{"id":267746,"date":"2026-08-26T10:27:08","date_gmt":"2026-08-26T10:27:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/267746\/"},"modified":"2026-08-26T10:27:08","modified_gmt":"2026-08-26T10:27:08","slug":"hi-honey-so-perfide-arbeiten-nigerias-romance-scammer-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/267746\/","title":{"rendered":"\u00abHi Honey\u00bb: So perfide arbeiten Nigerias Romance-Scammer &#8211; Kultur"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-lead\" data-news-landmark=\"article-lead\">Wie agieren Liebesbetr\u00fcger im Internet? Dieser Frage geht Carlos Barrag\u00e1n nach, nachdem seine Mutter Opfer eines Love-Scams wurde \u2013 und entlarvt in \u00abHi Honey\u00bb ihre Maschen.<\/p>\n<p>  Jetzt h\u00f6ren<\/p>\n<p>            Jetzt h\u00f6ren<\/p>\n<p class=\"article-author__name\" data-news-landmark=\"article-author-name\">\n                        Autor:\u00a0<\/p>\n<p>      Sven Ahnert<\/p>\n<p class=\"article-author__date js-dateline\" data-publicationdate=\"2026-08-26T10:42:32+02:00\" data-modificationdate=\"2026-08-26T10:42:32+02:00\" data-i18n-text-published-today=\"Heute, #TIME# Uhr\" data-i18n-text-published-yesterday=\"Gestern, #TIME# Uhr\" data-i18n-text-published-else=\"#DATE#, #TIME# Uhr\" data-i18n-text-modified-today=\"Aktualisiert heute, #TIME# Uhr\" data-i18n-text-modified-yesterday=\"Aktualisiert gestern, #TIME# Uhr\" data-i18n-text-modified-else=\"Aktualisiert #DATE#, #TIME# Uhr\" data-news-landmark=\"article-author-date\">\n            26.08.2026, 10:42\n        <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Romance-Scamming funktioniert \u00fcberall gleich: Ein gef\u00e4lschtes Profil t\u00e4uscht eine Beziehung vor, um Geld zu ergaunern. In Nigeria aber ist daraus ein eigener Wirtschaftszweig und eine bedeutende Erwerbsm\u00f6glichkeit f\u00fcr junge M\u00e4nner geworden \u2013 beg\u00fcnstigt durch Englischkenntnisse, eine junge, digital sozialisierte Bev\u00f6lkerung und den Mangel an eintr\u00e4glicher Arbeit.<\/p>\n<p>                                                        Drehbuch des Liebesbetrugs<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Der Investigativjournalist Carlos Barrag\u00e1n begleitete ein Jahr lang vier junge sogenannte \u00abYahoo-Boys\u00bb \u2013 benannt nach den Yahoo-Mailadressen, mit denen sie einst erste Profile anlegten \u2013 in Lagos bei ihrer Arbeit als Romance-Scammer. <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Wie das Gesch\u00e4ft aufgebaut wird, zeigt das Playbook, ein Drehbuch f\u00fcr Einsteiger: \u00abDas Playbook fu\u0308r Romance-Scamming sieht vor, dass man zun\u00e4chst einen Social-Media-Account einrichtet, kauft oder hackt, damit man vort\u00e4uschen kann, eine andere Person zu sein, normalerweise eine attraktive weisse Amerikanerin. Es ist von Vorteil, wenn es den Fake-Account schon eine Weile gibt, weil es dann echter wirkt.\u00bb<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"Eine Person h\u00e4lt ein Smartphone \u00fcber einem Tisch mit einer Tasse Kaffee.\" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>                    Legende:<\/p>\n<p>                Der erste Schritt im Romance-Scam ist oft ein Fake-Account \u2013 damit kann man m\u00f6gliche Opfer k\u00f6dern.