{"id":243207,"date":"2026-08-09T12:12:11","date_gmt":"2026-08-09T12:12:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/243207\/"},"modified":"2026-08-09T12:12:11","modified_gmt":"2026-08-09T12:12:11","slug":"die-donau-trocknet-aus-und-gibt-preis-was-viele-jahre-verborgen-lag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/243207\/","title":{"rendered":"Die Donau trocknet aus und gibt preis, was viele Jahre verborgen lag"},"content":{"rendered":"<p>\nFunde in Budapest\n<\/p>\n<p>Aktualisiert am 09.08.2026, 13:28 Uhr\n<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/ueberreste-mammuts-liegen-donauufer-bulgarien.jpg\" alt=\"\u00dcberreste eines Mammuts liegen am Donauufer in Bulgarien\" width=\"950\" height=\"534\"\/><\/p>\n<p>\u00a9 Video-Redaktion<\/p>\n<p class=\"content__description\" data-speakable=\"\">Die wasserarme Donau wird zur Asservatenkammer der Geschichte: Zwischen Budapest und dem Eisernen Tor tauchen Kriegswracks, Minen, ein gestohlenes Auto und sogar \u00dcberreste eines Mammuts auf. Die spektakul\u00e4ren Funde erz\u00e4hlen viel \u00fcber Europas Vergangenheit.<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Der Rekord-Tiefstand der Donau wirft f\u00fcr die Anrainerstaaten erhebliche Probleme auf. Flusskreuzfahrtschiffe kommen nicht mehr weiter, Frachtschiffe fahren mit minimaler Ladung. Atomkraftwerke, die mit dem Wasser der Donau k\u00fchlen, m\u00fcssen ihre Produktion massiv drosseln. Die Landwirtschaft muss gestiegene Kosten f\u00fcr die Bew\u00e4sserung hinnehmen, Ernteverluste drohen. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Zugleich wartet der grosse Strom, der in diesen Tagen fast zum Rinnsal wurde, mit einem spektakul\u00e4ren Ph\u00e4nomen auf: Dinge, die sonst in den Tiefen des Gew\u00e4ssers verborgen bleiben, werden pl\u00f6tzlich sichtbar. Es ist, als ob der Fluss seine manchmal grausamen, manchmal bizarren Geheimnisse preisg\u00e4be.<\/p>\n<p>Was da alles so zum Vorschein kommt<\/p>\n<p data-speakable=\"\">In der ungarischen Donau-Metropole <a data-component-name=\"link.semantic\" data-brain-zone=\".42588840.content.textlink_1\" data-component-path=\"content.textlink_1\" href=\"https:\/\/www.gmx.ch\/magazine\/reise\/thema\/budapest\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Budapest<\/a> exhumierten Mitarbeiter des Volksbundes Deutsche Kriegsgr\u00e4berf\u00fcrsorge die Gebeine zweier Soldaten der deutschen Wehrmacht. Auch ein Motorrad und eine Tellermine aus dem <a data-component-name=\"link.semantic\" data-brain-zone=\".42588840.content.textlink_2\" data-component-path=\"content.textlink_2\" href=\"https:\/\/www.gmx.ch\/magazine\/panorama\/thema\/zweiter-weltkrieg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zweiten Weltkrieg<\/a> kamen zum Vorschein. Das Motorrad und die Erkennungsmarken der beiden toten Soldaten seien gut erhalten, weil der mit Gas\u00f6l vermischte Hafenschlamm an der Fundstelle wie ein Konservierungsmittel wirke, teilte die Organisation mit. