{"id":260799,"date":"2026-08-21T09:07:11","date_gmt":"2026-08-21T09:07:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/260799\/"},"modified":"2026-08-21T09:07:11","modified_gmt":"2026-08-21T09:07:11","slug":"wuppertaler-kuenstlerin-meine-bilder-sind-manchmal-weiter-als-ich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/260799\/","title":{"rendered":"Wuppertaler K\u00fcnstlerin: \u201eMeine Bilder sind manchmal weiter als ich\u201c\u00a0"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Fr\u00fcher ist hier das ein oder andere Bier \u00fcber den Tresen gereicht worden. Morgens vor der Arbeit im Steinwurf entfernten Schlacht- und Viehhof oder sp\u00e4ter zum Einl\u00e4uten des Feierabends. Die Taxifahrer waren ebenfalls oft gesehene G\u00e4ste. Soweit die Geschichten, die man sich bis heute erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Heute und das schon seit \u00fcber 15 Jahren ist es still in der ehemaligen Kneipe geworden. Geht das Leben dennoch weiter, auf mehreren Metern gro\u00dfen Leinw\u00e4nden. Still und wild zugleich. Eine Frau, die auf einem wei\u00dfen Stier davongetragen wird, ein Mann, der sich mit grimmiger Mine die Krone aufs eigene Haupt setzt, ein Junge, der auf Fabeltieren kniend ins Bild reitet. Ineinander verschlungen, rasant, ringend, verharrend. Welten, erschaffen von Annette Marks in ihrem Atelier im ehemaligen Schankraum an der Viehhofstra\u00dfe. Der Schlachthof vis-\u00e0-vis dient heute Bildungs- und Campuszwecken. Die K\u00fcnstlerin hat einen der Bergischen Zukunftspreise dieses Jahres gemalt.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Weg zur Kunst war f\u00fcr Annette Marks nicht vorgezeichnet, ergab sich beim Erproben des Lebens und seiner M\u00f6glichkeiten. In den 1960\/70er Jahren in Bremen aufgewachsen zog es die junge Frau nach dem Abitur fort in die Welt. Zun\u00e4chst in die Provence, sp\u00e4ter nach Rom, kehrte nach einem Jahr zur\u00fcck und studierte. Anthroposophie in Witten-Herdecke, dann Deutsch, Russisch, Kunst auf Lehramt in Oldenburg. Sie begegnete einem Mann, der zeichnete. Viel zeichnete. Man fand zusammen, die Tage begannen am Fr\u00fchst\u00fcckstisch mit Papier und Stift. Gemeinsam bewarb man sich an der Hochschule f\u00fcr K\u00fcnste in Bremen. Ihr erster Professor wurde Wolfgang Schmitz, der sp\u00e4ter nach Wuppertal zog. Nach einem Jahr bewarb sie sich an die renommierte Kunstakademie D\u00fcsseldorf. 1986 ging es los, nach dem obligatorischen Orientierungskurs fing sie in der Klasse des Malers Jan Dibbets an und fand dort zur Bildhauerei, bewarb sich beim Bildhauer Tony Cragg und fand zur\u00fcck zur Malerei. Den Abschluss legte sie in Malerei und Bildhauerei ab \u2013 blieb bei der Malerei, \u201eweil ich da ganz andere Welten und R\u00e4ume schaffen kann, w\u00e4hrend ich bei der Bildhauerei ans Material gebunden bin\u201c. Das Malen ist f\u00fcr sie mehr als eine Sprache: \u201eIch glaube schon, dass es eine wunderbare M\u00f6glichkeit ist, R\u00e4ume zu erreichen, etwas \u00fcber den Menschen auszudr\u00fccken, was Sprache nicht kann.\u201c Bilder entstehen, die sie selbst \u00fcberraschen, \u201esie sind manchmal weiter als ich selbst\u201c.<\/p>\n<p>Wuppertal machte sie<br \/>\u201emit H\u00fcgeln schwindelig\u201c      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nach dem Studium folgte ein einj\u00e4hriger Abstecher in die norddeutsche Heimat, bevor es sie wieder ins Rheinland zur\u00fcckkehrte. Nicht nach D\u00fcsseldorf, \u201edas ist nicht meine Stadt\u201c. Wuppertal dagegen machte sie direkt beim ersten Besuch \u201emit seinen H\u00fcgeln schwindelig. Ich dachte wow\u201c, erinnert die K\u00fcnstlerin, betont die Offenheit von Stadtlandschaft und Menschen, die sie immer noch sch\u00e4tzt. 2000 zog sie an den Arrenberg, zun\u00e4chst an die Quellenstra\u00dfe, rund zehn Jahre sp\u00e4ter an die Viehhofstra\u00dfe. \u00dcber ihren 4,40 Meter hohen R\u00e4umen im Gr\u00fcnderzeitgeb\u00e4ude thronen dreieinhalb Stockwerke mit Wohnungen. Die ehemalige Kneipent\u00fcr ist geschlossen, im Raum dahinter lagern Bilderberge, warten Pinselarmadas, Wertstoffe, Werkzeuge. Zum Atelier mit seinen hohen W\u00e4nden geh\u00f6ren eine K\u00fcche und ein weiteres Bilderlager. