{"id":255176,"date":"2026-08-17T15:32:21","date_gmt":"2026-08-17T15:32:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/255176\/"},"modified":"2026-08-17T15:32:21","modified_gmt":"2026-08-17T15:32:21","slug":"funeral-casino-blues-im-kino-im-naechtlichen-bangkok-sieht-der-deutsche-film-einfach-besser-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/255176\/","title":{"rendered":"\u201eFuneral Casino Blues\u201c im Kino: Im n\u00e4chtlichen Bangkok sieht der deutsche Film einfach besser aus"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspCHpd tspCHpe\">In den Kulturen Ostasiens sind die Sph\u00e4ren der Geister und des Menschen durchl\u00e4ssig. Manchmal bewegen sie sich auch in denselben R\u00e4umen, werfen omin\u00f6se Schatten oder machen mit Klopfzeichen auf sich aufmerksam. Inzwischen erfreut sich der Geister-Topos auch im westlichen Kino gr\u00f6\u00dfter Beliebtheit, doch lange geh\u00f6rte diese spirituelle Verfasstheit der Welt zu den Topoi, die man gemeinhin mit dem asiatischen Kino verband: von dem Wuxia-Klassiker \u201eA Chinese Ghost Story\u201c bis zu den Filmen <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/der-bildertraumer-3689191.html?icid=in-text-link_15944672\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">des thail\u00e4ndischen Regisseurs Apichatpong Weerasethakul<\/a>.<\/p>\n<p class=\"tspCHpd\">In der Anwesenheit der verstorbenen Seelen liegt immer auch etwas Tr\u00f6stliches: Sie erz\u00e4hlt den Menschen etwas vom Weiterleben und -lieben \u00fcber die Beschr\u00e4nkung der physischen Existenz hinaus.<\/p>\n<p class=\"tspCHpd\">Der in K\u00f6ln geborene Filmemacher Roderick Warich hat aus seiner Affinit\u00e4t f\u00fcr das ostasiatische Kino und die thail\u00e4ndische Kultur im Speziellen schon in seinem Regiedeb\u00fct \u201e2557\u201c keinen Hehl gemacht. W\u00e4hrend der deutsche Film sich immer noch zu selten aus der Komfortzone der eigenen Sprache und Weltsicht hervorwagt, begibt sich Warich mit seiner zweiten Regiearbeit erneut in die n\u00e4chtlichen H\u00e4userschluchten von Bangkok.<\/p>\n<p class=\"tspCHpd\">\u201eCasino Funeral Blues\u201c vereint schon in seinem Titel all die Stimmungen, die die Bilder seines Kameramanns Roland Stuprich evozieren: das vergebliche Gl\u00fccksversprechen des Kapitalismus, den Tod und die Melancholie der einsamen Gro\u00dfstadtmenschen, deren Gesichter im fahlen Schein ihrer Handy-Displays erleuchtet sind. In den allgegenw\u00e4rtigen \u00dcberwachungsaufnahmen wirken sie fast schemenhaft.<\/p>\n<p> Unsichtbarer Schutzengel mit Pistole im Hosenbund <\/p>\n<p class=\"tspCHpd\">\u00c4hnlich assoziativ \u2013 und nicht weniger klischeebeladen \u2013 erz\u00e4hlt Warich seine Au\u00dfenseiterballade um die junge Jen (Jutarat Burinok), die als Eskortdame f\u00fcr \u201eFarangs\u201c, wohlhabende Expats, ihren Lebensunterhalt verdient, und den Barkeeper Wason (Chaiwat Bualuang), der Spielschulden angeh\u00e4uft hat. Seine Waffe im Hosenbund deutet fr\u00fch im Film an, dass diese Geschichte eigentlich nicht gut enden kann.<\/p>\n<p class=\"tspZf2\">Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/p>\n<p> An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgew\u00e4hlten, externen Inhalt, der den Artikel f\u00fcr Sie mit zus\u00e4tzlichen Informationen anreichert. 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Bei ihren n\u00e4chtlichen Fahrten auf dem Motorrad klammert sie sich von hinten an ihm fest: Halt in einer ungewissen Welt, in einer unaufh\u00f6rlichen Fluchtbewegung.