{"id":245642,"date":"2026-08-11T06:51:12","date_gmt":"2026-08-11T06:51:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/245642\/"},"modified":"2026-08-11T06:51:12","modified_gmt":"2026-08-11T06:51:12","slug":"lufthansa-designer-mit-dem-weissen-kranich-sind-wir-auf-gold-gestossen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/245642\/","title":{"rendered":"Lufthansa-Designer: \u00abMit dem wei\u00dfen Kranich sind wir auf Gold gesto\u00dfen\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<p>Als Lufthansa ihre Sonderlackierung zum 100-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um pr\u00e4sentierte, war die Resonanz au\u00dfergew\u00f6hnlich. Fotos der Maschinen verbreiteten sich weltweit in den sozialen Netzwerken, Spotter reisten gezielt zu Flugh\u00e4fen, um die Flugzeuge zu fotografieren, und selbst Fluglotsen kommentierten die Lackierung per Funk. F\u00fcr Ronald Wild, Designer bei Lufthansa und verantwortlich f\u00fcr die Gestaltung, kam diese Begeisterung \u00fcberraschend.<\/p>\n<p>\u00abDass sie so gut ankommt und weltweit so viel Aufmerksamkeit bekommt, h\u00e4tte ich wirklich niemals gedacht\u00bb, sagt Wild. Besonders gefreut habe ihn, dass die Lackierung weit \u00fcber die Luftfahrt-Community hinaus wahrgenommen werde. Schon fr\u00fch war dem Designteam klar, dass das Jubil\u00e4um ohne den Kranich nicht denkbar w\u00e4re. Schlie\u00dflich begleitet das Symbol die Marke bereits seit einem Jahrhundert \u2013 sogar l\u00e4nger als die heutige Lufthansa selbst.<\/p>\n<p>Zuerst sollte der Kranich blau werden<\/p>\n<p>\u00abDer Kranich tr\u00e4gt uns seit 100 Jahren durch Deutschland, Europa und schlie\u00dflich durch die ganze Welt\u00bb, erkl\u00e4rt Wild. Deshalb sei schnell die Entscheidung gefallen, das Logo erstmals selbst zum eigentlichen Gestaltungselement der Lackierung zu machen. Der Weg dorthin war allerdings kein geradliniger. Anfangs experimentierte das Team mit einem blauen Kranich auf wei\u00dfem Rumpf. Erst die Umkehrung brachte den entscheidenden Durchbruch.<\/p>\n<p>\u00abAls wir den wei\u00dfen Kranich auf dem tiefblauen Rumpf gesehen haben, war sofort klar: Da sind wir auf Gold gesto\u00dfen.\u00bb Durch den wei\u00dfen Vogel verschmelzen die Tragfl\u00e4chen optisch mit dem Motiv \u2013 der Kranich wirkt, als breite er selbst seine Fl\u00fcgel aus. Genau dieser Effekt machte den Entwurf einzigartig.<\/p>\n<p>Andere Ideen schafften es bei Lufthansa nicht<\/p>\n<p>Ganz ohne Alternativen verlief der Entwicklungsprozess nicht. Wild und sein Team pr\u00fcften unter anderem eine Gestaltung, bei der zahlreiche kleine Kraniche die Zahl 100 bilden sollten. Auch eine Lackierung mit historischen Meilensteinen der Lufthansa stand zur Diskussion.<\/p>\n<p> <a class=\"\" href=\"https:\/\/ocdn.eu\/pulscms\/MDA_\/397585a638e62d5c71ed65d292c22108.jpg\" target=\"_blank\" data-pswp-src=\"https:\/\/ocdn.eu\/pulscms\/MDA_\/397585a638e62d5c71ed65d292c22108.jpg\" data-pswp-width=\"548\" data-pswp-height=\"396\" rel=\"nofollow noopener\"> <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/C4Pk9lBaHR0cHM6Ly9vY2RuLmV1L3B1bHNjbXMvTURBXy8zOTc1ODVhNjM4ZTYyZDVjNzFlZDY1ZDI5MmMyMjEwOC5qcGeRkwXNA.jpeg\" alt=\"Ronald Wild: \u00abDer Kranich tr\u00e4gt uns seit 100 Jahren durch Deutschland, Europa und schlie\u00dflich durch die ganze Welt\u00bb\" transform=\"resizeCropAuto\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\" width=\"548\" height=\"396\" class=\"RingImage _RingImage_km0le_1 \"\/> <\/a> <\/p>\n<p> Ronald Wild: \u00abDer Kranich tr\u00e4gt uns seit 100 Jahren durch Deutschland, Europa und schlie\u00dflich durch die ganze Welt\u00bb Lufthansa <\/p>\n<p>\u00abEine gute Livery arbeitet immer mit der Form des Flugzeugs und nicht gegen sie\u00bb, sagt Wild. Historische Motive h\u00e4tten auf dem dreidimensionalen Flugzeugrumpf schnell wie ein unruhiges Wimmelbild gewirkt. Eigentlich war die Sonderlackierung zun\u00e4chst nur f\u00fcr eine einzige Boeing 787 vorgesehen. Doch selbst das war kompliziert. Der sogenannte Design Freeze bei Boeing \u2013 der Zeitpunkt, ab dem \u00c4nderungen normalerweise nicht mehr m\u00f6glich sind \u2013 war bereits \u00fcberschritten.