{"id":2386,"date":"2026-02-13T06:34:08","date_gmt":"2026-02-13T06:34:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/2386\/"},"modified":"2026-02-13T06:34:08","modified_gmt":"2026-02-13T06:34:08","slug":"forschende-entdecken-verborgenen-wasserstoff-im-erdkern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/2386\/","title":{"rendered":"Forschende entdecken verborgenen Wasserstoff im Erdkern"},"content":{"rendered":"<p> <img decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/gigantischer-wasserspeicher-im-erdinnern-forschende-entdecken-verborgenen-wasserstoff-im-erdkern-177.jpeg\"  width=\"768\" height=\"432\" alt=\"Die Proben werden w\u00e4hrend des Versuchs zwischen zwei einen Zehntel Millimeter gro\u00dfe Diamantspitzen eingeklemmt. Bild: M. Murakami\/ETH Z\u00fcrich\" title=\"Die Proben werden w\u00e4hrend des Versuchs zwischen zwei einen Zehntel Millimeter gro\u00dfe Diamantspitzen eingeklemmt.\"\/>Die Proben werden w\u00e4hrend des Versuchs zwischen zwei einen Zehntel Millimeter gro\u00dfe Diamantspitzen eingeklemmt. Bild: M. Murakami\/ETH Z\u00fcrich   <img decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/lisa-seyde.jpg\" alt=\"Lisa Seyde\" width=\"40\" height=\"40\"\/>    <a class=\"nombre text-hv\" href=\"https:\/\/www.daswetter.com\/autor\/lisa-seyde\/\" title=\"Lisa Seyde\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lisa Seyde<\/a>     13.02.2026 &#8211; 06:48 Uhr   6 min   <\/p>\n<p>Der Ursprung des irdischen Wassers ist eines der gro\u00dfen ungel\u00f6sten R\u00e4tsel der Erde. Einige Theorien gehen davon aus, dass Wasser erst nach der Bildung des Erdkerns auf unseren Planeten gebracht wurde, n\u00e4mlich durch Kometen und Asteroiden. Andere wiederum nehmen an, dass die junge Erde bereits reich an Wasser war: Elementarer Wasserstoff w\u00e4re demnach bereits w\u00e4hrend der Kernbildung ins Planeteninnere abgesunken.<\/p>\n<p>Die beiden Theorien \u201etrockene Erde\u201c und \u201einnere Quelle\u201c sind die vorherrschenden Meinungen dazu, wie Wasser auf den Planeten gekommen ist. Dazu kommen neuere Ans\u00e4tze wie die \u201eSchwamm\u201c-Hypothese, die davon ausgeht, dass die sich entwickelnde Erde einst Eis und Wasser aus der kosmischen Umgebung gezogen hat.<\/p>\n<p>Direkte Messungen im Erdkern sind derzeit unm\u00f6glich. Auch indirekte R\u00fcckschl\u00fcsse \u00fcber seismische Wellen sind nur begrenzt machbar, weil im Kern extremere Druck- und Temperaturbedingungen herrschen als im dar\u00fcberliegenden Mantel.<\/p>\n<p>Bedingungen wie im Erdinnern<\/p>\n<p>Um die chemische Form und Menge des Wasserstoffs im Erdkern zu bestimmen, hat darum nun ein Forschungsteam um Motohiko Murakami vom Departement Erd- und Planetenwissenschaften der ETH Z\u00fcrich Laborexperimente durchgef\u00fchrt, bei denen die Bedingungen der fr\u00fchen Erdentstehung simuliert wurden. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications ver\u00f6ffentlicht. <\/p>\n<p>Mithilfe einer lasererhitzten Diamantstempelzelle wurden Dr\u00fccke erzeugt, die mehr als eine Million Mal h\u00f6her sind als der Atmosph\u00e4rendruck, unter Temperaturen, die sogar jene an der Sonnenoberfl\u00e4che \u00fcbertreffen.<\/p>\n<p>In einer winzigen, wasserhaltigen Kristallkapsel wurde ein St\u00fcck metallisches Eisen eingeschlossen. Durch gezielte Lasererhitzung schmolz das Eisen, sodass Silizium, Sauerstoff und Wasserstoff aus der Kapsel in das Metall diffundieren konnten.<\/p>\n<p>Wasserstoff bildet Eisenhydrid<\/p>\n<p>Die Versuche zeigten, dass Wasserstoff im Kern nicht isoliert vorkommt. Statt als Gas oder in Form von Wassermolek\u00fclen liegt er demnach chemisch gebunden im geschmolzenen Eisen vor \u2013 als sogenanntes Eisenhydrid.<\/p>\n<p><a class=\"imagen \" href=\"https:\/\/www.daswetter.com\/nachrichten\/aktuelles\/wissenschaftler-entdecken-eine-quelle-massiver-wasserstoffemissionen-an-einem-unerwarteten-ort.html\" title=\"Wissenschaftler entdecken eine Quelle massiver Wasserstoffemissionen an einem unerwarteten Ort\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"low\" class=\"lazy img-body non-editable\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/los-cientificos-descubren-una-fuente-de-emisiones-masivas-de-hidrogeno-en-un-lugar-inesperado-175552.png\"  width=\"320\" height=\"225\"\/><\/a><\/p>\n<p>Dabei entstehen Nanostrukturen, in denen Wasserstoff gemeinsam mit Silizium und Sauerstoff im Metallgitter eingebettet ist. Nach rascher Abk\u00fchlung konnten die atomaren Strukturen dann dreidimensional sichtbar gemacht werden.