{"id":245694,"date":"2026-08-11T07:29:23","date_gmt":"2026-08-11T07:29:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/245694\/"},"modified":"2026-08-11T07:29:23","modified_gmt":"2026-08-11T07:29:23","slug":"mikroplastik-verteilt-schadstoffe-im-meer-forscher-entdecken-gefaehrlichen-doppel-effekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/245694\/","title":{"rendered":"Mikroplastik verteilt Schadstoffe im Meer \u2013 Forscher entdecken gef\u00e4hrlichen Doppel-Effekt"},"content":{"rendered":"<p class=\"\">Mikroplastik im Meer besteht offenbar nicht einfach aus immer kleineren Resten von T\u00fcten, Netzen oder Verpackungen. Die Partikel k\u00f6nnen chemische Zusatzstoffe aus dem urspr\u00fcnglichen Kunststoff behalten und sp\u00e4ter freisetzen. Zugleich lagern sich Stoffe aus dem umgebenden Wasser an ihrer Oberfl\u00e4che an. Damit bekommen Mikroplastik und Schadstoffe eine zus\u00e4tzliche Bedeutung f\u00fcr die Belastung der Meere: Die Teilchen k\u00f6nnen Chemikalien mit sich f\u00fchren, obwohl diese urspr\u00fcnglich gar nicht in diesem St\u00fcck Kunststoff enthalten waren.<\/p>\n<p class=\"\">Untersucht hat das ein Forschungsteam um Go Suzuki vom japanischen <a href=\"https:\/\/www.nies.go.jp\/en\/pr\/news-and-updates\/2026\/Press20260810.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">National Institute for Environmental Studies<\/a> gemeinsam mit Wissenschaftlern weiterer japanischer Hochschulen. Ihre <a href=\"https:\/\/pubs.acs.org\/esthag\/article-abstract\/60\/27\/19558\/5167573\/Priority-Plastic-Additives-of-Environmental?redirectedFrom=fulltext\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Studie<\/a> erschien im Fachjournal Environmental Science &amp; Technology. Daf\u00fcr analysierten sie schwimmendes Mikroplastik aus f\u00fcnf Meeresgebieten rund um Japan sowie gr\u00f6\u00dfere Plastikst\u00fccke aus Fl\u00fcssen, K\u00fcstenregionen und vom Meeresboden. Unter den Fundst\u00fccken befanden sich T\u00fcten, Seile, Netze und harte Kunststofffragmente.<\/p>\n<p>Mikroplastik nimmt Schadstoffe auch aus seiner Umgebung auf<\/p>\n<p class=\"\">In den Proben fanden die Forscher eine ganze Reihe chemischer Substanzen. Dazu geh\u00f6rten Antioxidantien, Weichmacher, UV-Stabilisatoren, Flammschutzmittel und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Drei Stoffgruppen untersuchten sie n\u00e4her, weil sie h\u00e4ufig vorkamen oder wegen ihrer Umweltwirkung bereits reguliert beziehungsweise \u00fcberwacht werden:<\/p>\n<p>Irgafos 168, ein Schutzstoff gegen die Alterung von Kunststoffen<\/p>\n<p>DEHP, ein weit verbreiteter Weichmacher<\/p>\n<p>HBCD, ein langlebiges bromiertes Flammschutzmittel<\/p>\n<p class=\"\">Vor allem DEHP fiel in den Analysen auf. Einige Proben enthielten mehr als 1000 Mikrogramm pro Gramm Kunststoff, also mehr als 0,1 Prozent ihres Gewichts. Bei Mikroplastik aus Polyethylen und Polypropylen lagen die Werte zudem h\u00f6her als bei gr\u00f6\u00dferen Kunststoffteilen vom <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/erdbeben-am-meeresboden-treiben-riesige-algenblueten-an\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Meeresboden<\/a>. Die Unterschiede lassen sich nach Einsch\u00e4tzung der Wissenschaftler nicht allein mit Zusatzstoffen erkl\u00e4ren, die bereits bei der Herstellung im Kunststoff steckten.<\/p>\n<p>Warum Mikroplastik Schadstoffe aus dem Meer anreichern kann<\/p>\n<p class=\"\">DEHP kann sich offenbar auch nachtr\u00e4glich an den kleinen Partikeln anlagern. Als Quellen kommen Meerwasser, Schwebstoffe und organisches Material infrage. Kleine Kunststoffst\u00fccke besitzen im Verh\u00e4ltnis zu ihrer Masse eine gro\u00dfe Oberfl\u00e4che. Dadurch entsteht mehr Kontakt mit der Umgebung als bei einem gr\u00f6\u00dferen St\u00fcck desselben Materials. Die Ergebnisse passen deshalb zu einer st\u00e4rkeren Aufnahme von DEHP aus dem Meer.<\/p>\n<p class=\"\">Auf der anderen Seite k\u00f6nnen Substanzen aus dem Plastik austreten. Bei Irgafos 168 fanden die Wissenschaftler deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Kunststoffarten und Partikelgr\u00f6\u00dfen. Irgafos 168 wird unter anderem Polyethylen und Polypropylen zugesetzt, damit das Material langsamer oxidiert. Die Verteilung des Stoffes und seiner Abbauprodukte spricht daf\u00fcr, dass die Verbindungen beim Verwittern aus dem Kunststoff freigesetzt und chemisch ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p>Auch zerfallenes Plastik beh\u00e4lt problematische Chemikalien<\/p>\n<p class=\"\">Wie hartn\u00e4ckig manche Zusatzstoffe bleiben, wird bei HBCD sichtbar. Das Flammschutzmittel wurde fr\u00fcher unter anderem in gesch\u00e4umtem Polystyrol eingesetzt und z\u00e4hlt zu den persistenten organischen <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/material-kann-schadstoffe-im-wasser-mit-sonnenlicht-abbauen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Schadstoffen<\/a>. Solche Verbindungen werden in der Umwelt nur langsam abgebaut, k\u00f6nnen sich in Lebewesen anreichern und \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Entfernungen gelangen.