{"id":241523,"date":"2026-08-08T02:05:22","date_gmt":"2026-08-08T02:05:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/241523\/"},"modified":"2026-08-08T02:05:22","modified_gmt":"2026-08-08T02:05:22","slug":"warum-stress-sich-im-mund-festsetzt-und-was-dagegen-hilft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/241523\/","title":{"rendered":"Warum Stress sich im Mund festsetzt &#8211; und was dagegen hilft"},"content":{"rendered":"<p class=\"content__description\" data-speakable=\"\">Rund 20 Prozent aller Erwachsenen knirschen mit den Z\u00e4hnen. Die Folgen reichen von Kieferschmerzen bis hin zu Zahnverlust. Eine Professorin erkl\u00e4rt, warum ausgerechnet der Kiefer auf Stress reagiert und welche Massnahmen wirklich helfen.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Geh\u00f6rst du auch zu den Menschen, die morgens mit verspanntem Kiefer oder schmerzenden <a data-component-name=\"link.semantic\" data-brain-zone=\".42398758.content.textlink_1\" data-component-path=\"content.textlink_1\" href=\"https:\/\/www.gmx.ch\/magazine\/gesundheit\/thema\/zahnpflege\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Z\u00e4hnen<\/a> aufwachen? Sch\u00e4tzungen zufolge sind rund 15 bis 20 Prozent der Erwachsenen von sogenanntem Bruxismus betroffen. Gemeint ist damit eine unbewusste \u00dcberaktivit\u00e4t der Kaumuskulatur: Betroffene knirschen tags\u00fcber (Wachbruxismus) oder nachts (Schlafbruxismus) mit den Z\u00e4hnen, pressen oder reiben die Zahnreihen fest auf- und aneinander oder spannen die Kiefermuskeln an. <\/p>\n<p>Enorme Kr\u00e4fte \u00fcber Stunden<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Diese dauerhafte Anspannung kann den Kauapparat massiv belasten. W\u00e4hrend sich die Z\u00e4hne im Alltag, etwa beim Kauen oder Schlucken, meist nur kurz ber\u00fchren, wirken beim Z\u00e4hneknirschen \u00fcber l\u00e4ngere Zeit enorme Kr\u00e4fte von bis zu 70 Kilogramm auf sie ein. Zum Vergleich: Innerhalb von 24 Stunden haben die Z\u00e4hne beim Kauen insgesamt etwa acht Minuten Kontakt, beim Schlucken rund 15 Minuten. Beim Bruxismus k\u00f6nnen es dagegen bis zu zwei Stunden und l\u00e4nger sein \u2013 und das unter deutlich h\u00f6herem Druck als normalerweise. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">In der Regel geschieht Bruxismus unbewusst. Viele Betroffene wissen lange nicht, dass sie mit den Z\u00e4hnen knirschen oder klappern, besonders wenn es nur nachts dazu kommt. H\u00e4ufig sind es Familienmitglieder oder Partnerinnen und Partner, die die typischen Ger\u00e4usche dann wahrnehmen und sie darauf aufmerksam machen. <\/p>\n<p>Z\u00e4hne, Muskeln und Gelenke leiden<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Bleibt Bruxismus \u00fcber l\u00e4ngere Zeit bestehen, kann das deutliche Spuren hinterlassen. Durch das st\u00e4ndige Aneinanderreiben von Ober- und Unterkieferz\u00e4hnen wird die Zahnsubstanz nach und nach abgetragen. Die Z\u00e4hne werden dadurch empfindlicher und reagieren schneller auf K\u00e4lte, W\u00e4rme, Druck, S\u00fcsses oder Saures. Im Extremfall k\u00f6nnen Z\u00e4hne so stark abgeschliffen werden, dass von der sichtbaren Zahnkrone kaum noch etwas \u00fcbrigbleibt. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">&#171;Die Zahnsubstanz wird regelrecht zermahlen&#187;, sagt Anne Wolowski, Professorin an der Poliklinik f\u00fcr Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien am Universit\u00e4tsklinikum M\u00fcnster. Mitunter seien die Z\u00e4hne nach Jahren &#171;bis auf das Niveau des Zahnfleisches heruntergeknirscht&#187;. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Bruxismus schadet aber nicht nur den Z\u00e4hnen. Auch Kiefergelenke und die Muskulatur in Hals, Nacken und R\u00fccken k\u00f6nnen \u00fcberlastet werden. Sp\u00e4testens dann sprechen Fachleute von einer craniomandibul\u00e4ren Dysfunktion, kurz CMD: einer Funktionsst\u00f6rung des Kauorgans, zu dem neben Z\u00e4hnen und Kiefergelenken auch Muskulatur, B\u00e4nder und Nerven geh\u00f6ren. Typische Beschwerden sind Verspannungsschmerzen oder eine eingeschr\u00e4nkte Mund\u00f6ffnung. Es kann auch ein Kiefergelenkknacken auftreten, was aber als alleiniges Symptom noch nicht als krankhaft eingesch\u00e4tzt wird.