{"id":255974,"date":"2026-08-18T06:56:16","date_gmt":"2026-08-18T06:56:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/255974\/"},"modified":"2026-08-18T06:56:16","modified_gmt":"2026-08-18T06:56:16","slug":"glasfaserkabel-deckt-verborgene-spalten-im-eisinnern-auf-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/255974\/","title":{"rendered":"Glasfaserkabel deckt verborgene Spalten im Eisinnern auf"},"content":{"rendered":"<p>In den vergangenen Jahren ist es in den Alpen zu katastrophalen Gletscherabbr\u00fcchen gekommen: Im September 2023 brach ein Teil des Gletschers an der Marmolata in den Dolomiten ab, sieben Bergsteiger kamen dabei ums Leben. Nur eineinhalb Jahre sp\u00e4ter, im Mai 2025, hielt der Abbruch des Birchgletschers ob Blatten nicht nur die Schweiz, sondern die ganze Welt in Atem.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Stabilit\u00e4t von Gletschern sind Spalten entscheidend, aber nicht nur jene, die Satelliten und Drohnen oberfl\u00e4chlich gut erfassen k\u00f6nnen, sondern auch jene, die verborgen im Innern des Eises liegen. Denn Schmelzwasser kann solche Spalten vertiefen und Abbr\u00fcche von Gletschern und Eisschilden beschleunigen.\u00a0<\/p>\n<p>Um das Innenleben von Gletschern zu erkunden, nutzen Forschende deshalb die Seismik. Brechen Spalten im Innern auf, entstehen Minibeben. Seismometer k\u00f6nnen diese erfassen und die Bebenquelle erkennen. Allerdings sind solche Messungen r\u00e4umlich zu grob aufgel\u00f6st, und die Zahl der einsetzbaren Seismometer ist begrenzt, einerseits weil die Ger\u00e4te teuer sind und andererseits, weil deren Installation auf einem spaltenreichen Gletscher aufw\u00e4ndig ist.\u00a0<\/p>\n<p>Ein Kabel ersetzt hunderte von Messger\u00e4ten\u00a0 <\/p>\n<p>ETH-Forschende um Assistenzprofessor Thomas Hudson aus der Gruppe Environmental and Exploration Geophysics zeigen nun in einer neuen Studie in der Fachzeitschrift <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1126\/sciadv.aef1107\" class=\"eth-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">externe Seite Science Advances<\/a>, wie es einfacher, kosteng\u00fcnstiger und r\u00e4umlich viel feiner aufgel\u00f6st geht.<\/p>\n<p>So haben die Forschenden auf der Oberfl\u00e4che des Gornergletschers im Wallis zu Testzwecken ein einziges Glasfaserkabel ausgelegt. Damit konnten sie das Innenleben des Gletschers bis zu einer Tiefe von 25 Metern erkunden. \u00abEin einziges Glasfaserkabel ersetzt hunderte von Seismometern\u00bb, betont Hudson.\u00a0<\/p>\n<p>Das Kabel muss bloss an einen sogenannten Interrogator angeschlossen werden. Dieses Ger\u00e4t speist ein Lichtsignal in die Glasfaser ein und erfasst die zur\u00fccklaufenden gestreuten Lichtsignale. Tritt entlang der Faser ein Minibeben auf, zum Beispiel wenn im Eis eine Spalte aufbricht, entstehen Bebenwellen. Treffen diese auf die Glasfaser, verformt sich diese lokal minim, sodass das eingespeiste Licht anders abgelenkt und reflektiert wird. Das Grundsignal ver\u00e4ndert sich also. Diese St\u00f6rung zeigt den Forschenden dann an, wo und in welcher Tiefe eine Spalte entstanden ist.\u00a0<\/p>\n<p>Mit rechnerischen Methoden k\u00f6nnen die Forschenden zudem die Struktur des Eises berechnen und sich wie mit einem Ultraschallger\u00e4t beim Arzt ein Bild davon machen, wie es in seinem Inneren aussieht. Die Datenauswertung ist rechenintensiv, weil dieses System enorm viele Daten liefert. Ein von den Forschenden entwickelter Algorithmus hilft ihnen dabei.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Im Gornergletscher haben die Wellenphysiker:innen mit dieser Methode \u00fcberraschend viele verborgene Spalten sichtbar gemacht. Diese nahmen an der Probenstelle mehr als acht Prozent des Eisvolumens ein. \u00abDas ist viel mehr als wir erwartet haben\u00bb, sagt Hudson. Die Risse sind mit Wasser oder Luft gef\u00e4llt. Das \u00fcbrige Volumen des Eises, also 92 Prozent, war dagegen intakt.