{"id":241717,"date":"2026-08-08T07:33:08","date_gmt":"2026-08-08T07:33:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/241717\/"},"modified":"2026-08-08T07:33:08","modified_gmt":"2026-08-08T07:33:08","slug":"schlankheitsgen-entdeckt-seltene-mutation-laesst-fett-schneller-verbrennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/241717\/","title":{"rendered":"\u201eSchlankheitsgen\u201c entdeckt \u2013 seltene Mutation l\u00e4sst Fett schneller verbrennen"},"content":{"rendered":"<p class=\"\">Warum wird der eine Mensch schneller dick als der andere \u2013 obwohl beide \u00e4hnlich essen? Die Antwort liegt offenbar nicht nur auf dem Teller. Bei manchen Menschen arbeitet der Stoffwechsel von Geburt an anders: Sie haben weniger K\u00f6rperfett, weniger Fett in der Leber, g\u00fcnstigere Blutzucker- und Blutfettwerte und zugleich einen h\u00f6heren Anteil fettfreier K\u00f6rpermasse.<\/p>\n<p class=\"\">Der Grund k\u00f6nnte in einem winzigen Unterschied im Erbgut liegen. Bei etwa einem von 7.000 Menschen funktioniert eine Kopie des FNIP1-Gens nicht vollst\u00e4ndig. Forscher sind damit auf ein sogenanntes Schlankheitsgen gesto\u00dfen, das tief in die Frage f\u00fchrt, wie unser K\u00f6rper entscheidet, ob er Energie speichert \u2013 oder verbrennt.<\/p>\n<p class=\"\">Auf die Spur von FNIP1 kamen die Wissenschaftler durch eine ungew\u00f6hnlich gro\u00dfe Genanalyse. In einer <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-026-10864-2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Studie<\/a> werteten sie die proteinbildenden Bereiche der DNA von mehr als einer Million Menschen aus elf Kohorten in Amerika, Europa und Asien aus. Dabei fanden sie 59 Gene, die mit dem Energie- und Fettstoffwechsel zusammenh\u00e4ngen. FNIP1 geh\u00f6rte zu den auff\u00e4lligsten Treffern.<\/p>\n<p>Das \u201eSchlankheitsgen\u201c l\u00f6st eine nat\u00fcrliche Stoffwechselbremse<\/p>\n<p class=\"\">FNIP1 erf\u00fcllt normalerweise eine Art Sparfunktion. Das dazugeh\u00f6rige Protein arbeitet mit Folliculin zusammen und bremst Prozesse, die Energie in den Zellen verbrauchen. Dazu geh\u00f6ren der Aufbau von <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/gesundheit\/wenn-mitochondrien-altern-verliert-der-koerper-offenbar-energie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Mitochondrien<\/a> und die Verarbeitung von N\u00e4hrstoffen zur Energiegewinnung. F\u00e4llt eine der beiden FNIP1-Kopien aus, l\u00e4uft diese Bremse offenbar schw\u00e4cher. Die Zellen k\u00f6nnen dann mehr Energie verbrauchen und Fette verst\u00e4rkt abbauen.<\/p>\n<p class=\"\">\u201eDiese Menschen nehmen Energie auf, speichern und nutzen sie st\u00e4rker als Menschen ohne diese Mutationen\u201c, erkl\u00e4rt Genetiker <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/scientific-contributions\/Luca-A-Lotta-2119851784\/publications\/27\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Luca Lotta<\/a> von Regeneron Pharmaceuticals gegen\u00fcber <a href=\"https:\/\/www.scientificamerican.com\/article\/scientists-discover-a-skinny-gene-mutation-that-acts-like-ozempic\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Scientific American<\/a>. Darin liege der sch\u00fctzende Effekt. Evolution\u00e4r betrachtet k\u00f6nnte eine sparsame Energienutzung lange ein Vorteil gewesen sein. Lotta verweist auf fr\u00fchere Zeiten mit knapper Nahrung. Heute leben viele Menschen dagegen dauerhaft in einer Umgebung mit reichlich Kalorien.