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Bruxismus und CMD sind nicht dasselbe, gehen aber h\u00e4ufig ineinander \u00fcber. &#171;Beim Bruxismus steht die intensive Kaumuskelaktivit\u00e4t im Vordergrund, bei der CMD sind es Funktionsst\u00f6rungen, die schmerzhaft sein k\u00f6nnen&#187;, erkl\u00e4rt Wolowski. &#171;Die \u00dcberg\u00e4nge sind oft fliessend.&#187; Ein Patient mit einer CMD k\u00f6nne gleichzeitig auch unter Bruxismus leiden. Beide Ph\u00e4nomene betreffen laut Wolowski vor allem junge Erwachsene in ihren Zwanzigern und Dreissigern und nehmen mit dem Alter ab.<\/p>\n<p>Bruxismus extrem: Zahnverlust und Asymmetrie im Gesicht<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Das T\u00fcckische: Oft dauert es Jahre, bis solche deutlichen Symptome entstehen. Viele Betroffene klagen etwa zun\u00e4chst nur \u00fcber eine morgendliche Steifheit der Kaumuskulatur, die aber im Laufe des Tages wieder verschwindet. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Hinweise auf einen l\u00e4nger bestehenden Bruxismus k\u00f6nnen auch Kopfschmerzen nach dem Aufwachen sein (besonders im Bereich der Schl\u00e4fen), oder kleine Verletzungen an Wangeninnenseiten und Zunge, die entstehen, wenn das Gewebe beim Kauen oder Pressen zwischen die Z\u00e4hne ger\u00e4t. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Bei ausgepr\u00e4gter Muskelaktivit\u00e4t kann der Kaumuskel sogar sichtbar an Volumen zunehmen. Man spricht dann von einer sogenannten Masseterhypertrophie. &#171;Ich erinnere mich an eine sehr junge Patientin, die nicht nur einen grossen Teil ihrer Z\u00e4hne verloren hatte, sondern durch die extreme Muskelaktivit\u00e4t auch eine deutliche Verdickung des Kaumuskels entwickelte&#187;, erz\u00e4hlt Wolowski. Die Asymmetrie im Gesicht habe die Patientin zus\u00e4tzlich stark belastet.<\/p>\n<p>Warum reagiert ausgerechnet der Kiefer?<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Warum Menschen mit den Z\u00e4hnen knirschen oder den Kiefer unbewusst anspannen, ist noch nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt. &#171;Funktionelle St\u00f6rungen, wie Bruxismus oder CMD, haben aber nie &#8218;die eine Ursache&#8216;, sondern sind immer multifaktoriell&#187;, erkl\u00e4rt Wolowski. Meist wirken also mehrere Faktoren zusammen. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Als m\u00f6gliche Ausl\u00f6ser nennt die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) emotionalen und sozialen <a data-component-name=\"link.semantic\" data-brain-zone=\".42398758.content.textlink_2\" data-component-path=\"content.textlink_2\" href=\"https:\/\/www.gmx.ch\/magazine\/unterhaltung\/thema\/stress\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stress<\/a>, Angstst\u00f6rungen und eine famili\u00e4re Veranlagung. Auch bestimmte Medikamente, der Konsum von Nikotin, Alkohol oder anderen psychotropen Substanzen sowie Begleiterkrankungen wie Schlafapnoe oder Reflux k\u00f6nnen eine Rolle spielen.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Doch warum zeigt sich Belastung bei vielen Menschen ausgerechnet im Kiefer? Auch das lasse sich nicht eindeutig beantworten, meint Wolowski. Stress sucht sich nicht bei allen denselben Weg. &#171;Dem einen &#8217;schl\u00e4gt es auf den Magen&#8216;, der andere &#8218;beisst sich durch&#8216; oder &#8218;vor Wut auf die Z\u00e4hne'&#187;, sagt sie. &#171;Das ist individuell recht unterschiedlich.&#187; F\u00fcr manche werde das Zusammenbeissen der Z\u00e4hne zu einer Art Ventil, um Stress, \u00c4rger oder Angst zu verarbeiten.<\/p>\n<p>Was tun bei Bruxismus?