{"id":252099,"date":"2026-08-15T09:22:12","date_gmt":"2026-08-15T09:22:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/252099\/"},"modified":"2026-08-15T09:22:12","modified_gmt":"2026-08-15T09:22:12","slug":"ein-satellit-so-gross-wie-ein-koffer-soll-ein-uraltes-signal-finden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/252099\/","title":{"rendered":"Ein Satellit so gro\u00df wie ein Koffer soll ein uraltes Signal finden"},"content":{"rendered":"<p>CosmoCube soll hinter dem Mond ein uraltes Wasserstoffsignal messen und Einblicke in die kosmische Dunkelzeit vor den ersten Sternen liefern.<\/p>\n<p>        <img width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/CosmoCube-CREDIT-Surrey-Space-Technology-Ltd-1200x600.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"K\u00fcnstlerische Darstellung des CosmoCube-Satelliten\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>K\u00fcnstlerische Darstellung des CosmoCube-Satelliten. Der kompakte Satellit soll auf der R\u00fcckseite des Mondes nach extrem schwachen Radiosignalen aus der kosmischen Dunkelzeit suchen. <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: Surrey Space Technology Ltd<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/279744e0b777404ab7cb99a74ec2d5c5.gif\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"\" class=\"vg-wort-pixel\" style=\"position: absolute;\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\"\/><\/p>\n<p>Ein Satellit kaum gr\u00f6\u00dfer als ein Handgep\u00e4ckst\u00fcck soll eine Epoche des Universums erforschen, die bislang praktisch unbeobachtet geblieben ist. CosmoCube soll hinter dem Mond nach einem extrem schwachen Radiosignal des neutralen Wasserstoffs suchen \u2013 und damit mehr als 13,5 Milliarden Jahre in die Vergangenheit blicken.<\/p>\n<p>Das Missionskonzept stammt von einem internationalen Forschungsteam unter Leitung der University of Cambridge. Die Forschenden haben ihre Pl\u00e4ne jetzt in <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41550-026-02946-y\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Nature Astronomy<\/a> vorgestellt. Noch ist CosmoCube nicht startbereit. Instrumentprototypen werden jedoch bereits getestet, und das Team hofft auf einen Start innerhalb der kommenden f\u00fcnf Jahre.<\/p>\n<p>Der ungew\u00f6hnliche Beobachtungsort ist entscheidend: Die R\u00fcckseite des Mondes schirmt den Satelliten gegen einen gro\u00dfen Teil der von der Erde kommenden Funksignale ab.<\/p>\n<p>Gesucht wird ein Signal aus der Zeit vor den ersten Sternen<\/p>\n<p>CosmoCube soll die sogenannte 21-cm-Linie des neutralen Wasserstoffs untersuchen. Sie entsteht durch einen Hyperfeinstruktur\u00fcbergang im Wasserstoffatom und besitzt heute im Ruhezustand eine Frequenz von rund 1420 MHz.<\/p>\n<p>Das Signal aus dem fr\u00fchen Universum ist durch die kosmische Expansion jedoch stark rotverschoben. CosmoCube soll deshalb bei extrem niedrigen Frequenzen zwischen etwa 10 und 50 MHz messen.<\/p>\n<p>Genau dort sto\u00dfen Teleskope auf der Erde an Grenzen. Die Ionosph\u00e4re beeinflusst beziehungsweise blockiert die tiefsten Radiofrequenzen. Hinzu kommen starke menschengemachte St\u00f6rungen durch Rundfunk, Telekommunikation und Satelliten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Forschenden ist deshalb die Mondr\u00fcckseite besonders interessant. Befindet sich CosmoCube dort auf seiner Umlaufbahn, liegt der Mond zwischen Satellit und Erde und wirkt wie ein nat\u00fcrlicher Schutzschild gegen irdische Funkemissionen.<\/p>\n<p>Rund 40 Minuten Messzeit pro Mondumlauf<\/p>\n<p>Nach dem derzeitigen Konzept soll CosmoCube den Mond etwa alle zwei Stunden umrunden. Rund 40 Minuten davon befindet er sich in dem besonders gut abgeschirmten Bereich auf der erdabgewandten Seite. \u00dcber eine geplante Missionsdauer von zwei Jahren sollen so rund 1000 Stunden Messdaten entstehen.<\/p>\n<p>Nach dem Erreichen der Mondumlaufbahn soll der Satellit eine lange, leichte Radioantenne entfalten. Zusammen mit einem miniaturisierten Radiometer soll sie die extrem schwachen Ver\u00e4nderungen im niederfrequenten Radiospektrum erfassen.<\/p>\n<p>Die geringe Gr\u00f6\u00dfe des Satelliten ist dabei Teil des Konzepts. Die Plattform SSTL-21 wird vom britischen Raumfahrtunternehmen Surrey Satellite Technology Limited entwickelt. F\u00fcr das Instrument kommen stark integrierte Radio- und Digitalkomponenten zum Einsatz, darunter sogenannte RF-Systems-on-Chip.