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Am Anfang ist die Idee, ein Thema, das den Weg in eine Zeichnung findet. Nicht selten auch heute noch am Fr\u00fchst\u00fcckstisch. Weil es sie \u201ereizt, den Tag so zu beginnen, das ist etwas Sch\u00f6nes\u201c. Mit Kohle in flinken Strichen h\u00e4lt sie fest, was im Kopf geboren wurde. Dabei durchaus schon komponiert, was ihr wichtig ist \u201ewie in der Musik, damit alle Teile zusammenkommen\u201c. Bildkompositionen aus mal mehr, mal weniger Teilen. Stets gleichberechtigt behandeln sie ein Thema, \u201ean dem ich mich abarbeite\u201c. Themen wie Macht und Ohnmacht, Leben und Tod, Liebe, gerne die gro\u00dfen Dinge, Menschen in existenziellen Situationen. In der R\u00fcckschau entstehen Zyklen, Phasen \u2013 auch sie nicht geplant. Wenn man mal von ihren Arbeiten f\u00fcr die katholische Citykirche absieht, zu der sie 2014 fand. Und die sie im Stadtbild bekannt machten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Kunst im \u00f6ffentlichen Raum gebe \u201edie M\u00f6glichkeit, viele Menschen mit ihren Botschaften zu erreichen\u201c, freut sie sich. Und erz\u00e4hlt, wie sie dazu kam. 2004 sah sie auf dem Laurentiusplatz die Graffiti-Krippe, machte sich kundig und nahm mit Pastoralreferent Werner Kleine Kontakt auf, der f\u00fcr die Katholische Citykirche hinter dem Projekt steht. Er bot ihr die Passion Christi an. Zwei Jahre arbeitete sie an dem Gem\u00e4ldezyklus, der im Rahmen des wegweisenden Kunstprojekts \u201eTal-Passion\u201c bekannt wurde. Schrieb sich daf\u00fcr extra an der christlichen Hochschule ein. Gerade ist sie am n\u00e4chsten Banner dran, das sie f\u00fcr Kleine im Herbst gestaltet. \u201eIch bin total gl\u00fccklich, dass ich das machen darf, das ist ein Geschenk.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zur\u00fcck zu ihren Skizzen, die einen spannenden Malprozess ansto\u00dfen. Hauptakteure sind Figuren, die Marks erschafft, w\u00e4hrend Stillleben und Landschaften, die sie viele Jahre, auch drau\u00dfen malte, heute meist zum Zuge kommen, wenn sie sich etwas erholen muss, nicht immer an der eigenen Vorstellungskraft abarbeiten will. Figuren, die so werden m\u00fcssen, wie sie sein m\u00fcssen. Intuitiv, das richtige Gef\u00fchl muss sich einstellen. Auch sie entwickeln sich beim Tun, erstaunen immer wieder die Sch\u00f6pferin selbst. Formal arbeitet sie in der Traditionslinie von Sp\u00e4texpressionismus und Neuem Realismus. Die Farbwahl f\u00e4llt je nach Phase aus, die Grundfarben haben sicher ein \u00dcbergewicht, \u201esodass eine Buntheit entsteht\u201c. Gemalt wird mit \u00d6l auf Leinwand, die gerne gro\u00df, lebensgro\u00df ist, was ein Wechselspiel zwischen N\u00e4he und Distanz erlaubt und ihr das Malen in Bewegung. Am Tisch still sitzen und zeichnen, will sie nicht.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Titel sind allein schon durch die Themen gesetzt. Der Betrachter ist dennoch gefragt, sie zu lesen, zu entschl\u00fcsseln. Was im jeweiligen Fall herauskommt, \u201esagt auch viel \u00fcber den Betrachter aus\u201c, sagt Marks, die sich gern an ihre zehnj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit als Museumsf\u00fchrerin erinnert, an die Kinder und das, was sie gemacht haben. \u201eEs ist toll, bildimmanent zu arbeiten, ohne Kenntnisse reinzugehen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fr\u00fcher ist hier das ein oder andere Bier \u00fcber den Tresen gereicht worden. 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