<\/p>\n<p>Der Film<\/p>\n<p class=\"tspCHpd\">Funeral Casino Blues Deutschland, Thailand 2025 Regie und Buch: Roderick Warich. Mit: Chaiwat Bualuang,\u00a0Jutarat Burinok,\u00a0Chayanee Choomnoommanee,\u00a0Wason Dokkathum. 153 Minuten. Jetzt im Kino.<\/p>\n<p class=\"tspCHpd\">Zwei Menschen auf einem Motorrad im n\u00e4chtlichen Bangkok, das sei auch die Urszene f\u00fcr \u201eCasino Funeral Blues\u201c gewesen, hat der Regisseur in einem Interview erz\u00e4hlt. Von diesem Motiv aus entspinnt sich eine Geschichte, die sich weniger f\u00fcr die \u00dcberlebensstrategien ihrer Figuren interessiert als f\u00fcr Stimmungsbilder und die mythische \u00dcberh\u00f6hung von im Neonlicht schillernden Stra\u00dfenz\u00fcgen. Diese Bilder geh\u00f6ren l\u00e4ngst ins Repertoire des Weltkinos, <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/in-the-mood-for-love-was-bedeutet-einsamkeit-fur-sie-herr-wong-734053.html?icid=in-text-link_15944672\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">dank der stilisierten Hongkong-Inszenierungen Wong Kar-Wais<\/a> und im Slow Cinema der taiwanesischen New Wave Anfang der neunziger Jahre.<\/p>\n<p class=\"tspCHpd\">So wird die Metropole zur faszinierenden Benutzeroberfl\u00e4che f\u00fcr einen deutschen Kinotr\u00e4umer. Kulturelle Aneignung kann man Warich dabei nicht vorwerfen: Seine Hauptdarsteller und seine Crew hat er in Thailand gefunden, nur manchmal f\u00e4llt in \u201eCasino Funeral Blues\u201c ein englischer Satz. Das Drehbuch ist so weit von konventionell dramatischen Handlungselementen bereinigt, dass es sich mit zunehmender Dauer \u2013 150 Minuten dauert seine Gro\u00dfstadtmeditation, aber auch Zeit ist fl\u00fcchtig \u2013 einer koh\u00e4renten Geschichte entzieht.<\/p>\n<p class=\"tspCHpd\">Der Regisseur m\u00f6chte sein Publikum eher mit einem Vibe abholen: Dass er diesen nicht in Berlin-Kreuzberg oder in der Hafencity Hamburg vorfindet, ist nachvollziehbar. Aber einen gewissen Exotismus kann man seinen traumhaft unscharfen Bildern, den Neon-Noir-Impressionen, auch nicht ganz absprechen. Zumal der pers\u00f6nliche Einsatz, den seine Figuren f\u00fcr die Teilhabe am Leben riskieren, immer nur ein Kinozitat bleibt \u2013 und nur selten auf eine soziale Realit\u00e4t verweist.<\/p>\n<p>Mehr Kino im Tagesspiegel:<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/the-end-of-oak-street-im-kino-jurassic-world-im-vorgarten-15940694.html?icid=topic-list_15944672___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" data-hydrate-fingerprint=\"09740a54944caac75fd2c0c63fd5c5df\" 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Allem\u201c)<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/preisgekront-beim-filmfest-cannes-wer-sagt-denn-dass-die-sonne-rund-ist-15902864.html?icid=in-text-link_15944672\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sandra Wollner (aktuell im Kino mit dem preisgekr\u00f6nten \u201eEverytime\u201c)<\/a> zu einem der k\u00fcnstlerisch interessantesten Kollektive im aktuellen deutschsprachigen Kino geh\u00f6rt, er\u00f6ffnet aber auch eine neue Perspektive f\u00fcr das \u00fcberkommene Konzept einer nationalen Kinematografie.<\/p>\n<p class=\"tspCHpd\">Deutsches Kino definiert sich hierzulande immer noch \u00fcberwiegend \u00fcber Sprache, Produktionsbedingungen und F\u00f6rdergelder. Aus dieser gedanklichen Enge bricht \u201eCasino Funeral Blues\u201c fulminant aus. So hypnotisch-berauschend sah der deutsche Film schon lange nicht mehr aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In den Kulturen Ostasiens sind die Sph\u00e4ren der Geister und des Menschen durchl\u00e4ssig. 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