{"id":238765,"date":"2026-08-06T07:47:26","date_gmt":"2026-08-06T07:47:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/238765\/"},"modified":"2026-08-06T07:47:26","modified_gmt":"2026-08-06T07:47:26","slug":"fuenf-ueberraschende-auswirkungen-extremer-hitze-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/238765\/","title":{"rendered":"F\u00fcnf \u00fcberraschende Auswirkungen extremer Hitze in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/termometro.jpg\" width=\"1300\" height=\"933\" alt=\"Ein Thermometer, das 36 Grad anzeigt\" loading=\"eager\" decoding=\"sync\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>                Am 30. Juli 2026 stiegen die Temperaturen in verschiedenen Regionen der Schweiz auf \u00fcber 35 Grad.            <\/p>\n<p>            Keystone \/ DPA        <\/p>\n<p>        Hohe Temperaturen und anhaltende Hitzewellen bergen Risiken f\u00fcr die Gesundheit und die Umwelt. Sie haben jedoch auch eine Reihe weniger bekannter, aber durchaus relevanter Auswirkungen.\n<\/p>\n<p>        Dieser Inhalt wurde am ver\u00f6ffentlicht    <\/p>\n<p>        05. August 2026 &#8211; 08:30\n<\/p>\n<p>Eine Hitzewelle traf k\u00fcrzlich die Schweiz mit Temperaturen von bis zu 39 Grad im Flachland. Im s\u00fcdlichen Kanton Tessin, in der Nordwestschweiz und in der Genfersee-Region galt laut Meteoschweiz <a href=\"https:\/\/www.meteoschweiz.admin.ch\/ueber-uns\/meteoschweiz-blog\/de\/2026\/07\/wieder-markante-hitzewelle-in-der-schweiz.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">mindestens bis zum 5. August eine Hitzewarnung der Stufe 4Externer Link<\/a>, der h\u00f6chsten Stufe.<\/p>\n<p>Extreme Hitze beeintr\u00e4chtigt die F\u00e4higkeit des K\u00f6rpers, seine Temperatur konstant zu halten, und beg\u00fcnstigt Dehydrierung. In schweren F\u00e4llen kann sie zu Hitzschl\u00e4gen, Verwirrtheitszust\u00e4nden und Herz-Kreislauf-St\u00f6rungen f\u00fchren, die f\u00fcr gef\u00e4hrdete Personen potenziell t\u00f6dlich sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der Schweiz wurden in den vergangenen Sommern rund 500 Todesf\u00e4lle pro Jahr mit der Hitze in Verbindung gebracht, wie Sch\u00e4tzungen des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts ergeben haben.<\/p>\n<p>Nicht nur die Menschen leiden unter der Hitze. Hohe Temperaturen k\u00f6nnen auch erhebliche Auswirkungen auf Infrastrukturen, die Energieerzeugung und G\u00fcter des t\u00e4glichen Bedarfs haben. Hier einige der weniger bekannten Auswirkungen von Hitzewellen.<\/p>\n<p>Hitze reduziert die Kernenergieerzeugung<\/p>\n<p>Hohe Wassertemperaturen in Fl\u00fcssen k\u00f6nnen die K\u00fchlkapazit\u00e4t von Kernkraftwerken einschr\u00e4nken. So schaltete das Elektrizit\u00e4tsunternehmen Axpo am 26. Juni die beiden Reaktoren in Beznau im Kanton Aargau ab, da die Aare, die zur K\u00fchlung genutzt wird, eine Temperatur von 25 Grad erreicht hatte. Erst einen Monat sp\u00e4ter wurden die Reaktoren mit reduzierter Leistung wieder ans Stromnetz angeschlossen.<\/p>\n<p>Diese Massnahmen sind notwendig, um das Fluss\u00f6kosystem zu sch\u00fctzen und die Umweltvorschriften einzuhalten. Bereits im Juli 2025 hatte das Kernkraftwerk Beznau die Stromproduktion aufgrund der Wassertemperatur vor\u00fcbergehend eingestellt.<\/p>\n<p>Auch Frankreich musste in diesem Sommer drei seiner 57 Reaktoren vor\u00fcbergehend abschalten. Weitere acht arbeiteten mit reduzierter Leistung.