{"id":263975,"date":"2026-08-23T18:42:13","date_gmt":"2026-08-23T18:42:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/263975\/"},"modified":"2026-08-23T18:42:13","modified_gmt":"2026-08-23T18:42:13","slug":"chrupallas-aussagen-beim-ard-sommerinterview-im-faktencheck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/263975\/","title":{"rendered":"Chrupallas Aussagen beim ARD-Sommerinterview im Faktencheck"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Faktencheck ist im Rahmen des ARD Faktencheck-Netzwerks entstanden. Mitarbeit: Astrid Prange De Oliveira (Deutsche Welle), Josh Axelrod (Deutsche Welle) Alice Echtermann (NDR), Gernot Ludwig (SWR), Anna Mauz (SWR), Martin Motzkau (SWR), Lena Wigand-Steinmetz (SWR), Eva Kohn (WDR), Sabrina Ladenburger (WDR), Luis Stuhlfelder (WDR), Karin K\u00f6nig, (ARD-faktenfinder) Pascal Siggelkow (ARD-faktenfinder), Wulf Rohwedder (ARD-faktenfinder) und Leven Wortmann (ARD-faktenfinder).<\/p>\n<p>Das Sommerinterview lief in der Sendung Bericht aus Berlin, ARD, am 23.08.26 um 18 Uhr<\/p>\n<p>Beim ARD-Sommerinterview und den anschlie\u00dfenden Fragen aus der Community mit dem AfD-Vorsitzenden Tino Chrupalla ging es vor allem um den Klimawandel und die anstehende Wahl in Sachsen-Anhalt.<\/p>\n<p>Da es w\u00e4hrend eines solchen Gespr\u00e4chs nicht immer m\u00f6glich ist, falsche oder irref\u00fchrende Behauptungen sofort zu korrigieren, werden hier einige Aussagen von Chrupalla noch einmal genauer beleuchtet.<\/p>\n<p>Chrupalla spricht von &#171;ganz normalem Sommer&#187;<\/p>\n<p>Als es um den Klimawandel und die Folgen f\u00fcr Deutschland ging, sagte Chrupalla, dass es f\u00fcr ihn &#171;ein ganz normaler Sommer&#187; sei. &#171;Ja, es gab Trockenperioden, es gab auch lange Regenperioden&#187;, so Chrupalla. Das ist jedoch in mehrfacher Hinsicht falsch.<\/p>\n<p>Zum einen ist der diesj\u00e4hrige Sommer in Deutschland bislang deutlich w\u00e4rmer: Der Juni war mit einem Temperaturmittel von 19,5 Grad der zweitw\u00e4rmste Juni seit Beginn der regelm\u00e4\u00dfigen Wetteraufzeichnungen. Im Juni und Juli war es <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wissen\/klima\/westereuropa-hitze-sommer-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">laut EU-Klimabeobachtungsprogramm Copernicus<\/a> in Westeuropa so hei\u00df wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Durchschnittstemperatur in der Region, zu der auch Deutschland z\u00e4hlt, betrug in dem Zeitraum 21,62 Grad. Damit lag sie 2,79 Grad \u00fcber dem langj\u00e4hrigen Referenzwert von 1991 bis 2020.<\/p>\n<p>Nach <a href=\"https:\/\/www.dwd.de\/DE\/presse\/pressemitteilungen\/DE\/2026\/20260806_trockenheit-in-deutschland_news.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Angaben des Deutschen Wetterdiensts (DWD)<\/a> gab es dieses Jahr zudem keine langen Regenperioden: &#171;Schon seit M\u00e4rz sind die Niederschlagsmengen in fast ganz Deutschland unterdurchschnittlich. Besonders wenig Niederschlag fiel von der Pfalz und Rheinhessen bis nach Unterfranken, wo verbreitet weniger als 150 Liter pro Quadratmeter (l\/m\u00b2) zusammenkamen (Abbildung 1, links). Im S\u00fcden entsprach die Niederschlagsmenge gebietsweise noch nicht einmal der H\u00e4lfte des vielj\u00e4hrigen Mittels der Jahre 1991 bis 2020.&#187;<\/p>\n<p>Die diesj\u00e4hrige Hitzewelle zeigt sich auch bei den gesundheitlichen Faktoren. Nach <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/hitze-todesfaelle-rki-100.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Angaben des Robert Koch-Instituts<\/a> gab es in den ersten sieben Monaten dieses Jahres bereits mehr Todesf\u00e4lle in Zusammenhang mit Hitze als in jedem einzelnen Gesamtjahr zuvor.<\/p>\n<p>Falsche Zahlen zu Ausreisepflichtigen<\/p>\n<p>Zum Thema Migration sagte Chrupalla, dass es im Sommer 2025 eine Million abgelehnte Asylantr\u00e4ge gegeben habe. Au\u00dferdem gebe es &#171;280.000 Menschen in diesem Land, die nicht mal einen Aufenthaltstitel haben, die abgeschoben geh\u00f6ren&#187;, so Chrupalla.