{"id":241689,"date":"2026-08-08T06:59:14","date_gmt":"2026-08-08T06:59:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/241689\/"},"modified":"2026-08-08T06:59:14","modified_gmt":"2026-08-08T06:59:14","slug":"schwarzes-loch-zerreisst-stern-am-voellig-falschen-ort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/241689\/","title":{"rendered":"Schwarzes Loch zerrei\u00dft Stern am v\u00f6llig falschen Ort"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"article-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/schwarzes-loch-zerreisst-stern-am-voellig-falschen-ort.jpg\"   alt=\"Schwarzes Loch zerrei\u00dft Stern am v\u00f6llig falschen Ort\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>\n\t\t\t\t\t\t\t(Symbolbild) Supermassereiche Schwarze L\u00f6cher sitzen \u00fcblicherweise im Zentrum gro\u00dfer Galaxien und bleiben unsichtbar, solange sie keine Materie verschlingen. Nun hat ein Schwarzes Loch rund 30.000 Lichtjahre vom Kern seiner Galaxie entfernt einen Stern zerrissen und dabei zeitweise heller geleuchtet als das gesamte Sternsystem. Der Fund gelang mit Hilfe einer k\u00fcnstlichen Intelligenz und wirft die Frage auf, wie der Gigant \u00fcberhaupt an diesen ungew\u00f6hnlichen Ort gelangen konnte.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t(Foto: \u00a9\u00a0Forschung und Wissen)<\/p>\n<p>Ein Schwarzes Loch hat rund 30.000 Lichtjahre vom Zentrum seiner Heimatgalaxie entfernt einen Stern zerrissen und damit erstmals seine Existenz verraten. Das Ereignis mit der Bezeichnung TDE 2025abcr ist der am weitesten vom Galaxienkern entfernte Sternzerriss, der jemals mit optischen Teleskopen aufgesp\u00fcrt wurde. Der Ausbruch leuchtete im ultravioletten Licht zeitweise heller als die gesamte Galaxie und erreichte die Strahlkraft von rund 10 Milliarden Sonnen. Entdeckt wurde er nicht durch Zufall, sondern durch eine k\u00fcnstliche Intelligenz, die gezielt dort suchte, wo eigentlich nichts sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Supermassereiche <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/thema\/schwarzes-loch\/\" title=\"Schwarzes Loch\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schwarze L\u00f6cher<\/a> geh\u00f6ren zu den extremsten Objekten des Universums und vereinen Millionen bis Milliarden Sonnenmassen auf engstem Raum. Nach allem, was Astronomen bislang wussten, sitzen sie fast ausnahmslos im Zentrum gro\u00dfer Galaxien. Auch die Milchstra\u00dfe beherbergt mit Sagittarius A* ein solches Objekt mit etwa vier Millionen Sonnenmassen. Dass sich die Giganten ausgerechnet im Kern sammeln, gilt als nat\u00fcrliche Folge der Galaxienentwicklung, denn bei Verschmelzungen und Kollisionen sinkt schwere Materie \u00fcber Jahrmilliarden hinweg in das gravitative Zentrum eines Systems. Solange ein Schwarzes Loch keine Materie verschlingt, sendet es praktisch keine Strahlung aus und bleibt f\u00fcr Teleskope vollst\u00e4ndig unsichtbar. Die \u00fcberwiegende Mehrheit aller Schwarzen L\u00f6cher befindet sich genau in diesem schlafenden Zustand, weshalb ihre wahre Zahl und Verteilung im Universum bis heute nur grob gesch\u00e4tzt werden kann.<\/p>\n<p>Sichtbar wird ein schlafender Gigant nur, wenn ihm ein Stern zu nahe kommt. Ger\u00e4t er zu dicht heran, zerren die Gezeitenkr\u00e4fte so stark an ihm, dass er in lange Gasstr\u00f6me auseinandergezogen wird. Fachleute sprechen von einem Tidal Disruption Event, kurz TDE. Die Tr\u00fcmmer des Sterns st\u00fcrzen anschlie\u00dfend auf enge Umlaufbahnen, heizen sich durch Reibung auf mehrere Millionen Grad Celsius auf und erzeugen einen Strahlungsausbruch, der \u00fcber Wochen im ultravioletten und sichtbaren Licht nachweisbar bleibt. In einer einzelnen <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/thema\/galaxie\/\" title=\"Galaxie\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Galaxie<\/a> ereignet sich ein solcher Sternzerriss im Schnitt nur etwa alle 100.000 Jahre. Weil moderne Himmelsdurchmusterungen jedoch Millionen Galaxien gleichzeitig \u00fcberwachen, registrieren Astronomen derzeit rund 30 dieser Ereignisse pro Jahr. Jedes davon wirkt wie ein kurz aufflammender Scheinwerfer, der ein sonst unsichtbares Schwarzes Loch f\u00fcr einen Moment sichtbar macht.