{"id":241763,"date":"2026-08-08T08:27:11","date_gmt":"2026-08-08T08:27:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/241763\/"},"modified":"2026-08-08T08:27:11","modified_gmt":"2026-08-08T08:27:11","slug":"ein-kaugummi-aus-bohnen-senkt-die-hpv-last-im-mund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/241763\/","title":{"rendered":"Ein Kaugummi aus Bohnen senkt die HPV-Last im Mund"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"article-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/ein-kaugummi-aus-bohnen-senkt-die-hpv-last-im-mund.jpg\"   alt=\"Ein Kaugummi aus Bohnen senkt die HPV-Last im Mund\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>\n\t\t\t\t\t\t\t(Symbolbild) Die Lablab-Bohne liefert ein pflanzliches Lektin, das im untersuchten Kaugummi humane Papillomviren im Speichel abf\u00e4ngt. In Tests mit Proben von Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren sank die Viruslast deutlich. Ein zus\u00e4tzlich eingebautes Peptid richtete sich gegen zwei Bakterienarten, die den Verlauf solcher Tumoren nachweislich verschlechtern. Die n\u00fctzlichen Anteile der Mundflora blieben dabei weitgehend unangetastet.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t(Foto: \u00a9\u00a0Forschung und Wissen)<\/p>\n<p>Ein biotechnisch ver\u00e4nderter Kaugummi aus dem Mehl der Lablab-Bohne hat in Untersuchungen mit Speichelproben von Krebspatienten die Menge humaner Papillomviren um rund 93 Prozent gesenkt. In Mundsp\u00fclproben lag der R\u00fcckgang bei etwa 80 Prozent. Eine zus\u00e4tzlich eingebaute Variante des Kaugummis dr\u00fcckte zwei krebsassoziierte Bakterienarten nach einer einzigen Dosis nahezu auf null. Die n\u00fctzlichen Bakterien der Mundflora blieben davon weitgehend verschont. Damit r\u00fcckt ein Alltagsprodukt in den Blick der Vorsorge gegen Mundkrebs, das bislang niemand auf der Rechnung hatte.<\/p>\n<p>Humane Papillomviren geh\u00f6ren zu den am weitesten verbreiteten Erregern \u00fcberhaupt. Die meisten der mehr als 200 bekannten Typen verursachen harmlose Hautver\u00e4nderungen oder verschwinden unbemerkt wieder. Einige Hochrisikotypen jedoch programmieren befallene Zellen dauerhaft um und k\u00f6nnen Jahre sp\u00e4ter Tumoren ausl\u00f6sen. Besonders auff\u00e4llig ist diese Entwicklung im Rachenraum. W\u00e4hrend die Zahl der klassischen, durch Tabak und Alkohol verursachten Tumoren in vielen L\u00e4ndern zur\u00fcckgeht, steigt der Anteil virusbedingter Karzinome an Mandeln und Zungengrund seit Jahrzehnten an. Ein Kaugummi als Wirkstofftr\u00e4ger klingt zun\u00e4chst kurios, hat aber einen handfesten Grund. Die Erreger sitzen nicht im Blut, sondern in einem d\u00fcnnen Fl\u00fcssigkeitsfilm auf den Schleimh\u00e4uten. Ein Wirkstoff, der im Speichel arbeitet, muss den K\u00f6rper also gar nicht erst \u00fcber Magen oder Blutbahn erreichen, sondern kann direkt dort ansetzen, wo die <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/thema\/viren\/\" title=\"Aktuelle Forschung zu Viren und Virusinfektionen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Viren sich aufhalten<\/a>.<\/p>\n<p>Neben den Papillomviren stehen zwei Bakterienarten im Fokus der Forschung. Porphyromonas gingivalis ist vor allem als Treiber schwerer Zahnfleischentz\u00fcndungen bekannt, Fusobacterium nucleatum siedelt sich bevorzugt in Tumorgewebe an und wurde in den vergangenen Jahren mit einem schlechteren Krankheitsverlauf bei mehreren Krebsarten in Verbindung gebracht. Beide Arten verschlechtern die \u00dcberlebensaussichten bei wiederkehrenden oder gestreuten Tumoren der Mundh\u00f6hle, auch nach Operation und begleitender Therapie. Eine breit wirksame Mundsp\u00fclung w\u00e4re hier keine L\u00f6sung, weil sie zwangsl\u00e4ufig auch die sch\u00fctzende Standortflora treffen w\u00fcrde. Gesucht ist deshalb ein Verfahren, das gezielt einzelne Erreger abf\u00e4ngt und den Rest des mikrobiellen \u00d6kosystems in Ruhe l\u00e4sst. Genau diese Trennsch\u00e4rfe wollten die Forscher der University of Pennsylvania mit ihrem Ansatz erreichen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWarum ein Kaugummi die Viren im Speichel bindet<\/p>\n<p>Die Wirkung beruht auf einem pflanzlichen Eiwei\u00df mit der Bezeichnung FRIL, das in den Samen der Lablab-Bohne nat\u00fcrlich vorkommt. Es geh\u00f6rt zur Gruppe der Lektine, also jener Proteine, die sich an bestimmte Zuckerstrukturen anlagern. Da Viren ihre Oberfl\u00e4che mit solchen Zuckerketten best\u00fccken, verklumpen sie in Gegenwart von FRIL zu gr\u00f6\u00dferen Aggregaten und verlieren ihre F\u00e4higkeit, Zellen zu befallen. F\u00fcr den Test mahlte das Team die Bohnen zu Pulver, das anschlie\u00dfend zu Kaugummi verarbeitet wurde. In Teilen der Proben lie\u00dfen sich s\u00e4mtliche nachweisbaren Viruspartikel auf diese Weise binden. F\u00fcr die bakterielle Seite reichte das Lektin allein nicht aus. Deshalb wurde die Pflanze zus\u00e4tzlich so ver\u00e4ndert, dass sie <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/thema\/bakterien\/\" title=\"Forschung zu Bakterien und dem menschlichen Mikrobiom\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Protegrin-1 produziert<\/a>, ein antimikrobielles Peptid, das Bakterienmembranen durchl\u00e4ssig macht.<\/p>\n<p>Wie stark die Keimlast in den Proben zur\u00fcckging<\/p>\n<p>Untersucht wurden Speichel- und Mundsp\u00fclproben von Patienten mit Plattenepithelkarzinomen im Kopf-Hals-Bereich sowie Vergleichsproben von Personen ohne Tumorerkrankung. Extrakte des reinen Bohnenkaugummis senkten die Zahl der Papillomviren im Speichel um etwa 93 Prozent, in den Sp\u00fclproben um rund 80 Prozent. Der Unterschied erkl\u00e4rt sich durch die st\u00e4rkere Verd\u00fcnnung der Sp\u00fclfl\u00fcssigkeit. Gegen die beiden Bakterienarten zeigte das reine Bohnenmaterial nur begrenzte Wirkung. Erst die mit Protegrin-1 ausgestattete Variante reduzierte Porphyromonas gingivalis und Fusobacterium nucleatum bereits nach einer Dosis auf nahezu null. Entscheidend f\u00fcr die Bewertung ist, dass die typischen Kommensalen der Mundh\u00f6hle dabei weitgehend erhalten blieben. Die Arbeit ist im Fachjournal <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41598-026-39062-w\" title=\"Studie in Scientific Reports zu antiviralen und antibakteriellen Kaugummis bei Kopf-Hals-Tumoren\">Scientific Reports erschienen<\/a> und beschreibt ausdr\u00fccklich Versuche au\u00dferhalb des K\u00f6rpers, also an entnommenem Probenmaterial.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWas der Ansatz f\u00fcr die Vorsorge gegen Mundkrebs bedeuten k\u00f6nnte<\/p>\n<p>Genau hier liegt die wichtigste Einschr\u00e4nkung. Ein R\u00fcckgang der Viruslast in einer Speichelprobe ist nicht gleichbedeutend mit einem verringerten Erkrankungsrisiko im K\u00f6rper. Ob regelm\u00e4\u00dfiges Kauen die \u00dcbertragung zwischen Menschen tats\u00e4chlich verringert, ob es das Fortschreiten bestehender Schleimhautver\u00e4nderungen bremst und wie lange die Wirkung nach einer Anwendung anh\u00e4lt, ist bislang offen. Solche Fragen lassen sich nur in klinischen Studien mit echten Teilnehmern kl\u00e4ren. Attraktiv ist der Weg dennoch, weil er ohne aufwendige K\u00fchlketten und ohne Injektion auskommt. Pflanzliche Produktionssysteme gelten als vergleichsweise g\u00fcnstig und gut skalierbar, was besonders f\u00fcr Regionen mit schwacher medizinischer Versorgung von Bedeutung w\u00e4re. Da die Zahl virusbedingter <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/thema\/krebs\/\" title=\"Aktuelle Studien und Meldungen zur Krebsforschung\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tumorerkrankungen weiter steigt<\/a>, gewinnen niedrigschwellige Verfahren an Gewicht, die sich in den Alltag einf\u00fcgen lassen.<\/p>\n<p>Scientific Reports, Ex vivo HNSCC clinical studies using saliva and antiviral or antibacterial chewing gums reveal reduction in carcinogenic microbes; doi:10.1038\/s41598-026-39062-w<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"(Symbolbild) Die Lablab-Bohne liefert ein pflanzliches Lektin, das im untersuchten Kaugummi humane Papillomviren im Speichel abf\u00e4ngt. 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