<\/p>\n<p>Aus der Antwort der Bundesregierung auf die <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/21\/046\/2104681.pdf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Anfrage eines AfD-Abgeordneten<\/a> geht tats\u00e4chlich hervor, dass zum 31.12.2025 in Deutschland insgesamt 930.395 abgelehnte Asylbewerber lebten.<\/p>\n<p>Fraglich ist allerdings, wie aussagekr\u00e4ftig diese Zahl ist. Die Bundesregierung schreibt in der Antwort selbst, &#171;dass eine Asylablehnung im Ausl\u00e4nderzentralregister (AZR) im Regelfall nicht gel\u00f6scht wird, die zugrundeliegende Asylentscheidung daher viele Jahre zur\u00fcckliegen kann und der Ausl\u00e4nder zwischenzeitlich ein Aufenthaltsrecht auf andere Weise erworben haben kann.&#187; Eine im AZR gespeicherte Asylablehnung allein bedeute also nicht, dass diese Person kein Aufenthaltsrecht besitzt.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist unklar, was Chrupalla mit Menschen &#171;ohne Aufenthaltstitel&#187; meint. Nimmt man an, dass er die Menschen meint, die ausreisepflichtig sind, ist die von ihm genannte Zahl von 280.000 schon grunds\u00e4tzlich nicht korrekt.<\/p>\n<p>Aus einer Antwort auf eine <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/21\/076\/2107637.pdf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kleine Anfrage unter anderem der Linken<\/a> geht hervor, dass laut Ausl\u00e4nderzentralregister zum Stichtag 30. Juni 2026 insgesamt 258.845 Personen ausreisepflichtig waren. Davon haben aber 199.271 Personen eine Duldung \u2013 also eine vor\u00fcbergehende Aussetzung der Abschiebung. Sie kann etwa aus famili\u00e4ren Gr\u00fcnden, aufgrund von Erkrankungen oder wegen fehlender Papiere ausgesprochen werden. Dass gerade 280.000 Menschen in Deutschland &#171;abgeschoben geh\u00f6ren&#187;, ist also falsch.<\/p>\n<p>AfD-Haltung zu Fachkr\u00e4ftezuwanderung uneinheitlich<\/p>\n<p>Auch die Migration von Fachkr\u00e4ften war Teil des Gespr\u00e4chs. Hier sind die Positionen der AfD nicht so eindeutig, wie Chrupalla behauptete. &#171;Gut integrierte Menschen sind herzlich willkommen&#187;, sagte Chrupalla. &#171;Dagegen sagt niemand etwas. Und die wollen wir auch nicht abschieben, insbesondere nicht diejenigen mit deutschem Pass.&#187;<\/p>\n<p>Chrupallas \u00c4u\u00dferungen stimmen mit den Grunds\u00e4tzen im <a href=\"https:\/\/www.afd.de\/grundsatzprogramm\/#9\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Grundsatzsatzprogramm der AfD<\/a> \u00fcberein. Dort wird Fachkr\u00e4ftemigration nicht komplett abgelehnt. &#171;Wir bef\u00fcrworten eine ma\u00dfvolle legale Einwanderung aus Drittstaaten nach qualitativen Kriterien. Im Vordergrund stehen dabei die Interessen Deutschlands als Sozialstaat, Wirtschafts- und Kulturnation&#187;, hei\u00dft es dort.<\/p>\n<p>Im <a href=\"https:\/\/afd-lsa.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/AfD_Sachsen-Anhalt_Regierungsprogramm_2026_230726-web.pdf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">AfD-Programm f\u00fcr Sachsen-Anhalt<\/a> ist dagegen die Ablehnung von Fachkr\u00e4fteeinwanderung festgelegt. Dort hei\u00dft es: &#171;Die Anwerbung kulturfremder Fachkr\u00e4fte zur L\u00f6sung von Engp\u00e4ssen auf dem Arbeitsmarkt f\u00fchrt zu unerw\u00fcnschten Folgeproblemen.&#187; Stattdessen wird f\u00fcr eine &#171;Remigration f\u00fcr ausgewanderte deutsche Fachkr\u00e4fte&#187; sowie eine &#171;Geburtenwende&#187; geworben.