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Bei Szob nahe der slowakischen Grenze ragte das Rad eines Pkw aus der ungew\u00f6hnlich flachen Donau. Nachdem die Feuerwehr das Gef\u00e4hrt aus dem Gew\u00e4sser gezogen hatte, stellte sich heraus, dass es sich um einen Opel Corsa handelte, der vor 13 Jahren als gestohlen gemeldet worden war. Die Boulevardzeitung &#171;Blikk&#187; machte den Besitzer ausfindig, einen Mann in bescheidenen Verh\u00e4ltnissen, inzwischen zum Rentner geworden. Der unaufgekl\u00e4rte Diebstahl habe ihn damals in seiner wirtschaftlichen Existenz schwer getroffen, sagte er dem Blatt. <\/p>\n<p>Die Wracks der Nazi-Schiffe bei Prahovo <\/p>\n<p data-speakable=\"\">In <a data-component-name=\"link.semantic\" data-brain-zone=\".42588840.content.textlink_3\" data-component-path=\"content.textlink_3\" href=\"https:\/\/www.gmx.ch\/magazine\/reise\/thema\/serbien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Serbien<\/a> zeigen sich derzeit die Wracks von Kriegsschiffen der deutschen Marine aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Ph\u00e4nomen ist schon l\u00e4nger bekannt, weil die Wracks bei Prahovo immer wieder in Sommern mit niedrigen Wasserst\u00e4nden freigelegt werden. Ihre besondere H\u00e4ufung in dem Donauabschnitt unmittelbar vor dem sogenannten Eisernen Tor \u2013 einem Durchbruchstal der Donau an der Grenze zwischen Serbien und Rum\u00e4nien \u2013 erkl\u00e4rt sich damit, dass die deutsche Marine ihre Schiffe kurz vor Kriegsende dort selbst versenkt hatte. Die Wracks sollten eine Barriere f\u00fcr die Sowjets bilden, die die auf dem R\u00fcckzug befindliche Wehrmacht verfolgten. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Das Niedrigwasser der Donau l\u00fcftet aber auch pr\u00e4historische Geheimnisse. Bei dem bulgarischen Donaudorf Rjachowo, unweit der Stadt Russe, entdeckte ein Anwohner auf dem Flussboden die Knochen eines Mammuts, wie das Bulgarische Nationale Fernsehen BNT berichtete. Das Regionale Geschichtsmuseum von Russe best\u00e4tigte, bei dem Fund handele es sich um einen Unterkiefer, zwei Stossz\u00e4hne und eine Rippe eines Mammuts. Experten w\u00fcrden nun daran arbeiten, um die genaue Herkunft und das Alter des urzeitlichen Tiers festzustellen.<\/p>\n<p>Die Gefahren der Relikte <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Manche der Funde weisen ein nicht unerhebliches Gefahrenpotenzial auf. Zur Bergung der beiden toten Wehrmachtssoldaten in Budapest r\u00fcckte auch der Kampfmittelr\u00e4umdienst aus. Die in ihrer N\u00e4he befindliche Tellermine 35, eine Waffe f\u00fcr die Abwehr von Panzern, wurde als potenzieller Gefahrenherd identifiziert. Kriegswaffen dieser Art, die ihre t\u00f6dliche Wirkung mit Sprengstoffladungen erzielen, bleiben \u00fcber Jahrzehnte intakt. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Nahe der slowakischen Gemeinde Virt \u00f6stlich von Bratislava lag am letzten Montag an einer ausgetrockneten Stelle des Donau-Flussbetts eine britische Anti-Schiffs-Mine aus dem Zweiten Weltkrieg. Die slowakische Polizei sperrte den Flussabschnitt f\u00fcr die gesamte Schifffahrt. Die Beh\u00f6rde wollte sich auf kein unn\u00f6tiges Risiko einlassen. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Eine Gefahr anderer Art stellen die Schiffswracks von Prahovo in Serbien dar. Bei niedrigen Wasserst\u00e4nden bedrohen einige von ihnen die Donau-Schifffahrt. Die Kapit\u00e4ne m\u00fcssen geschickt an ihnen vorbei navigieren. Die Europ\u00e4ische Union (EU) f\u00f6rdert deshalb ein Programm, um die besonders ung\u00fcnstig platzierten alten Nazi-Schiffe nach und nach aus dem Wasser zu ziehen. Von 21 dazu ausersehenen Wracks seien bis April dieses Jahres 7 geborgen worden, berichtete die Website des staatlichen Fernsehens RTS.