{"id":268538,"date":"2026-08-26T20:21:10","date_gmt":"2026-08-26T20:21:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/268538\/"},"modified":"2026-08-26T20:21:10","modified_gmt":"2026-08-26T20:21:10","slug":"kampfjets-der-vierten-generation-warum-sie-noch-immer-mehr-als-nuetzlich-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/268538\/","title":{"rendered":"Kampfjets der Vierten Generation &#8211; warum sie noch immer mehr als n\u00fctzlich sind"},"content":{"rendered":"\n<p>Der 20. Januar 1974 ist ein bedeutender Tag in der Milit\u00e4rluftfahrt: Bei einem Hochgeschwindigkeits-Rollversuch geriet der Prototyp der YF-16 von General Dynamics au\u00dfer Kontrolle. Testpilot Phil Oestricher entschied sich, abzuheben \u2013 und absolvierte damit den ungeplanten Erstflug. Der offizielle Erstflug folgte am 2. Februar. Die F-16 wurde zu einem der pr\u00e4gendsten Vertreter jener Flugzeuggeneration, die sp\u00e4ter als vierte Generation bezeichnet wurde: wendige Mehrzweckkampfflugzeuge mit Fly-by-Wire, moderner Avionik und leistungsf\u00e4higen Luft-Luft- und Luft-Boden-Waffen.<\/p>\n<p>Heute hei\u00dft das Mehrzweckkampfflugzeug <a href=\"https:\/\/www.aerotelegraph.com\/tags\/general-dynamics-f-16\" id=\"8b168913-d734-40cb-807c-e160f7feeb57\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lockheed Martin F-16 Fighting Falcon<\/a>, denn der R\u00fcstungskonzern Lockheed kaufte die Sparte von General Dynamics 1993. 2800 Exemplare sind bis heute f\u00fcr die US Air Force und in 28 weiteren Staaten im Einsatz. Dazu z\u00e4hlen auch \u00abFrontstaaten\u00bb wie \u00c4gypten, Israel, Pakistan, die Ukraine und der Golfstaat VAE.<\/p>\n<p>Willkommen im Rafale-Club<\/p>\n<p>Der Jet mit seiner b\u00fcndigen Rumpf-Fl\u00e4chen-\u00dcbergangskonstruktion wird wohl noch mehrere Jahrzehnte fliegen. Genau wie seine Mitbewerber der viereinhalbten Generation, <a href=\"https:\/\/www.aerotelegraph.com\/ticker-verteidigung\/ukraine-bestellt-zunaechst-16-dassault-rafale\/k4gbjgv\" id=\"acfd7fc4-56ec-43cc-9cde-468ad5ec06e0\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dassault Rafale<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.aerotelegraph.com\/ticker-verteidigung\/brasiliens-saab-gripen-e-absolviert-erste-internationale-militaeruebung\/wl79rw1\" id=\"9de0b4bb-5051-4e12-8e12-b7c0e0fdc7f5\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Saab JAS 39 Gripen<\/a>, sowie \u2013 wenn auch mit einem anderen Einsatzprofil \u2013 die Mikoyan-Gurevich Mig-31 (Nato-Code: Foxhound).<\/p>\n<p>Auf die Dassault Rafale setzen neben Frankreich, wo sie wohl noch bis 2060 fliegen wird, auch Katar, Kroatien und Indonesien. 2024 hie\u00df Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron Serbien im Rafale-Club willkommen. Der Greif \u2013 so die Bedeutung des schwedischen Wortes Gripen \u2013 hat als Vertreter der viereinhalbten Generation seit seinem Erstflug 1988 Abnehmer in S\u00fcdamerika und S\u00fcdostasien gefunden. 4,5. Generation hei\u00dft: Die <a href=\"https:\/\/www.aerotelegraph.com\/verteidigung\/warum-die-elektronische-kampffuehrung-ueber-die-zukunft-der-europaeischen\/t6h8s4g\" id=\"412e3224-565b-4fa8-aa75-27f27df7d8c0\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Saab Gripen kann Informationen \u00fcber Datenlinks mit anderen Flugzeugen und Bodensystemen austauschen und verf\u00fcgt \u00fcber AESA-Radar<\/a> und moderne elektronische Kampff\u00fchrung. Die Mig-31 als spezieller Langstrecken-Abfangj\u00e4ger der vierten Generation fliegt heute nur noch in Russland.<\/p>\n<p>Der Sieg hat viele V\u00e4ter<\/p>\n<p>Das Duracell-Dasein der genannten J\u00e4ger hat viele V\u00e4ter. Die Viertkl\u00e4ssler sind selbst in ihren modernsten Versionen g\u00fcnstiger und erlauben so gr\u00f6\u00dfere Flotten und mehr Flugstunden \u2013 selbst bei hohen Kerosinpreisen. Aufgrund ihrer jahrzehntelangen Einsatzstunden rund um den Erdball gelten sie als kampferprobt, verfeinert und verbessert. Erfahrene Piloten k\u00f6nnen ihre praktische Einsatzerfahrung, die kein Simulator ersetzen kann, an junge Flugzeugf\u00fchrer weitergeben. Ersatzteile, Wartung, Pilotentraining und Infrastruktur sind vorhanden. Bei neuen Systemen der 5. und 6. Generation sind diese Strukturen freilich j\u00fcnger, wesentlich komplexer und teurer.