{"id":250788,"date":"2026-08-14T11:21:14","date_gmt":"2026-08-14T11:21:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/250788\/"},"modified":"2026-08-14T11:21:14","modified_gmt":"2026-08-14T11:21:14","slug":"was-auf-dem-ryanair-flug-geschah-bevor-der-passagier-aus-dem-fenster-gesogen-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/250788\/","title":{"rendered":"Was auf dem Ryanair-Flug geschah, bevor der Passagier aus dem Fenster gesogen wurde"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt hat das National Transportation Safety Board &#8211; daf\u00fcr steht die Abk\u00fcrzung NTSB &#8211; einen vorl\u00e4ufigen Bericht zu dem Vorfall ver\u00f6ffentlicht. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse:<\/p>\n<p>Wer an Bord war<\/p>\n<p>Im Flugzeug befanden sich zwei Piloten, vier Flugbegleitende und 149 Flugg\u00e4ste, einschlie\u00dflich eines Kleinkinds, das auf dem Scho\u00df mitreiste. Verletzt wurde nur der Passagier, der teilweise aus dem Fenster gesogen wurde, alle anderen blieben unverletzt.<\/p>\n<p>Was im Cockpit geschah<\/p>\n<p>Nach Angaben der Cockpitcrew erhielt sie beim Steigflug in einer H\u00f6he von knapp 4900 Metern in der N\u00e4he von Polykastro in Griechenland &#8211; etwa zw\u00f6lf Kilometer s\u00fcdlich der griechischen Grenze zu Nordmazedonien &#8211; eine \u00abHigh Vibration\u00bb-Anzeige f\u00fcr Triebwerk Nr. 2, das rechte Triebwerk. Die Piloten reduzierten die Triebwerksleistung und arbeiteten die Checkliste f\u00fcr \u00abEngine High Vibration\u00bb ab. Kurz darauf ging die Vibrationsanzeige zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Besatzung setzte den Steigflug anschlie\u00dfend mit dem Autopiloten fort. Dann nahmen die Triebwerksvibrationen deutlich zu. Die Besatzung h\u00f6rte einen lauten Knall und schaltete den Autopiloten aus. W\u00e4hrend sie den Zustand des Triebwerks \u00fcberpr\u00fcften, ert\u00f6nte die Warnung vor einer zu hohen Kabinendruckh\u00f6he. Die Piloten setzten daraufhin ihre Sauerstoffmasken auf, erkl\u00e4rten einen Notfall und leiteten einen sofortigen Sinkflug ein. Nachdem das Flugzeug unter 10.000 Fu\u00df (etwa mehr als 3000 Meter) gesunken war, stellte die Cockpitcrew das besch\u00e4digte Triebwerk ab. Das Flugzeug kehrte ohne weitere Vorkommnisse zum Flughafen Thessaloniki zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Was in der Kabine geschah<\/p>\n<p>Auch in der Kabine setzten Flug\u00e4ste und Crewmitglieder die Sauerstoffmasken auf. Eine Flugbegleiterin stellte fest, dass der Passagier auf Sitz 11F teilweise in einem besch\u00e4digten Kabinenfenster feststeckte und dass das gesamte Fenster fehlte. Andere Reisende halfen und konnten den Mann zur\u00fcck in die Kabine ziehen. Die Flugbegleiterin setzte sich anschlie\u00dfend auf Sitz 11B und legte eine Sauerstoffmaske an. Diese l\u00f6ste sich &#8211; wie schon eine andere Maske zuvor &#8211; von der Decke, woraufhin sie eine andere Maske nutzte.