{"id":256545,"date":"2026-08-18T14:12:33","date_gmt":"2026-08-18T14:12:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/256545\/"},"modified":"2026-08-18T14:12:33","modified_gmt":"2026-08-18T14:12:33","slug":"pendeln-wir-wegen-wohnungsnot-studie-widerspricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/256545\/","title":{"rendered":"Pendeln wir wegen Wohnungsnot? Studie widerspricht"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"h-full object-cover\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/1532a7cf-e49d-49ea-b51e-b6937c89215c.jpg\" alt=\"M\u00fcssen sie oder wollen sie? Die Schweiz ist ein Land von Pendlerinnen und Pendlern.\" loading=\"lazy\"\/>M\u00fcssen sie oder wollen sie? Die Schweiz ist ein Land von Pendlerinnen und Pendlern.<\/p>\n<p>Bild: Ga\u00ebtan Bally\/Keystone<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Pendeln Hunderttausende Menschen in der Schweiz, weil es in den St\u00e4dten zwar Arbeitspl\u00e4tze, aber zu wenige Wohnungen gibt? W\u00fcrden sie n\u00e4her an ihrer Arbeitsstelle wohnen, wenn in Z\u00fcrich, Bern oder Basel mehr Wohnraum entst\u00fcnde? Diese Frage und jene nach dem idealen Verh\u00e4ltnis von Besch\u00e4ftigten zu Einwohnern werden in der Politik kontrovers diskutiert. In Z\u00fcrich und Basel haben die Parlamente die Regierungen vor kurzem aufgefordert, Konzepte zu entwickeln, wie ein sinnvolles Verh\u00e4ltnis von Arbeitspl\u00e4tzen zu Einwohnern erzielt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Die Bef\u00fcrchtung dahinter: Wenn eine Stadt zu wenige Wohnungen im Verh\u00e4ltnis zu ihrer Arbeitsplatz-Zahl aufweist, werden Mieterinnen und Mieter verdr\u00e4ngt. Und je ausgeglichener das Verh\u00e4ltnis ist, so die Hoffnung, desto eher k\u00f6nnte auch das Pendeln reduziert werden.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Die Basler Regierung nennt in ihrer Antwort ein \u00abideales Verh\u00e4ltnis\u00bb von 0,5 Besch\u00e4ftigten pro Einwohnerin und Einwohner. Von einem solchen Verh\u00e4ltnis sind Schweizer St\u00e4dte weit entfernt, wie eine Studie des Planungsb\u00fcros Metron im Auftrag der Stadt Z\u00fcrich zeigt.<\/p>\n<p>Pendeldauer ist unabh\u00e4ngig vom Wohnort<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">In der Stadt Bern betr\u00e4gt diese Quote 1,47, in Z\u00fcrich 1,26, in St. Gallen 1,12. In der Stadt Basel liegt dieser Wert bei 1,10 und in Luzern bei 0,99. In Vollzeit\u00e4quivalenten gerechnet liegt dieser Wert jeweils um etwa 0,3 bis 0,4 Punkte tiefer, ist aber immer noch weit entfernt von der als ideal angesehenen Gr\u00f6ssenordnung. Daf\u00fcr br\u00e4uchte es deutlich mehr Einwohner und damit Wohnungen.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Die Rolle der St\u00e4dte als Arbeitsplatzmagnete f\u00fchrt dazu, dass Hunderttausende jeden Tag mit dem Auto oder mit dem \u00f6ffentlichen Verkehr aus ihrem Zuhause in der Agglomeration oder auf dem Land dorthin pendeln. In die Stadt Z\u00fcrich pendeln derzeit 214&#8217;000 Menschen f\u00fcr die Arbeit, nach Basel 93&#8217;000, nach Bern 91&#8217;000. Das ist aus vielen Gr\u00fcnden problematisch: Etwa wegen der daf\u00fcr ben\u00f6tigten Infrastruktur, den Emissionen und dem L\u00e4rm des Verkehrs, aber auch, weil es wenige Dinge gibt, die Menschen ungl\u00fccklicher machen als das Pendeln. Zudem steht die Frage im Raum, ob viele dieser Menschen lieber in der Stadt und n\u00e4her am Arbeitsplatz wohnen w\u00fcrden, es aber mangels Wohnung nicht k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Nur: W\u00fcrden die Pendlerinnen und Pendler tats\u00e4chlich eine Wohnung in der Stadt mieten, wenn es diese nur g\u00e4be, und dadurch ihren Pendelwege verk\u00fcrzen? Die Studie von Metron kommt zu einem gegenteiligen Schluss.<\/p>\n<p>Warum ziehen Menschen nicht in die Stadt?