<\/p>\n<p>Nicht alle diese Spalten sind aus der Luft sichtbar. Laut Hudson sind sie f\u00fcr die Stabilit\u00e4t des Gletschers entscheidend. \u00abLaien gehen davon aus, dass die grossen sichtbaren Spalten auf der Oberfl\u00e4che etwas dar\u00fcber aussagen, ob ein Gletscher stabil ist oder nicht. Die Wissenschaft geht jedoch davon aus, dass die Risse und Spalten im Inneren f\u00fcr die Stabilit\u00e4t des Eises massgebend sind\u00bb, erkl\u00e4rt er. Daher helfe erst der Blick ins Eis einzusch\u00e4tzen, ob ein Gletscher abbruchgef\u00e4hrdet sei oder nicht.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Messmethode bew\u00e4hrt sich <\/p>\n<p>\u00abMit den Testl\u00e4ufen am Gornergletscher sind wir sehr zufrieden\u00bb, sagt der Forscher. \u00abDie Methode hat sich bew\u00e4hrt\u00bb. Sie k\u00f6nnte k\u00fcnftig helfen, instabile Gletscher zu \u00fcberwachen und fr\u00fchzeitig vor Abbr\u00fcchen an Gletscherfronten zu warnen. Das w\u00fcrde helfen, das Risiko grosser Abbr\u00fcche an Gletscherfronten besser einzusch\u00e4tzen.\u00a0<\/p>\n<p>Die Forschenden k\u00f6nnten zudem die Spalten im Inneren von anderen Gletschern in den Alpen, aber auch von Eisschilden in Gr\u00f6nland oder der Antarktis kartieren, um sich ein Bild \u00fcber deren Stabilit\u00e4t machen zu k\u00f6nnen. Die Informationen aus dem Gletscherinnern k\u00f6nnten Satellitenbeobachtungen von der Oberfl\u00e4che erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p>Wie Spalten den Meeresspiegel beeinflussen\u00a0 <\/p>\n<p>In einem n\u00e4chsten Schritt wollen die ETH-Forschenden ihre Technik an anderen Gletschern der Schweizer Alpen, aber auch auf Eisschilden an den Polen testen. Sie wollen auch herausfinden, wie sich Spalten r\u00e4umlich und zeitlich \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume entwickeln und wie Spalten an der Oberfl\u00e4che mit jenen tief im Eis zusammenh\u00e4ngen. Denn Gletscherspalten beeinflussen mehr als nur den Gletscher selbst, sie ver\u00e4ndern seine gesamte Dynamik: Wasser, das in Spalten dringt, wirkt am Grund des Gletschers wie ein Schmiermittel und kann daf\u00fcr sorgen, dass sich die Eismassen schneller bewegen. Das wirkt sich vor allem bei den gigantischen Eisschilden von Gr\u00f6nland und der Antarktis weltweit aus, weil sie die H\u00f6he des Meeresspiegels stark beeinflussen. \u00abUnsere Methode k\u00f6nnte deshalb helfen, die Ver\u00e4nderungen der Eisschilde und des Meeresspiegels vorherzusagen\u00bb, sagt Hudson.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In den vergangenen Jahren ist es in den Alpen zu katastrophalen Gletscherabbr\u00fcchen gekommen: Im September 2023 brach ein&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":255975,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[25],"tags":[251,54772,248,16767,494,7000,43,45,104],"class_list":["post-255974","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-zuerich","tag-d-eaps","tag-erd-und-planetenwissenschaften","tag-homehero","tag-institut-fuer-geophysik","tag-international","tag-klimawissenschaften","tag-news","tag-schweiz","tag-zuerich"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/117115202944981414","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/255974","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=255974"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/255974\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/255975"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=255974"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=255974"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=255974"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}