<\/p>\n<p>Mutation geht mit weniger K\u00f6rper- und Leberfett einher<\/p>\n<p class=\"\">In der Untersuchung trugen 155 Menschen eine entsprechende Loss-of-Function-Variante von FNIP1. Sie besa\u00dfen nur eine ver\u00e4nderte Genkopie. Die zweite funktionierte weiterhin. Bei diesen Personen fanden die Wissenschaftler unter anderem einen niedrigeren <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/gesundheit\/hoeherer-bmi-erhoeht-offenbar-das-krebsrisiko-bei-19-krebsarten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">BMI<\/a>, weniger K\u00f6rperfett und eine g\u00fcnstigere Fettverteilung. Auch der Anteil fettfreier K\u00f6rpermasse lag h\u00f6her. Hinzu kamen niedrigere Blutzuckerwerte und weniger Fett in der Leber.<\/p>\n<p class=\"\">Besonders auff\u00e4llig war der Zusammenhang mit Erkrankungen des Stoffwechsels und Herz-Kreislauf-Systems. F\u00fcr diese Auswertung standen 227.636 Erkrankte und 265.114 Kontrollpersonen zur Verf\u00fcgung. Tr\u00e4ger der FNIP1-Varianten hatten rund 60 Prozent geringere Chancen auf die zusammengefassten Erkrankungen. Dazu geh\u00f6rten koronare Herzkrankheit, Typ-2-Diabetes, metabolische Fettleber und Leberzirrhose. <\/p>\n<p>Forscher schalten FNIP1 gezielt in Leberzellen aus<\/p>\n<p class=\"\">Anschlie\u00dfend untersuchte das Team, was passiert, wenn FNIP1 gezielt gebremst wird. In menschlichen Leberzellen reduzierten die Wissenschaftler die Aktivit\u00e4t des Gens um mehr als 90 Prozent. Daraufhin wurden Gene aktiver, die am Fettabbau und an lysosomalen Prozessen beteiligt sind. Die Leber k\u00f6nnte deshalb ein besonders interessantes Ziel f\u00fcr eine sp\u00e4tere Behandlung darstellen.<\/p>\n<p class=\"\">Versuche mit M\u00e4usen lieferten jedoch ein komplizierteres Bild. Die alleinige Hemmung von FNIP1 in der Leber sch\u00fctzte die Tiere nicht vor Gewichtszunahme. Erst eine gleichzeitige Hemmung von FNIP1 und dem verwandten FNIP2 erzielte einen deutlichen Effekt. Auch das Ausschalten von FLCN, einem weiteren Bestandteil desselben Stoffwechselwegs, wirkte. Die Tiere nahmen unter einer fett- und fructosereichen Ern\u00e4hrung weniger Fett zu. Zudem verbesserten sich <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/insulin-im-gehirn-das-hormon-beeinflusst-denken-und-hunger\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Insulinsensitivit\u00e4t<\/a> und Leberwerte.<\/p>\n<p>Der Ozempic-Vergleich hat klare Grenzen<\/p>\n<p class=\"\">Der Effekt der seltenen FNIP1-Mutation \u00e4hnelt in Teilen dem von Medikamenten wie Ozempic: Betroffene haben weniger K\u00f6rperfett und g\u00fcnstigere Stoffwechselwerte. FNIP1 wirkt jedoch nicht \u00fcber den GLP-1-Signalweg. Die Mutation ver\u00e4ndert vor allem Energieverbrauch, Fettabbau und den mitochondrialen Stoffwechsel.<\/p>\n<p class=\"\">FNIP1 k\u00f6nnte k\u00fcnftig die Grundlage f\u00fcr neue Medikamente gegen \u00dcbergewicht und Stoffwechselkrankheiten liefern. Die Forscher pr\u00fcfen daf\u00fcr eine gezielte Hemmung des Gens in der Leber. So lie\u00dfe sich der Energie- und Fettstoffwechsel beeinflussen, ohne FNIP1 im gesamten K\u00f6rper auszuschalten. Vergleichbare leberspezifische siRNA-Verfahren werden bereits bei anderen Genen eingesetzt.<\/p>\n<p>Zwei defekte Genkopien k\u00f6nnen gef\u00e4hrlich werden<\/p>\n<p class=\"\">Eine vollst\u00e4ndige Blockade von FNIP1 kommt allerdings nicht infrage. Menschen besitzen zwei Kopien des Gens, jeweils eine von Mutter und Vater. F\u00fcr den g\u00fcnstigen Stoffwechseleffekt reichte in den untersuchten F\u00e4llen eine ver\u00e4nderte Kopie aus. Fallen dagegen beide Kopien aus, kann eine seltene Erbkrankheit entstehen. Sie geht unter anderem mit Immunschw\u00e4che und hypertropher Kardiomyopathie einher.