{"id":24220,"date":"2026-02-28T12:52:12","date_gmt":"2026-02-28T12:52:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/24220\/"},"modified":"2026-02-28T12:52:12","modified_gmt":"2026-02-28T12:52:12","slug":"urauffuehrung-am-deutschen-theater-corinna-harfouch-brilliert-in-spirit-and-the-dust-unterhaltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/24220\/","title":{"rendered":"Urauff\u00fchrung am Deutschen Theater: Corinna Harfouch brilliert in \u201eSpirit and the Dust\u201c | Unterhaltung"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"skip-content skip-content--link\" href=\"#in-content-skip-link-target-v-0-0\">TTS-Player \u00fcberspringen\u21b5<\/a><a id=\"in-content-skip-link-target-v-0-0\" class=\"skip-content--target-link-hidden skip-content skip-content--target-link\" href=\"#in-content-skip-link-target-v-0-0\">Artikel weiterlesen<\/a><\/p>\n<p>Anna Bergmann bringt am Deutschen Theater Berlin Noah Haidles neues St\u00fcck \u201eSpirit and the Dust\u201c auf die B\u00fchne \u2013 und stellt Corinna Harfouch (71) ins Zentrum eines Abends, den sie mit beeindruckender Pr\u00e4senz, feiner K\u00f6rpersprache und gro\u00dfer Ausdruckskraft tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Das St\u00fcck beginnt mit einer Wohnungsbesichtigung. Hope, eine erfolgreiche Maklerin, pr\u00e4sentiert ein modernes, zweist\u00f6ckiges Haus. Ihre Kunden: Margaret (41, Wiebke Mollenhauer) und Will (26, Lenz Moretti), ein junges Paar, das heiraten will. Margaret ist schwanger. Ihre Welt wirkt rosa, fast kitschig. Zu nostalgischer amerikanischer Musik im Stil der 60er Jahre wird getanzt \u2013 eine glamour\u00f6se, k\u00fcnstliche Oberfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Das Haus ist nicht nur Verkaufsobjekt, sondern auch Ort des Traumas<\/p>\n<p>Doch als Hope mit Margaret einen Moment allein ist, spricht sie eine unbequeme Wahrheit aus: Sie hat bemerkt, dass Margaret ungl\u00fccklich ist. Margaret gesteht schlie\u00dflich, dass sie Will nicht liebt. <\/p>\n<p>Parallel taucht Jerry (Frieder Langenberger) auf, Hopes Freund und Besch\u00fctzer, ein junger Mann, der sich f\u00fcrsorglich um sie k\u00fcmmert. Sie sind vertraut miteinander. Es gibt Andeutungen einer gemeinsamen Vergangenheit. In Gespr\u00e4chen wird klar: Hinter dem Haus liegt ein Pool, in dem vor zwanzig Jahren zwei Kinder ertrunken sind \u2013 Hopes Tochter und der Sohn der Nachbarin Donna (52, Abak Safaei-Rad). Das Haus ist also nicht nur Verkaufsobjekt, sondern auch ein Ort des Traumas.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"992\" height=\"558\" alt=\"Hinter Corinna Harfouch steht eine \u00fcberdimensionierte Mickey-Mouse-Figur \u2013 ein zerst\u00f6rtes Kinderspielzeug, das nicht mehr niedlich wirkt, sondern wie eine Gestalt aus einem Horrorfilm: Aus Symbolen der Kindheit sind Monster geworden\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/0f0e2f5f93ac8c335adf5f3c347588f4,f35dd627.jpeg\"   class=\"landscape\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"fig__caption__text\">Hinter Hope und Donna steht eine \u00fcberdimensionierte Mickey-Mouse-Figur \u2013 ein zerst\u00f6rtes Kinderspielzeug, das nicht mehr niedlich wirkt, sondern wie eine Gestalt aus einem Horrorfilm: Aus Symbolen der Kindheit sind Monster geworden<\/p>\n<p>Foto: EIKE WALKENHORST<\/p>\n<p>Die Musik als Verdr\u00e4ngungsmaschine<\/p>\n<p>Immer wieder werden Schallplatten aufgelegt \u2013 und legen diese weichgezeichnete, fast s\u00fc\u00dfliche Harmonie \u00fcber die Szene. Es wirkt, als w\u00fcrde jemand versuchen, den Schmerz zuzudecken, die Realit\u00e4t mit einem Soundtrack zu \u00fcbermalen. Die Musik erinnert an amerikanische Musicalwelten, in denen Probleme weggesungen werden und Gef\u00fchle in gro\u00dfe Gesten m\u00fcnden. Doch hier entsteht ein Bruch: Die Figuren tanzen zwar, aber sind innerlich zerrissen.<\/p>\n<p>Gibt es Hoffnung nach Lebenskrisen?<\/p>\n<p>Dann erscheint Lee (46, Alexander Khuon), Wills Vater im Haus, ein ehemaliger Latein- und Griechischlehrer. Sie sprechen \u00fcber das Haus als B\u00fchne des Lebens, \u00fcber Verlust und Verg\u00e4nglichkeit. Lee berichtet vom langen Sterben seiner Frau. Die Gespr\u00e4che sind tief, intim, von gegenseitigem Verst\u00e4ndnis gepr\u00e4gt. Hoffnung auf eine neue N\u00e4he entsteht.