<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Die Autoren haben Daten des Bundes zum Pendeln analysiert. Dabei zeigte sich, dass das Verh\u00e4ltnis von Besch\u00e4ftigten zu Einwohnenden auf das Pendeln nur einen sehr kleinen Einfluss hat. Bei weniger als 0,4 Besch\u00e4ftigten pro Einwohner betr\u00e4gt der durchschnittliche Pendelweg 10,8 Kilometer, bei einer als ideal angesehenen Quote von 0,4 bis 0,8 sind es 10,4 Kilometer. Bei einem deutlich h\u00f6heren Verh\u00e4ltnis von 1,2 bis 1,6 Besch\u00e4ftigten pro Einwohner sind es 10,1 Kilometer. Erst danach steigt dieser Wert an. Allerdings gibt es kaum Schweizer St\u00e4dte, die so hohe Werte \u00fcberhaupt erreichen. Mit anderen Worten: Ob es genug Wohnungen f\u00fcr alle Jobs in einer Stadt gibt, ist f\u00fcrs Pendeln wenig relevant.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"h-full object-cover\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/dffd40c6-7495-4779-bf0a-c51bb3db7af0.jpg\" alt=\"Die allermeisten Menschen in der Schweiz arbeiten nicht an ihrem Wohnort.\" loading=\"lazy\"\/>Die allermeisten Menschen in der Schweiz arbeiten nicht an ihrem Wohnort.<\/p>\n<p>Bild: Sandra Ardizzone<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">\u00c4hnlich sieht es bei der Dauer des Pendelweges aus. Beim Verh\u00e4ltnis von weniger als 0,4 Besch\u00e4ftigte pro Einwohnerin und Einwohner betr\u00e4gt diese durchschnittlich 22,9 Minuten, bei 0,4 bis 0,8 Besch\u00e4ftigten pro Einwohnerin und Einwohner sind es 22,5 Minuten, bei 1,2 bis 1,6 Besch\u00e4ftigten pro Einwohnende 22,1 Minuten.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">\u00abF\u00fcr den Grossteil der Arbeitnehmenden in der Schweiz ist es heute Realit\u00e4t, nicht am Wohnort zu arbeiten\u00bb, schreiben die Autoren. \u00abDas Verh\u00e4ltnis von Besch\u00e4ftigten zu Einwohnenden am Arbeitsort hat nur geringf\u00fcgige Auswirkungen auf die L\u00e4nge und Dauer der Arbeitswege der Zu- und Binnenpendelnden.\u00bb Die Vermutung, dass die Wohnbev\u00f6lkerung h\u00e4ufiger direkt vor Ort arbeite, wo das Verh\u00e4ltnis ausgeglichener sei, lasse sich nicht best\u00e4tigen. St\u00e4dte mit vielen Arbeitspl\u00e4tzen w\u00fcrden hingegen viele Pendler aus gr\u00f6sseren Entfernungen anziehen.<\/p>\n<p>Das Reisezeitbudget bleibt konstant<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Daf\u00fcr gibt es mehrere Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze. Beispielsweise wollen einige Menschen per se nicht in einer Stadt wohnen und w\u00fcrden dies auch nicht tun, wenn sie eine Wohnung gleich neben ihrem Arbeitsplatz haben k\u00f6nnten. Andere w\u00e4hlen ihren Wohnort nicht nach dem Arbeitsplatz aus, weil sie oft die Stelle wechseln, weil die Familie in einem Ort verwurzelt ist oder die Partnerin oder der Partner an einem anderen Ort arbeitet.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Die Ergebnisse der Metron-Studie passen zur Theorie des \u00abkonstanten Reisezeitbudget\u00bb. Die Mobilit\u00e4tsforschung zeigt, dass Menschen weltweit \u00fcber Jahrzehnte hinweg in etwa die gleiche Zeitdauer pro Tag f\u00fcr Reisen aufwenden, wozu auch das Pendeln geh\u00f6rt. Das ist unabh\u00e4ngig vom Angebot von Wohnungen, dem Zustand der Strasse oder der Attraktivit\u00e4t des \u00f6ffentlichen Verkehrs. Denn Menschen messen Mobilit\u00e4t eher in Zeit als in Distanzen.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">In der Schweiz investieren die Menschen t\u00e4glich etwa 80 bis 90 Minuten f\u00fcr ihre Wege. Wenn der \u00f6ffentliche Verkehr ausgebaut und schneller wird oder neue Strassen er\u00f6ffnet werden, senkt sich dieser Wert in der Regel nicht. Die neu gewonnene Zeit wird stattdessen in l\u00e4ngere Distanzen investiert\u00a0\u2013 etwa, indem ein Wohnort gew\u00e4hlt wird, der weiter vom Arbeitsort entfernt ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"M\u00fcssen sie oder wollen sie? Die Schweiz ist ein Land von Pendlerinnen und Pendlern. 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