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" width=\"2560\" height=\"1707\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/26EC1942-RALSP-Thermal-Chamber-R26-scaled.jpg\" alt=\"Ein repr\u00e4sentatives Modell von CosmoCube bei thermischen Tests bei RAL Space\" class=\"wp-image-72957\"\/>Ein repr\u00e4sentatives Modell von CosmoCube bei thermischen Tests bei RAL Space. Die Versuche sollen zeigen, ob Satellit und Instrumente den starken Temperaturschwankungen im Mondorbit standhalten. Foto: STFC RAL Space<br \/>\nDas eigentliche Problem ist das Rauschen<\/p>\n<p>Auch hinter dem Mond verschwindet der st\u00f6rende Radiohintergrund nicht. Vor allem die Milchstra\u00dfe sendet bei diesen Frequenzen starke Radiostrahlung aus. Sie ist deutlich st\u00e4rker als das gesuchte kosmologische Signal.<\/p>\n<p>Hinzu kommt das Eigenrauschen der Elektronik. Schon kleine temperaturbedingte Ver\u00e4nderungen im Messsystem k\u00f6nnten Strukturen erzeugen, die wie ein kosmisches Signal aussehen.<\/p>\n<p>CosmoCube soll sich deshalb w\u00e4hrend des Betriebs fortlaufend selbst kalibrieren. Ein sogenanntes Dicke-Switching schaltet dazu zwischen dem Himmelssignal und internen Referenzquellen um. Auf diese Weise lassen sich Ver\u00e4nderungen der Elektronik besser erkennen und aus den Messdaten herausrechnen.<\/p>\n<p>Nach der \u00dcbertragung zur Erde sollen statistische Verfahren weitere St\u00f6rsignale entfernen. Zudem m\u00fcssen die Forschenden genau modellieren, wie die Antenne auf Radiosignale aus unterschiedlichen Richtungen reagiert.<\/p>\n<p>Blick in die kosmische Dunkelzeit<\/p>\n<p>Das Ziel dieser aufwendigen Messungen liegt weit in der Vergangenheit. Rund 380.000 Jahre nach dem Urknall hatte sich das Universum so weit abgek\u00fchlt, dass sich Elektronen und Atomkerne zu neutralen Atomen verbinden konnten. Danach begann die sogenannte kosmische Dunkelzeit.<\/p>\n<p>Es gab noch keine Sterne, die sichtbares Licht erzeugten. Das Universum bestand \u00fcberwiegend aus Wasserstoff, Helium und Dunkler Materie. Erst etwa 100 bis 300 Mio. Jahre nach dem Urknall entstanden die ersten Sterne. Mit ihnen begann die sogenannte Cosmic Dawn.<\/p>\n<p>Der neutrale Wasserstoff aus dieser \u00dcbergangszeit hinterlie\u00df Spuren im 21-cm-Signal. Dessen Entwicklung relativ zur kosmischen Mikrowellen-Hintergrundstrahlung k\u00f6nnte zeigen, wie sich das Gas im jungen Universum abk\u00fchlte und wie die ersten Strukturen entstanden. Direkt beobachtet wurde die kosmische Dunkelzeit in diesem Frequenzbereich bislang nicht.<\/p>\n<p>Auch Dunkle Materie k\u00f6nnte Spuren hinterlassen haben<\/p>\n<p>Die Messungen k\u00f6nnten zudem Hinweise auf die Rolle Dunkler Materie im fr\u00fchen Universum liefern. Ihre Gravitation war entscheidend daf\u00fcr, dass sich Materie zu immer dichteren Strukturen zusammenzog, aus denen sp\u00e4ter Sterne und Galaxien entstanden.<\/p>\n<p>Bestimmte Modelle der Dunklen Materie beeinflussen au\u00dferdem, wie sich das Gas in der Fr\u00fchphase des Universums thermisch entwickelte. Pr\u00e4zise Messungen des 21-cm-Signals k\u00f6nnten deshalb helfen, solche Modelle einzugrenzen.<\/p>\n<p>Ein direkter Nachweis Dunkler Materie w\u00e4re CosmoCube allerdings nicht. Die Mission k\u00f6nnte vielmehr zus\u00e4tzliche Randbedingungen liefern, mit denen sich unterschiedliche Erkl\u00e4rungsmodelle pr\u00fcfen lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"CosmoCube soll hinter dem Mond ein uraltes Wasserstoffsignal messen und Einblicke in die kosmische Dunkelzeit vor den ersten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":252100,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[15],"tags":[46,21601,45,60,59,44,64,61,63,62],"class_list":["post-252099","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-wissenschaft-technik","tag-ch","tag-satelliten","tag-schweiz","tag-science","tag-science-technology","tag-switzerland","tag-technik","tag-technology","tag-wissenschaft","tag-wissenschaft-technik"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/117098789802087518","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/252099","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=252099"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/252099\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/252100"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=252099"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=252099"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=252099"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}