<\/p>\n<p>Ein Passagier ging in die vordere Bordk\u00fcche und bat um etwas Schweres und Metallisches, um damit die \u00d6ffnung des besch\u00e4digten Kabinenfensters abzudecken. Er nahm eine Metallbox und brachte sie zu Reihe 11. Der verletzte Passagier wurde in Reihe 12 gebracht und w\u00e4hrend des restlichen Fluges von einem als Passagier mitfliegenden Arzt betreut. Dieser bat um Erste-Hilfe-Ausr\u00fcstung und erhielt sie von der Crew. Sp\u00e4ter informierten die Piloten die Kabinencrew und Reisenden, dass die Nutzung der Sauerstoffmasken nicht mehr n\u00f6tig sei.<\/p>\n<p>Die Sch\u00e4den am Flugzeugrumpf<\/p>\n<p>Die Untersuchung ergab, dass sich am rechten Triebwerk eine Fanschaufel gel\u00f6st hatte. Dies f\u00fchrte dazu, dass Triebwerksteile den Rumpf und das rechte H\u00f6henleitwerk trafen. Der Rumpf auf H\u00f6he der Druckkabine wurde an zwei Stellen durchschlagen: durchs Fenster in Reihe 11 sowie durch die untere Rumpfhaut hinter der rechten Fl\u00fcgel-Rumpf-Verkleidung. <\/p>\n<p> <a class=\"\" href=\"https:\/\/ocdn.eu\/pulscms-transforms\/1\/53CktkpTURBXy81MTE1NGI1MDQ0MTYxYTg4YzJiOWFmZTQxZjE5ZjQ5Yi5qcGeRlQMAAM0HkM0FaA\" target=\"_blank\" data-pswp-src=\"https:\/\/ocdn.eu\/pulscms-transforms\/1\/53CktkpTURBXy81MTE1NGI1MDQ0MTYxYTg4YzJiOWFmZTQxZjE5ZjQ5Yi5qcGeRlQMAAM0HkM0FaA\" data-pswp-width=\"1936\" data-pswp-height=\"1384\" rel=\"nofollow noopener\"> <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Ji-k9lyaHR0cHM6Ly9vY2RuLmV1L3B1bHNjbXMtdHJhbnNmb3Jtcy8xLzUzQ2t0a3BUVVJCWHk4MU1URTFOR0kxTURRME1UWXhZV.jpeg\" alt=\"\" transform=\"resizeCropAuto\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\" width=\"680\" height=\"486\" class=\"RingImage _RingImage_km0le_1 \"\/> <\/a> <\/p>\n<p>  NTSB <\/p>\n<p>Weitere Aufprallsch\u00e4den wurden an der rechten Fl\u00fcgel-Rumpf-Verkleidung festgestellt, zudem eine Delle mit Farbabrieb an der Rumpfhaut im Fensterbereich, eine Delle an einem Stringer, der zu dieser besch\u00e4digten Rumpfhaut geh\u00f6rt, eine Kerbe an der oberen Haut des rechten H\u00f6henleitwerks sowie eine Delle an der Vorderkante des rechten H\u00f6henleitwerks.<\/p>\n<p>Die Sch\u00e4den am Triebwerk<\/p>\n<p>Die Untersuchung des Triebwerks und der Triebwerksverkleidung ergab, dass eine Fanschaufel (Nr. 10) gebrochen war und sich gel\u00f6st hatte. Die \u00e4u\u00dferen Spitzen von zwei weiteren Schaufeln (Nr. 16 und 21) waren gebrochen und hatten sich gel\u00f6st. Alle \u00fcbrigen Fanschaufeln waren \u00fcber ihre gesamte L\u00e4nge vorhanden, wiesen jedoch unterschiedlich starke Verformungen durch einen Aufprall auf. Drei lose Fanschaufelfragmente wurden aus dem Triebwerk geborgen. Die Einlassverkleidung des Triebwerks wies Durchschlagssch\u00e4den auf.<\/p>\n<p> <a class=\"\" href=\"https:\/\/ocdn.eu\/pulscms-transforms\/1\/3TlktkpTURBXy8zYTM5MDlkOTZkMGRhNDMyYWJhOWJiODIzN2U1ZGQ5My5qcGeRlQMAAM0Igs0GXA\" target=\"_blank\" data-pswp-src=\"https:\/\/ocdn.eu\/pulscms-transforms\/1\/3TlktkpTURBXy8zYTM5MDlkOTZkMGRhNDMyYWJhOWJiODIzN2U1ZGQ5My5qcGeRlQMAAM0Igs0GXA\" data-pswp-width=\"2178\" data-pswp-height=\"1628\" rel=\"nofollow noopener\"> <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/KClk9lyaHR0cHM6Ly9vY2RuLmV1L3B1bHNjbXMtdHJhbnNmb3Jtcy8xLzNUbGt0a3BUVVJCWHk4ellUTTVNRGxrT1Raa01HUmhOR.jpeg\" alt=\"\" transform=\"resizeCropAuto\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\" width=\"680\" height=\"508\" class=\"RingImage _RingImage_km0le_1 \"\/> <\/a> <\/p>\n<p>  NTSB <\/p>\n<p>Das NTSB weist darauf hin, dass bei der abgebrochenen Fanschaufel Nr. 10 \u00abein Teil der Bruchfl\u00e4che, der etwa 37 Prozent der gesamten Bruchfl\u00e4che ausmachte, relativ glatte Strukturen mit einer geschwungenen Begrenzung aufwies\u00bb. Diese seien Merkmale, die mit einem Erm\u00fcdungsbruch vereinbar seien, erkl\u00e4rt die Beh\u00f6rde.