{"id":240601,"date":"2026-08-07T12:02:14","date_gmt":"2026-08-07T12:02:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/240601\/"},"modified":"2026-08-07T12:02:14","modified_gmt":"2026-08-07T12:02:14","slug":"a320-familie-und-a350-warum-sich-triebwerke-von-airbus-jets-ungewollt-abschalten-und-was-nun-passiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/240601\/","title":{"rendered":"A320-Familie und A350: Warum sich Triebwerke von Airbus-Jets ungewollt abschalten &#8211; und was nun passiert"},"content":{"rendered":"\n<p>Die British Airline Pilots&#8216; Association ist besorgt. Die Cockpitcrew-Gewerkschaft, kurz Balpa, hat eine Arbeitsgruppe f\u00fcr Unfallanalyse und -pr\u00e4vention, die den Mitgliedern Leitlinien an die Hand gibt. Und die \u00e4u\u00dfert sich nun zu ungewollten Triebwerksabschaltungen.<\/p>\n<p>Als Beispiel f\u00fchrt sie Flug NZ249 von Air New Zealand vom 1. Dezember 2024 an, der von Wellington nach Sydney gehen sollte. Etwa 40 Minuten nach dem Start schaltete sich eines der Triebwerke ungewollt ab. Die Crew setzte einen Mayday-Notruf ab, wich nach Auckland aus und landete den Airbus A320 Neo dort sicher nur mit nur einem laufenden Triebwerk.<\/p>\n<p>Auch bei einem Airbus A350 fiel ein Triebwerk aus<\/p>\n<p>\u00abDie Untersuchung durch die neuseel\u00e4ndische Beh\u00f6rde TAIC ergab, dass die Abschaltung dadurch verursacht wurde, dass sich der Druckschalter f\u00fcr das Triebwerksfeuer-L\u00f6schsystem im Overhead-Panel von selbst l\u00f6ste &#8211; ohne Einwirkung der Piloten\u00bb, schreibt die Balpa. Ein Sicherungsstift im Schalter sei wohl durch unsachgem\u00e4\u00dfe Handhabung verbogen worden, als das Panel nicht im Flugzeug eingebaut war. \u00abDa der Stift den Schalter nicht vollst\u00e4ndig in der eingerasteten Position halten konnte, sprang dieser aufgrund der normalen Vibrationen w\u00e4hrend des Fluges heraus, was automatisch zur Abschaltung des Triebwerks f\u00fchrte.\u00bb<\/p>\n<p>Die Gewerkschaft verweist auch auf einen \u00e4hnlichen Vorfall mit einem Airbus A350, der von Las Vegas nach London-Heathrow flog. Zwar nennt die Balpa die Betreiberin nicht, doch wie aeroTELEGRAPH wei\u00df, handelte es sich um einen A350-1000 von British Airways und der Vorfall geschah Mitte Februar 2026. \u00abNachts, in der N\u00e4he von Halifax, kam es zu einem unerwarteten Triebwerksausfall, nachdem der Feuerl\u00f6schschalter des Triebwerks Nr. 2 herausgesprungen war und mehrere ECAM-Warnungen ausgel\u00f6st hatte\u00bb, schreibt die Gewerkschaft. Beim ECAM (Electronic Centralized Aircraft Monitor) handelt es sich um ein zentrales Bildschirm- und Warnsystem im Cockpit von Airbus-Flugzeugen.<\/p>\n<p>Warnung an Crews: \u00ab\u00dcberraschend leicht zu \u00fcbersehen\u00bb<\/p>\n<p>\u00abDie ECAM-Meldungen waren knapp und deuteten zun\u00e4chst nicht auf einen Triebwerksausfall hin, doch die Triebwerks-Systemanzeige (SD-Page) best\u00e4tigte den Schubverlust.\u00bb Die Crew lie\u00df den Jet sinken, stabilisierte ihn und setzte eine Dringlichkeitsmeldung ab. Dann versucht sie, das Triebwerk wieder anzulassen. Dies war aber erst erfolgreich, \u00abnachdem der Feuerl\u00f6schschalter auf Anraten der technischen Leitstelle (Maintrol) wieder hineingedr\u00fcckt worden war\u00bb, so die Cockpitcrew-Gewerkschaft. Die Besatzung setzte den Flug nach London anschlie\u00dfend ohne weitere Probleme fort.