Farbkanal reduziert. Helligkeitsunterschiede bleiben erkennbar, die Wellenl\u00e4nge geht dagegen verloren. Wie stark die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung technisch ausgenutzt werden k\u00f6nnen, zeigte zuletzt auch eine <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/technik\/neue-drohne-wird-im-flug-fuer-das-menschliche-auge-unsichtbar-133711911\" title=\"Drohne wird durch schnelle Rotation f\u00fcr das menschliche Auge unsichtbar\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Drohne, die im Flug f\u00fcr das Auge verschwindet<\/a>.<\/p>\n<p>Die Alternative besteht darin, das Infrarotsignal nicht erst in Elektronik und dann in ein Display zu \u00fcbersetzen, sondern direkt in sichtbares Licht umzuwandeln. Solche Aufw\u00e4rtswandler koppeln einen Infrarotdetektor unmittelbar an ein lichtemittierendes Bauteil, ohne Kamera, Rechner und Bildschirm dazwischen. Bisherige Umsetzungen dieser Bauart hatten allerdings dasselbe Problem wie herk\u00f6mmliche Ger\u00e4te, weil sie das Signal nur in einer einzigen Emissionsfarbe ausgaben. Parallel arbeitet die Forschung daran, dieselbe Idee eines Tages ins Auge selbst zu verlegen und besch\u00e4digte Sinneszellen zu ersetzen, wie es Ans\u00e4tze mit einer <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/medizin\/kuenstliche-netzhaut-laesst-blinde-wieder-sehen-13372115\" title=\"K\u00fcnstliche Netzhaut als visuelle Prothese f\u00fcr blinde Patienten\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">k\u00fcnstlichen Netzhaut als visuelle Prothese<\/a> vorzeichnen. Der neue Prototyp verfolgt zun\u00e4chst den einfacheren Weg als tragbares Brillenglas.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWie die Brille Infrarotlicht in Farbe \u00fcbersetzt<\/p>\n<p>Herzst\u00fcck des Aufbaus sind kolloidale Quantenpunkte aus Quecksilbertellurid. Diese wenige Nanometer gro\u00dfen Halbleiterteilchen absorbieren Strahlung vom nahen bis in den kurzwelligen Infrarotbereich und setzen dabei Ladungstr\u00e4ger frei. Direkt darunter sitzt eine organische Leuchtdiode mit zwei getrennten Emissionsschichten, einer roten und einer cyanfarbenen. Zwischen beiden Farbstoffen liegt eine gezielt eingebaute Energiebarriere von 0,82 Elektronenvolt. Trifft nur schwaches Infrarotlicht ein, bleiben die wenigen Ladungstr\u00e4ger im roten Bereich h\u00e4ngen und die OLED leuchtet rot. Steigen Photonenenergie und Photonenzahl, \u00fcberwinden sie die Barriere und die zweite Schicht schaltet sich hinzu, wodurch sich der Farbeindruck verschiebt. Die <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/sciadv.aed0245\" title=\"Fachaufsatz in Science Advances zur Umwandlung von Infrarotstrahlung in vollfarbiges Sehen\">in Science Advances ver\u00f6ffentlichte Arbeit des Beijing Institute of Technology<\/a> beschreibt damit erstmals eine direkte Zuordnung von Wellenl\u00e4nge und Intensit\u00e4t zu Farbe und Helligkeit.<\/p>\n<p>Was der Prototyp im Test leisten konnte<\/p>\n<p>Aus diesem Schichtstapel bauten die Forscher ein Brillenglas mit einem Gesamtgewicht von 23 Gramm. Weil das Bauteil f\u00fcr sichtbares Licht durchl\u00e4ssig bleibt, sieht der Tr\u00e4ger die reale Umgebung und das eingeblendete Infrarotbild gleichzeitig, statt wie bei einer Nachtsichtbrille vollst\u00e4ndig auf einen Bildschirm angewiesen zu sein. In Laborversuchen entstanden auf diese Weise scharfe, farblich codierte Aufnahmen einfacher Objekte mit hohem Kontrast. Erg\u00e4nzend pr\u00fcfte das Team, ob die erzeugten Lichtsignale das Sehsystem tats\u00e4chlich erreichen. Daf\u00fcr kombinierte es Messungen an isolierten Nervenzellen, Ableitungen der Hirnstr\u00f6me bei M\u00e4usen und Netzhautmessungen bei Menschen, denen das umgewandelte Licht von au\u00dfen ins Auge geleitet wurde. Die Reaktionen entsprachen dabei dem, was normales sichtbares Licht ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWarum daraus noch keine marktreife Brille wird<\/p>\n<p>Zwischen diesem Ergebnis und einem Alltagsprodukt liegen mehrere ungel\u00f6ste Fragen. Getestet wurde in kontrollierter Umgebung mit einfachen, kontrastreichen Motiven, nicht in einer un\u00fcbersichtlichen realen Szene mit vielen W\u00e4rmequellen. Die OLED ben\u00f6tigt au\u00dferdem eine externe Stromversorgung, weshalb es sich streng genommen um ein tragbares Display und nicht um ein rein passives optisches Element handelt. Hinzu kommt der Werkstoff selbst, denn Quecksilbertellurid ist eine Schwermetallverbindung, und zu langfristigem Hautkontakt oder gar zur Vertr\u00e4glichkeit im Auge liegen bislang keine Daten vor. Die im Aufsatz skizzierte Anwendung als k\u00fcnstlicher Fotorezeptor bleibt daher vorerst eine Perspektive. Wer sich f\u00fcr weitere Forschung rund um das <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/thema\/sehen\/\" title=\"Nachrichten und Hintergr\u00fcnde zum Thema Sehen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sehen und seine biologischen Grenzen<\/a> interessiert, findet dort den gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang.<\/p>\n<p>Science Advances, Multispectral infrared-to-full-color upconversion expanding human vision; doi:10.1126\/sciadv.aed0245<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"(Symbolbild) Das menschliche Auge verpasst mehr als die H\u00e4lfte der Strahlung, die von der Sonne auf die Erde&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":237638,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[17],"tags":[46,67,66,51337,51338,14115,2981,51339,51340,45,44,51342,51341],"class_list":["post-237637","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-ch","tag-gesundheit","tag-health","tag-infrarotlicht","tag-nachtsichtgeraet","tag-netzhaut","tag-oled","tag-quantenpunkte","tag-quecksilbertellurid","tag-schweiz","tag-switzerland","tag-waermestrahlung","tag-wellenlaenge"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/117043106489088118","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/237637","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=237637"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/237637\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/237638"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=237637"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=237637"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=237637"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}