<\/p>\n<p>Eine F-16 kostet in modernen Versionen grob bis zu 80 Millionen Dollar, der Stealthfighter <a href=\"https:\/\/www.aerotelegraph.com\/verteidigung\/preis-pro-flugstunde-35000-dollar\/gv9rx0k\" id=\"8d92bcff-390f-45d3-8b84-5b27da0198a2\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lockheed Martin F-35A Lightning II<\/a> rund 90 Millionen Dollar. Noch deutlicher wird die Differenz bei Betriebs- und Wartungskosten. Je nach Berechnungsmethode werden f\u00fcr die F-35A Flugstundenkosten von mehreren Zehntausend Dollar genannt \u2013 deutlich mehr als bei einer Gripen. Gerade f\u00fcr Schwellenl\u00e4nder und Energieimporteure unter ihnen sind \u00fcberschaubare Kosten entscheidend. Zudem kann die Gripen von provisorischen, vergleichsweise kurzen Stra\u00dfenpisten aus operieren \u2013 ein Vorteil gegen\u00fcber der F-35A oder dem <a href=\"https:\/\/www.aerotelegraph.com\/verteidigung\/tai-tf-kaan-was-leistet-der-tarnkappenjaeger-aus-der-tuerkei\/2ysq9c1#google_vignette\" id=\"d3c030e8-1715-42a5-b095-a747f20d3744\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">t\u00fcrkischen Tarnkappenj\u00e4ger Tai TF Kaan<\/a>, die nicht f\u00fcr solche extrem kurzen Behelfsflugpl\u00e4tze ausgelegt sind.<\/p>\n<p>Vor Niederlagen nicht gefeit<\/p>\n<p>Ein weiterer Vorteil: Einige Jets der vierten Generation k\u00f6nnen eine enorme externe Waffenlast tragen. Das ist insbesondere bei Missionen wichtig, bei denen die Tarnkappe nicht entscheidend ist, etwa in einem asymmetrischen Gefecht gegen Terroristen und Aufst\u00e4ndische. Die Bewaffnung ist austauschbarer als bei einem Stealthfighter, der Luft-Boden- und Luft-Luft-Raketen versteckt mit sich f\u00fchrt, um dem feindlichen Radar kein Reflexionsziel zu bieten \u2013 obgleich auch Tarnkappenjets extern mit Waffen best\u00fcckt werden k\u00f6nnen, wenn Stealth weniger wichtig ist.<\/p>\n<p>Die Falcons, Gripens, Rafales und Migs wurden st\u00e4ndig modernisiert \u2013 beispielsweise durch Datenlinks, Sensoren und Software. Moderne Varianten wie die F-16 Block 70\/72, Rafale F3R\/F4 und Gripen E verf\u00fcgen \u00fcber AESA-Radare. Bei einem klassischen Radar wird der Radarstrahl mechanisch bewegt \u2013 die Antenne dreht oder schwenkt. Bei einem AESA-Radar wird der Strahl dagegen elektronisch gelenkt.<\/p>\n<p>Mensch \u00fcber Maschine<\/p>\n<p>Das Prinzip der Nachr\u00fcstung ist vergleichbar mit einem Oldtimer-Restomod: Die Karosserie bleibt die gleiche, aber Motor, Bremsen und Lenkung werden \u00fcberholt. Ansonsten w\u00fcrde sich der Oldtimer schleichend in einen \u00abFrankenstein\u00bb verwandeln \u2013 so nennen die Touristen auf Kuba die alten US-Stra\u00dfenkreuzer, die bis heute klappernd durch die Stra\u00dfen Havannas geistern. Gerade die F-16 gilt in US-Milit\u00e4rkreisen als ausgesprochen \u00abpilotenfreundlich\u00bb \u2013 aufgrund ihres Blasencockpits, das eine sehr gute Rundumsicht bietet, ihrer agilen Steuerung und der F\u00e4higkeit, sogar unter sehr lautem Knattern in der Luft zu \u00abbremsen\u00bb, wie an der Dubai Airshow oft eindrucksvoll demonstriert wurde. Laut dem Airman Magazine stand bei der Konstruktion der F-16 der Pilot im Zentrum.<\/p>\n<p> Lockheed-Martin-Testpilotin Monessa Balzhiser sagt in einem Statement auf der Firmenhomepage, dass sie selbst nach 1800 Flugstunden mit der F-16, die sie seit 2006 fliegt, noch immer begeistert von der Wendigkeit des Flugger\u00e4ts sei. Doch auch ein bew\u00e4hrter Jet ist vor Verlusten nicht gefeit. Im Golfkrieg 1991 gingen zehn US-amerikanische Viper verloren \u2013 so nennt die Air Force den Jet. Einige wurden durch irakische Luftabwehr abgeschossen, andere fielen durch Unf\u00e4lle aus. Seit Beginn des ukrainischen F-16-Einsatzes vor zwei Jahren gingen mehrere Maschinen verloren. Bei den Verlusten waren sowohl Abst\u00fcrze als auch Kampfhandlungen beteiligt; nicht alle Verluste wurden durch gegnerisches Feuer verursacht. Am 12. August crashte eine t\u00fcrkische F-16, der Pilot \u00fcberlebte dank des Schleudersitzes.