<\/p>\n<p>Warum das gerade jetzt passiert<\/p>\n<p data-speakable=\"\">Der betroffene Teil Europas erlebt derzeit einen Sommer mit Rekord-Hitzewerten und minimalen Niederschl\u00e4gen. Am letzten Dienstag mass eine Messstelle in Budapest eine Temperatur von 40,3 Grad Celsius. Dies war dort der absolute Rekordwert f\u00fcr einen 4. August, seitdem es Messungen gibt. Hitze und Trockenheit nehmen der Donau das Wasser. Am Abend des 2. August stellte die Landeswasserdirektion in Budapest den Rekord-Tiefstand von nur neun Zentimetern fest. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Es liegt nahe, dass Hitzewellen und D\u00fcrren Folgen des menschengemachten Klimawandels sind. Wissenschaftlicher Konsens besteht darin, dass die durch menschliche Aktivit\u00e4ten verursachten Klimaver\u00e4nderungen die Wahrscheinlichkeit, Intensit\u00e4t und Dauer solcher Ereignisse deutlich erh\u00f6ht hat.<\/p>\n<p>Was uns die Funde \u00fcber die Geschichte verraten<\/p>\n<p data-speakable=\"\">F\u00fcr grosse Schriftsteller wie den Italiener Claudio Magris (geb. 1939) oder den Ungarn Peter Eszterhazy (1950-2016) ist die Donau nicht bloss ein Fluss, sondern eine Metapher f\u00fcr den gemeinsamen Kultur- und Ged\u00e4chtnisraum der an ihren Gestaden lebenden europ\u00e4ischen V\u00f6lker. Die Funde im ausgetrockneten oder kaum mit Wasser bedeckten Flussbett konfrontieren uns mit der Geschichte dieses ostmitteleurop\u00e4ischen Raumes. <\/p>\n<p>Empfehlungen der Redaktion<\/p>\n<p data-speakable=\"\">In seinem Buch &#171;Donau. Biographie eines Flusses&#187; (1986) hebt Magris das Verbindende des grossen Stromes hervor. Er verwehrt sich aber gegen eine Idyllisierung, geht auch auf Kriege, Vertreibungen, Diktaturen ein. Die toten Soldaten, die Minen, Milit\u00e4rmotorr\u00e4der und Kriegsschiffe, die der Fluss derzeit freilegt, erz\u00e4hlen von den blutigen Kriegen, die entlang dieser Wasserstrasse gef\u00fchrt wurden. <\/p>\n<p data-speakable=\"\">Esterhazy wiederum ging als Meister der Post-Moderne im Roman &#171;Donau abw\u00e4rts&#187; (1992) mit dem Objekt seiner Beschreibung spielerisch um. In seiner Prosa verfl\u00fcchtigen sich alle klaren Festlegungen. Die Donau steht bei ihm mal f\u00fcr &#171;die Geschichte&#187;, mal f\u00fcr die Literatur, mal f\u00fcr Europa als solches. Wer weiss: Die Story vom gestohlenen Opel Corsa, den das Rinnsal ausspuckte, h\u00e4tte ihn vielleicht zu neuen Sprachspielen inspiriert. (Gregor Mayer, dpa\/bearbeitet von sav)<\/p>\n<p>\nTeaserbild: \u00a9 dpa\/Regionales Geschichtsmuseum<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Funde in Budapest Aktualisiert am 09.08.2026, 13:28 Uhr \u00a9 Video-Redaktion Die wasserarme Donau wird zur Asservatenkammer der Geschichte:&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":243208,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[9],"tags":[3679,38164,42,52538,52537,40,49,48,47,6401],"class_list":["post-243207","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-welt","tag-budapest","tag-donau","tag-nachrichten","tag-opel-corsa","tag-prahovo","tag-schlagzeilen","tag-welt","tag-world","tag-world-news","tag-zweiter-weltkrieg"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/117065484330743367","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/243207","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=243207"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/243207\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/243208"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=243207"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=243207"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=243207"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}