<\/p>\n<p>Die Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Lena Kotr\u00e9 forderte dar\u00fcber hinaus im M\u00e4rz dieses Jahres <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=a36K4EVnPG8\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">bei einem B\u00fcrgerdialog in Meckenheim (NRW)<\/a> einen &#171;kompletten Einwanderungsstopp&#187;. W\u00f6rtlich erkl\u00e4rte sie: &#171;Wir m\u00fcssen als Erstes den Zustrom stoppen. Das ist die wichtigste Aufgabe. Und bei den legal Eingewanderten m\u00fcssen wir ganz klar sagen: Auch hier muss man gucken, ob das alles so zu Recht erfolgt ist.&#187;<\/p>\n<p>Chrupallas Aussage, dass f\u00fcr die AfD generell gut integrierte Menschen herzlich willkommen sind, ist also irref\u00fchrend.<\/p>\n<p>Keine konkreten Belege f\u00fcr Briefwahl-Manipulation in Pflegeheimen<\/p>\n<p>In seinen Argumentationen zur angeblichen Manipulation der Briefwahl griff Chrupalla mehrfach Berichte aus der Bev\u00f6lkerung auf, ohne diese jedoch mit konkreten Belegen zu st\u00fctzen. Angesprochen auf von der AfD vorgeworfene Briefwahl-Manipulationen in Pflegeheimen in Sachsen-Anhalt sagte der 51-J\u00e4hrige, er k\u00f6nne konkrete Beispiele nennen, werde dies aber nicht tun. Zur Begr\u00fcndung sagte Chrupalla, er k\u00f6nne die angeblichen Vorf\u00e4lle nicht \u00fcberpr\u00fcfen. Es sei aus seiner Sicht aber &#171;unstrittig&#187;, dass es diese F\u00e4lle gegeben habe.<\/p>\n<p>Die Aussage, dass er selbst keine Anzeige erstatten kann, weil er nicht dabei war, ist allerdings nicht richtig. Laut <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stpo\/__158.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Paragraf 158<\/a> in der Strafprozessordnung kann eine Straftat bei der Staatsanwaltschaft, Polizei oder einem Amtsgericht angezeigt werden. Die Vorschrift verlangt nicht, dass der Anzeigende selbst Tatzeuge war.<\/p>\n<p>Recherchen zeigen, dass es in der Vergangenheit vereinzelte F\u00e4lle von Wahlmanipulation bei der Briefwahl gegeben hat. So zum Beispiel 2010 in Wietze, wo die Betreiberin die Pflegeheimbewohner f\u00fcr bestimmte Stimmen mit Zigaretten bestochen haben soll. Bei einem anderen <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/wuelfershausen-ex-buergermeister-wegen-wahlfaelschung-angeklagt,VKFYX7I\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fall in Bayern<\/a> soll ein Ex-B\u00fcrgermeister Briefwahlunterlagen manipuliert haben. In Stendal <a href=\"https:\/\/www.landtag.sachsen-anhalt.de\/alle-dossiers\/standard-titel\/pua-wahlfaelschung-endet-mit-sondervoten\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">f\u00e4lschte ein ehemaliger Stadtrat<\/a> Hunderte Wahlvollmachten, um so an die Briefwahlunterlagen zu kommen.<\/p>\n<p>Solche F\u00e4lle zeigen, dass es bei der Briefwahl in Einzelf\u00e4llen Angriffspunkte f\u00fcr Manipulationen gibt. Der Wahlforscher Eric Linhart von der TU Chemnitz meint dazu aber: &#171;Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, dass es bei der Briefwahl strukturelle Manipulation gibt.&#187; Den Einzelfall k\u00f6nne man nie ganz ausschlie\u00dfen, im gro\u00dfen Umfang sei eine Manipulation aber nicht denkbar. Die gr\u00f6\u00dfte Gefahr durch Beeinflussung sieht Linhart dabei eher innerhalb von Familien, zum Beispiel durch ein autorit\u00e4res Familienoberhaupt.<\/p>\n<p>Gesetze wie zum Beispiel die Landeswahlordnungen schreiben vor, dass die Briefwahlunterlagen sicher verwahrt werden m\u00fcssen. F\u00fcr die anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hei\u00dft es dazu im Gesetz: &#171;Die Gemeinden sammeln die [\u2026] Wahlbriefe unge\u00f6ffnet und halten sie unter Verschluss. Es ist sicherzustellen, dass Unbefugte keinen Zugriff auf den Inhalt des Beh\u00e4ltnisses [\u2026] haben. Diese Wahlbriefe sollten auch tags\u00fcber in einem geschlossenen Beh\u00e4ltnis oder abschlie\u00dfbaren Raum gesammelt werden, jedenfalls aber unter st\u00e4ndiger Aufsicht eines Bediensteten sein.