<\/p>\n<p>Lange noch kein altes Eisen<\/p>\n<p>Auch die Saab Gripen erh\u00e4lt von Piloten viel Lob f\u00fcr ihre einfache Handhabung und die \u00abArbeitsentlastung\u00bb: Die Besatzung kann sich auf den Gegner fokussieren. Ihren ersten Kampfeinsatz erlebte die Gripen 2011 \u00fcber Libyen, wo schwedische JAS 39 vor allem Aufkl\u00e4rungsmissionen f\u00fcr die Nato-gef\u00fchrte Operation Unified Protector flogen.<\/p>\n<p>Seitdem hat Saab mit Brasilien und nun auch der Ukraine neue Kunden gewonnen; bestehende Kunden wie Thailand und Ungarn haben weitere Gripen bestellt. Die Wartung gilt als einfach und kommt mit deutlich weniger Infrastruktur aus als eine F-35. Im Mai bestellte die Ukraine 20 Exemplare, wobei Stockholm 16 gebrauchte Versionen dem osteurop\u00e4ischen Frontstaat schenken wird.<\/p>\n<p>Wenn es die Tarnkappeneigenschaft nicht zwingend braucht<\/p>\n<p>Die vierte Generation z\u00e4hlt daher noch lange nicht zum alten Eisen. Im Gegenteil: F-16, Rafale und Gripen werden auf absehbare Zeit einen erheblichen Teil der weltweiten Kampfflugzeugflotten stellen. Ihre geringeren Betriebs- und Wartungskosten erm\u00f6glichen es Staaten, gr\u00f6\u00dfere St\u00fcckzahlen zu unterhalten und mehr Flugstunden zu absolvieren. Und gerade in Konflikten, in denen die Tarnkappeneigenschaft nicht zwingend erforderlich ist, k\u00f6nnen sie ihre gro\u00dfe externe Waffenlast ausspielen.<\/p>\n<p>Die neueste F-16-Version Block 70\/72 verf\u00fcgt \u00fcber das APG-83-AESA-Radar von Northrop Grumman. Der Hersteller bezeichnet es als \u00ab5th Generation Fighter Radar Capability for the 4th Gen Aircraft\u00bb und verweist dabei auf die technologische Verwandtschaft mit den AESA-Radaren der Lockheed Martin F-22A Raptor und F-35.<\/p>\n<p>Miles and More<\/p>\n<p>Als der YF-16 1974 erstmals abhob, konnte niemand ahnen, dass aus dem kleinen Lightweight Fighter eines der langlebigsten Kampfflugzeugprogramme der Geschichte werden w\u00fcrde \u2013 mit Maschinen, die m\u00f6glicherweise noch in den 2050er-Jahren fliegen. Mehr als ein Dreivierteljahrhundert l\u00e4ge dann zwischen dem ersten Abheben des YF-16 und den letzten Einsatzjahren seiner Nachfahren.<\/p>\n<p>F-16, Rafale und Gripen sind deshalb kein Altmetall. Sie zeigen vielmehr, wie lange ein gutes Kampfflugzeug durch kontinuierliche Modernisierung relevant bleiben kann. W\u00e4hrend l\u00e4ngst eine neue Generation von Tarnkappenjets am Himmel steht, fliegen die vermeintlichen Oldtimer einfach weiter.<\/p>\n<p>Die Luftfahrt steht nie still \u2013 wir auch nicht. Unser Redaktionsteam ist immer am Puls des Geschehens. F\u00fcr den Preis eines Kaffees im Monat lesen Sie aeroTELEGRAPH werbefrei und sichern unabh\u00e4ngige Berichterstattung. <a href=\"https:\/\/www.aerotelegraph.com\/insider\" id=\"a9a5bd94-3f25-4d3a-b138-466d513345e8\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jetzt hier klicken und abonnieren<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der 20. Januar 1974 ist ein bedeutender Tag in der Milit\u00e4rluftfahrt: Bei einem Hochgeschwindigkeits-Rollversuch geriet der Prototyp der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":268539,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[9],"tags":[12168,12169,3811,56439,42,40,49,48,47],"class_list":["post-268538","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-welt","tag-dassault-rafale","tag-general-dynamics-f-16","tag-kampfjet","tag-mig-31","tag-nachrichten","tag-schlagzeilen","tag-welt","tag-world","tag-world-news"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/117163666409657666","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/268538","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=268538"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/268538\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/268539"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=268538"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=268538"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=268538"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}