{"id":248916,"date":"2026-08-13T08:05:13","date_gmt":"2026-08-13T08:05:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/248916\/"},"modified":"2026-08-13T08:05:13","modified_gmt":"2026-08-13T08:05:13","slug":"ki-egal-der-groesste-rap-trend-des-sommers-sind-die-achtziger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/248916\/","title":{"rendered":"KI egal: Der gr\u00f6\u00dfte Rap-Trend des Sommers sind die Achtziger"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/871e3f2ad284440fa80f2fe39e1072f6.gif\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"\/>Als Fenix Flexin und Tyga in diesem Sommer gemeinsam im Studio sa\u00dfen, stellte <a href=\"https:\/\/www.rollingstone.de\/avril-lavigne-und-tyga-sind-ein-paar-2563665\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Tyga<\/a> fest, dass sie unabh\u00e4ngig voneinander beim selben Sound aus den Achtzigern gelandet waren. Fenix, der Rapper aus Los Angeles und Shoreline-Mafia-Member, hatte da bereits einen Song namens \u201eRubberz\u201c mit Produzent Purps on the Beat ver\u00f6ffentlicht. Der klang wie eine \u00dcbertragung direkt aus einer Zeitmaschine: Fenix singt mit gefaktem britischen Akzent \u00fcber New-Wave-Synthies. Wie inzwischen bekannt sein d\u00fcrfte, wurde daraus ein Hit \u2013 <a href=\"https:\/\/www.rollingstone.com\/music\/music-features\/tyga-fenix-flexin-ai-rap-trend-eighties-dance-1235607433\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u201eRubberz\u201c kletterte auf Platz 58 der \u201eBillboard\u201c Hot 100.<\/a><\/p>\n<p>Tyga steckte derweil tief in \u201e$TARFACE\u201c, einem Zehn-Song-Album aus gl\u00e4nzendem Achtziger-Pop, das Tyga und seinem neuen Alter Ego \u2013 ebenfalls $TARFACE genannt \u2013 zugeschrieben wird. Er und Fenix nahmen \u201eLavish\u201c auf, eine unver\u00f6ffentlichte Kollaboration, bei der sie mit denselben hellen Keyboards und bearbeiteten Vocals experimentierten. Tyga zufolge fanden beide unabh\u00e4ngig voneinander zu diesem Sound.<\/p>\n<p>\u201eAls er ins Studio kam, war ich schon tief drin in meiner Achtziger-Musik\u201c, sagte Tyga k\u00fcrzlich gegen\u00fcber VIBE. \u201eIch hatte ihm schon ein paar Sachen vorgespielt. Als ich dann sah, was er macht, dachte ich: \u201aOh, das ist Feuer! Lass uns das zusammen machen, weil ich sehe, dass wir auf einer \u00e4hnlichen Wellenl\u00e4nge sind.\u2019\u201c<\/p>\n<p>KI-Debatte \u00fcberschattet Musik<\/p>\n<p>Dann wurden sowohl \u201eRubberz\u201c als auch \u201e$TARFACE\u201c in die KI-Debatte hineingezogen. Tyga best\u00e4tigte, KI als Produktionswerkzeug eingesetzt zu haben \u2013 er nannte die Achtziger-Synthies und ein Gitarrensolo als Beispiele f\u00fcr das, was die Technologie beisteuerte, bestand aber darauf, dass er die Songs selbst geschrieben und alle Vocals selbst eingesungen habe. Fenix erkl\u00e4rte zun\u00e4chst, auf \u201eRubberz\u201c sei \u201ekeine KI\u201c im Spiel. Nachdem Treblos eigener Classifier ein Ergebnis von \u201esehr wahrscheinlich Treblo\u201c ausgespuckt hatte, r\u00e4umte er einen gewissen KI-Einsatz ein, behauptete jedoch, dieser habe \u201enichts mit dem Aufnahmeprozess zu tun gehabt\u201c und er habe von der App erst beim Mixing erfahren.<\/p>\n<p>Der KI-Streit verdr\u00e4ngte bald die Musik selbst \u2013 er spielt eine zentrale Rolle in Pitchforks Review von Tygas Album, das die niedrigste Wertung der Seite seit 19 Jahren erhielt. Dabei braut sich parallel l\u00e4ngst ein anderer Trend zusammen: Rapper aus dem ganzen Land greifen tief in Hip-Hops eigene Dancefloor-Geschichte.