&#187;<\/p>\n<p>Im Interview sagte Chrupalla zudem, dass die Briefwahl urspr\u00fcnglich eine Ausnahmeregelung war und die Briefwahl abgeschafft geh\u00f6re. Es ist richtig, dass die Briefwahl urspr\u00fcnglich nur unter Angabe von Gr\u00fcnden m\u00f6glich war. Seit 2008 d\u00fcrfen alle B\u00fcrger ohne Begr\u00fcndung die Briefwahl nutzen. Diese Entscheidung hat das Bundesverfassungsgericht auch im Jahr 2013 nochmals verteidigt. In der <a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2013\/bvg13-048.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Begr\u00fcndung des Verfassungsgerichts<\/a> hei\u00dft es, dass die Briefwahl zwar anf\u00e4lliger f\u00fcr Manipulationen sei, allerdings der Grundsatz der Allgemeinheit h\u00f6her wiege. Dadurch ist geregelt, dass mehr Menschen w\u00e4hlen k\u00f6nnen \u2013 zum Beispiel auch eingeschr\u00e4nkte Personen in Altenheimen.<\/p>\n<p>Nothdurft hat sich nicht \u00f6ffentlich distanziert<\/p>\n<p>Als es um Extremisten innerhalb der AfD ging, sagte Chrupalla, dass sich der AfD-Politiker Laurens Nothdurft von seiner Zeit als Mitglied bei der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) distanziert h\u00e4tte. Es gibt allerdings keine \u00f6ffentlich dokumentierte Aussage von Nothdurft dazu.<\/p>\n<p>Nothdurft wurde 1999 zum <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/2025-06\/compact-verbot-gerichtsverhandlung-bundesverwaltungsgericht-leipzig-elsaesser-nothdurft-afd\/seite-2\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zweiten Bundesf\u00fchrer der HDJ<\/a> gew\u00e4hlt. <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/rechtsextremismus\/dossier-rechtsextremismus\/41300\/nach-langem-anlauf-verboten-die-hdj\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">2009 wurde die neonazistische Jugendorganisation verboten<\/a>, weil sie sich &#171;in aggressiv-k\u00e4mpferischer Weise gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung richtet oder ihre T\u00e4tigkeit den Strafgesetzen zuwiderl\u00e4uft&#187;.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/bayern\/afd-npd-aktivist-1.4396269\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nothdurft arbeitete 2019 f\u00fcr kurze Zeit als Justiziar f\u00fcr die Landtagsfraktion der AfD in Bayern<\/a>. Die Fraktion trennte sich von ihm wegen seiner Neonazi-Vergangenheit. I<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ulrich-siegmund-und-die-afd-in-sachsen-anhalt-der-gefaehrlichste-mann-deutschlands-a-266e764d-1785-4f3a-85da-24d939148dc3\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nzwischen ist Nothdurft Justiziar der AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt<\/a> und vertrat den Ministerpr\u00e4sidenten-Kandidaten der Partei, Ulrich Siegmund, vor Gericht.<\/p>\n<p>Eine Mitgliedschaft in der HDJ ist <a href=\"https:\/\/www.afd.de\/satzung\/#%C2%A72\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">laut AfD-Bundessatzung<\/a> <a href=\"https:\/\/www.afd.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Unvereinbarkeitsliste-Mitgliedschaft-AfD.pdf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">unvereinbar <\/a>mit der Mitgliedschaft in der AfD. Demnach k\u00f6nnen Personen, die Mitglied in einer Organisation waren, die auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD steht, &#171;nur Mitglied der Partei werden, wenn sie dar\u00fcber im Aufnahmeantrag Auskunft geben und der zust\u00e4ndige Landesvorstand sich nach Einzelfallpr\u00fcfung mit Zweidrittel seiner Mitglieder f\u00fcr die Aufnahme entscheidet&#187;.<\/p>\n<p>Ob es eine solche Einzelfallpr\u00fcfung und Abstimmung im Fall von Nothdurft gab, ist unklar &#8211; eine \u00f6ffentliche Distanzierung Nothdurfts, wie behauptet, gab es aber nicht.<\/p>\n<p>Nicht immer Ausschluss bei Rechtsverst\u00f6\u00dfen<\/p>\n<p>Chrupalla sagte in dem Zusammenhang zudem, dass wenn es wirklich Rechtsverst\u00f6\u00dfe von AfD-Parteimitgliedern gebe, diese Personen in der Partei keinen Platz f\u00e4nden und er sich in der Vergangenheit daf\u00fcr eingesetzt habe, diese aus der Partei auszuschlie\u00dfen. Beispiele zeigen jedoch, dass dies nicht immer der Fall war.