<\/p>\n<p>In einer <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0360544225008497\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Studie, die der franz\u00f6sische staatliche Energiekonzern EDF an zwei Anlagen entlang der Maas und der Garonne durchgef\u00fchrt hatExterner Link<\/a>, wird gesch\u00e4tzt, dass der durch den Klimawandel verursachte Anstieg der Wassertemperaturen und die abnehmenden Flussdurchfl\u00fcsse die Verf\u00fcgbarkeit der Reaktoren bis 2050 um rund 2% pro Jahr verringern werden.<\/p>\n<p>Die Abschaltungen verursachen Verluste f\u00fcr die Betreiber der Kraftwerke, die \u00fcber mehrere Tage oder Wochen hinweg keinen Strom verkaufen k\u00f6nnen. Die Auswirkungen sind jedoch begrenzt, da die Preise im Sommer niedriger sind.<\/p>\n<p>\u00abWenn die Hitze anh\u00e4lt, k\u00f6nnen die wirtschaftlichen Folgen f\u00fcr den Energieversorger jedoch erheblich werden\u00bb, warnt Massimiliano Capezzali, Professor am Institut f\u00fcr Energie der Hochschule f\u00fcr Ingenieurwesen und Management des Kantons Waadt, im <a href=\"https:\/\/www.rsi.ch\/info\/ambiente\/Centrali-nucleari-quale-futuro-in-un-mondo-sempre-pi%C3%B9-caldo--3894032.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Interview mit RSIExterner Link<\/a>.<\/p>\n<p>Wasser auf den Gleisen an den heissesten Tagen<\/p>\n<p>Im \u00f6ffentlichen Verkehr kann extreme Hitze den Stahl von Schienen ausdehnen und Gleise sowie Weichen verformen. Zudem k\u00f6nnen Probleme bei den Fahrleitungen auftreten, welche die Z\u00fcge mit Strom versorgen, was den Betrieb st\u00f6ren kann.<\/p>\n<p>Im Juni stellten die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) hitzebedingte St\u00f6rungen an der Bahninfrastruktur und am Rollmaterial fest, beispielsweise die \u00dcberhitzung von Fahrmotoren. Ausserdem treten laut den SBB h\u00e4ufiger St\u00f6rungen auf, wenn die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen.<\/p>\n<p>Der Bahnbetrieb in der Schweiz blieb bisher stabil, wenn auch mit Versp\u00e4tungen. In Frankreich strich die nationale Eisenbahngesellschaft hingegen Dutzende Z\u00fcge, darunter einige auf Hochgeschwindigkeitsstrecken.<\/p>\n<p>Um die Bahninfrastruktur w\u00e4hrend der sommerlichen Spitzenzeiten zu sch\u00fctzen, spr\u00fchen die SBB mit Kesselwagen Wasser auf Gleise und Schotterbett. K\u00fcnftig planen sie zudem, die Holzschwellen durch Betonschwellen zu ersetzen, da diese der Ausdehnung der Schienen besser standhalten.<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/treno.jpg\" width=\"1300\" height=\"867\" alt=\"Ein Waggon bespr\u00fcht die Gleise mit Wasser\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Kesselwagen spr\u00fchen Wasser auf die Gleise, um zu verhindern, dass sich die Schienen durch die Hitze verziehen.            <\/p>\n<p>            Keystone \/ Georgios Kefalas        <\/p>\n<p>Keime vermehren sich im Trinkwasser<\/p>\n<p>Die Schweizer Fl\u00fcsse und Wasserfl\u00e4chen werden immer w\u00e4rmer: Anfang Juni lagen die Temperaturen in kleinen und mittleren Seen bereits bei rund 30 Grad. <a href=\"https:\/\/meteonews.ch\/de\/News\/N16647\/Heissester-Juli-der-Messgeschichte_-stark-ausgepr%C3%A4gte-Trockenheit\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Laut dem Wetterdienst MeteonewsExterner Link<\/a> haben sich die Seen in diesem Sommer um bis zu sieben Grad mehr als der Durchschnitt zwischen 1983 und 2024 erw\u00e4rmt.