<\/p>\n<p> <a class=\"\" href=\"https:\/\/ocdn.eu\/pulscms-transforms\/1\/o9uktkpTURBXy8wMTc5MTFmODc4YzY0MWRlOTUxOGEwMzZmODc2YmIyNi5wbmeRlQMAAM0FvM0C_A\" target=\"_blank\" data-pswp-src=\"https:\/\/ocdn.eu\/pulscms-transforms\/1\/o9uktkpTURBXy8wMTc5MTFmODc4YzY0MWRlOTUxOGEwMzZmODc2YmIyNi5wbmeRlQMAAM0FvM0C_A\" data-pswp-width=\"1468\" data-pswp-height=\"764\" rel=\"nofollow noopener\"> <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/qrUk9lyaHR0cHM6Ly9vY2RuLmV1L3B1bHNjbXMtdHJhbnNmb3Jtcy8xL285dWt0a3BUVVJCWHk4d01UYzVNVEZtT0RjNFl6WTBNV.jpeg\" alt=\"Ausgel\u00f6ster Feuerl\u00f6schschalter von Triebwerk Nummer 2 im betroffenen A320 Neo von Air New Zealand.\" transform=\"resizeCropAuto\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\" width=\"680\" height=\"354\" class=\"RingImage _RingImage_km0le_1 \"\/> <\/a> <\/p>\n<p> Ausgel\u00f6ster Feuerl\u00f6schschalter von Triebwerk Nummer 2 im betroffenen A320 Neo von Air New Zealand. TAIC <\/p>\n<p>\u00abBei Airbus-Flugzeugen befinden sich die Feuerl\u00f6schschalter weit oben im Overhead-Panel, sind dort vertieft und gesch\u00fctzt angebracht und geh\u00f6ren nicht zum normalen Scan-Bereich, sofern keine Feuerwarnung aktiv ist\u00bb, erkl\u00e4rt die Balpa. \u00abWenn sie sich mechanisch l\u00f6sen, ist der visuelle Hinweis darauf &#8211; besonders bei Nacht &#8211; unauff\u00e4llig, auch wenn beim L\u00f6sen m\u00f6glicherweise ein Klicken zu h\u00f6ren ist.\u00bb Dadurch sei ein herausgesprungener Feuerl\u00f6schschalter \u00fcberraschend leicht zu \u00fcbersehen. \u00abBeide Vorf\u00e4lle unterstreichen, wie wichtig eine gezielte \u00dcberpr\u00fcfung des Overhead-Panels ist, wann immer unerwartet ECAM-Meldungen im Zusammenhang mit Kraftstoffventilen oder Generatoren auftreten.\u00bb<\/p>\n<p>F\u00fcr die A320-Familie gibt es eine Luftt\u00fcchtigkeitsanweisung<\/p>\n<p>Die Gewerkschaft sch\u00e4tzt die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem solchen Vorfall kommt, zwar als gering ein. Wenn es doch dazu kommt, seien die potenziellen Konsequenzen aber \u00abhoch bis potenziell katastrophal, abh\u00e4ngig von der Flugphase &#8211; insbesondere bei Fehlinterpretation des Problems\u00bb, schreibt sie. Insgesamt sei das Risiko daher als mittel bis hoch zu bewerten, bis die Schalter flottenweit ausgetauscht seien, so die Balpa.<\/p>\n<p>Das Design der Feuerl\u00f6schschalter ist bei allen Flugzeugen der A320-Familie identisch. Teile-Zulieferer Safran und Flugzeugbauer Airbus haben schon im Jahr 2024 die Betreiber informiert. Die europ\u00e4ische Luftfahrtbeh\u00f6rde Easa machte die Empfehlungen zur Inspektion und zum Austausch der Teile zudem im Juli 2025 per Luftt\u00fcchtigkeitsanweisung zur Pflicht.<\/p>\n<p>Britischer Gewerkschaft ist die Zeit zur Umsetzung zu lang<\/p>\n<p>Die Balpa schreibt, dass \u00abInspektion und Austausch der betroffenen Schalter in der weltweiten Flotte bis November 2027\u00bb erfolgen sollen und dass dieser \u00ablange Zeitraum\u00bb Unbehagen ausl\u00f6se. \u00abBis zum Austausch der Hardware bleiben das Bewusstsein f\u00fcr die Problematik und die disziplinierte Einhaltung der Standardverfahren unsere besten Schutzma\u00dfnahmen\u00bb, schreibt sie. Man fordere die eigenen Mitglieder, \u00abdie betroffene Airbus-Modelle fliegen, dazu auf, sich mit den Einzelheiten der Service-Bulletins vertraut zu machen und etwaige Bedenken unverz\u00fcglich an ihren Arbeitgeber zu richten\u00bb.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist es korrekt, dass die Umr\u00fcstungen bei einem Teil der Flugzeuge bis November 2027 geschehen m\u00fcssen. Allerdings erw\u00e4hnte die Balpa nicht, dass bei anderen Flugzeugen der Austausch schon bis Mai 2026 erfolgen musste, abh\u00e4ngig von den Teilenummern.