<\/p>\n<p>Kendrick Lamars Nummer-eins-Hit \u201eSquabble Up\u201c baut auf Debbie Debs von Pretty Tony produziertem Freestyle-Klassiker \u201eWhen I Hear Music\u201c. Drakes 2025er Hit \u201eNokia\u201c l\u00e4uft auf einem strahlenden Keyboard-Riff und dem Bounce des Atlanta Bass. Tyler, the Creator folgte \u201eChromakopia\u201c von 2024 mit \u201eDon\u2019t Tap the Glass\u201c, einem kompakten Dance-Album, das in Electro, Synth-Funk und Miami Bass getr\u00e4nkt ist. In diesem Jahr kehrte Drake mit \u201eMaid of Honour\u201c auf den Dancefloor zur\u00fcck. Der Chicagoer Rapper BabyChiefDoit und sein Electro-getr\u00e4nktes \u201eGhetto Love Story\u201c, das bis auf Platz 44 der Hot 100 kletterte, zeugt vom selben wiedererwachten Hunger nach Rap-Tracks zum Tanzen. Der Hook bringt es schlicht auf den Punkt: \u201eI just wanna dance.\u201c<\/p>\n<p>Mehr als Achtziger-Revival<\/p>\n<p>Obwohl \u201eAchtziger-Revival\u201c eine praktische Abk\u00fcrzung ist, trifft sie nicht das ganze Bild. Mainstream-Pop sch\u00fcrft seit Jahren in dieser und \u00e4hnlichen \u00c4ren \u2013 am sichtbarsten im Neon-Synth-Pop des Weeknd und im Disco-Revival rund um Dua Lipa. Doch die Rapper, die jetzt in die Vergangenheit greifen, bedienen sich h\u00e4ufig aus einem anderen Archiv.<\/p>\n<p>\u201eIm Pop will gerade jeder ein St\u00fcck vom Achtziger-Synth-Pop, aber diese K\u00fcnstler machen es auf eine spezifisch Hip-Hop-Art\u201c, sagt ROLLING-STONE-Autor Rob Sheffield. \u201eSie kehren zu entscheidenden Momenten in der Evolutionsgeschichte der Musik zur\u00fcck. Sie zollen auch konkreten regionalen Rap-Szenen der Achtziger Tribut \u2013 das ist also genauso geografische wie zeitliche Reise.\u201c<\/p>\n<p>Die Musikjournalistin, DJ und Produzentin Vivian Host widerspricht dem einfachen Genre-Label ebenfalls. \u201eIch finde, Freestyle, Electro und Bass Music sollten nicht mit Achtziger-Synth-Pop in einen Topf geworfen werden\u201c, sagt sie. Die \u00dcberschneidung r\u00fchrt zum Teil vom damals verwendeten Equipment her \u2013 Drumcomputer wie der Roland TR-808 und eine neue Generation von Synthesizern, die die \u00c4ra genre\u00fcbergreifend pr\u00e4gten. Dennoch waren die Songs anders konstruiert und funktionierten auf anderen Dancefloors. \u201eElectro, Freestyle, Miami Bass und Achtziger-Synth-Pop sprachen unterschiedliche kulturelle und regionale Communities an\u201c, erg\u00e4nzt Host.<\/p>\n<p>Regionale Spezifik als Schl\u00fcssel<\/p>\n<p>\u201eSquabble Up\u201c lebt genau von dieser regionalen Spezifik. Host weist darauf hin, dass \u201eWhen I Hear Music\u201c aus Miami stammt und auf Radiostationen in Los Angeles, darunter KDAY und Power 106, zur festen Gr\u00f6\u00dfe wurde. Sie h\u00f6rt das Sample als Hommage an einen lokalen Favoriten, der in der Rap-Kultur von L.A. seit Langem kursiert. Fat Joe, Anitta und DJ Khaled vollzogen 2024 mit \u201eParadise\u201c einen \u00e4hnlichen Schachzug \u2013 der Track sampelt Stevie Bs \u201eSpring Love\u201c, ein Freestyle-Klassiker in New York und Miami. Die Referenzpunkte bei \u201eRubberz\u201c hingegen liegen eher beim polierten, Synth-lastigen Achtziger-Pop und -Rock von Tears for Fears, Hall &amp; Oates und Phil Collins.<\/p>\n<p>\u201e\u201aSquabble Up\u2018 klingt so radikal, weil Kendrick darauf aus ist, den ultimativen L.A.-Record der 2020er zu machen \u2013 aber mit dem ultimativen Miami-Beat der Achtziger\u201c, sagt Sheffield. \u201eDas ist purer Freestyle mit diesem Debbie-Deb\/Pretty-Tony-Dance-Beat, die 808s im Angriffsmodus. Noch gewagter, wenn man bedenkt, dass L.A. und Miami in Sachen regionaler Achtziger-Sounds v\u00f6llig unterschiedliche Agenden hatten.