{"id":264442,"date":"2026-08-24T06:51:09","date_gmt":"2026-08-24T06:51:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/264442\/"},"modified":"2026-08-24T06:51:09","modified_gmt":"2026-08-24T06:51:09","slug":"mallorca-1820-schmuggler-brachten-toedliche-pest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/264442\/","title":{"rendered":"Mallorca 1820: Schmuggler brachten t\u00f6dliche Pest"},"content":{"rendered":"<p>Ist von der Pest die Rede, schie\u00dfen den meisten Leuten Bilder von schwarzen Beulen in den Kopf \u2013 das augenf\u00e4lligste Symptom einer Beulenpest. Der Erreger, das Bakterium Yersinia pestis, wird sowohl von Nagetieren wie etwa Ratten als auch von Fl\u00f6hen und L\u00e4usen auf den Menschen \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>In lokalen  historischen \u00dcberlieferungen werde von einem  Hirtenbuben als \u201ePatient Null\u201c erz\u00e4hlt, der wohl von einer Ratte gebissen worden sein soll, schreiben <a href=\"https:\/\/portalrecerca.uab.cat\/en\/persons\/pedro-puig-casado-8\/\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\">Pedro Puig<\/a> und <a href=\"https:\/\/recerca.uoc.edu\/investigadores\/882111\/detalle\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\">Joana Maria Pjadas-Mora<\/a> in einer nun im Fachjournal \u201ePNAS\u201c ver\u00f6ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.pnas.org\/doi\/full\/10.1073\/pnas.2536892123\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\">Studie<\/a>. Doch bei dem Pestausbruch im Jahr 1820 auf der spanischen Insel Mallorca d\u00fcrften infizierte Ratten als \u00dcbertr\u00e4ger keine Rolle gespielt haben, meinen die Fachleute. Die Epidemie raffte damals innerhalb weniger Monate mehr als 2.400 Personen hinweg \u2013 rund ein Drittel der etwa 7.500 Einwohnerinnen und Einwohner in den von der Seuche betroffenen Orten.<\/p>\n<p>Pestbakterien in Schmuggelware<\/p>\n<p>Untersuchungen von lokalen Aufzeichnungen aus dieser Zeit deuten darauf hin, dass der Erreger \u201evermutlich mit einem Schiff aus Tanger im Nordwesten Marokkos eingeschleppt\u201c wurde, schreibt das Studienteam. Dessen wahrscheinlich bereits infizierte Besatzung transportierte Schmuggelware, die in Ruderbooten nahe der Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Son_Servera\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\">Son Servera<\/a> an Land gebracht wurde. Dort nahm der Pestausbruch am 7. Mai 1820 seinen Ausgang. Allein dieser Umstand mache \u201edas Einschleppen von pestinfizierten Ratten vom Schiff \u00e4u\u00dferst unwahrscheinlich\u201c, meinen Puig und Pjadas-Mora. Sie vermuten vielmehr Fl\u00f6he als \u00dcbertr\u00e4ger, die mit der Schmuggelware an Land kamen, oder auch infizierte Mitglieder der Schiffsbesatzung.<\/p>\n<p>Dank rasch eingeleiteter strenger Quarant\u00e4nema\u00dfnahmen waren letztlich nur vier von damals insgesamt mehr als vierzig Ortschaften auf Mallorca von der Pest betroffen. Dort aber verbreitete sich die Krankheit rasant in der ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung, wobei viele der betroffenen Personen keine klassischen Symptome einer Beulenpest aufwiesen, wie aus den Aufzeichnungen eines Arztes von 1821 hervorgeht: \u201eManche starben ohne erkennbare Symptome mit einem fast normalen Puls und ohne andere Beschwerden als Schw\u00e4che und Ersch\u00f6pfung.\u201c Oft seien Menschen innerhalb eines Tages nach dem Kontakt mit Erkrankten selbst an der Pest erkrankt, mehr als drei Viertel (78 Prozent) der Betroffenen \u00fcberlebten nicht.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich Lungenpest<\/p>\n<p>Die durchschnittliche Inkubationszeit w\u00e4hrend der Pestepidemie 1820 auf Mallorca sch\u00e4tzt das Forschungsteam aufgrund seiner Recherchen und Berechnungen auf 2,8 Tage f\u00fcr die Kleinstadt Son Servera, und auf zwei Tage f\u00fcr eine weitere Ortschaft an der Ostk\u00fcste der Insel. Das stimmt in etwa mit der Definition der WHO f\u00fcr die Lungenpest \u00fcberein, die \u00fcber Tr\u00f6pfcheninfektion von Mensch zu Mensch \u00fcbertragen wird und f\u00fcr die eine Inkubationszeit von einem bis drei Tagen angegeben wird. Dunkle Beulen treten bei dieser Pestform nicht auf, aber Brustschmerzen, Husten, blutiger Auswurf, allgemeine Schw\u00e4che und auch Fieber.<\/p>\n<p>Puig und Pjadas-Mora gehen nicht zuletzt deshalb davon aus, dass die \u201eletzte gro\u00dfe Pestepidemie im Europa des 19. Jahrhunderts\u201c 1820 auf Mallorca von der  Lungenpest dominiert und getrieben wurde. Diese kann sich aus einer Beulenpest entwickeln, wenn Yersinia-pestis-Bakterien in die Lunge wandern und dort eine Lungenentz\u00fcndung ausl\u00f6sen. Werden andere Menschen dann durch das Aushusten von infekti\u00f6sem Schleim (Tr\u00f6pfcheninfektion) angesteckt, spricht man in der Medizin von einer prim\u00e4ren Lungenpest. Sie ist noch t\u00f6dlicher als die von Ratten und Fl\u00f6hen \u00fcbertragene Beulenpest. \u2013 Auf Mallorca dauerte es bis 31. Dezember 1820, bis die Epidemie f\u00fcr beendet erkl\u00e4rt werden konnte.<\/p>\n<p>In Wildtierpopulationen in vielen L\u00e4ndern Afrikas, in Teilen Asiens und Amerikas kommt Lungenpest auch heute noch vor, \u00dcbertragungen auf den Menschen sind allerdings selten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ist von der Pest die Rede, schie\u00dfen den meisten Leuten Bilder von schwarzen Beulen in den Kopf \u2013&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":264443,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[17],"tags":[46,67,66,45,44],"class_list":["post-264442","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-ch","tag-gesundheit","tag-health","tag-schweiz","tag-switzerland"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/117149156647695680","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/264442","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=264442"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/264442\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/264443"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=264442"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=264442"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=264442"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}