<\/p>\n<p>So \u00e4u\u00dfern sich Airbus und Easa<\/p>\n<p>Was die Balpa ebenfalls unerw\u00e4hnt l\u00e4sst: Auch f\u00fcr den A350 hat die Easa in dieser Angelegenheit im Juli 2026 eine Luftt\u00fcchtigkeitsanweisung vorgeschlagen. Diese befindet sich aktuell in der Konsultationsphase. Ein Easa-Sprecher erkl\u00e4rt, die Vorf\u00e4lle bei der A320-Familie und dem A350 w\u00fcrden zwar dieselbe Art von Ereignis betreffen. \u00abDie Easa bewertet jedoch jeden Flugzeugtyp und die jeweils zugeh\u00f6rige technische L\u00f6sung individuell.\u00bb Zur Frist f\u00fcr die Umsetzung der Ma\u00dfnahmen bei der A320-Familie sagt der Sprecher, diese Frist sei \u00abauf der Grundlage einer detaillierten Sicherheitsbewertung festgelegt\u00bb worden und gelte \u00abals angemessen im Verh\u00e4ltnis zum festgestellten Risikoniveau\u00bb.<\/p>\n<p>Ein Sprecher von Airbus kommentiert: \u00abF\u00fcr den A320 haben Airbus und der Zulieferer dieses Problem im Jahr 2024 angegangen und proaktive Leitlinien f\u00fcr vorbeugende und korrigierende Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die gesamte A320-Flotte herausgegeben, die derzeit umgesetzt werden.\u00bb In \u00e4hnlicher Weise h\u00e4tten Airbus und Safran f\u00fcr den A350 spezielle Inspektions- und Austauschprotokolle entwickelt, deren flottenweite Einf\u00fchrung nun in die Luftt\u00fcchtigkeitsanweisung vorsehe, die die Easa im Juli vorgeschlagen habe.<\/p>\n<p>Vereinigung Cockpit: \u00abder richtige und etablierte Weg\u00bb<\/p>\n<p>Die deutsche Cockpitcrew-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit erkl\u00e4rt auf Anfrage: \u00abAus Sicht der Vereinigung Cockpit ist das der richtige und etablierte Weg, mit einem solchen Bauteilfehler umzugehen: Ursache identifiziert, Hersteller reagiert mit Service Bulletins, Beh\u00f6rde macht die Umsetzung verbindlich\u00bb, so eine Sprecherin. Man begleite die Umsetzung und sehe aktuell keinen Anlass f\u00fcr eine weitere Positionierung.<\/p>\n<p>Gute Geschichten brauchen Freiraum. Ihre Unterst\u00fctzung gibt uns diesen Freiraum \u2013 und Sie lesen aeroTELEGRAPH ganz ohne Werbung. F\u00fcr weniger als ein Getr\u00e4nk am Flughafen. Jetzt hier klicken und abonnieren. <a href=\"https:\/\/www.aerotelegraph.com\/insider\" id=\"2fb10d5f-d679-4659-a584-637fccb2e701\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jetzt hier klicken und abonnieren<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die British Airline Pilots&#8216; Association ist besorgt. Die Cockpitcrew-Gewerkschaft, kurz Balpa, hat eine Arbeitsgruppe f\u00fcr Unfallanalyse und -pr\u00e4vention,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":240602,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[14],"tags":[3148,408,57,46,52,51,18599,53,56,45,44,55,54],"class_list":["post-240601","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-unternehmen-maerkte","tag-airbus-a320","tag-airbus-a350","tag-business","tag-ch","tag-companies","tag-companies-markets","tag-easa","tag-markets","tag-maerkte","tag-schweiz","tag-switzerland","tag-unternehmen","tag-unternehmen-maerkte"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/117054120564651305","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/240601","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=240601"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/240601\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/240602"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=240601"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=240601"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=240601"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}