<\/p>\n<p> <a class=\"\" href=\"https:\/\/ocdn.eu\/pulscms-transforms\/1\/CeUktkpTURBXy80MTkyN2MzNmI5ZjY0N2FiYThlZDVlNTQ4NDkwM2ExZi5qcGeRlQMAAM0Id80FnA\" target=\"_blank\" data-pswp-src=\"https:\/\/ocdn.eu\/pulscms-transforms\/1\/CeUktkpTURBXy80MTkyN2MzNmI5ZjY0N2FiYThlZDVlNTQ4NDkwM2ExZi5qcGeRlQMAAM0Id80FnA\" data-pswp-width=\"2168\" data-pswp-height=\"1436\" rel=\"nofollow noopener\"> <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/S3Hk9lyaHR0cHM6Ly9vY2RuLmV1L3B1bHNjbXMtdHJhbnNmb3Jtcy8xL0NlVWt0a3BUVVJCWHk4ME1Ua3lOMk16Tm1JNVpqWTBOM.jpeg\" alt=\"\" transform=\"resizeCropAuto\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\" width=\"680\" height=\"450\" class=\"RingImage _RingImage_km0le_1 \"\/> <\/a> <\/p>\n<p>  NTSB <\/p>\n<p>Noch nicht umgesetzte Verbesserungen<\/p>\n<p>Das NTSB merkt auch an, dass drei Verbesserungen am betroffenen Triebwerk noch nicht umgesetzt waren, die die amerikanische Luftfahrtbeh\u00f6rde FAA vorgeschrieben hat, allerdings mit einer Umsetzungsfrist bis Juli 2028: 1. Verbesserungen an Befestigungselementen der Einlassverkleidung (Inlet Cowl). 2. Verbesserungen an Befestigungselementen sowie an einem \u00e4u\u00dferen Verst\u00e4rkungsbeschlag der Fanverkleidung (Fan Cowl). 3. Zus\u00e4tzliche Halterungen an der Abgasd\u00fcse (Exhaust Nozzle).<\/p>\n<p>Hinweise auf einen m\u00f6glichen Vogelschlag<\/p>\n<p>Vogelreste, darunter Federn, wurden in verschiedenen Bereichen des Triebwerks (unter anderem \u00d6lk\u00fchler, Schubumkehrer und Fan-Geh\u00e4use) gefunden. Diese Vogelreste werden nun im Feather Identification Lab der Smithsonian Institution in Washington untersucht.<\/p>\n<p>Dazu weist das NTSB auch darauf hin, dass Crews in den zw\u00f6lf Monaten vor dem Vorfall vier mutma\u00dfliche Vogelschl\u00e4ge an diesem Triebwerk gemeldet hatten. \u00abBei den anschlie\u00dfenden Wartungsarbeiten wurden keine Sch\u00e4den festgestellt\u00bb, schreibt die Beh\u00f6rde allerdings dazu. \u00abIn zwei F\u00e4llen wurden Berichten zufolge Vogelreste gefunden.\u00bb<\/p>\n<p>Sch\u00e4den in der Kabine<\/p>\n<p>Bruchst\u00fccke der mittleren und \u00e4u\u00dferen Scheiben des zerst\u00f6rten Fensters wurden zwischen den Sitzreihen 8 und 15 gefunden. Die innere Seitenwandverkleidung an dem Fenster wies an der unteren hinteren vertikalen Kante einen Bruch auf. Dieser Bruch erstreckte sich nach hinten bis zum n\u00e4chstgelegenen Rumpfspant hinter der Fensterkante.<\/p>\n<p>Fundierte Recherchen, Einordnung und Unabh\u00e4ngigkeit: Unsere Fachredaktion kennt die Luftfahrt aus Interviews, Daten und Recherchen vor Ort. F\u00fcr den Preis eines Kaffees im Monat unterst\u00fctzen Sie diese Arbeit und lesen aeroTELEGRAPH ohne Werbung. 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