<\/p>\n<p>So hatte Chrupalla <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2020-05\/afd-tino-chrupalla-andreas-kalbitz-rauswurf-rechtsextremismus\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gegen den Ausschluss des fr\u00fcheren Brandenburger AfD-Vorsitzenden Andreas Kalbitz gestimmt<\/a>, der vormals Mitglied in der inzwischen verbotenen HDJ war und deshalb im Jahr 2020 auf Mehrheitsbeschluss aus der AfD ausgeschlossen wurde.<\/p>\n<p>Der AfD-Abgeordnete Kay-Uwe Ziegler wurde im Januar 2024 <a href=\"https:\/\/www.finanznachrichten.de\/nachrichten-2024-01\/61253560-politik-sachsen-anhalt-subventionsbetrug-gericht-befindet-afd-bundestagsabgeordneten-kay-uwe-ziegler-des-subventionsbetrugs-fuer-schuldig-007.htm\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wegen Subventionsbetrug<\/a> verurteilt, nachdem er zu Unrecht mehr als 12.000 Euro Corona-Soforthilfen beantragt hatte. Er ist weiterhin AfD-Mitglied, es gibt keine Berichte \u00fcber ein Parteiausschlussverfahren oder offizielle \u00c4u\u00dferungen Chrupallas zu diesem Fall.<\/p>\n<p>Laut einer <a href=\"https:\/\/correctiv.org\/aktuelles\/neue-rechte\/2024\/04\/05\/gewalt-als-alternative-14-verurteilte-afd-mandatstraeger-im-amt\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Recherche von Correctiv<\/a> aus dem Jahr 2024 gibt es in der AfD zahlreiche verurteilte Straft\u00e4ter, die durch k\u00f6rperliche und verbale Gewalt aufgefallen sind, jedoch nach wie vor Parteimitglied und Mandatstr\u00e4ger sind. Es handelte sich demnach um mindestens 14 Personen, die erstinstanzlich verurteilt sind oder gegen die Strafbefehl erlassen wurde, die aber Stand 2024 immer noch in ihrem politischen Amt t\u00e4tig waren. Bei anderen Parteien gibt es laut der Recherche zwar auch Personen mit laufenden Strafverfahren oder Verurteilungen, diese allerdings nur selten wegen Gewaltdelikten.<\/p>\n<p>Staatsquote beschreibt nicht Anteil der Beamten am \u00f6ffentlichen Dienst<\/p>\n<p>Mit Blick auf Beamte sagte Chrupalla, dass die Staatsquote viel zu hoch sei und gesenkt werden m\u00fcsse. Er verwendet den Begriff hier jedoch missverst\u00e4ndlich, denn die Staatsquote beschreibt nicht den Anteil der Beamten am \u00f6ffentlichen Dienst. Sie beziffert den Anteil aller Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt. Zu diesen Ausgaben z\u00e4hlen zum Beispiel Sozialleistungen oder Renten. Im europ\u00e4ischen Vergleich lag Deutschland 2024 mit einer Staatsquote von <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2025\/04\/PD25_N021_81.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">49,5 Prozent<\/a> im Mittelfeld.<\/p>\n<p>Die absolute Zahl der Beamten in Deutschland steigt seit Jahren \u2013 laut <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2026\/05\/PD26_N027_741.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Statistischem Bundesamt<\/a> um 5,5 Prozent von 2014 (rund 1,8 Mio.) bis 2024 (rund 2 Mio.). Die Zahl der Beamten steigt aber weniger stark als die Zahl der Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst insgesamt: Diese stieg im selben Zeitraum um 15,6 Prozent (von 4,65 Mio. auf 5,38 Mio.). Das hei\u00dft, der <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Staat\/Oeffentlicher-Dienst\/Tabellen\/beschaeftigte-geschlecht.html?nn=212936\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Anteil der Beamten im \u00f6ffentlichen Dienst<\/a> ist gesunken. 2015 waren rund 39,6 Prozent der Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst verbeamtet \u2013 2024 waren es rund 36,4 Prozent. Die meisten Beamten (35,6 Prozent) arbeiten an Schulen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dieser Faktencheck ist im Rahmen des ARD Faktencheck-Netzwerks entstanden. 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