{"id":257481,"date":"2026-08-19T07:31:16","date_gmt":"2026-08-19T07:31:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/257481\/"},"modified":"2026-08-19T07:31:16","modified_gmt":"2026-08-19T07:31:16","slug":"arno-schlueter-brauchen-wir-nun-alle-klimaanlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/257481\/","title":{"rendered":"Arno Schl\u00fcter, brauchen wir nun alle Klimaanlagen?"},"content":{"rendered":"<p>Hinzu kommt ein oft untersch\u00e4tzter Nebeneffekt: Klimaanlagen blasen ihre Abw\u00e4rme wieder in die Umgebung und verst\u00e4rken damit bei dichter Bebauung jene Hitzeinseln, gegen die sie eingesetzt werden. In Singapur, wo ich seit 15 Jahren ebenfalls forsche, wird die Luft in engen Gassen teils stark aufgeheizt, so dass man sich dort fast nicht mehr aufhalten kann. Selbst wenn s\u00e4mtliche Klimaanlagen mit erneuerbarem Strom liefen, w\u00e4re dieses Problem nicht gel\u00f6st.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>In unseren Breitegraden lassen sich in vielen F\u00e4llen bereits mit einfacheren Massnahmen ertr\u00e4gliche Zust\u00e4nde erreichen. Der Wunsch nach Klimaanlagen basiert oft auf einem zu engen Verst\u00e4ndnis des menschlichen Komforts, unseres Wohlbefindens in R\u00e4umen. Oft wird nur die Lufttemperatur betrachtet, dabei spielen eine Reihe von Faktoren eine Rolle. So sind etwa die direkte Sonneneinstrahlung, die Temperatur der Oberfl\u00e4chen oder die Luftbewegung im Raum ebenso wichtig f\u00fcr das Temperaturempfinden. Wie die Forschung zeigt, erlaubt es die bewegte Luft eines Ventilators, dass sich Menschen auch bei 28 Grad Celsius im Raum noch wohlf\u00fchlen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zu den Massnahmen am Geb\u00e4ude wie konsequenter Verschattung und Nachtausk\u00fchlung k\u00f6nnen ein angepasster Tagesrhythmus und hitzegerechte Kleidung den Komfort weiter erh\u00f6hen. Ebenso helfen eine begr\u00fcnte Umgebung und verschattete Aussenr\u00e4ume, die Aussenluft k\u00fchler zu halten. Deshalb sollten wir nicht prim\u00e4r \u00fcber Klimaanlagen sprechen, sondern wie wir menschlichen Komfort erreichen k\u00f6nnen. Das erfordert ein Umdenken. Nach wie vor beobachte ich, wie gerade dann, wenn es draussen heiss ist, gel\u00fcftet wird, obschon man die Hitze dann kaum mehr aus der Wohnung bringt. Und Ventilatoren sind vielen noch immer suspekt, weil sie f\u00fcrchten, sich wegen der Luftbewegung zu erk\u00e4lten.\u00a0<\/p>\n<p>Bei Neubauten sollten passive Ans\u00e4tze, wie die oben genannten, im Vordergrund stehen. Es hilft uns aber auch die richtige Geb\u00e4udetechnik: So lassen sich heute R\u00e4ume bereits effizient mit W\u00e4rmepumpen und damit verbundenen W\u00e4rmesenken wie das Erdreich k\u00fchlen. Dabei wird \u00fcbersch\u00fcssige W\u00e4rme im Boden gespeichert und kann im Winter, in einem umgekehrten Prozess, wieder zum Heizen verwendet werden. Auch m\u00f6glich ist das sogenannte Free Cooling: In Z\u00fcrich wird dieses Prinzip verwendet, um gr\u00f6ssere B\u00fcrogeb\u00e4ude am Seeufer mit Seewasser zu k\u00fchlen, ohne dass dadurch der See merklich erw\u00e4rmt w\u00fcrde.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Schwieriger sind solche Massnahmen bei bestehenden Geb\u00e4uden, insbesondere in Mietwohnungen, wo umfassende Nachr\u00fcstungen oft nicht kurzfristig und vor allem nicht durch die Mieter realisierbar sind. Hier helfen oft die oben genannten Massnahmen \u2013 konsequentes Verschatten, n\u00e4chtliches L\u00fcften und Ventilatoren \u2013 um mit wenig Energie mehr Komfort herzustellen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Hitzeschutz ist aber ein gesamtgesellschaftliches Problem, das ein gemeinsames, koordiniertes Vorgehen verlangt \u2013 f\u00fcr eine klimagerechte Stadtplanung, Infrastruktur, Gr\u00fcnr\u00e4ume. Langfristige Infrastrukturen wie Fernk\u00e4lte und st\u00e4dtebauliche Anpassungen sind wichtig, ben\u00f6tigen aber viel Zeit. Die oben genannten Massnahmen k\u00f6nnen helfen, f\u00fcr viele kurzfristig eine Linderung der Hitze zu erreichen. Daneben braucht es breit kommunizierte Hitzepl\u00e4ne mit gut erreichbaren und kostenlosen \u2018cool spots\u2019, wo sich die Bev\u00f6lkerung w\u00e4hrend Hitzeperioden abk\u00fchlen kann, zum Beispiel in \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden oder Anlagen.\u00a0<\/p>\n<p>Trotz allem werden Klimaanlagen wichtiger werden. Sinnvoll sind sie dort, wo Menschen tats\u00e4chlich auf tiefere Lufttemperaturen angewiesen sind: in Spit\u00e4lern, Altersheimen, Schulen, und um gef\u00e4hrdete Personen zu sch\u00fctzen. Die Vorstellung, jede Wohnung und jedes B\u00fcro m\u00fcsse k\u00fcnftig klimatisiert werden, ist hingegen nicht zielf\u00fchrend. F\u00fcr wirksamen Hitzeschutz braucht es abgestimmte Massnahmen, mit denen zunehmend heisse Sommer f\u00fcr alle ertr\u00e4glicher werden, ohne die von uns gesteckten Klimaziele zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hinzu kommt ein oft untersch\u00e4tzter Nebeneffekt: Klimaanlagen blasen ihre Abw\u00e4rme wieder in die Umgebung und verst\u00e4rken damit bei&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":257482,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[25],"tags":[611,7987,7000,45,19871,104],"class_list":["post-257481","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-zuerich","tag-architektur","tag-d-arch","tag-klimawissenschaften","tag-schweiz","tag-staedtebau","tag-zuerich"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/117121002872774476","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/257481","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=257481"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/257481\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/257482"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=257481"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=257481"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=257481"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}