\u201c<\/p>\n<p>Oliver Wang, Soziologieprofessor an der Cal State Long Beach, der auch \u00fcber Musik schreibt und als DJ arbeitet, stellt fest, dass dieser Trend nicht unbedingt neu ist. \u201eDie Achtziger sind musikalisch gesehen nie aus der Mode gekommen, schon gar nicht im Hip-Hop\u201c, sagt Wang. \u201eDie Achtziger brachten eine unglaubliche Vielfalt an eigenst\u00e4ndigen musikalischen Geschmacksrichtungen hervor \u2013 von sp\u00e4tem Disco \u00fcber Freestyle-Dance-Music bis hin zu Synth-getriebenem Modern Rock und Drumcomputer-Hip-Hop.\u201c K\u00fcnstler, die lange nach diesem Jahrzehnt geboren wurden, sind mit diesen Sounds trotzdem aufgewachsen. \u201eDie K\u00fcnstler von heute w\u00e4ren kaum die Ersten, die denken: \u201aVielleicht kann ich etwas Neues machen, indem ich etwas Altes neu forme\u2019\u201c, f\u00e4hrt Wang fort. \u201eDas ist die Geschichte des Hip-Hop von seinem allerersten Anfang an.\u201c<\/p>\n<p>Electro war Hip-Hop<\/p>\n<p>In den Anfangstagen des Hip-Hop existierte Rap auf dem Dancefloor Seite an Seite mit anderen Genres. Egyptian Lover, der wegweisende Produzent und DJ aus Los Angeles, dessen 808-getriebene Records den West-Coast-Electro mitdefinierten, erinnert sich daran, dass die Kategorien erst sp\u00e4ter kamen. \u201eElectro war Hip-Hop\u201c, sagt er. \u201e\u201aPlanet Rock\u2018 hat jeden im Hip-Hop dazu gebracht, einen Dance-Track machen zu wollen.\u201c \u00dcber die Szene, die daraus entstand, f\u00fcgt er hinzu: \u201eDas war eine gro\u00dfe Szene im Hip-Hop. Sp\u00e4ter nannten sie es Electro.\u201c<\/p>\n<p>Da Raps existenzielle Krise anh\u00e4lt \u2013 Kommentatoren verweisen auf den anhaltenden Mangel an Chart-dominierenden Rap-Hits sowie auf die Art von Rap-Pop-Crossovern, wie man sie in den 2000ern kannte \u2013, scheint es einen Instinkt zu geben, diese sonst \u00fcbersehenen Verbindungen wieder aufzugreifen. In der Fr\u00fchzeit des Genres, lange vor dem Streaming und passiveren Formen des Musikh\u00f6rens, lag der Fokus noch auf Sounds, die die Leute zum Tanzen brachten.<\/p>\n<p>F\u00fcr Sheffield ist das ein Zeichen daf\u00fcr, dass Generationen sich gegenseitig erkennen. \u201eEs klingt nach utopischem Gemeinschaftsaufbau \u2013 Verbindungen zwischen verschiedenen Rap-\u00c4ren, Szenen und Kulturen\u201c, sagt er. \u201eF\u00fcr diese K\u00fcnstler hat es meiner Meinung nach nichts mit irgendwelcher Achtziger-Nostalgie zu tun. Es klingt v\u00f6llig anders als der Dua\/Weeknd-Synth-Pop-Ansatz. Ich h\u00f6re darin Hip-Hop, der sein eigenes einzigartiges Erbe feiert.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als Fenix Flexin und Tyga in diesem Sommer gemeinsam im Studio sa\u00dfen, stellte Tyga fest, dass sie unabh\u00e4ngig&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":248917,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[20],"tags":[53658,46,1627,68,16148,85,86,45,44,49202,51005,69],"class_list":["post-248916","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-musik","tag-a-i","tag-ch","tag-drake","tag-entertainment","tag-kendrick-lamar","tag-music","tag-musik","tag-schweiz","tag-switzerland","tag-tyga","tag-tyler-the-creator","tag-unterhaltung"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/117087162494283876","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/248916","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=248916"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/248916\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/248917"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=248916"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=248916"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=248916"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}