<\/p>\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen bedroht nicht nur die Fische, sondern gef\u00e4hrdet auch die Qualit\u00e4t und Sicherheit des Trinkwassers. Die Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR) hat gewarnt, dass h\u00f6here Temperaturen die Vermehrung von Keimen wie Legionellen beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<p>In der Schweiz darf die H\u00f6chsttemperatur von 25 Grad, die gesetzlich f\u00fcr Trinkwasser vorgeschrieben ist, nicht \u00fcberschritten werden. Doch laut AWBR kann dieser Wert heute nicht mehr \u00fcberall eingehalten werden. Rund 20% des in der Schweiz verbrauchten Trinkwassers stammen aus Seen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrt der r\u00fcckl\u00e4ufige Pegelstand der Fl\u00fcsse im Sommer bei gleichbleibender Schadstoffzufuhr zu h\u00f6heren Konzentrationen von Pestiziden, Industriechemikalien und Arzneimittelr\u00fcckst\u00e4nden.<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/reno.jpg\" width=\"1300\" height=\"866\" alt=\"teilweise ausgetrockneter Fluss\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Der Rhein auf der Strecke zwischen Sevelen in der Schweiz und Vaduz in Liechtenstein am 10. Juli 2026.            <\/p>\n<p>            Keystone \/ Gian Ehrenzeller        <\/p>\n<p>Obst und Gem\u00fcse teurer und von geringerer Qualit\u00e4t<\/p>\n<p>Aufgrund der Hitzewelle m\u00fcssen Obst- und Gem\u00fcseproduzenten mehr bew\u00e4ssern als in einem \u00abnormalen\u00bb Sommer. Das wirkt sich auf die Produktionskosten aus.<\/p>\n<p>\u00abEs bleibt abzuwarten, ob diese Mehrkosten auf dem Markt ausgeglichen werden k\u00f6nnen\u00bb, sagt Andreas Allenspach, Direktor von Swisscofel, dem Schweizerischen Verband des Handels mit Fr\u00fcchten, Gem\u00fcse und Kartoffeln.<\/p>\n<p>Der Schweizerische Gem\u00fcseproduzenten-Verband beabsichtigt, einen h\u00f6heren Verkaufspreis zu verlangen. \u00abDie Gem\u00fcsebauern sollten f\u00fcr den zus\u00e4tzlichen Bew\u00e4sserungsaufwand eine angemessene Entsch\u00e4digung erhalten\u00bb, sagt Vizedirektor Markus Waber.<\/p>\n<p>Die Detailhandelskette Migros erkl\u00e4rt, bislang keine hitzebedingten Preiserh\u00f6hungen eingef\u00fchrt zu haben. Coop rechnet hingegen damit, dass sich die Auswirkungen der Hitzewelle in den kommenden Wochen auf die Preise niederschlagen werden.<\/p>\n<p>Der Schweizerische Bauernverband (SBV) rechnet eher mit einem Qualit\u00e4tsr\u00fcckgang bei Obst und Gem\u00fcse als mit Ernteausf\u00e4llen, wie er auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP mitteilte. Unter dem Gem\u00fcse d\u00fcrften Kartoffeln am st\u00e4rksten unter der Hitze leiden. Die Knollen k\u00f6nnten klein bleiben, was sie m\u00f6glicherweise unverk\u00e4uflich macht.<\/p>\n<p>F\u00fcr Kulturen, die im Herbst geerntet werden, wie Soja, Sonnenblumen und Mais, d\u00fcrfte sich die Lage deutlich schwieriger gestalten. \u00abSie leiden stark, sowohl unter dem Wassermangel als auch unter den hohen Temperaturen\u00bb, sagt Pierre-Yves Perrin, Direktor des Schweizerischen Getreideproduzentenverbands.