<\/p>\n<p data-speakable=\"\">1. Bewusst wahrnehmen und Aufkl\u00e4rung<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Die wichtigste erste Massnahme sei Aufkl\u00e4rung, sagt Wolowski. Betroffene m\u00fcssen erst einmal verstehen, was im Kiefer passiert, und lernen, ihr eigenes Verhalten im Alltag wahrzunehmen. Denn viele pressen die Z\u00e4hne zusammen oder spannen die Kaumuskulatur an, ohne es zu bemerken. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Helfen kann ein einfacher Trick: kleine Erinnerungspunkte, etwa ein roter Punkt oder ein Smiley, an Stellen, auf die man h\u00e4ufig schaut (Spiegel im Bad, K\u00fchlschrank, Monitor). Wenn man das Zeichen sieht, pr\u00fcft man kurz: Was macht mein Kiefer gerade? Ber\u00fchren sich die Z\u00e4hne? Ist die Muskulatur angespannt? Ziel ist, den Unterkiefer locker zu lassen und keinen Zahnkontakt herzustellen.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">2. Stress abbauen statt wegbeissen<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Gerade bei stressbedingtem Bruxismus geht es ausserdem darum, andere Wege f\u00fcr gesunden Stressabbau zu finden. Bewusste Entspannungsphasen im Alltag und regelm\u00e4ssiger Ausdauersport k\u00f6nnen dabei helfen. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">3. Physiotherapie<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Eine weitere Massnahme ist gezielte Physiotherapie. Sie kann vor allem zu Beginn verspannte Kaumuskeln lockern und die Beweglichkeit des Kiefers verbessern. &#171;Ziel der Physiotherapie sollte die Hilfe zur Selbsthilfe sein&#187;, sagt Wolowski. So lernen Betroffene, die Kiefermuskulatur selbst zu entspannen und \u00dcberlastung fr\u00fcher zu bemerken.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">4. Aufbissschiene<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Zum Schutz der Z\u00e4hne wird h\u00e4ufig zus\u00e4tzlich eine Aufbissschiene angepasst. Sie besteht meist aus hartem Kunststoff und bedeckt eine Zahnreihe vollst\u00e4ndig. In der Regel reicht es, sie nachts zu tragen, weil Betroffene das Knirschen oder Pressen im Schlaf nicht kontrollieren k\u00f6nnen. Wichtig ist aber, die Erwartungen realistisch zu halten: Eine Schiene sch\u00fctzte zwar die Z\u00e4hne und kann unregelm\u00e4ssige Bisslagen ausgleichen, sei aber &#171;keine urs\u00e4chliche Behandlung eines Bruxismus&#187;, betont Wolowski. Dass die Muskelaktivit\u00e4t durch das Tragen nachlasse, sei ein w\u00fcnschenswerter, aber kein garantierter Nebeneffekt.<\/p>\n<p>Empfohlenes Video<\/p>\n<p>Gesichtsformungsb\u00e4nder: Dermatologinnen warnen vor falschen Hoffnungen<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/gesichtsformungsbaender-dermatologinnen-warnen-fal.jpg\" alt=\"Gesichtsformungsb\u00e4nder: Dermatologinnen warnen vor falschen Hoffnungen\" width=\"950\" height=\"534\"\/><\/p>\n<p>\u00a9 bitprojects<\/p>\n<p data-speakable=\"\">5. Botox f\u00fcr hartn\u00e4ckige F\u00e4lle<\/p>\n<p>Empfehlungen der Redaktion<\/p>\n<p data-speakable=\"\">In hartn\u00e4ckigen F\u00e4llen kann auch Botulinumtoxin angewandt werden, das in den Kaumuskel gespritzt wird und dessen Aktivit\u00e4t f\u00fcr vier bis sechs Monate d\u00e4mpft. F\u00fcr Wolowski ist das Nervengift aber ausdr\u00fccklich kein Mittel der ersten Wahl: &#171;Erst wenn Aufkl\u00e4rung, Selbstbeobachtung, Physiotherapie und Schiene keinen Erfolg bringen, sollte man \u00fcber einen solchen Eingriff nachdenken.&#187;<\/p>\n<p>\u00dcber die Gespr\u00e4chspartnerinProf. Dr. Anne Wolowski ist Zahn\u00e4rztin und Professorin an der Universit\u00e4t M\u00fcnster. Am Universit\u00e4tsklinikum M\u00fcnster ist sie leitende Ober\u00e4rztin und stellvertretende Direktorin der Poliklinik f\u00fcr Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien. Ausserdem leitet sie dort die CMD-Sprechstunde sowie den Bereich Psychosomatik in der Zahnheilkunde. Ihre Schwerpunkte sind unter anderem Prothetik, Funktionsst\u00f6rungen des Kauapparats, CMD, Bruxismus und unklare Kiefer-Gesichts-Beschwerden.Verwendete Quellen <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Rund 20 Prozent aller Erwachsenen knirschen mit den Z\u00e4hnen. 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