{"id":264444,"date":"2026-08-24T06:53:10","date_gmt":"2026-08-24T06:53:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/264444\/"},"modified":"2026-08-24T06:53:10","modified_gmt":"2026-08-24T06:53:10","slug":"unbekannter-anrufer-kann-einfach-dein-handy-uebernehmen-wenn-du-das-tust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/264444\/","title":{"rendered":"Unbekannter Anrufer kann einfach dein Handy \u00fcbernehmen \u2013 wenn du das tust"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Millionen Smartphones weltweit nutzen Chips von Unisoc, einem der drei gr\u00f6\u00dften Fabless-Halbleiterhersteller der Welt. Ein unabh\u00e4ngiger Sicherheitsforscher, der unter dem Pseudonym 0x50594d arbeitet, hat \u00fcber die Plattform SSD Secure Disclosure jetzt eine gravierende Schwachstelle offengelegt. Unbekannte Anrufer*innen k\u00f6nnen sie ausnutzen, um vom Mobilfunkmodem aus in den Kernel des Betriebssystems vorzudringen und dort eigenen Code auszuf\u00fchren. Ausl\u00f6ser der Attacke ist ein eingehender Videoanruf.<\/p>\n<p> So l\u00e4uft der Angriff mit unbekannten Anrufer*innen ab <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Angriff l\u00e4uft in mehreren Stufen ab. Zun\u00e4chst nutzen unbekannte Anrufer*innen eine Schwachstelle in der Modem-Firmware aus, die Sicherheitsforschende bereits im M\u00e4rz 2026 <a href=\"https:\/\/ssd-disclosure.com\/unisoc-t612-rce\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">dokumentiert<\/a> haben. Verarbeitet das Modem w\u00e4hrend eines Videoanrufs bestimmte Signalisierungsdaten, bringt pr\u00e4parierter Code das Modem selbst zur Ausf\u00fchrung. Genau hier setzt die neue <a href=\"https:\/\/ssd-disclosure.com\/unisoc-t612-lpe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Analyse<\/a> an. Ihr zufolge trennt das System den Speicherbereich des Modems nicht ausreichend vom Speicherbereich des Android-Kernels.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kriminelle k\u00f6nnen deshalb eine Schutzfunktion der Speicherverwaltung deaktivieren und erhalten damit uneingeschr\u00e4nkten Lese- und Schreibzugriff auf den physischen Speicher, inklusive des Kernel-Codes selbst.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forschenden demonstrierten das am Beispiel eines Realme C33 und f\u00fchrten so tats\u00e4chlich beliebigen Code mit Kernel-Rechten aus, den h\u00f6chsten Berechtigungen, die ein Betriebssystem kennt. Als Beweis platzierten sie lediglich eine harmlose Testmeldung im System-Log. Ob sich auf demselben Weg auch Passw\u00f6rter, Nachrichten oder Fotos auslesen lassen, haben sie nicht gezeigt. Technisch plausibel w\u00e4re das aber, sobald jemand die Kontrolle \u00fcber den Kernel besitzt.<\/p>\n<p>  Drei Modelle sind best\u00e4tigt betroffen <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr drei Ger\u00e4te best\u00e4tigt die neue Analyse die Schwachstelle konkret. Das Realme C33 nutzt den Chip Unisoc T612, das Xiaomi Redmi A5 den T7250 und das Motorola Moto E13 den T606. Die grundlegende Modem-Schwachstelle aus dem M\u00e4rz-Bericht betrifft laut SSD zudem den Chip T616. Diesen Chip verbauen auch andere Hersteller in weiteren Ger\u00e4ten, daher k\u00f6nnten theoretisch mehr Modelle f\u00fcr Angriffe vom unbekannten Anrufer*innen anf\u00e4llig sein. Eine vollst\u00e4ndige, best\u00e4tigte Liste gibt es bislang aber nicht. Nicht jedes Ger\u00e4t mit einem der genannten Chips ist automatisch nachweislich angreifbar.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nutzer*innen m\u00fcssen f\u00fcr den Angriff keinen Link anklicken und keine App installieren. Der reale Ablauf ist trotzdem deutlich aufwendiger, als der Begriff \u201eAnruf\u201c vermuten l\u00e4sst. F\u00fcr ihre Demonstration bauten die Forschenden ein eigenes, kontrolliertes Mobilfunknetz auf, inklusive programmierbarer SIM-Karte und spezieller Funkhardware. Bevor der eigentliche Videoanruf erfolgt, verschicken unbekannte Anrufer*innen im Beispiel bereits vorbereitete Signalisierungsdaten. Erst wenn das Opfer den anschlie\u00dfenden Videoanruf annimmt, wird die Attacke im Modem aktiv. Ob die komplette Angriffskette auch \u00fcber ein regul\u00e4res, kommerzielles Mobilfunknetz funktioniert, haben die Forschenden nicht gezeigt.<\/p>\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">Topaktuell<\/p>\n<p>  Noch kein Patch in Sicht <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Schwachstelle gibt es bislang keinen offiziellen Fehlerbehebungs-Code. SSD Secure Disclosure gibt an, Unisoc \u00fcber mehrere Kan\u00e4le kontaktiert, aber keine R\u00fcckmeldung erhalten zu haben. Auch die aktuellen Sicherheitsbulletins des Herstellers erw\u00e4hnen das Problem bislang nicht. Ein aktuelles Sicherheitsupdate am Smartphone belegt deshalb nicht automatisch, dass Hersteller die L\u00fccke geschlossen haben, denn herstellerspezifische Chip-Probleme behandeln Hersteller oft getrennt von den monatlichen Android-Sicherheitspatches.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besitzer*innen der drei best\u00e4tigten Modelle sollten alle verf\u00fcgbaren System- und Firmware-Updates installieren und die Update-Kan\u00e4le ihres Herstellers im Blick behalten. Bis zur Kl\u00e4rung der Lage ist es zudem sinnvoll, Videoanrufe von einem unbekannten Anrufer oder einer unbekannten Anruferin nicht anzunehmen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quellen: SSD Secure Disclosure<\/p>\n<p> Hinweis: Ukraine-Hilfe<\/p>\n<p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\">Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in der Ukraine. <a href=\"https:\/\/www.futurezone.de\/digital-life\/article281984\/online-spenden-fuer-die-ukraine-wie-du-den-menschen-helfen-kannst.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hier<\/a> kannst du den Betroffenen helfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Millionen Smartphones weltweit nutzen Chips von Unisoc, einem der drei gr\u00f6\u00dften Fabless-Halbleiterhersteller der Welt. 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