<\/p>\n<p>\n    Mehr<\/p>\n<p>\n            Meinung        <\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/upload-temp-file-a1042671-17f4-4cb7-986d-98739413d3f2-91716170.png\" width=\"480\" height=\"480\" alt=\"\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>        Mehr    <\/p>\n<p>        Klimaanpassung\n        <\/p>\n<p>        Wenn die Hitzewelle fr\u00fcher kommt: Das sind die Lehren f\u00fcr die Schweiz    <\/p>\n<p class=\"teaser-wide-card__excerpt\">\n<p>                        Dieser Inhalt wurde am ver\u00f6ffentlicht                    <\/p>\n<p>                        10. Juli 2026                    <\/p>\n<p>                Die aussergew\u00f6hnliche Hitzewelle im Juni hat deutlich gemacht, wie schwierig es ist, mit diesen neuen Klimaextremen umzugehen, sagt Sonia Seneviratne von der ETH Z\u00fcrich.            <\/p>\n<p>    <a class=\"teaser-wide-card__link\" href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/klimaanpassung\/wenn-die-hitzewelle-fr%c3%bcher-kommt-das-sind-die-lehren-f%c3%bcr-die-schweiz\/91720277\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\"><\/p>\n<p>            Mehr Wenn die Hitzewelle fr\u00fcher kommt: Das sind die Lehren f\u00fcr die Schweiz<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>Weniger Zeckenkrankheiten wegen der Hitze?<\/p>\n<p>Die anhaltende Hitze und Trockenheit haben jedoch nicht nur negative Folgen. So k\u00f6nnte sie beispielsweise die Ausbreitung von Zecken und Japank\u00e4fern behindern. Beide gelten als gef\u00e4hrlich: Erstere f\u00fcr den Menschen, Letztere f\u00fcr Pflanzen.<\/p>\n<p>Zecken m\u00f6gen die f\u00fcr Hitzewellen typischen Umweltbedingungen nicht, betont das Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (BAG). Die hohen Temperaturen k\u00f6nnten den Verlauf der durch diese Spinnentiere \u00fcbertragenen Krankheiten, besonders der Fr\u00fchsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und der Borreliose (auch Lyme-Krankheit genannt), beeinflussen.<\/p>\n<p>Im Juni 2026 war die Zahl der FSME-Infektionen mit 1,18 F\u00e4llen pro 100\u2019000 Personen deutlich niedriger als im gleichen Monat des Vorjahres mit 1,46 F\u00e4llen, wie aus den Daten des BAG hervorgeht.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnlicher Trend ist auch bei der Borreliose zu beobachten: 23,16 F\u00e4lle pro 100\u2019000 Personen wurden im Juni 2026 gemeldet, im Juni 2025 waren es 28,45.<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/zecca.jpg\" width=\"1300\" height=\"867\" alt=\"Eine Zecke auf einem Blatt\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Zecken k\u00f6nnen Krankheiten wie die Fr\u00fchsommer-Meningoenzephalitis und die Borreliose \u00fcbertragen.            <\/p>\n<p>            Keystone \/ Gaetan Bally        <\/p>\n<p>F\u00fcr den eingewanderten Japank\u00e4fer seien Temperaturen zwischen 21 und 35 Grad optimal, sagt Timo B\u00f6rker vom Kantonalen Pflanzenschutzdienst der Stadt Basel.<\/p>\n<p>Diese Bedingungen sind jedoch nicht ideal f\u00fcr die Entwicklung ihrer Larven, die in trockenen B\u00f6den schlecht gedeihen. Die Auswirkungen werden erst in der n\u00e4chsten Saison mit Sicherheit beurteilt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Editiert von Balz Rigendinger, \u00dcbertragung aus dem Italienischen: Christian Raaflaub<\/p>\n<p>        Artikel in dieser Story    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am 30. Juli 2026 stiegen die Temperaturen in verschiedenen Regionen der Schweiz auf \u00fcber 35 Grad. 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