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tEin Schwarzes Loch weit drau\u00dfen im Sternbild Walfisch<\/p>\n<p>Im November 2025 registrierten Durchmusterungsdaten einen hellen Lichtblitz nahe der Galaxie WISEA J014656.04-152214.7, die rund 750 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Walfisch liegt. Der Ausbruch sa\u00df allerdings nicht im Kern des Systems, sondern etwa 9,3 Kiloparsec beziehungsweise rund 30.000 Lichtjahre vom Zentrum entfernt in den d\u00fcnn besiedelten Au\u00dfenbezirken. Nachbeobachtungen mit dem Lowell Discovery Telescope und dem NASA-Weltraumteleskop Swift best\u00e4tigten, dass dort tats\u00e4chlich ein Stern zerrissen wurde. Das Team um Robert Stein von der <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/cmns.umd.edu\/news-events\/news\/first-ever-wandering-black-hole-tde-stein-gezari-veilleux\" title=\"Pressemitteilung der University of Maryland zum wandernden Schwarzen Loch TDE 2025abcr\">University of Maryland<\/a> leitete aus den Daten eine Masse von rund einer Million Sonnenmassen ab. Damit handelt es sich eindeutig um ein supermassereiches und zuvor v\u00f6llig inaktives Schwarzes Loch, das ohne den Sternzerriss niemals aufgefallen w\u00e4re. Die Studie erschien am 27. Juli 2026 in den Astrophysical Journal Letters.<\/p>\n<p>Eine KI suchte gezielt abseits der Galaxienkerne<\/p>\n<p>M\u00f6glich wurde der Fund durch eine bewusste Designentscheidung. Bisherige Suchprogramme bewerteten die N\u00e4he eines Lichtblitzes zum Galaxienzentrum als wichtiges Erkennungsmerkmal und sortierten Ereignisse in den Randbereichen dadurch systematisch aus. Die Forscher trainierten ihre k\u00fcnstliche Intelligenz deshalb so um, dass sie die Position am Himmel vollst\u00e4ndig ignoriert und Ausbr\u00fcche allein anhand ihrer Lichtkurve klassifiziert, also anhand des zeitlichen Verlaufs der Helligkeit. Seit August 2025 durchsucht das Programm s\u00e4mtliche Meldungen der Himmels\u00fcberwachung. Bis M\u00e4rz 2026 identifizierte es zehn gew\u00f6hnliche Sternzerrisse in Galaxienzentren und einen einzigen Ausrei\u00dfer weit drau\u00dfen am Rand. Wie die <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/college.unc.edu\/2026\/07\/black-hole\/\" title=\"Mitteilung der UNC Chapel Hill zur Entdeckung des Gezeitensternrisses TDE 2025abcr\">University of North Carolina<\/a> mitteilte, schlossen Spektren und R\u00f6ntgendaten alle alternativen Erkl\u00e4rungen wie eine Supernova zuverl\u00e4ssig aus. Der ultraviolette Ausbruch \u00fcberstrahlte zeitweise die gesamte Heimatgalaxie.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWie der Gigant an den Galaxienrand geriet<\/p>\n<p>In der Astronomie galt bislang die Grundannahme, dass supermassereiche Schwarze L\u00f6cher in den Zentren massereicher Galaxien residieren. Der neue Fund zwingt dazu, diese Annahme zu erweitern. Zwei Szenarien gelten als plausibel. Im ersten verschmelzen mehrere Galaxien, deren zentrale Schwarze L\u00f6cher anschlie\u00dfend einen engen gravitativen Tanz beginnen. Kommt ein drittes Objekt hinzu, kann das leichteste \u00fcber einen Dreik\u00f6rper-Schleudereffekt hinausgeworfen werden und driftet danach \u00fcber Jahrmilliarden durch die Au\u00dfenbereiche des verschmolzenen Systems. Im zweiten Szenario erh\u00e4lt ein Schwarzes Loch nach der Verschmelzung zweier Partner durch den R\u00fccksto\u00df von Gravitationswellen einen Geschwindigkeitsschub von mehreren tausend Kilometern pro Sekunde. Welche Erkl\u00e4rung zutrifft, sollen weitere Beobachtungen kl\u00e4ren. Klar ist bereits jetzt, dass k\u00fcnftige Durchmusterungen wie das Vera-C.-Rubin-Observatorium mit derselben Methode eine ganze Population wandernder Schwarzer L\u00f6cher aufsp\u00fcren k\u00f6nnten, deren Existenz die Theorie seit langem vorhersagt.<\/p>\n<p>The Astrophysical Journal Letters, TDE 2025abcr: A Tidal Disruption Event in the Outskirts of a Massive Galaxy; doi:10.3847\/2041-8213\/ae77f3<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"(Symbolbild) Supermassereiche Schwarze L\u00f6cher sitzen \u00fcblicherweise im Zentrum gro\u00dfer Galaxien und bleiben unsichtbar, solange sie keine Materie verschlingen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":241690,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[15],"tags":[293,46,12680,623,52142,1619,7921,45,60,59,8771,44,52141,64,61,63,62],"class_list":["post-241689","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-wissenschaft-technik","tag-astronomie","tag-ch","tag-galaxie","tag-kuenstliche-intelligenz","tag-lichtjahre","tag-nasa","tag-schwarzes-loch","tag-schweiz","tag-science","tag-science-technology","tag-stern","tag-switzerland","tag-tde-2025abcr","tag-technik","tag-technology","tag-wissenschaft","tag-wissenschaft-technik"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/117058591474328979","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/241689","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=241689"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/241689\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/241690"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=241689"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=241689"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=241689"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}