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung bestand darin, Wasserstoff unter solch extremen Bedingungen im Nanobereich nachzuweisen.<\/p>\n<p>\u201eMithilfe modernster Tomografie konnten wir schlie\u00dflich visualisieren, wie sich diese Atome innerhalb des metallischen Eisens verhalten\u201c, erkl\u00e4rt Dongyang Huang, ehemaliger Postdoktorand in Murakamis Forschungsgruppe und Erstautor der Stude.<\/p>\n<p>Mehr Wasserstoff als erwartet<\/p>\n<p>Um die Gesamtmenge des Wasserstoffs im Erdkern abzusch\u00e4tzen, kombinierten die Forschenden die experimentellen Werte zum Wasserstoff-Silizium-Verh\u00e4ltnis mit bekannten Daten zum Siliziumanteil im Kern. Demnach k\u00f6nnten zwischen 0,07 und 0,36 Prozent der Kernmasse aus Wasserstoff bestehen, so das Ergebnis der Studie. <\/p>\n<p>W\u00fcrde man diese Menge in Wasser umwandeln, entspr\u00e4che sie etwa dem Neun- bis F\u00fcnfzigfachen der Wassermenge aller heutigen Ozeane.<\/p>\n<p>Damit d\u00fcrfte der Erdkern ein deutlich gr\u00f6\u00dferes Wasserstoffreservoir darstellen als bisher angenommen. M\u00f6glicherweise \u00fcbertrifft es sogar die Mengen in Ozeanen, Atmosph\u00e4re und Mantel zusammen.<\/p>\n<p>Folgen f\u00fcr Erdgeschichte und Magnetfeld<\/p>\n<p>Die neuen Daten stellen auch die jetzigen Theorien zur Entwicklung der Erde infrage. Wenn bereits bei der Entstehung gro\u00dfe Mengen Wasserstoff in den Kern gelangten, spricht das gegen die Annahme, dass Wasserstoff durch Kometen auf die Erde gelangt ist.<\/p>\n<p>\u201eDas spricht eher dagegen, dass der Wasserstoff von Kometen stammt, die erst nach der Entstehung in die junge Erde einschlugen.\u201c<\/p>\n<p>\u2013 Motohiko Murakami, Departement Erd- und Planetenwissenschaften, ETH Z\u00fcrich<\/p>\n<p>Zugleich l\u00e4sst sich genauer in die Bewegungen des Erdinneren blicken. Tief gespeicherter Wasserstoff k\u00f6nnte langfristig die Entstehung des Magnetfeldes, die Konvektion im \u00e4u\u00dferen Kern oder den Austausch zwischen Kern und Mantel beeinflussen.<\/p>\n<p><a class=\"imagen \" href=\"https:\/\/www.daswetter.com\/nachrichten\/wissenschaft\/besteht-der-erdkern-aus-mehreren-schichten-forscher-stellen-bedingungen-im-erdinneren-nach.html\" title=\"Besteht der Erdkern aus mehreren Schichten? Forscher stellen Bedingungen im Erdinneren nach\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"low\" class=\"lazy img-body non-editable\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/besteht-der-erdkern-aus-mehreren-schichten-forscher-stellen-bedingungen-im-erdinneren-nach-176685512.jpeg\"  width=\"320\" height=\"225\"\/><\/a><\/p>\n<p>\u00dcber Milliarden Jahre hinweg k\u00f6nnte Wasserstoff langsam wieder in Richtung Oberfl\u00e4che gelangen, was sich wiederum auf Vulkanismus, Manteldynamik und m\u00f6glicherweise sogar auf den globalen Wasserkreislauf auswirken k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Bedeutung \u00fcber die Erde hinaus<\/p>\n<p>Die Erkenntnisse reichen zudem weit \u00fcber unseren Planeten hinaus. F\u00fcr die Modellierung von Exoplaneten ist die Verteilung leichter Elemente im Inneren entscheidend \u2013 sie bestimmt, ob ein Planet einen metallischen Kern besitzt oder kernlos bleibt.<\/p>\n<p>Auch geochemische Modelle des Erdmantels lassen sich durch die neuen Daten verbessern. Damit soll erkl\u00e4rt werden, wie fl\u00fcchtige Stoffe im fr\u00fchen Sonnensystem verteilt wurden.<\/p>\n<p>\u201eDie Ergebnisse verbessern unser Verst\u00e4ndnis der tiefen Erde\u201c, erkl\u00e4rt Murakami. Sie lieferten Hinweise darauf, wie Wasser und andere fl\u00fcchtige Stoffe im fr\u00fchen Sonnensystem verteilt wurden und wie die Erde zu ihrem Wasserstoff kam. Und Murakami f\u00fcgt hinzu: \u201eDas Wasser, das wir heute an der Erdoberfl\u00e4che sehen, ist vielleicht nur die sichtbare Spitze eines gigantischen Eisbergs, tief im Inneren der Erde\u201c.<\/p>\n<p>Quellenhinweis:<\/p>\n<p>Huang, D., Murakami, M., Gerstl, S., Liebske, C. (2026): <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41467-026-68821-6\" title=\"Experimental quantification of hydrogen content in the Earth\u2019s core\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Experimental quantification of hydrogen content in the Earth\u2019s core<\/a>. Nature Communications, 17, 1211.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Proben werden w\u00e4hrend des Versuchs zwischen zwei einen Zehntel Millimeter gro\u00dfe Diamantspitzen eingeklemmt. Bild: M. 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