{"id":257615,"date":"2026-08-19T09:08:13","date_gmt":"2026-08-19T09:08:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/257615\/"},"modified":"2026-08-19T09:08:13","modified_gmt":"2026-08-19T09:08:13","slug":"adhs-studie-zeigt-ueberraschenden-effekt-von-koffein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/257615\/","title":{"rendered":"ADHS: Studie zeigt \u00fcberraschenden Effekt von Koffein"},"content":{"rendered":"<p class=\"em_text\">Kaffee am Morgen, Tee am Nachmittag \u2013 f\u00fcr viele sieht so der Alltag aus. In der ADHS-Forschung stehen dabei zwei Inhaltsstoffe zunehmend im Fokus: Eine neue Studie zeigt vielversprechende Ergebnisse zur Wirkung von Koffein und L-Theanin auf die Aufmerksamkeit von Jugendlichen mit ADHS.<\/p>\n<p>Kaffee und Tee enthalten verschiedene nat\u00fcrliche Inhaltsstoffe, die unterschiedliche Wirkungen auf den K\u00f6rper und das Gehirn haben k\u00f6nnen. Von ihnen stehen Koffein und L-Theanin im Mittelpunkt der ADHS-Forschung, wie eine Fachzeitschrift und die krankheitsspezifische ADHSpedia unterstreichen.<\/p>\n<p>Koffein ist vorwiegend f\u00fcr seine anregende Wirkung bekannt. Bei ADHS sind unter anderem die Prozesse ver\u00e4ndert, die Aufmerksamkeit, Motivation und Impulskontrolle steuern. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin. Das geht aus einer Zusammenfassung mehrerer Studien zur kognitiven Wirkung von Koffein und L-Theanin hervor, die als Review (\u00dcbersichtsarbeit) in der medizinischen Fachzeitschrift Cureus ver\u00f6ffentlicht wurde. Die Autoren kommen darin zu dem Schluss, dass beide Stoffe \u2013 einzeln und besonders in Kombination \u2013 Aufmerksamkeit und kognitive Leistung verbessern k\u00f6nnen und ein m\u00f6glicher Ansatz bei ADHS-bedingten Konzentrationsschw\u00e4chen sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>    Welche Inhaltsstoffe aus Kaffee und Tee sind f\u00fcr die ADHS-Forschung interessant?<\/p>\n<p class=\"em_text\">Weil Koffein ebenfalls auf das Nervensystem wirkt, wird seit Langem untersucht, ob und wie es bestimmte Aufmerksamkeitsprozesse beeinflussen kann.<\/p>\n<p>L-Theanin hingegen kommt laut Cureus-Review fast ausschlie\u00dflich in Teebl\u00e4ttern vor, insbesondere in gr\u00fcnem Tee. Dem nat\u00fcrlichen Pflanzenstoff wird nachgesagt, eine ruhige, konzentrierte Aufmerksamkeit zu f\u00f6rdern. W\u00e4hrend Koffein eher aktivierend wirkt, k\u00f6nnte L-Theanin dazu beitragen, dessen Wirkung auszugleichen und eine entspanntere Form der Wachheit zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Deshalb interessiert sich die Forschung besonders f\u00fcr das Zusammenspiel beider Stoffe. Die Annahme ist, dass Koffein die geistige Leistungsf\u00e4higkeit und Aufmerksamkeit f\u00f6rdern k\u00f6nnte, w\u00e4hrend L-Theanin m\u00f6glicherweise f\u00fcr eine gleichm\u00e4\u00dfigere Konzentration sorgt, ohne die innere Unruhe zu verst\u00e4rken. Aus den bisherigen Erkenntnissen l\u00e4sst sich allerdings keine Empfehlung ableiten, Kaffee oder Tee gezielt zur Behandlung von ADHS einzusetzen. Ziel der Forschung ist vielmehr, besser zu verstehen, wie einzelne nat\u00fcrliche Pflanzenstoffe bestimmte Prozesse im Gehirn beeinflussen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>    Was zeigt die neue Studie mit Jugendlichen?<\/p>\n<p class=\"em_text\">Eine aktuelle Cross-over-Studie, deren Ergebnisse in der renommierten Fachzeitschrift Nutritional Neuroscience ver\u00f6ffentlicht wurden, untersuchte die Wirkung einer Kombination aus L-Theanin und Koffein bei Jugendlichen mit ADHS. Dabei nahmen 21 Teilnehmer im Alter von 10 bis 19 Jahren an verschiedenen Testdurchl\u00e4ufen teil. Verglichen wurden die Kombination aus L-Theanin und Koffein, ein Placebo sowie Methylphenidat als Vergleichssubstanz.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Studie absolvierten die Jugendlichen mehrere Aufgaben, bei denen ihre selektive Aufmerksamkeit gepr\u00fcft wurde. Dabei ging es darum, relevante Informationen zu erkennen und unwichtige Reize m\u00f6glichst gut auszublenden. Zus\u00e4tzlich wurden mit einer EEG-Messung bestimmte elektrische Aktivit\u00e4ten des Gehirns untersucht, die mit Aufmerksamkeitsprozessen zusammenh\u00e4ngen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Kombination aus L-Theanin und Koffein im Vergleich zum Placebo die Zahl sogenannter Fehlalarme reduzieren konnte: Die Teilnehmer reagierten seltener auf falsche Reize. Au\u00dferdem zeigte sich eine stabilere Reaktionsgeschwindigkeit w\u00e4hrend der Aufgaben. Bestimmte EEG-Messwerte deuteten zudem darauf hin, dass die Verarbeitung relevanter Informationen im Gehirn beeinflusst wurde.