<\/p>\n<p>Die B\u00fchne dreht sich, der monstr\u00f6se Traum wird sichtbar<\/p>\n<p>Dann dreht sich die B\u00fchne und die R\u00fcckseite des Hauses offenbart eine surreale Traumlandschaft \u2013 eine monstr\u00f6se Welt mit \u00fcberdimensionaler Mickey-Mouse-Figur und dem bedrohlich pr\u00e4senten Pool. Hier verhandeln die Figuren ihre inneren Abgr\u00fcnde. <\/p>\n<p>Inzwischen eskaliert die Situation zwischen Margaret und Will. Margaret verl\u00e4sst ihn \u2013 sie hat das Kind verloren oder sich bewusst dagegen entschieden, weil sie keine gemeinsame Zukunft mehr sieht. F\u00fcr Will bricht damit alles zusammen. Er ist verzweifelt, gedem\u00fctigt und vollkommen orientierungslos. In seiner Wut konfrontiert er Hope, greift nach jahrelanger Abstinenz wieder zum Alkohol und stirbt an einer \u00dcberdosis (man darf vermuten: Kokain). F\u00fcr Lee bedeutet das den unertr\u00e4glichsten aller Verluste: Er \u00fcberlebt sein eigenes Kind. <\/p>\n<p>Wie geht man mit dem Schlimmsten um?<\/p>\n<p>Hope und Lee scheinen zueinanderzufinden: Beide haben ein Kind verloren, das verbindet. In einer filmischen Sequenz sieht man sie auf Reisen \u2013 Venedig, Paris, Berlin. Es wirkt wie das Happy End eines amerikanischen Melodrams. Doch auch diese Illusion zerf\u00e4llt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"992\" height=\"558\" alt=\"Corinna Harfouch wird w\u00e4hrend ihrer verst\u00f6renden Schilderung gro\u00dffl\u00e4chig an die Hausfassade projiziert\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/56b14e4652dfbfd807e87d8e78952084,e38240dc.jpeg\"   class=\"landscape\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"fig__caption__text\">Corinna Harfouch wird w\u00e4hrend ihrer verst\u00f6renden Schilderung gro\u00dffl\u00e4chig an die Hausfassade projiziert<\/p>\n<p>Foto: EIKE WALKENHORST<\/p>\n<p>Am Ende bleibt Hope allein mit der Wahrheit. Sie geht ins Wasser, in den Pool. Ihre Stimme wird ruhiger, klarer, beinahe sachlich. Kein Pathos. Kein gro\u00dfes Zittern. Und genau darin liegt die Ungeheuerlichkeit. Sie erz\u00e4hlt von diesem Tag vor zwanzig Jahren, von der Unachtsamkeit, vom Moment, der alles zerst\u00f6rt hat. Von der Schuld. Von dem Versuch, einen inneren Schmerz mit \u00e4u\u00dferem Schmerz zu \u00fcbert\u00f6nen.<\/p>\n<p>Man hat das Gef\u00fchl, sie atmet gegen das Wasser an. Als w\u00fcrde sie wirklich untergehen \u2013 nicht nur k\u00f6rperlich, sondern existenziell. Das ist keine gespielte Verzweiflung. Es ist eine radikale Entbl\u00f6\u00dfung. Und zugleich eine enorme Kontrolle. Es f\u00e4llt schwer, Harfouch dabei zuzusehen, so intensiv ist das. Wegsehen kann man auch nicht. <\/p>\n<p>Lee kommt zur\u00fcck, zieht sie aus dem Wasser. Es gibt keine Erl\u00f6sung \u2013 aber einen Moment des Innehaltens, der Pause vom Schmerz. Das St\u00fcck endet tragisch, aber nicht hoffnungslos: Zwei besch\u00e4digte Menschen halten einander fest, w\u00e4hrend die Vergangenheit bleibt, wie sie ist.<\/p>\n<p>Ein Abend f\u00fcr Corinna Harfouch<\/p>\n<p>\u00dcber all dem: Corinna Harfouch. Mit atemberaubender Pr\u00e4zision und emotionaler Wahrhaftigkeit macht sie jede Nuance zwischen Fassade und Abgrund sichtbar \u2013 besonders im Schlussbild im Wasser, das sie zu einem ersch\u00fctternden, einem unvergesslichen Moment von Gr\u00f6\u00dfe macht. Aber: Dieser Abend funktioniert nicht nur wegen ihr. Das gesamte Ensemble ist au\u00dfergew\u00f6hnlich pr\u00e4sent.<\/p>\n<p>Das Publikum applaudiert begeistert. Regisseurin Anna Bergmann, sichtlich bewegt, holt Noah Haidle pers\u00f6nlich auf die B\u00fchne, zieht ihn an der Hand ins Rampenlicht \u2013 ein gro\u00dfer, ein gemeinsamer Moment zwischen Autor, Ensemble und einem bewegten Publikum.<\/p>\n<p>Weitere Termine: 3., 4., 10. und 19. M\u00e4rz 2026 sowie ab April.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"TTS-Player \u00fcberspringen\u21b5Artikel weiterlesen Anna Bergmann bringt am Deutschen Theater Berlin Noah Haidles neues St\u00fcck \u201eSpirit and the Dust\u201c&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24221,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[410,101,46,68,9133,586,102,1159,45,44,103,733,9132,69],"class_list":{"0":"post-24220","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-prominente","8":"tag-berlin","9":"tag-celebrities","10":"tag-ch","11":"tag-entertainment","12":"tag-harfouch-corinna","13":"tag-mitte","14":"tag-prominente","15":"tag-schauspielerin","16":"tag-schweiz","17":"tag-switzerland","18":"tag-texttospeech","19":"tag-theater","20":"tag-theatersparten","21":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24220","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24220"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24220\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24221"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24220"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24220"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24220"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}