<\/p>\n<p>Boeing war Feuer und Flamme<\/p>\n<p>Wild erinnert sich an bange Wochen. \u00abIch hatte die gr\u00f6\u00dften Bauchschmerzen, weil ich dachte, wir bekommen diese \u00c4nderung niemals mehr durch.\u00bb Doch dann geschah etwas Unerwartetes. \u00abAuch bei Boeing waren sofort alle Feuer und Flamme\u00bb, erz\u00e4hlt der Designer. Der Hersteller genehmigte den \u00c4nderungsantrag, sodass die Maschine doch noch vollst\u00e4ndig neu lackiert werden konnte.<\/p>\n<p> Nach der Pr\u00e4sentation der ersten Dreamliner-Lackierung entwickelte sich intern eine Dynamik, mit der niemand gerechnet hatte. Vor allem Piloten w\u00fcnschten sich, dass auch ihre Flugzeugtypen die Jubil\u00e4umslackierung erhalten. So entstand schlie\u00dflich die Anniversary Fleet mit Maschinen vom Airbus A320 bis zur Boeing 747-8. Jeder Flugzeugtyp stellte die Designer allerdings vor neue Herausforderungen. Besonders anspruchsvoll sei der Airbus A380 gewesen, erz\u00e4hlt Wild. Wegen der besonderen Form des Rumpfes musste der Kranich mehrfach angepasst werden. Ganz anders die Boeing 747. \u00abAuf der 747 passt der Kranich einfach perfekt. Das Upper Deck und die Fl\u00fcgel erg\u00e4nzen die Form ideal.\u00bb<\/p>\n<p>Warum der Kranich f\u00fcr Ronald Wild zeitlos ist<\/p>\n<p>F\u00fcr Wild liegt die St\u00e4rke des Logos nicht nur in seiner Geschichte, sondern vor allem in seiner Gestaltung. Der von Otto Firle 1918 entworfene Kranich sei kein rein geometrisches Zeichen, sondern sichtbar von Hand gezeichnet. \u00abMan sieht ihm bis heute an, dass ihn ein Mensch gezeichnet hat\u00bb, sagt Wild. Genau das verleihe dem Symbol seine besondere Ausstrahlung. Zwar sei der Kranich \u00fcber die Jahrzehnte immer wieder behutsam modernisiert worden \u2013 etwa f\u00fcr digitale Anwendungen \u2013, sein Charakter sei aber unver\u00e4ndert geblieben.<\/p>\n<p>Auch inhaltlich passe kaum ein anderes Tier besser zu einer Fluggesellschaft. \u00abDer Kranich ist ein Zugvogel. Er \u00fcberquert Kontinente, strahlt Ruhe, Freiheit und Zuverl\u00e4ssigkeit aus. Das sind Eigenschaften, die auch gut zu Lufthansa passen.\u00bb Deutlich kontroverser verlief 2018 die Einf\u00fchrung des neuen Markenauftritts mit dem komplett blauen Leitwerk. Der gelbe Kreis \u2013 von vielen Fans liebevoll \u00abSpiegelei\u00bb genannt \u2013 verschwand.<\/p>\n<p>Wild kann damalige Reaktionen bis heute nachvollziehen.<\/p>\n<p>\u00abIch habe vollstes Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr. Das war f\u00fcr uns die schwierigste Entscheidung des gesamten Markenauftritts.\u00bb Aus Design-Sicht sei der Schritt dennoch konsequent gewesen. Der gelbe Kreis habe den Blick vom eigentlichen Markenzeichen abgelenkt.<\/p>\n<p>\u00abWir wollten den Kranich wieder in seiner eigentlichen Form zeigen \u2013 ohne Hilfskonstruktion.\u00bb Gelb sei deshalb keineswegs verschwunden, sondern habe eine neue Rolle erhalten: als emotionale Akzentfarbe an Bord, in den Lounges und in vielen Details der Customer Journey.<\/p>\n<p> Design endet nicht beim Flugzeug<\/p>\n<p> Auch nach der Jubil\u00e4umslackierung wartet auf Wild und sein Team keine Pause. Die Designer verantworten das gesamte Erscheinungsbild der Lufthansa \u2013 von der Schrift \u00fcber Lounges und Kabinen bis hin zu Bordkarten und digitalen Anwendungen. Drei Prinzipien stehen dabei im Mittelpunkt: Das Design soll den Menschen in den Mittelpunkt stellen, funktional sein und m\u00f6glichst zeitlos wirken. \u00abUnser Ziel ist, dass der Gast w\u00e4hrend der gesamten Customer Journey immer das Gef\u00fchl hat: Ich bin bei Lufthansa.\u00bb<\/p>\n<p>Abonnieren Sie den Podcast Luftraum von aeroTELEGRAPH mit Christopher Scheffelmeier auch gleich, damit sie keine Folge mehr verpassen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als Lufthansa ihre Sonderlackierung zum 100-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um pr\u00e4sentierte, war die Resonanz au\u00dfergew\u00f6hnlich. 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