<\/p>\n<p>Trotz der interessanten Ergebnisse gibt es wichtige Einschr\u00e4nkungen: Die Teilnehmerzahl war klein, auch wurde nur eine kurzfristige Wirkung untersucht. Ferner entsprach die verwendete Kombination einer genau berechneten Dosierung pro K\u00f6rpergewicht und war nicht mit einer normalen Tasse Kaffee oder Tee vergleichbar: Die untersuchte Menge lag bei etwa 2,5 Milligramm L-Theanin und 2 Milligramm Koffein pro Kilogramm K\u00f6rpergewicht. In einer normalen Tasse Kaffee oder Tee sind diese Mengen in der Regel deutlich niedriger. Der tats\u00e4chliche Gehalt an Koffein und L-Theanin h\u00e4ngt unter anderem auch von der Sorte, der Zubereitung und der Menge des Getr\u00e4nks ab, weshalb sich die Studienergebnisse nicht einfach so auf den Alltag \u00fcbertragen lassen.<\/p>\n<p>    Was bedeuten die Ergebnisse f\u00fcr den Alltag?<\/p>\n<p class=\"em_text\">Die Forschung zeigt, dass bestimmte Inhaltsstoffe aus Kaffee und Tee m\u00f6glicherweise Einfluss auf Aufmerksamkeit und geistige Leistungsf\u00e4higkeit haben k\u00f6nnen. Trotzdem sollten diese Ergebnisse nicht dazu f\u00fchren, ADHS eigenst\u00e4ndig mit Kaffee, Tee oder Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln behandeln zu wollen. Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivit\u00e4tsst\u00f6rung, kurz ADHS, ist eine anerkannte neurobiologische Entwicklungsst\u00f6rung, die sich unter anderem durch Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Impulssteuerung und teilweise auch durch starke innere oder \u00e4u\u00dfere Unruhe zeigen kann. Eine Diagnose erfolgt durch Fachleute und basiert nicht auf einzelnen Beobachtungen oder Selbsttests.<\/p>\n<p>Bei einer Behandlung kommen verschiedene Ans\u00e4tze infrage. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise verhaltenstherapeutische Ma\u00dfnahmen, Unterst\u00fctzung im Alltag und Medikamente. Zugelassene ADHS-Medikamente wurden in zahlreichen Studien untersucht und werden gezielt eingesetzt, w\u00e4hrend Kaffee- oder Tee-Inhaltsstoffe bislang keine vergleichbare wissenschaftliche Grundlage besitzen.<\/p>\n<p>Wie auch das Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung berichtet, kann Koffein zudem Nebenwirkungen verursachen. Dazu geh\u00f6ren unter anderem Nervosit\u00e4t, Herzklopfen, Schlafprobleme oder eine verst\u00e4rkte Unruhe. Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist ein vorsichtiger Umgang mit Koffein wichtig, da Schlaf und Erholung einen gro\u00dfen Einfluss auf Konzentration und Verhalten haben. Wer bereits Medikamente gegen ADHS einnimmt, sollte Ver\u00e4nderungen beim Konsum koffeinhaltiger Produkte mit dem behandelnden Arzt besprechen, da die Wirkung von Stimulanzien individuell unterschiedlich sein kann.<\/p>\n<p>    Koffein und L-Theanin bei ADHS \u2013 vielversprechend, aber kein Ersatz f\u00fcr Therapie<\/p>\n<p class=\"em_text\">Was die neue Studie zeigt, ist \u2013 bei aller gebotenen Vorsicht \u2013 bemerkenswert: dass eine Kombination zweier Stoffe, die t\u00e4glich millionenfach in Kaffee und Tee konsumiert werden, messbare Spuren im Aufmerksamkeitssystem von Jugendlichen mit ADHS hinterlassen kann. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass die Kombination aus L-Theanin und Koffein in der Studie die sogenannten Fehlalarme im Gehirn signifikant reduzierte \u2013 also genau jene impulsiven Fehlreaktionen, die f\u00fcr Menschen mit ADHS so oft zum Alltag geh\u00f6ren. Das ist kein Zufall, sondern ein Hinweis darauf, dass nat\u00fcrliche Pflanzenstoffe gezielter auf bestimmte Hirnprozesse wirken k\u00f6nnten, als lange angenommen.<\/p>\n<p>Und dennoch gilt: dass diese Ergebnisse Hoffnung machen d\u00fcrfen, bedeutet nicht, dass Kaffee oder Tee zur Therapie werden sollten. ADHS ist eine komplexe neurobiologische St\u00f6rung \u2013 eine Tasse Tee ersetzt keine Diagnose, keine Begleitung, kein erprobtes Behandlungskonzept. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kaffee am Morgen, Tee am Nachmittag \u2013 f\u00fcr viele sieht so der Alltag aus. 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