{"id":25556,"date":"2026-03-01T17:24:11","date_gmt":"2026-03-01T17:24:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/25556\/"},"modified":"2026-03-01T17:24:11","modified_gmt":"2026-03-01T17:24:11","slug":"morgan-stanley-will-krypto-handel-verwahrung-und-staking-anbieten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/25556\/","title":{"rendered":"Morgan Stanley will Krypto-Handel, -Verwahrung und Staking anbieten"},"content":{"rendered":"<p>Morgan Stanley hat bei der US-Aufsichtsbeh\u00f6rde OCC einen Antrag auf eine eigene nationale Trust-Bank-Charter f\u00fcr digitale Assets eingereicht. Die geplante Tochtergesellschaft heisst Morgan Stanley Digital Trust, National Association (MSDTNA). Ihren Sitz soll sie am Konzernsitz in Purchase, New York haben.<\/p>\n<p>Der Antrag ging am vor einer Woche bei der OCC ein. Das Institut soll Verwahrung, Handel, Swap und Transfer digitaler Assets sowie Staking auf Treuhandbasis anbieten. Damit positioniert sich die gr\u00f6sste US-Wealth-Management-Bank mit rund 8 Billionen USD an verwalteten Verm\u00f6gen als direkter Anbieter von Krypto-Infrastruktur. Die OCC-Kommentarfrist l\u00e4uft bis zum 20. M\u00e4rz 2026.<\/p>\n<p>Warum eine Trust-Bank-Charter f\u00fcr Krypto-Assets?<\/p>\n<p>Eine nationale Trust-Bank unterscheidet sich grundlegend von einer klassischen Gesch\u00e4ftsbank. Sie nimmt keine Einlagen entgegen und vergibt keine Kredite. Stattdessen umfasst ihr Kerngesch\u00e4ft Verwahrung, Treuhandverwaltung und Asset-Administration. F\u00fcr Morgan Stanley bedeutet das: vollst\u00e4ndige bundesstaatliche Aufsicht \u00fcber die Krypto-Aktivit\u00e4ten, ohne den regulatorischen Ballast einer Vollbanklizenz.<\/p>\n<p>Kurz vor Morgans Antrag ver\u00f6ffentlichte die OCC eine finale Regel. Diese erlaubt nationalen Trust-Banken auch Non-Fiduciary-Custody-Aktivit\u00e4ten. Konkret erweitert das den Spielraum f\u00fcr Verwahrungsdienstleistungen erheblich. Morgan Stanley Digital Trust strebt laut Antrag umfassende Trust-Befugnisse an und will Privatpersonen, KMU sowie institutionelle Kunden bedienen.<\/p>\n<p>Denn der Antrag steht nicht isoliert. Bereits im September 2025 k\u00fcndigte Morgan Stanley eine Partnerschaft mit dem Krypto-Infrastruktur-Anbieter Zerohash an. Das Ziel ist Krypto-Handel \u00fcber die Brokerage-Plattform E*Trade mit ihren \u00fcber 5.2 Millionen Nutzern. Morgan Stanley hatte E*Trade 2020 f\u00fcr 13 Milliarden USD \u00fcbernommen. Der Start des Krypto-Handels ist f\u00fcr das erste Halbjahr 2026 geplant. Zerohash selbst erhielt bei einer Series-D-Runde eine Bewertung von 1 Milliarde USD. Morgan Stanley geh\u00f6rt zu den Investoren.<\/p>\n<p>Vom ETF-Anbieter zur Krypto-Vollbank<\/p>\n<p>Die Trust-Bank-Charter ist nur ein Element einer umfassenden Krypto-Strategie. Im Januar 2026 <a href=\"https:\/\/cvj.ch\/invest\/finanzprodukte\/morgan-stanley-reicht-als-erste-us-grossbank-bitcoin-und-solana-etf-antraege-ein\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">reichte Morgan Stanley S-1-Dokumente f\u00fcr drei Spot-ETFs ein<\/a>: einen Bitcoin Trust ETF, einen Ethereum-ETF und einen Solana-ETF. Der Ethereum-Fonds schliesst dabei Staking-Ertr\u00e4ge ein.<\/p>\n<p>Im selben Monat ernannte das Unternehmen Amy Oldenburg zur Head of Digital Asset Strategy &#8211; eine neu geschaffene Position. Oldenburg ist seit 2001 bei Morgan Stanley und besch\u00e4ftigt sich seit 2021 intern mit Krypto-Projekten. Auf der Bitcoin for Corporations Conference in Las Vegas sprach sie am 25. Februar \u00fcber Bitcoin-Lending und Yield-Produkte als n\u00e4chste Ausbaustufe.<\/p>\n<p>Die Stossrichtung ist klar: Morgan Stanley baut eine vertikale Krypto-Wertsch\u00f6pfungskette auf. ETFs liefern den einfachen Marktzugang, E*Trade deckt den Retail-Handel ab, die Trust-Bank \u00fcbernimmt Verwahrung und Staking. Bei einem verwalteten Verm\u00f6gen von 8 Billionen USD gen\u00fcgt bereits eine marginale Krypto-Allokation, um erhebliche Volumina zu generieren. Intern empfiehlt die Wealth-Management-Abteilung daher eine Allokation von 2 bis 4 Prozent je nach Risikoprofil.