<\/p>\n<p class=\"\">\u201eWenn man das Gen therapeutisch \u00fcberall im K\u00f6rper zu 100 Prozent hemmen w\u00fcrde, k\u00f6nnte das negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben\u201c, erkl\u00e4rt Lotta. Eine gezielte Behandlung der Leber k\u00f6nnte dieses Problem m\u00f6glicherweise umgehen. Bis daraus ein Medikament entsteht, d\u00fcrfte allerdings noch viel Forschungsarbeit n\u00f6tig sein. Wirksamkeit und Sicherheit einer gezielten FNIP1-Hemmung beim Menschen sind bislang nicht gekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst:<\/p>\n<p>FNIP1 gilt als m\u00f6gliches \u201eSchlankheitsgen\u201c: Seltene Varianten sind mit weniger K\u00f6rper- und Leberfett sowie g\u00fcnstigeren Stoffwechselwerten verbunden.<\/p>\n<p>Betroffen ist etwa einer von 7.000 Menschen: Ihr K\u00f6rper scheint Energie leichter zu verbrauchen, statt sie als Fett zu speichern.<\/p>\n<p>F\u00fcr Medikamente ist es noch zu fr\u00fch: FNIP1 k\u00f6nnte ein Therapieziel werden, doch Sicherheit und Wirksamkeit beim Menschen sind noch ungekl\u00e4rt.<\/p>\n<p class=\"\">\u00dcbrigens: Gene k\u00f6nnen unseren K\u00f6rper auf ganz unterschiedlichen Wegen pr\u00e4gen \u2013 sogar Erbgut der Neandertaler wirkt bei manchen Menschen bis heute auf die Muskelmasse. Eine seltene Variante des Wachstumshormonrezeptors ist mit etwas mehr Muskelmasse verbunden. Mehr dazu in unserem <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/neandertaler-wachstumshormon-sorgt-fuer-mehr-muskelmasse\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Artikel<\/a>.<\/p>\n<p class=\"\">Bild: \u00a9 <a href=\"https:\/\/www.pexels.com\/de-de\/foto\/meer-frau-beine-ozean-8860969\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Pexels<\/a><\/p>\n<p>                Tags: <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/adipositas\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Adipositas<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/blutzucker\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Blutzucker<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/fettverbrennung\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fettverbrennung<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/fnip1\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">FNIP1<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/fnip1-mutation\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">FNIP1-Mutation<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/genetik\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Genetik<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/leberfett\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Leberfett<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/schlankheitsgen\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schlankheitsgen<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/smart-up-news\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Smart Up News<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/stoffwechsel\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stoffwechsel<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/uebergewicht\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00dcbergewicht<\/a>            <\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Love<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Funny<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Wow<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Sad<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Angry<\/p>\n<p>\t\tBeitragsnavigation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Warum wird der eine Mensch schneller dick als der andere \u2013 obwohl beide \u00e4hnlich essen? 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