<\/p>\n<p class=\"\">In Mikroplastik aus dem Genkai-Meer, aus pazifischen K\u00fcstengew\u00e4ssern sowie aus K\u00fcstengew\u00e4ssern des Japanischen Meeres lagen die HBCD-Werte zwischen 110 und 590 Mikrogramm pro Gramm Kunststoff. Der Stoff blieb also auch in bereits stark zerkleinerten Partikeln erhalten. \u201eDie Fragmentierung von Makroplastik zu Mikroplastik verringert die chemischen Gefahren nicht zwangsl\u00e4ufig\u201c, schreiben die Forscher in ihrer Arbeit.<\/p>\n<p>Mikroplastik kann Schadstoffe durch das Meer weitertragen<\/p>\n<p class=\"\">Damit ergibt sich ein doppelter Vorgang. Ein Kunststoffteil kann beim Altern eigene Zusatzstoffe verlieren, w\u00e4hrend sich andere Chemikalien aus seiner Umgebung daran anlagern. Bleibt ein belasteter Partikel anschlie\u00dfend im Wasser mobil, kann er diese Stoffe an andere Orte transportieren. F\u00fcr HBCD sprechen die Autoren deshalb von Mikroplastik als m\u00f6glicher \u201emobiler sekund\u00e4rer Quelle\u201c f\u00fcr bereits vorhandene Schadstoffe.<\/p>\n<p class=\"\">Wie viel davon sp\u00e4ter tats\u00e4chlich in Tiere gelangt, l\u00e4sst sich aus den Untersuchungen nicht ableiten. Auch \u00fcber eine konkrete Gesundheitsgefahr f\u00fcr Menschen sagt die Arbeit nichts aus. Die Wissenschaftler halten weitere Untersuchungen f\u00fcr n\u00f6tig, um zu kl\u00e4ren, wie stark Organismen solche mit Mikroplastik verbundenen Chemikalien aufnehmen und welche \u00f6kologischen Folgen daraus entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"\">F\u00fcr die Bewertung von Plastikverschmutzung wollen sie deshalb neben der Partikelmenge auch ber\u00fccksichtigen, welche Zusatzstoffe im Material stecken, wie lange diese erhalten bleiben und wie weit kleine Partikel sie im Meer transportieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst:<\/p>\n<p>Mikroplastik kann chemische Zusatzstoffe aus dem urspr\u00fcnglichen Kunststoff behalten und sp\u00e4ter freisetzen.<\/p>\n<p>Kleine Partikel k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich Schadstoffe wie DEHP aus dem umgebenden Wasser und aus Schwebstoffen aufnehmen.<\/p>\n<p>Selbst nach dem Zerfall k\u00f6nnen problematische Stoffe wie HBCD im Mikroplastik erhalten bleiben und im Meer weitertransportiert werden.<\/p>\n<p class=\"\">\u00dcbrigens: Mikroplastik l\u00f6st bei Menschen immer wieder gesundheitliche Bedenken aus \u2013 doch Fachleute zweifeln an vielen Messungen und sehen bislang keinen gesicherten Beleg f\u00fcr konkrete Gesundheitsgefahren. Mehr dazu in unserem <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/gesundheit\/mikroplastik-ueberall-forscher-bezweifeln-die-gefahr-im-koerper\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Artikel<\/a>.<\/p>\n<p class=\"\">Bild: \u00a9 <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/fischschwarm-im-wasser-BJUoZu0mpt0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Unsplash<\/a><\/p>\n<p>                Tags: <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/dehp\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">DEHP<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/flammschutzmittel\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Flammschutzmittel<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/hbcd\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">HBCD<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/kunststoff\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kunststoff<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/meer\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Meer<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/meeresverschmutzung\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Meeresverschmutzung<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/mikroplastik\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mikroplastik<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/plastikverschmutzung\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Plastikverschmutzung<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/schadstoffe\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schadstoffe<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/smart-up-news\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Smart Up News<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/umwelt\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Umwelt<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/umweltforschung\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Umweltforschung<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/weichmacher\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Weichmacher<\/a>            <\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Love<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Funny<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Wow<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Sad<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Angry<\/p>\n<p>\t\tBeitragsnavigation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mikroplastik im Meer besteht offenbar nicht einfach aus immer kleineren Resten von T\u00fcten, Netzen oder Verpackungen. 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