<\/p>\n<p>Der OCC-Chartering-Boom und seine Kritiker<\/p>\n<p>Morgan Stanley ist bei weitem nicht allein. Im Dezember 2025 genehmigte die OCC bedingte Charters f\u00fcr f\u00fcnf Krypto-Unternehmen: Circle, Ripple, BitGo, Fidelity Digital Assets und Paxos. Anschliessend folgten im Februar 2026 bedingte Genehmigungen f\u00fcr Crypto.com, Stripe und Protego. Antr\u00e4ge von Coinbase und World Liberty Financial sind noch ausstehend.<\/p>\n<p>Der Ansturm spiegelt sich in den Zahlen. OCC-Comptroller Jonathan Gould erkl\u00e4rte vor dem US-Senat, dass die Beh\u00f6rde zwischen 2011 und 2024 im Durchschnitt weniger als vier Charter-Antr\u00e4ge pro Jahr erhielt. Allein in 2025 und 2026 gingen 14 de novo-Antr\u00e4ge ein. Insgesamt \u00fcberwacht die OCC derzeit rund 60 nationale Trust-Banken.<\/p>\n<p>&#171;Neue Marktteilnehmer im Bundesbankensystem sind gut f\u00fcr Verbraucher, die Bankenbranche und die Wirtschaft. Sie bieten Zugang zu neuen Produkten, Dienstleistungen und Kreditquellen und sichern ein dynamisches, wettbewerbsf\u00e4higes und vielf\u00e4ltiges Bankensystem.&#187; &#8211; Jonathan Gould, Comptroller of the Currency<\/p>\n<p>Allerdings formiert sich Widerstand. Bankenverb\u00e4nde kritisieren eine Zweckentfremdung der Trust-Bank-Charter. Ihre Bef\u00fcrchtung: Krypto-Firmen k\u00f6nnten mit einer nationalen Trust-Charter mit Banken konkurrieren, ohne einer gleichwertigen Aufsicht zu unterliegen. F\u00fcr Morgan Stanley greift dieses Argument dennoch nur bedingt, da das Unternehmen bereits als systemrelevante Bank reguliert wird.<\/p>\n<p>Wall Street gegen Krypto-Natives<\/p>\n<p>Das Rennen um Trust-Charters markiert einen strukturellen Wendepunkt. Bislang dominieren Krypto-native Unternehmen wie Circle, Ripple und BitGo die digitale Verwahrungsinfrastruktur. Mit Morgans Antrag dringt erstmals eine der grossen Wall-Street-Banken in dieses Feld vor. Gleichzeitig bringt sie einen entscheidenden Vorteil mit: bestehende Kundenbeziehungen zu Millionen von Anlegern und institutionellen Investoren.<\/p>\n<p>Robinhood erzielte 2024 rund 626 Millionen USD aus Krypto-Handel. Das entsprach 21 Prozent des Gesamtumsatzes. F\u00fcr Morgan Stanley mit seiner deutlich gr\u00f6sseren Kundenbasis k\u00f6nnte das Potenzial erheblich h\u00f6her liegen. Neben Trading-Geb\u00fchren geht es vor allem um Verwahrung, Settlement und treuh\u00e4nderische Dienstleistungen f\u00fcr tokenisierte Assets. Sie bilden die Back-Office-Infrastruktur der digitalen Finanzwelt. Wer sie kontrolliert, sichert sich folglich eine zentrale Position im k\u00fcnftigen Markt.<\/p>\n<p>Die Krypto-freundliche Regulierungshaltung der Trump-Administration und legislative Vorst\u00f6sse wie der <a href=\"https:\/\/cvj.ch\/glossary\/genius-act\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">GENIUS Act<\/a> f\u00fcr Stablecoins haben den Chartering-Boom beschleunigt. Entsprechend verschiebt sich die Frage von der regulatorischen Zul\u00e4ssigkeit hin zur operativen Umsetzung. Die OCC-Kommentarfrist f\u00fcr Morgan Stanleys Antrag endet am 20. M\u00e4rz 2026. Danach folgt die Pr\u00fcfungsphase. Einen konkreten Zeitrahmen f\u00fcr die Entscheidung nannte die Beh\u00f6rde nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Morgan Stanley hat bei der US-Aufsichtsbeh\u00f6rde OCC einen Antrag auf eine eigene nationale Trust-Bank-Charter f\u00fcr digitale Assets eingereicht.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":25557,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[715,57,46,52,51,717,53,56,9527,45,719,44,55,54],"class_list":{"0":"post-25556","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unternehmen-maerkte","8":"tag-btc","9":"tag-business","10":"tag-ch","11":"tag-companies","12":"tag-companies-markets","13":"tag-eth","14":"tag-markets","15":"tag-maerkte","16":"tag-morgan-stanley","17":"tag-schweiz","18":"tag-sol","19":"tag-switzerland","20":"tag-unternehmen","21":"tag-unternehmen-maerkte"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25556","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25556"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25556\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25557"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}