<\/p>\n<p>                    Getty Images\/Oscar Wong<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Das Muster funktioniert in beide Richtungen \u2013 auch als falscher Mann f\u00fcr ein weibliches Opfer, wie im Fall von Chibuike. Er gibt sich monatelang als Wrestler Cody Rhodes aus und baut zu einer Irin namens Theresa eine Beziehung auf. <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Was wie plumpe T\u00e4uschung klingt, ist sorgf\u00e4ltige psychologische Arbeit: Geduld, Empathie, Ged\u00e4chtnis f\u00fcr private Details. Ausgezahlt wird das Ganze \u00fcber das sogenannte Billing, erfundene Notlagen, f\u00fcr die das Opfer zahlen soll. <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Seine wirksamste Masche beschreibt Barrag\u00e1n so: \u00abChibuikes erfolgreichste Taktik aber war das \u2039Komme vorbei\u203a-Billing: Er brachte Theresa dazu, Geld fu\u0308r Cody Rhodes\u2019 fiktiven Flug nach Irland zu schicken. Diese Strategie war sowohl \u00e4usserst lukrativ als auch besonders grausam, weil die Opfer grosse Summen fu\u0308r Flu\u0308ge u\u0308berwiesen, damit das lange Warten endlich ein Ende hatte. In den ersten drei Jahren der Beziehung musste Theresa 25 fehlgeschlagene Besuche von Cody Rhodes ertragen.\u00bb<\/p>\n<p>                                                        Tr\u00f6pfchenweise in die Falle<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Dass Theresa trotz der geplatzten Besuche weiterzahlte, zeigt die Lukrativit\u00e4t des Gesch\u00e4fts. Einzelne \u00dcberweisungen bleiben klein, daf\u00fcr fliesst fast t\u00e4glich Geld \u2013 Giftcards, die Chibuike \u00fcber Bitcoin in Naira umtauscht. Solche Betr\u00e4ge erkl\u00e4ren, weshalb ganze Stadtviertel in Lagos vom Scamming leben.<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"Person mit gr\u00fcnem Pullover schaut zur Seite vor weisser Wand.\" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>                    Legende:<\/p>\n<p>                Carlos Barrag\u00e1n arbeitet als Reporter f\u00fcr die New York Times. Aufgewachsen in Madrid, absolvierte er einen Master in Kreativem Schreiben an der Columbia University in New York. \u00abHi Honey\u00bb ist sein erstes Buch.<\/p>\n<p>                    Ana Andrade\/Suhrkamp Verlag<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">\u00dcber vier Jahre kommen so knapp 80&#8217;000 Euro zusammen: \u00ab\u00dcber die n\u00e4chsten vier Jahre zockte Chibuike rund 78&#8217;000 Euro von Theresa ab \u2013 ein Betrag, f\u00fcr den ein Arzt in Nigeria mehrere Jahre arbeiten m\u00fcsste. Das Geld floss tr\u00f6pfchenweise, Giftcard f\u00fcr Giftcard, nie mehr als 600 Euro auf einmal.\u00bb<\/p>\n<p>                                                        Nah dran an der Betrugspraxis<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Wir lernen ein Gesch\u00e4ftsmodell kennen, das Netzkultur und Armut verkn\u00fcpft. Die St\u00e4rke der Recherche liegt in ihrer Genauigkeit \u2013 im Playbook, im sogenannten Billing und in den ern\u00fcchternden Zahlen. Schw\u00e4cher wird die Reportage dort, wo Carlos Barrag\u00e1n seinen Protagonisten sehr nahekommt: Denn die Opfer, wie Theresa, bleiben dagegen blass und anonym. <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Das Buch vermittelt eine scharfe Momentaufnahme davon, wie in Nigeria ein globales Betrugsgesch\u00e4ft entstehen konnte \u2013 das alte Spiel vorget\u00e4uschter Zuneigung, neu beobachtet im sterilen Umfeld der impulsgesteuerten Netzwelt.<\/p>\n<p>          Buchhinweis<\/p>\n<p>    Box aufklappen<br \/>\n    Box zuklappen<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Carlos Barrag\u00e1n: \u00abHi Honey. Nigerias Romance-Scam-Industrie und die Einsamkeit im Westen\u00bb. Aus dem Englischen von Matthias Strobel. Suhrkamp Nova, 2026.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie agieren Liebesbetr\u00fcger im Internet? 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